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2. Bundesliga Wetten

Willi Landgraf 2. Liga Prognose: „Habe ein Bauchgefühl bei Kaiserslautern“

Karl-Heinz Fischer  7. Juli 2022
Willi Landgraf
Willi Landgraf wartet in seiner 2. Liga Prognose mit einer Überraschung auf. (© IMAGO / Team 2)

Die Rekordzahl von 508 Zweitliga-Spielen brachte dem Publikumsliebling den Spitznamen „Mr. 2. Liga“ ein. Wilfried „Willi“ Landgraf prägte zudem den Begriff eines „Kampfschweins“ und „Ruhrpottkickers“.

Seine erfolgreichste Zeit verlebte er bei Alemannia Aachen, mit der er bereits im „hohen“ Fußballeralter von über 35 im DFB-Pokal-Finale stand, UEFA-Pokal spielte und in die erste Liga aufstieg.

Anlässlich der beginnenden Vorbereitung und der aktuellen Transfergerüchte haben wir mit dem gebürtigen Mühlheimer über Kaiserslautern, Schalke, Fürth und die WM gesprochen. Zum Lewandowski Wechsel bezieht er klar Stellung und auch über seine und die Zukunft eines interessanten Jugendspielers hört man so einiges.

Das komplette Interview gibt es wie gewohnt im „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel unter „Beidfüßig Star Talk“ auch zu hören und zu sehen.


Wir begrüßen heute den „Mr. 2. Liga“ himself. Willi „Kampfschwein“ Landgraf. Eine große Freude, wieder mit Ihnen zu sprechen. Man könnte ja sagen, sie sind der James Bond der 2. Liga.

Willi Landgraf: (lacht) „Wenn Sie das so sagen, dann nehme ich das mal so an.“

Welchen James Bond fanden Sie am besten?

„Alle. Den Neuen habe ich mir in den letzten Tagen angesehen. Ich bin von klein auf James Bond Fan und muss wirklich sagen: ‚Top‘. Auch die Schauspieler, die James Bond gespielt haben, finde ich alle gut.“

Passend dazu machen wir jetzt ein Spiel mit Ihnen. Es heißt: „Geschüttelt oder Gerührt“.

Erste Frage: Knipser oder Kampfschwein?

„Kampfschwein.“

Tackling oder Trikot ziehen?

„Tackling.“

Tofu oder Currywurst?

„Currywurst.“

Eine erste Überraschung. Tivoli oder Veltins Arena?

„Tivoli.“

BVB oder Bayern?

„Keiner von beiden.“

Ballermann oder Balkonien?

„Balkonien.“

Bahnen schwimmen oder Arschbombe?

„Na klar, Arschbombe.“ (lacht)

„Kaiserslautern wird in Heimspielen viele Punkte holen“

Wie geht es Ihnen und was machen Sie aktuell?

„Sehr gut muss ich sagen, ich bin jetzt auch in der Vorbereitung mit der U23 [Co-Trainer von Schalke 2, Anm.], die wir vor einem Monat übernommen haben, gemeinsam mit meinem Kollegen Jakob Fimpel. Da haben wir den Klassenerhalt geschafft und jetzt geht es in die Vorbereitung.“

Letztes Jahr waren Sie schon bei uns und haben, völlig überraschend, Schalke als Aufsteiger getippt. Doch auch den anderen Aufsteiger hatten Sie richtig.

„Ich glaube ich hatte noch Werder Bremen. Beim HSV hat es ja fast geklappt, die hatte ich auch noch dabei, gemeinsam mit St. Pauli. Und die waren auch alle oben dabei.

Da habe ich Recht behalten, auch mit Schalke, da war ich voll überzeugt davon.“

Deshalb haben wir gesagt Sie müssen noch einmal kommen, wenn Sie schon so gut sind bei der Vorhersage. Wer steigt denn in dieser Saison auf?

„Also in dieser Saison kann ich nicht so sagen, wer da der Topfavorit ist.

Aber wer sich auf jeden Fall selber den Druck macht ist der Hamburger SV. Ich glaube wer so viel getan hat und in der Relegation gescheitert ist, der hat es auch verdient dieses Jahr aufzusteigen. Ob Erster oder Zweiter? Aber so ein Klub gehört einfach in die Bundesliga.“

…dahinter ist es aber noch schwieriger zu tippen…

„So viele Vereine: Bielefeld, Düsseldorf…man darf St. Pauli nicht vergessen, die ganz lange vorne mit dabei waren und am Ende einen richtigen Satz nach unten gemacht haben. Ich glaube die werden aber sicher oben mit dabei sein.

Ich zähle auch Bielefeld dazu, aber ich habe so das Gefühl, dass diesmal eine Mannschaft aufsteigt, die vielleicht gerade erst aufgestiegen ist. Vom Gefühl her ist die Liga noch einmal mehr ausgeglichen, das muss man schon sagen.

Ich glaube Greuther Fürth, als Absteiger, würde ich auch noch dazu zählen. Aber Kaiserslautern habe ich im Gefühl, gerade mit dem vollen Stadion Zuhause, das wird immer ausverkauft sein, die können eine gute Rolle spielen. Auch wenn sie selber sagen sie müssen auf den Klassenerhalt schauen, aber ich hab da ein komisches Bauchgefühl bei Kaiserslautern.“

Warum genau denken Sie Kaiserslautern?

„Ich habe da so ein Bauchgefühl. Ich kann Ihnen gar nicht genau sagen, warum. Manchmal ist jemand Außergewöhnliches dabei, wie ich auch Heidenheim immer dazu zähle.

Aber gerade Kaiserslautern, wie die jetzt am Schluss es gerade noch geschafft haben, das schweißt auch zusammen. Ich glaube dadurch, dass sie sich ganz neu aufgestellt haben und auch im eigenen Stadion werden sie auf jeden Fall viele Punkte holen.“

Sie haben Greuther Fürth erwähnt, die immer für Überraschungen gut sind und sich gerade interessant verstärkt haben. Mit jungen Leuten wie Luca Itter und Armindo Sieb. Das sind Leute, die man nicht so auf dem Schirm hat, aber mit viel Potenzial.

„Auf jeden Fall. Jeder Zweitligist muss natürlich auch junge Spieler im Kader haben, so ist das von der DFL vorgegeben. Man hat da auch eine Quote zu erfüllen. Ich finde es gut, dass man viel auf junge Spieler baut, aber auch eine Achse mit erfahrenen Spielern besetzt.

Da können sich junge Spieler dann auch entwickeln. Bei Greuther Fürth ist es nicht die Vorgabe, dass man sofort den direkten Wiederaufstieg schaffen muss. Die jungen Spieler können sich in Ruhe entwickeln und dafür steht auch der Verein, denke ich.

Anders als letzte Saison bei Werder Bremen oder Schalke. Wo der Druck natürlich brutal war und total investiert worden ist. Aber das muss man auch, wenn man ein Verein dieser Größe ist. Da muss man volles Risiko gehen und voll investieren. Da gibt es nur: hopp oder top.

Das haben beide Vereine gemacht und deswegen sind wir am Schluss auch aufgestiegen. Die aktuellen Zweitligisten werden nicht auf hopp oder top gehen. Da wird man schon kontinuierlicher arbeiten.“

Im letzten Jahr haben sie gesagt es wird acht Spieltage dauern, bis man sich orientieren kann. Wird es dieses Jahr genau so sein, oder hat man gar nicht so viel Zeit?

„Es war ja dann doch etwas anders, am Beispiel Werder Bremen und Schalke, aufgrund des totalen Umbruchs. Auf Schalke war der Vorteil, dass wir uns schon besser darauf einstellen konnten, aber Werder Bremen nicht. Und ich glaube schon, dass Vereine, die schon länger über den Abstieg Bescheid wissen, besser damit klarkommen, als jetzt Werder Bremen im Vergleich.“

Sie haben einen Überraschungs-Tipp bei den Aufsteigern, aber wer geht hinunter?

„Zu sagen wer da absteigt, das mache ich echt ungern. Ich glaube, dass es Braunschweig schwer haben wird. Sandhausen hat sich mit Trainer Alois Schwartz jetzt nochmal gut verstärkt, aber so große Sprünge werden die auch nicht machen und daher mit unten drinnen sein.

Danach wird es schon sehr schwer, wer noch unten rein rutschen könnte. Karlsruhe vielleicht, Magdeburg wird heimstark sein, aber das sind so die Kandidaten die unten mit dabei sein werden, auch Regensburg. Es ist schwer einzuschätzen.

Rostock glaube ich wird auch heimstark sein, aber so große Sprünge werden alle Mannschaften nicht machen können in der 2. Bundesliga, daher werden die aufgezählten Teams sich unten aufreihen.“

Simon Terodde hat das gehalten, was er versprochen hat und versucht es jetzt in der Bundesliga. Wer wird in seine Fußstapfen treten in dieser Saison?

„Terodde selbst. Er steigt in seine eigenen Fußstapfen und in seine Fußballschuhe, dann wird der auch nochmal knipsen. Davon bin ich überzeugt. Auch in der Bundesliga.“

Und wer wird in der 2. Liga Torschützenkönig?

„Das kann ich jetzt gar nicht sagen. Es ist nicht so, dass ich irgendwo einen Terodde sehe, der eine solche Torquote hat. Da muss ich passen.“

Es ist einmalig, dass Willi Landgraf sagt, dass er passen muss. Normal hat der doch immer eine Meinung.

„Bei den Verpflichtungen der Vereine ist jetzt keiner dabei, wo ich sage: ‚Boah, das könnte ein zweiter Terodde werden‘. Das kann ich im Moment gar nicht absehen und muss erst mal schauen, wer sich da herauskristallisiert.“

Spieler-Stationen von Willi Landgraf:

Verein Spiele Tore/Vorlagen
Alemannia Aachen 208 3/6
Rot-Weiss Essen 196 10/1
FC 08 Homburg 114 5/3
FC Gütersloh 97 2/-
FC Schalke 04 II 78 -/-

Mit 508 Spielen in der 2. Liga sind Sie schon ein Star. Was bedeutet das für Sie?

„Ein Star zu sein bedeutet mir gar nichts. Ich bin ein ganz normaler Mensch, auch wenn ich 508 Spiele habe. Ja, ist schön, wenn man heute noch erkannt wird. Dass ich mich nicht so ganz verändert habe, finde ich gut. Die Haare sind bisschen kürzer geworden, natürlich wird man nicht jünger.

Aber wenn ich auf dem Fußballplatz bin, werde ich noch oft erkannt, das ist schön und das freut einen auch. Wenn man noch nach einem Autogramm gefragt wird, dann ist das nochmal schön. Klar ist das auch schön, wenn man mit den 508 Spielen im Museum hängt, weil ich weiß, das schafft keiner mehr und da werde ich ewig hängen bleiben.

Dazu das Trikot und die Schuhe, das macht einen schon stolz. Auf jeden Fall.“

Seit März sind Sie Co-Trainer der 2. Mannschaft auf Schalke. Wie emotional war der Aufstieg? Sie waren ja ganz nah dran.

„Das Schlimme war, wir haben selber das entscheidende Spiel gegen Uerdingen gehabt. Da lief auch das Spiel gegen St. Pauli. Wir haben noch den Klassenerhalt geschafft und ich konnte die 2. Halbzeit von Anfang an sehen und hab eigentlich nichts verpasst. Das Wichtigste waren ja die letzten Minuten.

Ich hab dann zu Hause geschaut, mit der ganzen Familie und da das Haus zusammengeschrien. Da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut. Besser kann man nicht aufsteigen. So aufzusteigen, ist das Beste überhaupt.“

Was haben Sie mit dem Haus gemacht? Musste renoviert werden?

„Ne, lebte alles noch, der Boden auch. Bin ziemlich aufgesprungen. Alles super.“

Landgraf über Lewandowski: „Gab es früher nicht, dass Verträge gebrochen werden“

In der Regionalliga West treffen auch viele Traditionsvereine aufeinander. Es ist ja schon bemerkenswert, wer da alles mitspielt. Wie möchten Sie das Fernziel definieren? Möchten Sie auch mal in der Bundesliga tätig sein, als Inhaber der A-Lizenz?

„Mit Jakob (Fimpel) zu arbeiten, der ja damals auch mein junger Co-Trainer war, passt gut. Er hat sich in der Zeit natürlich auch sehr weiterentwickelt. Ich glaube, wir sind da ein gutes Paar. Thomasz Waldoch ist natürlich auch noch dabei.

Jakob und ich haben nochmal ein anderes Verhältnis und wenn er seinen Weg vielleicht weitermacht, dann passt das zusammen. Aufgrund seiner Philosophie und meiner Philosophie, wie man Fußball spielen möchte, könnte das mit ihm auch noch höher gehen. Davon bin ich überzeugt.

Aber wichtig ist, dass man erstmal eine U23 hat, wo man sich auch nochmal weiterentwickeln kann und nicht nur mit jüngeren Spielern zusammenarbeitet – wie wir das beide gemacht haben. Jeder hatte seine eigene Mannschaft. Ich U16 und er U15.

Jetzt mit der U23 ist man in Anführungsstrichen wieder unter Männern, aber es sind eigentlich auch noch Kinder, wenn die 18 oder 19 sind. Da hat man schon auch die Aufgabe die Jungs richtig zu führen und ihnen das Passende mit auf den Weg zu geben, um hinterher höher zu kommen, als nur in der U23 zu sein.“

Eine spannende Personalie die Sie auch betreuen ist der junge Bruder von Leroy Sané, Sidi Sané. Wie ist er zu behandeln, wie wird er behandelt?

„Ganz normal. Ich hatte Sidi drei Jahre im Jugendbereich: U14, U15 und U16. Er ist ein ganz zurückhaltender Spieler. Egal auf welchem Turnier wir waren, jeder wusste, wo sein großer Bruder überall gespielt hat. Er war immer zurückhaltend und bescheiden.

Ich denke, das hat auch mit den Eltern zutun, die dem Jungen viel mit auf den Weg gegeben haben. Sidi hat schon gute Veranlagungen, aber er muss auch in vielen Dingen noch reifer werden. Mit 14 war er so groß wie ich, mittlerweile hat er mich doppelt eingeholt und hat natürlich auch einen wahnsinnigen Körperbau.

Man muss die Entwicklung mal abwarten, aber er bringt gutes Potenzial mit.“

Also, er wird einer?

„Könnte sein, aber im Fußball muss man auch viel Glück haben und viel dran arbeiten und ich denke, dass er das auch muss, um dorthin zu kommen. Wichtig ist, dass man eine Konstanz im Jugendbereich hat und da muss er hinkommen.

Man kann nicht einmal top sein und dann wieder weiter unten sein. Man muss sehen, dass man ein hohes Level hält. Da muss man den Jungen hinbringen. Tempo hat er und am Ball ist er auch nicht schlecht. Sind schon bisschen Vergleiche mit seinem Bruder, aber bis zu Leroy sind es noch Welten.“

Auf dem Niveau ist Robert Lewandowski längst, der Transfer-Sommer ist aber auch gekennzeichnet von dem Wechsel-Theater. Können Sie es nachvollziehen, dass ein Spieler, obwohl er Vertrag hat, sich so verhält?

„Die Zeiten haben sich einfach geändert. Da muss man mit der Zeit gehen. Das gab es früher nicht, dass Verträge gebrochen werden. Heute ist das eben so und wenn ein Spieler nochmal eine neue Aufgabe haben möchte, dann ist das normal. Das ist dann seine eigene Entscheidung.

Klar ärgert man sich im Verein, aber man geht mit der Zeit. Gab es früher nicht. Ist aber heute so.“

Willi Landgrafs Weltmeister-Tipp: „Frankreich auf keinen Fall“

Machen wir weiter mit der WM die ansteht. Was macht Deutschland?

„Puh. Das ist eine gute Frage. Es ist sehr schwer zu beantworten, wo wir uns da einreihen. Die Spiele die ich gesehen habe, waren mal gut, waren mal nicht so gut. Wir haben eine sehr gute Truppe zusammen, eine gute Einheit und das hat ja Deutschland immer ausgezeichnet.

Wenn Einheit, Zusammenhalt und Gefüge passen, dann kann man viel erreichen.“

Wie sieht es aus mit einem Weltmeistertipp? Wer holt den Titel?

„Da habe ich keinen, Herr Fuß. Müssen Sie selber tippen. (lacht)“

Gut, dann sage ich Frankreich und Argentinien halte ich für die Favoriten. Aber es gibt da einige. Brasilien ist auch nicht zu verachten.

„Da halte ich dagegen. Frankreich auf keinen Fall.“

Welche Ligen, außer der deutschen, schauen sie gerne im TV? Oder gibt es sogar eine andere Sportart, die Sie besonders interessiert?

„Andere Sportarten eher nicht. Schon gerne Fußball. Da die englische Liga, Liverpool. Schon alleine, weil man auf die deutschen Trainer draufguckt. Der Fußball ist schnell und gerade, Liverpool hat viele identische Sachen, die wir in unserer Philosophie haben. Schnell nach vorne, viele Diagonalpässe, schnelle Seitenverlagerung.

Früher als Spieler hat man weniger auf so sachliche Dinge geschaut. Aber jetzt, wenn man selber Trainer ist, sieht man viele Sachen wo man denkt, das ist gar nicht schlecht und das könnte man ja selber übernehmen.

Es ist schon interessant, was man in anderen Ligen sieht und was man vielleicht auch für sich selber mitnehmen kann.“

Wunderbar. Das war ein herzerfrischender Talk mit Willi Landgraf, wie immer mit Ihnen. Viel Erfolg für Sie und mit Ihrer Mannschaft.

„Dankeschön. Ciao. Bis bald.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen