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Nationalspieler und Torschützenkönig Ulf Kirsten: „Im Fußball braucht man Herz und Leidenschaft“

Ex-Nationalspieler im Beidfüßig Startalk

Karl-Heinz Fischer  21. Januar 2022
Ulf Kirsten Beidfüßig Startalk Interview
Blickt zuversichtlich in die Zukunft: DFB-Legende Ulf Kirsten. (© IMAGO / Zink)

Der Gast für den aktuellen Beidfüßig Startalk war dabei, als Bayer Leverkusen unter Trainer „Stepi“ Stepanovic den letzten Titel der Vereinsgeschichte holte. Ulf Kirsten war der unumstrittene Stürmerstar der damaligen Werkself.

Außerdem machte er schon längst als Nationalspieler der DDR und des wiedervereinigten Deutschlands auf sich aufmerksam. Insgesamt drei Mal sicherte sich der gebürtige Riesaer die Torjägerkanone und war nach seiner aktiven Zeit viele Jahre im Trainerteam von Leverkusen aktiv.

Bei seinen Gegenspielern sorgte „Der Schwatte“ selten für gute Stimmung. Auch in Interviews fiel er selten durch eine besonders gute Laune auf. Ulf Kirsten bereitete den Fans viel Freude auf dem Rasen, weniger abseits davon.

Umso mehr freut es uns, dass wir in einem launigen Gespräch die aktuelle Nummer sieben der ewigen Bundesliga-Torschützen zum bevorstehenden Duell „seiner“ Leverkusener gegen den FC Augsburg (22.01., 15:30 Uhr), die Talentschmiede Leverkusen, Trainer Seoane, schwarzen Gin und die Titelchancen der DFB-Elf und von Bayer 04 befragen konnten.

Wie immer gibt es das komplette Interview im „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel unter „Beidfüßig Star Talk“ auch zu hören und zu sehen.


Kirsten über Leverkusen: „Werden auch in dieser Saison den Champions League Platz erreichen“

Es ist mir eine große Ehre, heute im Star Talk Ulf Kirsten zu begrüßen. Sie weisen Zahlen auf, die man ansonsten in der Bundesliga selten findet. 181 Tore, alle für Leverkusen. 57 in der DDR-Oberliga, alle für Dynamo Dresden. Sie haben einfach ein Torjägergen. Woher kommt das?

Ulf Kirsten: „Hallo, guten Tag. Spontan würde ich sagen, durch Talent. (lacht) Aber natürlich auch viel Arbeit, Fleiß auf dem Trainingsplatz. Damals in Dresden und auch in der Jugend haben wir zweimal täglich trainiert und dadurch eine sehr gute Ausbildung erhalten.“

Also insofern Talent plus harte Arbeit. Sie waren und sind nach wie vor ein Aushängeschild für Bayer Leverkusen.

Wenn man sich die letzten sechs Spiele der Werkself anschaut: Zwei Siege, zwei Unentschieden, zwei Niederlagen, würden Sie sagen, das kennzeichnet diesen Club?

„Zunächst muss man sagen, sie haben eine sehr, sehr starke Mannschaft. Ich denke, dass es auch in dieser Saison wieder für den Champions League Platz reichen wird. Auch weil sie echte Ausnahmespieler in ihren Reihen haben. Man muss nur an Florian Wirtz denken, was er veranstaltet ist schon sensationell. Sie haben eine homogene Mannschaft, die auf Strecke den dritten oder vierten Platz erreichen wird, aber auch muss.“

Gegen den FC Augsburg, hat Leverkusen noch nie verloren. Es spricht also alles dafür, dass sie auch am Samstag wieder gewinnen?

„Richtig, davon gehe ich auch aus. Qualität und Klasse habe sie, auch wenn man jetzt Augsburg nicht schlecht reden sollte. Aber wir haben in der Vergangenheit speziell gegen Augsburg hervorragende Spiele gemacht und auch immer gewonnen. Das sollte sich dieses Wochenende nicht ändern.“

„Momentan macht er einfach nur Spaß“

Auf Ihrer Position spielt ein interessanter Mittelstürmer, Patrik Schick. Im Moment steht er auf Platz 4 der Torjägerliste. In der vergangenen Saison aber hat er nur neunmal getroffen. Diese Saison ist er explodiert. Wie kann man so etwas erklären?

„Letzte Saison hatte er viel mit Verletzungen zu tun, jetzt ist er topfit. Er hat einen unglaubliche Strahlkraft und weiß, wo das Tor steht. Vor der Saison hätte ich ihm auch nicht so viel zugetraut, aber momentan macht er einfach nur Spaß. Um ihn herum gibt es eine geile Mannschaft, die ihm viel auflegt, wie bei mir früher mit Ausnahmespielern rechts und links. Deswegen ist es nur folgerichtig, dass viele Tore fallen.“

Auf Augsburger Seite wurde gerade erst der Rekordtransfer Ricardo Pepi vorgestellt. Ebenfalls ein Mittelstürmer, der gerade aus der MLS kommt. Kann er sich schnell an die Bundesliga gewöhnen?

„Das ist immer eine Typsache. Das kann ich aus der Ferne gar nicht beurteilen. Ich denke aber, dass ihm gerade in Augsburg viel geholfen wird und dass er auch gebraucht wird. Für den Verein wäre es wichtig und gut, wenn er sich möglichst schnell einlebt und das bringt, wofür er geholt wurde. Das sind Tore. Deshalb sollte es auch schnell gehen, damit Augsburg nicht absteigt.“

Ist das zu schaffen, wenn man aus der MLS kommt, sofort in der Bundesliga Fuß zu fassen?

„Warum nicht? Wenn man die Qualität hat, wovon ich ausgehe, sollte das schnell gehen. Wir hatten in meinem letzten Jahr mit Frankie Hejduk auch einen US-Amerikaner, der das sehr schnell geschafft hat. Sie haben eine lockere Art, machen sich nicht zu viele Gedanken, also ich glaube schon, dass Pepi das schafft.“

Wichtigste Stationen von Ulf Kirsten

Verein Spiele Tore/Vorlagen
SG Dynamo Dresden 180 67/2
Bayer 04 Leverkusen 448 240/50
Deutsche Demokratische Republik 49 14/1
Deutschland 51 20/5

Kurioserweise ist Bayer Leverkusen in dieser Saison auswärts unglaublich gut. Sie sind das zweitbeste Auswärtsteam. Woher kommt das, welche Gründe kann das haben?

„Weil sie unheimlich schnell von Abwehr auf Angriff umschalten können, eine brutal schnelle Mannschaft haben, spritzige Spieler, die sofort umschalten und mit ein, zwei Kontakten im gegnerischen Strafraum sind. Vorne hat man dann auch den angesprochenen Schick, der die Buden macht. Aber auch aus dem Mittelfeld heraus hat man viel Qualität. Wenn man sieht, wie Florian Wirtz die Bälle verteilt und die Stürmer in Szene setzt, müssen die Tore einfach fallen.“

Traditionell hat Leverkusen immer viele junge Talente. Paradebeispiel ist Florian Wirtz. Sehen Sie ihn in naher Zukunft eher bei Bayern oder Barcelona, oder bleibt er bei Bayer Leverkusen?

„Wünschen würden wir uns alle, dass er bleibt, das ist klar (lacht). Aber so einen Ausnahmespieler wird man nicht allzu lange halten können. Ich glaube aber, dass er sehr bodenständig ist, ein gutes familiäres Umfeld hat und noch mindestens ein, zwei oder auch drei Jahre in Leverkusen bleibt. Das wäre zu wünschen. Aber dann wird der Weg zu einem Weltklasse-Team gehen müssen.“

Der andere, der uns da einfällt ist Piero Hincapié, der sehr schnell, sehr gut geworden ist. Was braucht es abseits des Talents, um sich so schnell zu etablieren?

„Der Wille muss da sein, sich schnell zu etablieren. Herz braucht man im Fußball sowieso. Aber gerade mit viel Leidenschaft und Engagement kann man es schaffen, sich schnell zu integrieren.“

„Bayern wird sowieso wieder Meister. Aber es muss für Leverkusen auch mal ein Titel her“

Wie beurteilen Sie den neuen Trainer, Ferardo Seoane? Bekommt er dieses Launische in den Griff?

„Ich muss gerade überlegen, wer denn launisch ist. Wir haben eine junge Mannschaft, ich glaube nicht, dass da jemand launisch ist. Wenn mit launisch gemeint ist, dass die Mannschaft zwischen Ups und Downs pendelt, manchmal überragend spielt und dann wieder nicht, dann kann man das darauf schieben, dass die Mannschaft sehr jung ist.

Allerdings sind auch viele Nationen vertreten, man muss im Grunde fünf oder sechs Sprachen sprechen, um allen vermitteln zu können, was der Trainer will. Das kann er, Seoane ist ein sehr starker Trainer. Er hat das ja auch in der Schweiz schon bewiesen. Ich denke man wird mit ihm in die Champions League kommen, das ist sehr wichtig.

Über die Bayern braucht man ohnehin nicht nachdenken, die werden sowieso wieder Meister. Mit Platz drei wäre man in diesem Jahr im Soll. Dann muss natürlich besser kurz- als langfristig auch mal ein Titel her. Das geht wohl nur über den Pokal oder Europa League.“

Ist der Pokal oder eine andere Trophäe demnächst in Sicht für Leverksuen?

„Na gut, Meisterschaft ist weg, Pokal ist weg, da bleibt nicht mehr viel übrig. Aber wir haben nächstes Jahr auch wieder eine Saison und da sind die Ziele wieder abgesteckt. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass man mit dieser Mannschaft und dem ganzen Umfeld einen Titel holen kann und auch muss.“

Herr Kirsten, Sie waren in Ihrer Karriere erfolgreich als Nationalspieler, sowohl für die Bundesrepublik, als auch für die DDR. Was war ihr schönstes Erlebnis in über 100 Spielen?

„Das schönste Erlebnis wäre sicher das gewesen, wenn wir einen Titel geholt hätten. Aber ich habe es immer genossen, bei der Nationalmannschaft zu sein, ob es DDR oder BRD war. Das hat einfach Spaß gemacht, mit den Kollegen. Gerade als ich 90/91 in die deutsche Nationalmannschaft gekommen bin, wurde man sehr gut aufgenommen und mit dem einen oder anderen bin ich bis heute noch in Kontakt.“

„Um erfolgreich zu sein muss man seine Stärken ausspielen. Ein deutsches Team hat immer Chancen auf den Titel.“

Ede Geyer, eine Trainer-Legende, hat einmal gesagt: „Da wo andere mit dem Fuß hingehen, geht der Ulf auch mit dem Kopf noch hin.“ Fehlt das heute den Top-Stürmern vielleicht?

„Das ist eine Charaktereigenschaft. Ich war eben so. Bei mir mussten die Tore nicht schön sein, der Ball musste einfach nur über die Linie, wie war mir im Grunde egal.

Aber ich denke jeder hat andere Charaktereigenschaften. Wenn ich Lewandowski sehe, der ein Welt-Weltklasse-Spieler ist, der macht seine Tore eben ein bisschen anders. Wahrscheinlich auch viel besser als ich (lacht). Der Erfolg gibt jedem Einzelnen Recht. Um erfolgreich zu sein, muss man seine Stärken ausspielen. Ich denke, dass jeder Stürmer seine eigene Art und Weise hat.“

Wenn wir von der Nationalmannschaft sprechen, steht Ende des Jahres eine Weltmeisterschaft an. Welche Chancen hat die deutsche Mannschaft bei diesem Turnier? Die Buchmacher sehen ganz andere Nationen vorne.

„Ein deutsches Team hat immer Chancen auf den Titel, weil die Mannschaft einfach die Klasse hat. Man hat Spieler in den eigenen Reihen, die jung sind und erfolgreich in besten Ligen der Welt spielen. Warum sollten wir nicht auch eine Chance haben? Bei einem solchen Titel gehört immer auch Glück dazu, vielleicht hat man das in diesem Jahr. Ich bin da nicht ganz so pessimistisch wie manch anderer.“

Bei Ihrem Abschiedsspiel 2003 war ich vor Ort, im Rudolf Habicht Stadion, damals noch in der alten Version. Sie haben eine Stiftung in Dresden. Was bedeutet Ihnen die Stadt Dresden?

„Das ist Heimat. Ich bin unglaublich gerne da. Ich liebe die Stadt, die Menschen und den Verein, man kann das eigentlich gar nicht in Worte fassen. Allein wenn ich an das Abschiedsspiel und an die Leute denke, bekomme ich Gänsehaut. Man ist da immer herzlich willkommen.

Ein großer Dank geht da auch an Dynamo, dass ich das Abschiedsspiel dort machen durfte, aber auch an die Fans. Was die damals da abgerissen haben, das kam südamerikanischen Verhältnissen gleich. Es gab Bengalos und eine unglaubliche Stimmung. Eine Stunde davor und eine Stunde danach noch, war das Stadion voll. Das war Emotion pur und man kann das eigentlich gar nicht genug wertschätzen.“

Sie teilen die Erfahrung Dynamo auch mit Ihrem Sohn Benjamin, der Torwart war und bekanntermaßen auch ein Elfer-Killer. Wenn es zum Duell vom Punkt käme, er im Tor und Sie als Schütze, wer würde gewinnen?

„Ich. Das Selbstbewusstsein muss man haben.“

Ulf Kirsten über Herzensverein Dynamo Dresden: „Sind und bleiben die Nummer eins im Osten“

Dem Brausekonstrukt in Leipzig stehen Sie etwas distanziert und kritisch gegenüber. Warum?

„Also, ich erkenne die Arbeit, die dort geleistet wird, absolut an. Man hat einen guten Nachwuchs und Erfolg mit dem Verein. Was mir nicht gefallen hat, dass sie in der 4. und 5. Liga sehr aggressiv die Jugendspieler von anderen Vereinen abgeworben haben.“

Glauben Sie, dass Dynamo Dresden das Potential hat, noch einmal die Nummer eins im Osten zu werden?

„Das sind sie ja eh schon. Von den Sympathien her und der Fangemeinde, sind sie die Nummer eins. Aber sportlich wird man an RB nicht mehr rankommen, so ehrlich muss man sein, weil da ganz andere Gelder fließen. Die werden immer Bundesliga spielen. Bei Dresden muss man sehen, dass mittelfristig das Ziel vielleicht geschafft werden kann.“

Zum Schluss noch eine Frage. Bedingt durch Corona gibt es ja viele Veränderungen, was ist bei Ihnen gerade so los?

„Ich bin jetzt ab und zu auch mal zu Hause. Aber ich habe ja mit meinem Sohn einen Gin entwickelt: ‚Der Schwatte‘. Da sind wir auch viel unterwegs, um den zu promoten und den schwarzen Gin an den Mann zu bringen.“

‚Der Schwatte‘ war ja früher ihr Kampfname. Sie haben ja auch einem Berliner seinen Kampfnamen verpasst.

„Zecke? Ob das ein Kampfname war? Aber ich glaube aber, er lebt immer noch gut damit. Die Geschichte dazu ist, er hatte sich damals im Trainingslager mit einem Zeckenbiss infiziert, woraufhin ich ‚Zecke‘ sagte. Das ging überall durch und seitdem hat er den Namen.“

Herr Kirsten, vielen Dank für die Zeit und viel Erfolg.

„Gleichfalls, Dankeschön. Bis bald.“

Interview: Carsten Fuß

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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 36 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahre als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundeliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen