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Europa League

Ex-Trainer ‚Stepi‘ Stepanovic: „Eintracht muss immer wieder leiden“

Frankfurt-Legende glaubt ans Finale

Karl-Heinz Fischer  5. Mai 2022
Dragoslav Stepanovic
Dragoslav "Stepi" Stepanovic im exklusiven Wettbasis Interview. (© IMAGO / ZUMA Wire)

Die Europa League lief für zwei deutsche Mannschaften bisher sehr erfolgreich. Sowohl Eintracht Frankfurt, als auch RB Leipzig haben in ihrem jeweiligen Hinspiel ihre Hausaufgaben gemacht und somit besteht eine reelle Chance auf ein rein deutsches Finale.

Ob es tatsächlich für die deutschen Eurofighter reichen könnte, haben wir in der aktuellen Ausgabe der Wettbasis „Beidfüßig“ Europa League Tippshow Trainerlegende Dragoslav „Stepi“ Stepanovic gefragt.

Zwar mittlerweile ohne Zigarillo, aber in altbekannter Manier, mit Schnauzer und flotten Sprüchen, erzählt „Stepi“ auch einige Anekdoten aus seiner Zeit bei der Eintracht.

Dragoslav Stepanovic: „55.000 werden hinter Frankfurt stehen“

Heute dürfen wir eine Legende begrüßen, die schon wirklich viel gesehen und erlebt hat und speziell zu Eintracht Frankfurt immer etwas zu erzählen hat. Guten Tag Dragoslav Stepanovic.

Dragoslav Stepanovic: „Hallo, guten Morgen. Schön, hier zu sein.“

Die Stimmung in Frankfurt ist ja geradezu euphorisch. Und bei Ihnen ist auch etwas passiert, als Sie und Ihre Frau Frankfurt in London bei West Ham gesehen haben. Was ist da genau passiert?

(lacht) „Oh, ja, genau. Sie hatte gerade eben frischen Tee aufgebrüht und der war noch ganz heiß. Beim Torjubel hat sie das total vergessen und den ganzen Tee über uns ergossen. Danach haben wir keine Heizung mehr gebraucht, denn es war plötzlich sehr, sehr warm.“

Erklären Sie uns doch mal, was Oliver Glasner gerade richtig macht.

„Gerade in der letzten Zeit hat er seine Mannschaft gefunden, nach der er lange gesucht hat. Er hat viel ausprobiert und verändert und jetzt hat er eine Elf gefunden, die zumindest in der Europa League wunderbare Spiele macht.

Stabil und ohne Angst. Auf einmal schießen sie auch jetzt immer das erste Tor, was natürlich sehr wichtig ist. Ich war bei der Sitzung mit Oliver Glasner nicht dabei, aber ganz wichtig sind Daichi Kamada und Ansgar Knauff. Das sind die zwei Leute, die uns immer wieder überraschen.

Das erste Tor, das Knauff macht, wunderbar! Oliver Glasner sagte oft, er müsse sein Kopfballspiel verbessern, aber ich sage, wenn du solche Tore machst, muss man nichts mehr verbessern (lacht).“

Bundesliga Trainerstationen von Dragsolav Stepanovic

Verein Spiele
Eintracht Frankfurt 116
Bayer Leverkusen 90

Ganz Frankfurt ist ja geradezu in einem Fliegermodus. Die fliegen ja schon fast nach Sevilla, obwohl das Rückspiel noch nicht gespielt ist. Kann es sein, dass die Erwartungshaltung zu groß und das Gewicht auf den Schultern zu groß wird?

„Eine sehr große Gefahr. Natürlich haben wir ein wunderbares Ergebnis aus London nach Hause gebracht, wir haben gut gespielt, besonders in der zweiten Halbzeit. Aber dieser Druck, den man jetzt auf dem Rücken trägt, ist viel größer als man denkt.

Außerdem sind sie keine Mannschaft, die es gewohnt ist, immer wieder um ein Viertel- oder Halbfinale zu spielen. Diese Erfahrung, plus dem, was man Belastung nennen könnte, muss man vor dem Spiel irgendwie loslassen.

Dann kommt man in das Spiel richtig hinein, wie man das auch in England von der ersten Minute an getan hat. Und ich bin eben der Meinung, dass es in Frankfurt nicht so ist, dass die Erwartungshaltung zu groß ist. Im Gegenteil.

Ich weiß genau, dass diese 55.000 oder 60.000 Zuschauer bei jedem Ergebnis zu einhundert Prozent hinter der Mannschaft stehen. Das ist wahnsinnig wichtig. Deshalb denke ich auch, dass das der erste Schritt ist, wenn wir dieses Finale erreichen wollen.“

Sie haben ja selber die Erfahrung vor solch wichtigen Spielen. Mit dieser Erwartungshaltung umzugehen, das ist ja auch eine Aufgabe für den Trainer. Was macht der am besten?

„Ich würde nichts ändern. Ich habe das einmal erlebt. Vor diesem Spiel in Rostock habe ich auf die anderen Leute gehört, die meinten, wir müssten schon am Donnerstag aus Frankfurt wegfahren.

In einen Wald sind wir gefahren, da waren wir alleine und die Spieler haben untereinander nur über das kommende Spiel gesprochen. Wie wir, was wir und wo wir etwas machen. Es wäre besser gewesen, die Spieler zu Hause bei Frau und Familie zu lassen, wo sie Ablenkung haben und es schaffen, dieses Spiel zu vergessen.

Ich würde also nie mehr etwas ändern, oder etwas Neues machen, was die Mannschaft belastet oder entlastet. Sondern ganz normal trainieren lassen und alles so machen, wie man es sonst auch macht.“

Stepi über Kamada: „Weiß nicht immer, was er mit dem Ball machen soll“

Das ist doch schon mal ein guter Tipp. Wie würden Sie jetzt das Spiel sehen? Wo können Probleme auftauchen für die Frankfurter gegen West Ham?

„Sie haben natürlich zwei wunderbare Stürmer, das haben wir schon gesehen. Derjenige, der mit dem Fallrückzieher die Latte getroffen hat [Jarrod Bowen, Anm.], so dass sie heute noch zittert, der ist ganz gefährlich.

Der Spieler hat schon in den ersten zehn, fünfzehn Minuten zweimal den Pfosten getroffen und am Ende nochmal die Latte.

Und der andere Stürmer [Michail Antonio, Anm.], als man den aus dem Fitnessraum rausgehen hat sehen, der trägt das Klavier alleine in die Wohnung. Der ist ja mehr im Fitnessraum, als auf dem Fußballplatz. Aber die beiden sind ganz gefährlich.

Deshalb denke ich, wenn man alles oder nichts spielt, dann lassen sie uns vielleicht am Ende einen schönen Konter fahren. Und mit diesem Kamada, der immer besser wird.

Also manchmal weiß er selber nicht, was er mit dem Ball machen soll, aber dann hat er immer einen anderen Trick oder einen Pass, so dass er nicht leicht zu decken ist.“

Dragoslav Stepanovic, kommt Frankfurt ins Finale?

„Ja. Mit diesen 55.000 im Rücken. Aber ich muss etwas wiederholen, was unser Vize-Präsident gesagt hat: ‚Eintracht muss immer wieder leiden‘.

Das haben wir schon erlebt, als wir 1960 gegen Real in Schottland gespielt haben, oder auch in meiner Zeit und auch in der jungen Vergangenheit. Als wir in den letzten sieben, oder acht Spielen noch die Champions League verpasst haben.

Aber ich weiß, dass auch schon mit Holz (Bernd Hölzenbein) und Grabi (Jürgen Grabowski) der UEFA-Pokal gewonnen wurde. Und deshalb denke ich mir, dass wir in diesen Pokalspielen, DFB-Pokal und Europa League auch eine große Chance haben.

Wir müssen auf das Ergebnis, das wir aus London mitgebracht haben, aufbauen. Dann denke ich schon, dass wir mit diesem Publikum und dieser Mannschaft ins Finale kommen können. Auch wenn man nicht weiß, ob alle bis dahin gesund werden.“

Gibt es ein rein deutsches Finale? Kommt Leipzig auch ins Endspiel?

„Diese Mannschaft aus Schottland hat schon dem BVB Probleme bereitet. Schon da hatte ich erwartet, dass der BVB da d’rübergeht wie nichts.

Nach dem Ausscheiden aus der Champions League haben sie gesagt, jetzt gewinnen wir die Europa League. Aber es ist nur ein 1:0 und ich bin mir nicht so sicher, ob Leipzig da durchkommt.“

‚Stepi‘ Stepanovic. Es war wie immer ein Fest mit Ihnen und natürlich würden wir uns alle freuen, wenn Frankfurt und Leipzig ins Finale kommen. Vielen Dank.

„Stepi macht Happy! Ciao“

Interview: Carsten Fuß

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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen