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Timo Hildebrand über Felix Magath: „Auf jeden Fall hat er Angst verbreitet“

Karl-Heinz Fischer  14. März 2022
Timo Hildebrands Gegentor-Rekord in der Bundesliga besteht bis heute. (© IMAGO / Eibner)

Beim nächsten Heimspiel des VfB Stuttgart geht es bereits darum den Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze nicht zu verlieren. Unser heutiger Stargast Timo Hildebrand war dabei, als man sich noch zwischen Meisterschaft und Pokalfinale bewegte.

2016 beendete der ehemalige Nationalspieler und Teilnehmer des „Sommermärchens“ seine aktive Karriere und geht seitdem neue Wege abseits des Fußballplatzes.

Im Rückblick erzählt uns der begeisterte Veganer wie es Felix „Quälix“ Magath damals gelang, trotz Angst und Schreckens, die Energie der „Jungen Wilden“ zu kanalisieren. Im Fokus außerdem: die Winter-WM in Qatar, Hildebrands Stationen im Ausland, eine Essenseinladung für Uli Hoeneß und ein noch immer aktueller Bundesligarekord.

Wie immer gibt es das komplette Interview im „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel unter „Beidfüßig Star Talk“ auch zu hören und zu sehen.


Timo Hildebrand im Beidfüßig Interview zu Felix Magath, Veganismus & Co.. (© Youtube / Wettbasis)


Timo Hildebrand: „Hummels & Götze leben vegan“

Wir begrüßen Timo Hildebrand: Einen Keeper, der wirklich Geschichte geschrieben hat. Sowohl beim VfB Stuttgart, als auch in der Nationalmannschaft und mit einem legendären Rekord. Wo sind Sie gerade?

Timo Hildebrand: „Hallo, Grüße zurück. Ich sitze in meinem veganen Restaurant, hier in Stuttgart.“

Das heißt, Sie sind Besitzer eines veganen Restaurants? Warum und wie kam es dazu?

„Genau so ist es. In Stuttgart gibt es in diesem Segment so gut wie gar nichts. Ich selbst bin schon lange auf dem ‚Veganen Trip‘. Vor zehn Jahren habe ich ein Investment in eine Firma aus dem Bereich getätigt. Ich beschäftige mich schon sehr lange mit diesem Thema und habe auch diese Marktlücke einfach gesehen.

Für mich ist es nicht nur Gastro, sondern ein Unternehmen, woraus eine Marke entstehen soll. Wir wollen Produkte auch selbst produzieren. Das Thema ist mir selbst sehr wichtig und wir wollen die Leute inspirieren, dieses Umdenken zu fördern, dahingehend, dass pflanzliche Küche keinen Verzicht bedeuten muss.“

Waren Sie auch schon in Ihrer aktiven Zeit Veganer?

„Leider nicht. Ich denke, das hätte mir auf jeden Fall geholfen. Ich nehme aber wahr, dass sich immer mehr Vereine und Spieler dem Thema der veganenen Ernährung öffnen. ‚Veganz‘ ist beispielsweise auch Sponsor bei RB Leipzig.

Auch bei anderen Vereinen gibt es Sponsoring aus dieser Richtung. Ich weiß auch, dass es immer mehr Ernährungsberater innerhalb der Vereine gibt. Von daher ist es ein super spannendes Thema.“

Torhüter Stationen von Timo Hildebrand

Verein Spiele ohne Gegentor
VfB Stuttgart 296 107
FC Schalke 04 58 15
TSG Hoffenheim 42 15
FC Valencia 39 9
Eintracht Frankfurt 3
Sporting Lissabon 3

Glauben Sie also, dass auch Spitzensportler sich vegan ernähren können, ohne Leistungsverlust? Da gibt es ja dann einige Ergänzungsmittel, die man einnehmen muss, ansonsten würde es gefährlich.

„Ich glaube das Wichtigste ist eine ausgewogene Ernährung. Es muss niemand vegan werden, aber wir wollen die Leute inspirieren. Gerade bei Spitzensportlern ist es so, dass es genügend Beispiele gibt. Unter anderem Novak Djokovic oder Lewis Hamilton, die sich extrem mit ihrer Ernährung auseinandersetzen und nahezu vollständig vegan leben und trotzdem Top-Leistungen bringen.

Es fördert die Gesundheit, die Regeneration, den Schlaf. Das kann dann schon einen großen Unterschied machen. Jeder sucht ja auch nach Möglichkeiten, noch mehr Leistungspotential abzurufen oder die Karriere zu verlängern. Das ist dabei ein enormer Faktor.“

Welche Fußballer kennen Sie, die das machen?

„Andreas Luthe zum Beispiel, von Union Berlin. Er ist schon lange vegan und bringt seit Jahren Top-Leistung. Auch Mats Hummels, soweit ich weiß, lebt überwiegend vegan. Mario Götze hat einige Investments getätigt und lebt überwiegend pflanzlich. Daniel Didavi, hier aus Stuttgart. Es gibt genügend Beispiele.“

Timo Hildebrand: „Uli Hoeneß war nur über Fax zu erreichen“

Ein wirklich tolles Thema, das allmählich in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, aber doch auch noch nicht so richtig angekommen ist. Wie erleben Sie das in Ihrem Restaurant? Bemerken Sie, dass die Leute immer interessierter daran sind und der Zulauf auch größer wird?

„Für mich ist das schon lange kein Trend mehr, Veganismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wenn man vor fünf Jahren gesagt hat man ist Veganer, dann musste man erst einmal eine Präsentation herausholen und das erklären. Mittlerweile ist es ein ganz normaler Lifestyle und man wird nicht mehr schief angekuckt. Wir erleben einen enormen Zulauf.

Natürlich ist es eine spannende und nicht ganz einfache Zeit. Wir sind im letzten Juli gestartet, hatten einen kleinen Personalengpass, aber jetzt wird das gut angenommen und die Leute sind einfach auch interessiert, was man aus Pflanzen alles zaubern kann.“

Wenn ich aus München nach Stuttgart komme, was würden Sie mir in ihrem Restaurant empfehlen?

„Am besten bringen Sie gleich Uli Hoeneß mit, der hatte sich ja mal etwas abwertend über Veganismus geäußert. Wir haben auch mal telefoniert und ich habe ihm ein Fax geschickt, weil er anders nicht zu erreichen war.

Wahrscheinlich wären Sie überrascht, wie lecker unsere Karte ist. Es gibt frittierte Schupfnudeln mit einer richtig geilen Mayo oder Aubergine mit Sushi-Reis und Mango. Sehr vielfältig auf jeden Fall.“

Da müssen Sie mich nicht überzeugen, ich bin da sofort dabei. Aber wie war da der Austausch mit Uli Hoeneß? Hat er Ihnen dann vegane Würstel geschickt, oder wie ist das weitergegangen?

„Er hat gesagt er kommt mal vorbei, wenn er in der Gegend ist. Er meldet sich. Ob das stattfindet weiß ich nicht, aber ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn es mal klappen würde.“

Mit dem Thema Uli Hoeneß sind wir auch gleich bei Bayern München und auch bei Manuel Neuer, einem überragenden Keeper. Aber Sie halten nach wie vor mit 884 Minuten den Bundesliga Rekord ohne Gegentor. Was bedeutet Ihnen dieser Rekord?

„Es ist schön, so einen Rekord innezuhaben. Aber es ist nicht so, als dass ich jeden Morgen aufwache und micht erst mal feiere dafür. Das war ja auch eine Mannschaftsleistung, wir haben damals super funktioniert. Ich hatte eine unglaublich gute Phase und es ist schon Wahnsinn, dass der Rekord immer noch Bestand hat.“

Timo Hildebrand: „Felix Magath hat schon Angst verbreitet“

Werden Sie oft daran erinnert, sprechen Sie die Leute darauf an?

„Ja, das Thema ist immer mal wieder brisant. Auch als Koen Casteels mal mit ungefähr 600 Minuten nahe dran war, kommt das Thema immer mal wieder auf.“

Sie waren auch im Ausland, in Spanien mit Valencia und in Portogal bei Sporting Lissabon. Es ist natürlich auch ein anderes Land und eine andere Erfahrung. Sind Sie in diese Länder eingetaucht?

„Ich denke, ich wäre gerne noch tiefer und länger in diese Länder eingetaucht. Ich hatte schon vorgehabt, länger in Valencia zu spielen, aber aufgrund der Situation, die nie einfach war, bin ich nach eineinhalb Jahren schon wieder weg. Ein paar Brocken Spanisch kann ich noch, aber das wird mit der Zeit immer weniger.

Es hat mir gut gefallen, neue Kulturen und auch einen anderen Fußball kennenzulernen. Das war eine sehr erfahrungsreiche Zeit.“

Machen wir den Sprung zum VfB. Viele sprechen aktuell von einer sehr unerfahrenen Mannschaft. Sie waren damals ja auch Teil der ‚Jungen Wilden‘, die sehr erfolgreich waren. Wie groß glauben Sie ist die Gefahr, dass es auch anders hätte ausgehen können?

„Wir hatten ja Felix Magath, der uns wirklich da rausgepeitscht hat, mit großer Disziplin und Engagement. Anders hätten wir das wahrscheinlich damals auch nicht geschafft. Trotzdem war die Gefahr da.

Wir haben uns damals kurz vor Schluss gerettet, aber ich denke ohne diese harte Hand, hätten wir es wahrscheinlich nicht geschafft.“

Ich habe in einem Interview einmal gelesen, dass jener Felix Magath aber schon auch Angst und Schrecken verbreitet hat.

„So ist es. Auf jeden Fall hat er das verbreitet und schon auch mit Druck gearbeitet. Vielleicht fehlt das heute sogar ein bisschen. Vielleicht ist es aber auch gar nicht mehr umsetzbar in der heutigen Zeit, mit den heutigen Spielern. Die Frage ist ja auch immer, wie lange funktioniert so etwas und wie lange folgt dir eine Mannschaft auf so einem Niveau.

Bei Bayern München hat es für ihn auch zwei Jahre danach noch geklappt, mit Meisterschaft und Pokal. Auf Dauer waren es dann eher Trainer wie Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel, die eine Mannschaft hinter sich vereinen und damit besser gefahren sind.“

Im Meisterjahr 2007, beim entscheidenden Spiel gegen Cottbus lagen Sie durch ein Tor in der 19. Minute hinten. Wenn Sie sich daran erinnern, haben Sie damals gedacht: ‚Jetzt ist alles vorbei‘?

„In dieser Saison war das ganz Besondere, dass wir sehr oft zurückgekommen sind und Spiele wieder gedreht haben. Deshalb hatten wir genug Selbstvertrauen, das Spiel wieder zu drehen.

Das kann natürlich nicht immer funktionieren, aber es hat einfach so passieren müssen. Wir wussten schon, dass wir nochmal zurückkommen.“

In dieser Saison standen Sie auch im Pokalendspiel und haben das aber gegen den 1. FC Nürnberg verloren. War die Luft nach der gewonnenen Meisterschaft einfach raus?

„Nein. Das war ein Fluch in dieser Saison. Wir haben ingsgesamt dreimal gegen Nürnberg verloren. Am 1. Spieltag gleich direkt mit 4:0. Es hat einfach nicht sollen sein, aber es wäre schon legendär gewesen, wenn wir das Double damals geholt hätten.“

Sie haben danach auch für Schalke 04 gepielt, für fünf Traditionsvereine insgesamt. Da sind die Fans natürlich besonders anspruchsvoll. Welche Auswirkung hat das auf die Leistung?

„Es ist immer etwas ganz besonderes für einen Traditionsclub zu spielen. Es gibt aber auch genügend Fans, die ihre Emotionen in Hoffenheim oder Leverkusen packen. Aber zum Schluss meiner Karriere nochmal für Schalke zu spielen, war schon etwas ganz besonders.“

Als Mitglied der Nationalmannschaft 2006 haben Sie das goldene Lorbeerblatt bekommen. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

„Es war einfach eine ganz schöne Zeit damals. Diese WM im eigenen Land mitzuerleben – einmalig. Das wird in Deutschland die nächsten zwanzig oder dreißig Jahre nicht mehr stattfinden.

Von daher war ich einfach unglaublich froh, Teil des Teams zu sein und an dieser Erfolgsgeschichte teilgenommen zu haben. Eine solche Ehrung bedeutet einem schon einiges.“

„Bin gespannt, wie die WM in Qatar überhaupt läuft“

Abschließend die Frage: Es steht Ende des Jahres in Qatar wieder eine WM an. Wer wird Weltmeister und wie schneidet Deutschland ab, oder wird Deutschland sogar Weltmeister?

„Ich denke während einer WM kann sehr viel passieren. Es ist die erste Weltmeisterschaft mit einem neuen Trainer, von daher bin ich selbst sehr gespannt.

Die erste Winter-WM, in Qatar, worüber viele Diskussionen stattgefunden haben und auch noch folgen werden. Ich bin gespannt, wie die WM überhaupt läuft.“

Wunderbar. Herr Hildebrand, danke dass Sie sich die Zeit genommen haben. Kochen Sie eigentlich auch in Ihrem Restaurant selbst?

„(lacht) Dann würde niemand kommen. Und sehr gerne, vielen Dank für die Einladung.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen