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Michael Schulz vor Bochum – BVB: „Nur Marco Reus darf Wappen küssen“

Karl-Heinz Fischer  10. Dezember 2021
Michael Schulz Bochum - BVB
Vor Bochum - BVB haben wir Michael Schulz zum Interview gebeten. (© IMAGO / ActionPictures)

Unter der Woche verabschiedete sich Borussia Dortmund mit einem 5:0 Heimsieg in die Europa League. Nach der Niederlage im Spitzenspiel gegen die Bayern immerhin ein kleines Trostpflaster, welches bei Bochum – BVB fortgesetzt werden soll.

Auch weil es in dieser Saison kein „Revier-Derby“ gegen Schalke geben kann, erhält das Duell am Samstag (15:30 Uhr) gegen den VfL eine ganz besondere Aufmerksamkeit.

Zu diesen und vielen weiteren Themen des Spieltags haben wir mit Michael Schulz einen Kult-Spieler der Bundesliga zum exklusiven Wettbasis.com Interview eingeladen. Dieses wollen wir in Auszügen wiedergeben.

Das komplette Interview ist – wie viele andere aufregende Expertengespräche – im „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel unter „Beidfüßig Star Talk“ zu finden.

Michael Schulz vor Bochum – BVB: „Gibt keinen geileren Job als Profi“

Herr Schulz, Sie sind 1997 aus dem aktiven Fußballbetrieb ausgeschieden, nachdem Sie zuletzt noch bei Werder Bremen gespielt haben. Danach waren Sie als TV-Experte zu sehen. Was machen Sie aktuell?

Michael Schulz: „Am liebsten nichts. (lacht) Nein, nach wie vor bin ich im TV und bei verschiedenen Formaten als Experte im Einsatz. Seit ein paar Jahren mache ich außerdem wöchentlich eine Radiosendung bei Radio 91.2, hauptsächlich zum Thema BVB, aber auch Bundesliga allgemein.

Außerdem mache ich noch mit meinem Kollegen Mathias Scherff den Podcast „Vorstopper“, den ich wärmstens empfehlen kann. Im kleinen Rahmen kümmere ich mich auch um Spielerberatung und hab schon noch viel mit dem Fußball zu tun.“

Sie sind erst mit 26 Jahren Profi-Fußballer geworden. Würden Sie sagen, dass diese Zeit, als Sie auch noch in der Polizisten-Ausbildung tätig waren, für Sie prägend war? Sind die Fußballer heute vielleicht zu früh Profis?

„Die Zeiten haben sich so dramatisch gewandelt, dass das nur ein kleiner Punkt ist. Auf jeden Fall war es für mich von Vorteil, zu wissen, was es bedeutet, normal zu Arbeiten. Sprich: Eine 40 Stunden Woche und ein normales Gehalt, mit dem man auskommen muss.

Ich habe natürlich nebenbei noch Fußball gespielt. Ich habe ja nicht mit 26 angefangen zu spielen, sondern vorher auch schon. Aber sicher ist das hilfreich, die Situation entsprechend zu beurteilen. Ich versuche auch heute noch, wenn ich mit jungen Spielern arbeite, ihnen irgendwie einzubläuen, dass es keinen geileren Job auf der Welt gibt als Fußball-Profi.

Egal, ob man verletzt ist, oder Auswechselspieler, man muss morgens nach dem Aufstehen dem lieben Gott danken, dass man diesen Beruf hat. Manche verstehen das aber heute nicht mehr.

Wenn man teilweise schon mit 15, 16 Jahren mit Summen zugeschüttet wird, dann weiß ich gar nicht, ob man überhaupt verlangen kann, dass die Jungs mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Teilweise sind die treibende Kraft auch die Eltern, die sich schon mit dem Champagnerglas in der VIP Loge sehen.“

Was hat sich denn sonst noch geändert in der Bundesliga? Sie waren dabei, als es noch etwas geerdeter war.

„Wir haben ja damals auch schon gut verdient, wir haben die Tendenz schon mitbekommen. Das finanzielle hat sich natürlich weiter verändert. Das ist aber nicht nur im Fußball so, das hat man auch bei anderen Sportarten, wie der NBA in den USA beispielsweise.

Das ist einfach der Zahn der Zeit, davon kann man sich nicht mehr befreien und man sollte auch nicht in Erinnerungen schwelgen, dass früher alles besser war. Wenn der Markt das hergibt – mit den TV-Einnahmen, den großen Stadien und Zuschauereinnahmen, dem Eventcharakter – dann ist das eben normal.

Außerdem haben sich die Trainingsmöglichkeiten geändert, inklusive Betreuern, Physiotherapeuten und auch Kadergrößen aufgrund der höheren Belastung. Auch die Abschottung der Spieler hat sich geändert. Früher ging man vom Trainingsplatz und stand direkt vor den Journalisten. Heute muss man über den Pressesprecher erst Kontakt herstellen und jedes Interview absegnen lassen.

Schulz über sich selbst: „Zweikämpfe, wo man den Kopf schüttelt“

Sie hatten ja auch den Ruf, kein Kind von Traurigkeit zu sein.

„Nein, war ich auch nicht, im Gegenteil. Ich hatte ja eine Zeit lang in den Spielen schon einen kleinen Dachschaden.

Der Tatsache geschuldet, dass ich über nicht so großes Talent verfügt habe, aber über eine gute Schnelligkeit und einen guten Körper, musste ich das zu Hauf einsetzen. Als ich damals nach Dortmund gewechselt bin, hatte ich eine kleine Verletzung die ich nicht allen mitgeteilt hatte. Dadurch waren meine Spiele nicht so, wie ich mir das vorstellte – und der Verein auch nicht, trotz einer damals relativ hohen Ablösesumme. Da habe ich mich so unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich auf dem Platz mit hauen und stechen und Schiedsrichterbeleidigungen agiert habe.

Das führte soweit, dass der damalige BVB-Manager Michael Meier sagte, ich kann in Deutschland nicht mehr spielen, ich war erledigt.“

Leistungsdaten von Michael Schulz

Verein Spiele Tore/Vorlagen
Borussia Dortmund 165 7/18
VfB Oldenburg 91 21/-
Werder Bremen 72 2/2
1. FC Kaiserslautern 62 9/2

Sie waren auf dem Platz herzhaft unterwegs, unter anderem mit vier roten Karten. Ist das ein Merkmal, das den Spielern von heute abgeht, eine gesunde Härte zu haben und etwas robuster ranzugehen?

„(Lacht) Das Regelwerk hat sich ja auch ein wenig geändert. Der BVB hatte anlässlich meines Geburtstages einige meiner Szenen als Zusammenschnitt präsentiert, da waren Zweikämpfe dabei, wo man den Kopf schüttelt. Das war damals noch nicht mal ein Foul.

Das Spiel war damals schon ein anderes. Für den Fußball-Interessierten, der sollte mal in die 90er Jahre blicken, da wurde auf übelste Weise getreten und das war dann auch noch zulässig. Hauptsache du hast irgendwie den Ball gespielt, dann konntest du den Spieler mit umtreten.

Das hat sich, Gott sei Dank muss man sagen, auch geändert. Aber ich gebe zu, für die Zuschauer war es ab und zu schon auch schön mit anzusehen, wenn mal ein bisschen Action und Emotion im Stadion war.“

Vor kurzem haben wir mit Jürgen Kohler im Interview gesprochen, der meinte ein Problem sei, dass man das Abwehrverhalten nicht mehr so trainieren würde. Das „richtige“ Verteidigen wäre heute nicht mehr so „en vogue“.

„Ganz ehrlich, da bin ich ganz Jürgen Kohlers Meinung. Das lässt sich an ein paar Beispielen nachvollziehen.

Im Zusammenhang mit den aktuellen Handspielen: Man sieht immer wieder Verteidiger, die auf einen Außenstürmer raufgehen um ihn am Flanken zu hindern. Die haben aber nichts anderes zu tun, als ihre Hände am Rücken zu verstecken. Das hindert natürlich daran, mit 100 % diese Flanke zu verhindern.

Dazu kommen noch andere Dinge im Abwehrverhalten, die nicht gleich zum Elfmeter führen. Ein kleines Zupfen oder auch die psychologische Kriegsführung.

Wenn das Spielgeschehen nicht in meinem Bereich lag, bin ich zum gegnerischen Stürmer hingegangen und habe an seinem Trikot rumgefummelt. Der regte sich natürlich darüber auf und in dem Moment hast du es schon geschafft, einen Gegenspieler, der sich eigentlich auf das Spiel konzentrieren sollte, aus dem Rhythmus zu bringen. Das könnte man heute auch noch machen, macht aber keiner mehr irgendwie.“

Schulz über Haaland Transfer: „Entscheidung zum Großteil fremdgesteuert“

Sie haben beim 1. FC Kaiserslautern angefangen und gingen dann über Borussia Dortmund zu Werder Bremen. Alles Traditionsvereine, aber bis auf Dortmund haben alle große Probleme. Schmerzt das?

„Ja, natürlich. Ich hatte bei allen Vereinen eine wunderbare Zeit. Der Einstieg bei Kaiserslautern war top für mich, es hätte keinen besseren geben können. Dann meine sportliche Hochzeit beim BVB und dann der Abschluss bei Werder unter Otto Rehhagel war sowieso nochmal ein ganz besonderes Erlebnis zum Ende hin, mit 36 Jahren.

Natürlich fühle ich auch heute noch mit und habe Beziehungen zu den Klubs. Gerade bei den Fans im Pfälzer Wald, wo es damals nur Fußball und Bäume gab, ist das ganz schlimm. Wenn man dann weiß, dass ein solcher Verein mit solchen Fans, auch nach den Erfolgen der 90er Jahre mit Meisterschaft und Pokalsieg, jetzt im unteren Bereich der 3. Liga rumkrebst, das tut schon weh.

Bei Bremen ist es noch nicht ganz so dramatisch, aber das hat mich schon getroffen. Eigentlich habe ich mich immer gefreut, dass obwohl sich so viel im Fußball geändert hatte, immer noch diese typische Werder Mentalität spürbar war. Man ist nicht größenwahnsinnig geworden, man hat viel mit Leuten aus dem Verein gearbeitet. Man hat sich dem großen Geldrausch nicht hingegeben, auch wenn man jetzt sieht, dass es ohne auch nicht geht.

Ich drücke auf jeden Fall die Daumen, dass es schnell wieder nach oben geht. Dass da aktuell mit Bremen, Schalke, HSV drei Superklubs auf den Plätzen 7, 8, 9 stehen, gibt einem schon zu denken.“

Mit Blick auf den BVB scheint es so, dass man doch sehr von Erling Haaland abhängig ist. Glauben Sie, dass sie ihn über den nächsten Sommer hinaus halten können?

„(Lacht) Ich glaube es nicht, würde mich aber sehr freuen. Das Problem ist, ich glaube aber noch nicht einmal, dass der Haaland das selber bestimmt. Das kommt ja auch noch dazu, dass die heute, meines Erachtens, zum Großteil fremdgesteuert sind.

Wenn ich Spieler das Vereinsemblem küssen sehe, dann läuft es mir immer eiskalt den Rücken runter, aber nicht vor Freude. Der einzige, der das Wappen beim BVB küssen darf ist Marco Reus und sonst keiner, die anderen sollten das einfach lassen.

Ist ja auch gar nicht schlimm, das ist der Zahn der Zeit, Kohle ist wichtig. Man kann auch verstehen, wenn so ein Typ wie Haaland Champions-League spielen will. Das wird er wahrscheinlich nächstes Jahr auch beim BVB, aber er wird nicht in der Gruppenphase ausscheiden wollen.

Der hat zwar noch zehn, fünfzehn Jahre vor sich, aber er ist Sportler. Wenn er sagt, er will die Champions League gewinnen, dann muss man das akzeptieren. Auch wenn es schade ist.

Ich glaube es jedenfalls nicht, dass sie ihn halten können. Da werden brutale Angebote hereinrollen. Das ist aber auch etwas, was ich am BVB schätze, dass sie sich nie dazu hinreißen haben lassen, sich solche Angebote entgehen zu lassen. Wenn es nicht anders geht, dann schaue ich mir den BVB lieber an zweiter Stelle an, mit vielen jungen Spielern und immer wieder neuen Überraschungen.“

Aktuelle Bundesliga Tipps

Kommen wir zum nächsten Spieltag. Das „Revier-Derby“ gibt es ja nicht mehr, aber jetzt kommt Bochum gegen den BVB und die Bochumer haben aus den letzten acht Spielen sechs Siege eingefahren. Bringen die den BVB in Schwierigkeiten?

„Das ist nicht ausgeschlossen. Im Grunde ist das das Revier-Derby. Dortmund und Bochum grenzen ja direkt aneinander. Das war auch zu meiner Zeit immer ein heißes Spiel.

Man muss da echt den Hut ziehen vor Bochum, die haben viel gelernt. Mit der Art, wie sie aufgestiegen sind, habe sie auch in der 1. Liga begonnen, aggressiv vorne drauf. Wenn man das aber gegen bessere Gegner macht, dann kann das ins Auge gehen.

Das hat der Trainer erkannt und das System geändert. Man hat die Verteidigung verändert und mit 22 Gegentoren genau so viele wie der BVB. Auch im Angriff treffen sie für einen Aufsteiger ganz gut, wenn man bedenkt, dass sie keine „Mega-Stürmer“ haben. Die sind gefährlich und voll im Aufwärtstrend.

Ich kann dem BVB nur raten, nicht zu sorglos in das Spiel zu gehen. Hinzu kommt auch noch das Champions League Spiel unter der Woche, gerade in der Phase der Meisterschaft, wo es auf Weihnachten zugeht, da kommt man schon an seine Grenze, das ist man als Spieler einfach müde.

Für die Außenseiter, in diesem Fall Bochum, ist das im Gegenzug eine Chance. Der BVB muss nicht hoch gewinnen, aber sie müssen zusehen, dass sie das Spiel gewinnen.“

Was kann man sagen zur Begegnung Gladbach gegen Leipzig?

„Bei Leipzig scheint man den Knackpunkt gefunden zu haben. Mit dem Trainerwechsel und Achim Beierlorzer kann man aber noch nicht einschätzen, ob es wieder aufwärts geht. Es scheint insgesamt etwas unrund zu laufen.

Bei Gladbach hat man gedacht, man wäre auch wieder auf einem guten Weg. Nach einer guten Phase hat es gegen Freiburg eine Packung gegeben, aber mit 18 Punkten hat man noch alle Möglichkeiten. Wie übrigens bis zum Fünftletzten alle Mannschaften noch die Möglichkeit haben das internationale Geschäft zu erreichen.

Sowohl für Gladbach als auch für Leipzig geht es jetzt darum, dieses Spiel zu gewinnen, um bis zum Ende der Hinrunde noch einen kleinen Lauf starten zu können. Ein Favorit ist schwer auszumachen, beide haben Klatschen kassiert. Ohne den tieferen Einblick zu haben, würde ich gefühlsmäßig eher Gladbach in der Rolle sehen, als erstes aus dieser Krise herauszukommen.“

Vielen Dank für viele Einsichten und ein sehr unterhaltsames Interview.

„Das freut mich. Ich zitiere noch meinen ehemaligen Fußballtrainer Otto Rehhagel: ‚Im Fußball gibt es nur Meinungen, keine Wahrheiten.‘ Das müssen wir immer im Auge behalten.“

Interview: Carsten Fuß

Video: Im „Beidfüßig Star Talk“ spricht Carsten Fuß mit Legende Michael Schulz. (Quelle: YouTube / Wettbasis)

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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 36 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahre als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundeliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen