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2. Bundesliga Wetten

„Werder wird kämpfen bis zum Schluss“ – Oliver Reck glaubt an direkten Aufstieg

Karl-Heinz Fischer  8. Mai 2022
Oliver Reck
Oliver Reck analysiert seine Ex-Klubs Bremen und Schalke. (© IMAGO / Nordphoto)

Auch wenn in der Bundesliga die ersten beiden Plätze bereits fest vergeben sind, gibt es im Rennen um die Aufstiegsplätze in der zweiten Liga noch allerlei Möglichkeiten. Zwei Mannschaften die daran beteiligt sind, kennt unser Stargast Oliver Reck wie seine Westentasche. Werder Bremen und den FC Schalke.

Für beide Mannschaften geht es um nicht weniger als den direkten Wiederaufstieg und die Krönung einer bisher guten Zweitligasaison. Wie der mehrfache Pokalsieger, deutsche Meister und Europameister Oliver Reck die Zukunft des Torwartspiels sieht und welcher Titel ihm am meisten bedeutet, verrät er im exklusiven Interview. Außerdem: Seine Tipps zum 33. Spieltag

Wie immer gibt es das komplette Interview im „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel unter „Beidfüßig Star Talk“ auch zu hören und zu sehen.


Oliver Reck: „Man wird mich weiterhin im Fußball erleben“

Heute begrüßen wir im Star Talk eine Bundesliga-Legende: Oliver Reck. Nationalkeeper, elf Titel, deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, Europapokalsieger. Mehr kann man fast nicht abräumen. Guten Tag Herr Reck. Wie geht es Ihnen?

Oliver Reck: „Guten Tag. Danke, mir geht es sehr gut. Gleich bin ich wieder auf dem Weg zum Training, aktuell trainiere ich den SSV Jeddeloh und wir bereiten uns auf die letzten Spiele vor. Aus diesem Grund herrscht völlige Vorfreude auf das was kommt, in den nächsten Tagen.“

Wir ein wunderbares Spiel für Sie, es heißt ‚Geschüttelt oder Gerührt‘. Kurze Frage und kurze Antwort. Die erste Frage lautet: ‚Fisch oder Currywurst‘?

„Manchmal beides. Aber ganz kurz gehalten, sage ich eher den Fisch.“

Schalke oder Bremen?

„Oh das ist nicht zu beantworten. Ich habe zwölf Jahre für beide Clubs gearbeitet, da kann ich mich nicht für oder gegen einen Verein entscheiden. Das ist ein klares Unentschieden. Da gibt es keine Wertung von mir.“

2. Liga oder Bundesliga?

„Klar Bundesliga.“

Huub Stevens oder Otto Rehagel?

„Uff. Beides tolle Menschen, beides tolle Typen. Auch da fällt es mir schwer eine Wertung abzugeben. Ich möchte keinem wehtun, aber natürlich habe ich länger mit Otto zusammengearbeitet und Otto ist jemand, der viele Weisheiten von sich gibt. Viele dieser Weisheiten die er uns mitgegeben hat, sind eingetroffen. Von daher kleiner Vorteil Otto Rehagel. Aber wirklich nur ein ganz kleiner.“

Deutscher Meister oder Europapokal-Sieger?

„Ich durfte ja im Endspiel um den Europapokal aufgrund einer Gelbsperre nicht dabei sein. Trotzdem ist es der Titel, der Werder Bremen über viele Jahre ganz oben ansiedelte, aber Meisterschaften gewinnt man nicht in einem Spiel oder drei Spielen. Deshalb ist die Meisterschaft bei mir ein bisschen höher gestellt.“

Trainingslager im Luxus-Hotel oder in der Sportschule?

„Klar die Sportschule. Ich bin ein Fan der Sportschule. Als Kind bin ich schon dort aufgewachsen, war in vielen Sportschulen selbst drin, also ich brauche kein Luxus-Hotel, sondern nur eine Tischtennisplatte oder den Tischkicker.“

Nach der Trainerstation in Jeddeloh in Deutschland bleiben oder ins Ausland gehen?

„Da gibt es einige Optionen. Aber eine konkrete Aussage dazu kann ich nicht machen. Aber man wird Oli Reck weiterhin im Fußball erleben.“

Spieler-Stationen von Oliver Reck:

Verein Spiele
Werder Bremen 453
Schalke 04 132
Kickers Offenbach 53

Oliver Reck über Mike Büskens: „Genau das, was auf Schalke gefragt war“

Vor dem Spiel Schalke – St. Pauli: Schalke ist im Aufstiegskampf im Vorteil, weil es bei Pauli so viele Corona-Ausfälle gibt. Gibt es überhaupt eine andere Option als Sieg Schalke?

„Die Situation ist so, dass St. Pauli sehen muss, mit welcher Aufstellung sie am Wochenende überhaupt auflaufen können. Aus diesem Grund spricht jetzt erst mal vieles für Schalke, aber die Situation kann aber auch beim FC St. Pauli andere Kräfte freisetzen.

Diese Mannschaft wird sich nicht einfach so geschlagen geben. Die werden ihrerseits versuchen, die letzte Aufstiegschance zu nutzen. Sie werden versuchen ranzugehen und dort zu gewinnen. Auch wenn die Ausgangslage in dieser Situation schwierig sein wird.“

Ein guter Bekannter von Ihnen, Mike Büskens, ist seit sieben Spielen Coach der Schalker. Von diesen sieben Spielen hat er sechs gewonnen. Was macht er gerade genau richtig?

„Mike lebt eigentlich Schalke vor. Wenn man weiß wie er sich täglich mit dem Verein und mit der Mannschaft identifiziert, dann weiß man, warum Schalke nach seiner Beförderung funktioniert. Bujo ist ein Menschenfänger. Er ist ein Typ, der ein gutes Gespür für die Spieler, aber auch für den Staff und das Umfeld hat.

Er kann begeistern und Leute mitnehmen. Das ist genau das, was im Moment gefragt war. Schalke musste nochmal in den letzten Spielen der Rückrunde wachgeküsst werden und genau das ist passiert.“

Ausschlaggebend für die gute Positionierung ist auch das Phänomen Simon Terodde. Erklären Sie uns mal, als ehemaliger Keeper, was er im Strafraum richtig macht. Kann er das zukünftig auch in der Bundesliga zeigen?

„Simon ist wirklich ein Phänomen. Das muss man schon so sagen. Er hat ein Gefühl dafür, wo er wann im Sechzehner auftauchen muss. Wie kommt er mit einer Bewegung vor seinen Gegenspieler. Er antizipiert unwahrscheinlich gut. Er kann Situationen erkennen, Räume sehen, die andere vielleicht zehn Sekunden später belaufen. Das erkennt er sofort. Das macht ihn aus.

Sicherlich hat er in der Bundesliga noch nicht so funktioniert. Das würde ich ihm wahrscheinlich wünschen. Wenn denn Schalke hochgeht, dass er auch dort performt und den Leuten zeigt, dass er auch Bundesliga spielen kann. Ich würde mich für ihn persönlich freuen, wenn das mal funktionieren würde.

Aber grundsätzlich haben sie jetzt erst mal noch zwei schwere Spiele, die Schalke erst noch überstehen muss.“

Zu Bremen gibt es auch noch viel zu erzählen. Glauben Sie, dass Werder nochmal auf einen direkten Aufstiegsplatz kommen kann? Wie sind die Möglichkeiten im Moment?

„Natürlich, die Chance ist immer noch da. Ich glaube, Werder hat gerade mit dem Auswärtssieg auf Schalke gezeigt, wie sie da gespielt haben, dass sie in jedem Spiel in der Lage sind, den Gegner zu schlagen. Man hat im letzten Spiel zu Hause 2:0 geführt, gegen Holstein Kiel, das lässt man sich noch aus der Hand nehmen. Dafür gibt es ja auch immer Gründe, warum.

Gerade im Abwehrbereich fehlen viele wichtige Spieler, in dieser Situation. An erster Stelle nenne ich Ömer Toprak, der für mich mit der Leader dieser Mannschaft ist. Wenn er auf dem Platz stehen kann, macht das Werder besser. Aber es ist noch nichts entschieden und Werder wird kämpfen bis zu Schluss. Die Zielsetzung ist klar: Direkter Aufstieg. Das kann Werder auch noch schaffen.

Der HSV ist in Lauerstellung. Ist da noch was drin?

„Der HSV muss zu Hause erst einmal Hannover schlagen. Die sind jetzt gerettet und können daher relativ frei aufspielen. Das werden sie auch tun in Hamburg. Aber natürlich traue ich auch dem HSV zwei Siege zu. Nur ist der HSV eben darauf angewiesen, dass die anderen patzen und das ist eine andere Situation, die man nicht so gerne hat, in der Endphase einer Saison.

Aber sie haben in dieser Saison auch tolle Spiele gezeigt. Sie spielen ein ganz anderes System, als viele andere Mannschaften. Sie spielen ganz anders Fußball und haben das in weiten Teilen der Saison immer gut gemacht. In den entscheidenden Phasen haben sie aber die wichtigen Spiele verloren, die ihnen die Punkte gekostet haben, die ihnen am Ende sehr wahrscheinlich fehlen werden.“

Die Absteiger der 2. Liga stehen und standen ja bereits relativ früh fest. Warum ist das so?

„Die Diskrepanz zwischen ‚oben‘ und ‚unten‘ war in diesem Jahr schon groß. Vielleicht größer, als mancher das erwartet hat. Wenn man auch frühzeitig schon einen großen Rückstand hat, dann wird es schwer hinten heraus. Ich glaube schon, dass vieles möglich ist in dieser 2. Liga.

Ich fand die 2. Liga in diesem Jahr viel interessanter, als die 1. Liga. Das lag sicherlich auch an den Traditionsclubs und an diesen Duellen. Aber auch an der Situation, dass es oben und unten so eng war. Das hat die Liga ausgezeichnet in diesem Jahr. Ich hoffe, es geht in den nächsten Jahren genauso weiter.

Man hat gesehen, wie gut die Traditionsclubs der 2. Liga getan haben, auch wenn die natürlich wieder aufsteigen sollen. Keine Frage.

Oliver Reck über den DFB Pokal: „Traue Freiburg den Sieg zu“

Elf Titel haben Sie gewonnen. Welcher ist Ihnen in nachhaltigster Erinnerung?

„Jeder Gewinn, den ich zusammen mit einer Mannschaft irgendwo erreicht habe, zählt besonders. Das muss man hervorheben. Ich war ja auch Teil des Europameisterteams von ’96, obwohl ich nicht gespielt habe. Trotzdem hänge ich ihn hoch an, weil ich schon ein wichtiger Teil dieser Truppe war.

Das kam vor kurzen bei der 25 Jahre Feier zu diesem Anlass mal wieder raus. In der Verbundenheit auf dem Trainingsplatz und drumherum, in Gesprächen abends oder in der Kabine. Im Training habe ich versucht, Druck auszuüben. Ich war Ansprechpartner für alle, das ist manchmal sehr wichtig. Man muss seine Rolle gut einschätzen können.

Aber die Meisterschaften mit Werder Bremen waren natürlich etwas ganz Besonderes. Gerade ’88 hatte uns keiner auf dem Schirm. Wir waren eine zusammengestellte Mannschaft, eine ganz junge Truppe, da hat sich so viel daraus entwickelt, was wir dann ’93 nochmal bestätigen konnten.

Die Pokalsiege mit Schalke und Werder, die Pokalsiege in Berlin. Jeder, der einmal in Berlin war, weiß, was das heißt. Dieses Jahr wird es Freiburg erleben, wie toll das ist, in Berlin zu spielen. Mit dieser besonderen Atmosphäre in dieser Stadt. Zum Glück darf man auch wieder mit vollem Zuschauerpotential spielen.

Das sind alles ganz, ganz besondere Erlebnisse gewesen, die ich nicht missen möchte. Ich kann jeden einzelnen Titel gar nicht bewerten. Der Europapokalsieg damals gegen Monaco in Lissabon, war genauso außergewöhnlich. Auch dort waren wir eigentlich nicht der Favorit und haben es trotzdem geschafft. Das sagt schon einiges aus.

Man ist nicht unbedingt immer Favorit in den einzelnen Wettbewerben, aber man kann trotzdem viel erreichen.“

Die Kickers Offenbach liegen Ihnen ja auch sehr am Herzen. Lange haben die nichts erreicht. Klappt es in der nächsten Saison mit dem Aufstieg?

„Ich war dort ja auch mal zweieinhalb Jahre Trainer und habe versucht, in die nächste Liga aufzusteigen. Das war damals extrem schwierig. Aufgrund der Insolvenzgeschichte mussten wir mit -9 Punkten starten. Ich hab damals eine gute Mannschaft aufgebaut, die es aber schlussendlich nicht geschafft hat, aufzusteigen.

Dieses Jahr wird es auch wieder nichts, so wie es im Moment aussieht. Elversberg ist einen Tick davor und wird sich durchsetzen. Für den OFC heißt es, dranzubleiben. Es ist ein Traditionsclub mit einem tollen Publikum, einer tollen Atmosphäre. Ich denke, das Rhein-Main-Gebiet kann noch einen Dritt- oder Zweitligisten gebrauchen.

Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie es irgendwann schaffen, aber im Moment soll es wohl nicht so sein. Dranbleiben, wichtige und gute Entscheidungen treffen. Man muss eine Mannschaft, ein Team, zusammenstellen, das passt und harmoniert und funktioniert. Nur dann kann es auch gehen. Ich drücke die Daumen, dass man wieder dahin kommt, wo man hingehört und das ist der Profifußball.“

Oliver Reck über Freiburg in der CL: „Wäre eine Heldentat“

In der Bundesliga ist mit Sicherheit der SC Freiburg die große Überraschung. Die können sogar in der Champions League landen. Wäre das die größte Überraschung in den letzten zehn Jahren Bundesliga? Und was erwarten Sie vom Spiel am Wochenende gegen Union?

„Es wäre nicht die größte Überraschung, aber es wäre eine Heldentat. Das muss man einfach so sagen. Wer mit diesem Budget, mit der Situation, dem Spielerpotenzial, das dem SC Freiburg zur Verfügung steht, es schafft, in die Champions League einzuziehen. Das würde einiges heißen.

Andererseits würde ich auch sagen, dass einige etwas verpasst haben in diesem Jahr. Aber nein, ich bleibe dabei. Was der SC Freiburg und diese Mannschaft dieses Jahr leistet, das ist phänomenal. Nicht nur dieses Jahr. Man muss die Arbeit von Christian Streich über die letzten Jahre hervorheben.

Die haben kaum etwas mit dem Abstieg zu tun. Immer frühzeitig gerettet. Tolle Entwicklung der Mannschaft. Auch der ganze Verein, wie der Club sich entwickelt hat, mit dem neuen Stadion. Das ist auch die Handschrift vom Trainer. Der hat da schon ein Pfund hingelegt. Man kann da einfach nur den Hut davor ziehen.

Ich traue den Freiburgern im Prinzip alles zu. Den Sieg gegen Union, aber auch den Pokalsieg gegen Leipzig. Das muss ich ganz klar sagen. Es wird schwierig werden, im Pokal zu bestehen, aber diese Mannschaft ist in der Lage außergewöhnliches zu leisten. Deshalb bin ich auf diese letzten Spiele sehr gespannt.“

Spannung herrscht natürlich auch noch im Abstiegskampf. Speziell was die Hertha und den VfB Stuttgart betrifft. Wie ist da Ihre Meinung?

„Ich denke, dass Stuttgart in die Relegation geht, dass das so kommen muss. Ich glaube, dass Bielefeld direkt absteigt, aber es kann natürlich auch anders kommen. Ich denke auch, Hertha sollte nicht allzu sehr jubeln nach dem Klassenerhalt. Man hat doch sehr viele Sachen falsch gemacht in diesem Jahr, in diesem Club. Das muss man analysieren.

Dieser Club hat ja ganz andere Ansprüche. Diesen muss man wieder irgendwann gerecht werden. Ich halte Fredi Bobic eigentlich für den idealen Mann für diese Position, um den Club nach oben zu führen. Aber er hat auch gemerkt, dass es bei Hertha etwas anderes ist.

Ich drücke Fredi natürlich die Daumen, dass er die Hertha irgendwann wieder in den Griff bekommt.“

Was hat man bei der Hertha konkret falsch gemacht in dieser Saison?

„Ja, konkret falsch, da bin ich zu weit weg und das möchte ich auch gar nicht beurteilen. Ob das die Transferpolitik oder Trainerpolitik betrifft. Das ist die Aufgabe der Verantwortlichen und Fakt ist, es wurde etwas falsch gemacht, sonst wäre man nicht am drittletzten Spieltag noch in der Situation, dass man absteigen kann.

Wenn diese Situation eintritt, dann sind viele Dinge daneben gegangen. Das weiß der ganze Club, das wissen alle. Auch schon die Problematik mit den Fans im eigenen Stadion. Das ist schon ein Problem, dazu darf es eigentlich nie kommen, dass man sich mit der eigenen Fanschaft in Clinch begibt. Das ist weder gut für den Club, noch für die Außendarstellung. Dem muss schnellstens Einhalt geboten werden. Keine Frage.“

Sie als ehemaliger Schalker schauen zum BVB wahrscheinlich ganz genau hin. Was ist da das Thema im Moment, was muss man da anders machen?

„Man hat es nicht geschafft, über viele Wochen kontinuierlich zu spielen und Leistung abzurufen. Es gab immer wieder Spiele, wo man dachte, jetzt haben sie es kapiert. Aber dann gab es auch immer wieder Rückschläge. Diese Mannschaft ist wirklich gut besetzt. Mit jungen, guten Spielern. Auch in der Breite gut aufgestellt.

Dass man es in diesem Jahr nicht geschafft hat, Bayern Paroli zu bieten ist schade, weil ich es ihnen zutrauen würde, wenn man das Personal betrachtet. Man ist auf allen Positionen toll besetzt wie ich finde, aber warum es dann schlussendlich nicht ganz klappt, sollte man auch in diesem Fall intern aufarbeiten. Da bin ich wiederum zu weit weg.

Die Möglichkeiten ganz oben zu sein, Bayern Paroli zu bieten, das muss mit so einer Mannschaft der Anspruch des BVB sein. Ich denke daran arbeitet man.“

„Hätte Rudi Assauer die Meisterschaft gegönnt“

Dürfen wir auch auf das Thema: ‚Meister der Herzen‘ eingehen? Wie sehr war Ihr Herz gebrochen?

„Ich glaube nicht nur meines. Ganz Schalke hat geweint an diesem Tag. Es wäre gerade für Rudi Assauer eine ganz tolle Geschichte gewesen. Wir hätten ihm das alle gegönnt. Wir dachten, wir können Rudi diese Meisterschaft schenken. Er hätte das verdient gehabt. Er hat Schalke 04 aufgebaut und zu dem gemacht, was Schalke heute auszeichnet.

Wenn man heute Interviews von Mike Büskens hört, dahingehend bilanziert: ‚Rudi wäre stolz und froh, diese Situation heute miterleben zu können‘. Dem kann ich nur beipflichten. Ich wäre gerne Deutscher Meister mit Schalke geworden, hätte das aber auf jeden Fall Rudi Assauer gegönnt, weil er der Macher damals war.“

Haben Sie auch schon gejubelt in dem Moment steil unter der Kurve?

„Nein das war ich nicht. Ich bin sofort nach dem Schlusspfiff in die Katakomben und habe mich vor den Fernseher gesetzt, mit Andi Möller zusammen und die letzten Minuten in Hamburg geschaut. Mir war klar, dass so lange dieses Spiel noch nicht vorbei ist, kann ich nicht jubeln.

Und so kam es dann auch leider. Es war ein sehr trauriger Moment, wenn man bedenkt, dass wir eine Woche später im Pokalfinale gegen Union spielen durften und den Pokalsieg errungen haben, war es eine kleine Genugtuung, aber nur eine kleine.“

Was wir auch besprechen müssen, denn die WM in Katar ist ja nicht mehr so weit weg, wen sehen Sie nach Manuel Neuer auf der Torhüterposition?

„Erstmal bin ich froh, dass Manu die WM noch spielen wird und weiterhin der Kapitän der Nationalmannschaft ist. Ich glaube, er ist ein gutes Aushängeschild des DFB. Er hat das toll gemacht die letzten Jahre und deswegen bin ich froh, dass er dieses Turnier noch spielt.

Was danach passiert? Es kann vieles passieren. Erstmal hat man ja noch die Jungs, die hinten dran stehen. Sei es ein Kevin Trapp oder ein ter Stegen.“

Wer hat da für Sie Vorteile? ter Stegen musste ja zuletzt auch einige Kritik einstecken.

„Ja, er hat aber bei Barcelona auch schon viele tolle Spiele gemacht. Er ist ein toller Junge mit einem unwahrscheinlich guten Charakter. Er ist fußballerisch top. Das gleich kann man aber auch über Kevin Trapp sagen, der mit Eintracht Frankfurt wieder eine großartige Europacup-Saison spielt. Auch in der Bundesliga immer Top-Level spielt.

Das sind wir gut besetzt. Ich glaube auch, dass bald wieder ein Junger nachrückt. Wenn die Jungen sich nicht sofort dem FC Bayern anschließen und hinter Manuel Neuer heranwachsen wollen und lieber die Spielpraxis suchen. Ob das dann auch mal in der 2. Liga oder bei einem Club ist, der nicht ganz oben angesiedelt ist, tut das dem keinen Abbruch.

Spielpraxis als Torwart ist das Wichtigste. Da wächst garantiert noch einer nach, den wir jetzt gar nicht auf dem Zettel haben. Aber mir wird vor dieser Position im deutschen Fußball nicht bange. Wir haben immer schon Top-Torhüter gehabt. Wir haben eine sehr gute Torwarttrainerausbildung. In den NLZ wird da richtig gute Arbeit gemacht. Da wächst bestimmt der eine oder andere nach.“

Wir haben auch noch Bernd Leno. Oder ist der für Sie schon raus?

„Nein, auf keinen Fall ist der raus. Er ist vielleicht nicht so im Fokus wie die eben genannten im Moment, aber auch Bernd Leno hat damals in Leverkusen tolle Leistungen abgeliefert. Dadurch, dass er jetzt in England bei Arsenal gespielt hat, ist er nicht mehr so im Fokus, wie man sich das als deutscher Torwart wünscht. Aber er hat das schon nachgewiesen. Im Moment sehe ich aber Trapp und ter Stegen etwas davor.“

Oliver Reck: „Spieleröffnung ist ein wichtiger Teil des Torwartspiels“

Das Torwartspiel hat sich dramatisch verändert. Denn der Torwart muss das Spiel immer wieder eröffnen. Das bringt natürlich auch einiges an Verantwortung mit sich. Sind dem alle gewachsen und wie kann man das regeln?

„Das fängt ja in den NLZ an. Das wird den Jungs da schon beigebracht, Beidfüßig zu arbeiten. Spieleröffnung ist ungefähr 50% des Torwarts heute im Jugendbereich. Früher war das etwas anders getaktet. Ich bleibe dabei, dass es immer noch wichtig ist: Kann der Torwart den Ball halten, wann verlässt der Torwart die Torlinie, zu welchen Zwecken verlässt er die Torlinie und wo geht er hin?

Das sind für mich die elementaren Punkte des Torwartspiels. Aber die Spieleröffnung wird immer wichtiger als Teil des Trainings und des Spieles. Betrachten wir nur das Spiel des HSV in diesem Jahr. Wie oft der Torwart in das Offensivspiel mit eingebunden wird. Wo der Torwart seine Positionierung hat. Das ist etwas ganz anderes, als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren.

Ich würde sagen mir hat das damals gutgetan, als die Rückpassregel geändert wurde. Ich war immer schon ein spielender Torwart. Aber andere hatten da größere Probleme. Heute wird der Torwart damit ausgebildet und die Spieleröffnung ist Teil des Trainings. Aus diesem Grunde wird das immer mehr in den Fokus kommen und die Position wird immer wichtiger.“

Aber ist das nicht viel Verantwortung auf einmal? Macht man einen Fehler auf der Linie, hat der Torhüter das Spiel verloren, macht er einen Fehler bei der Spieleröffnung, hat der Torhüter das Spiel verloren. Was lädt man dem alles auf die Schultern?

„Klar lastet viel Druck auf den Torhütern, keine Frage. Aber das war früher nicht anders. Es hat sich vielleicht etwas verschoben, aber dass die Torwartposition eine spezielle Position ist, das muss ich hier glaube ich nicht erörtern.

Es ist jedem bewusst und klar, dass ein Torwart Spiele entscheidet – in beide Richtungen. Aber nicht nur der Torwart alleine, sondern da gehört auch eine Mannschaft dazu. Wenn das vom Trainerteam, von einem Verein und den Mitspielern unterstützt und befeuert wird, vertraulich bearbeitet wird, kann sowas auch fruchten und helfen. Aber sich nur darauf zu fokussieren, wäre zu einfach.“

Früher hieß es immer, der Linksaußen und der Torwart sind bekloppt. Können Sie das bestätigen?

„Wenn man bekloppt negativ betitelt, sicherlich. Aber bekloppt kann auch positiv sein. Wenn diese Beklopptheit, diese andere Art des Fußballers, sich auf die Mannschaft positiv auswirkt, dann kann das schon gut sein. Aber es kommt auch auf das Maß an. Der Torwart hat das Spiel vor sich, das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Positionen.

Der Torwart sieht ein Spiel anders, aus einer anderen Perspektive. So kann er auch viel mehr Einfluss auf das Spiel nehmen. Das macht das Torwartspiel so besonders.“

Ihre Söhne sind auch Torhüter, richtig? Was sagt der Vater dazu?

„Ja. Man kann den Jungs das mit auf den Weg geben, was man selbst gelernt und beigebracht bekommen hat. Jeder muss aber seine eigenen Schritte selbst gehen im Leben. Man kann als Berater dabei sein. Schlussendlich schwimmen müssen sie selber.

Man kann den Jungs nur bis auf die Startblöcke helfen. Reinspringen und schwimmen müssen sie selber. Da muss jeder seine Erfahrungen sammeln. Schlussendlich kann es aber helfen, wenn der eine oder andere Ratschlag kommt. Das mache ich auch, aber das ist nicht das Wichtigste.“

Sie waren ja eine Zeit lang auch in der engen Betreuung von Pierre-Michel Lasogga. Wie sah das damals aus?

„Darüber möchte ich gar nicht allzu viel sagen. Pierre hat seine Karriere gemacht und er ist ein toller Junge, der sich fußballerisch auf ein Top-Level gebracht hat. Er war sehr fleißig im Jugendbereich und hat das ausgebaut.

Er hat einen unwahrscheinlich guten Charakter und spielt heute auch immer noch Fußball auf einer Bühne, die ihm der ein oder andere nicht zugetraut hat. Alles richtig gemacht und ich drücke ihm die Daumen, dass es genau so weiterläuft.“

Herr Reck, vielen Dank für das Gespräch. Es hat mich sehr gefreut und weiterhin viel Erfolg.

„Dankeschön. Sehr gerne.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 36 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahre als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundeliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen