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Jürgen Kohler im Interview: „Spieler können nicht mehr verteidigen“

Karl-Heinz Fischer  4. Dezember 2021
BVB - Bayern
Vor BVB - Bayern analysiert Jürgen Kohler beide Mannschaften. (© IMAGO / Herbert Bucco)

Einer der beide Seiten gut kennt und sowohl in München, als auch in Dortmund überaus erfolgreich gespielt hat, ist Jürgen Kohler.

Im exklusiven Wettbasis.com Interview haben wir ihn zu seinen besten Momenten beim Duell BVB – Bayern, den Star-Stürmern Lewandowski und Haaland, aber auch zur Nationalmannschaft und seiner persönlichen Zukunft befragt.

 

Jürgen Kohler: „Egal gewesen, gegen wen ich gespielt hätte“

 

Heute begrüßen wir einen der erfolgreichsten Fußballer Deutschlands. 105 Länderspiele, alle Titel gewonnen, die es zu gewinnen gibt: Champions-League, Weltmeisterschaf, Deutsche und Italienische Meisterschaft. Willkommen Jürgen Kohler. Die erste und wichtigste Frage zu erst: Wie geht es Ihnen?

Jürgen Kohler: „Wir sind alle gesund und munter in der Famile. Keine Probleme, das ist ja auch das Wichtigste.“

Sie haben mit Borussia Dortmund praktisch alles gewonnen. Wie sehr wünschen Sie Marco Reus – der ja immer wieder auch öffentlich anspricht, er möchte endlich mit Borussia Dortmund einen Titel gewinnen und Deutscher Meister werden – den Titel?

„Wenn ich nicht falsch liege, dann ist er ja letztes Jahr Deutscher Pokalsieger geworden. Einen Titel hat er also schon. Ich wünsche ihm natürlich, dass er mit Borussia Dortmund die Deutsche Meisterschaft gewinnen kann. Das ist natürlich schwer, in den letzten Jahren waren die Bayern einfach zu stark. In diesem Jahr haben sie doch das eine oder andere Problemchen. Sie schwächeln auch mal in der Liga, im Pokal sind sie glatt mit 5:0 gegen Gladbach rausgeflogen. Also wäre die Chance in diesem Jahr größer, als das im letzten Jahr der Fall war.“

Sie, als gelernter Innenverteidiger, sind ein Fachmann auf dem Gebiet, Stürmer zu kontrollieren. Der Fokus liegt bei BVB – Bayern natürlich auf den Stürmern Haaland und Lewandowski. Wie würden Sie die beiden charakterisieren und gegen wen hätten Sie weniger gerne gespielt?

„Mir wäre es relativ egal gewesen, gegen wen ich gespielt hätte. Beide sind außergewöhnlich gute Spieler, aber auch sie haben ihre Schwächen. Die gilt es zu analysieren, damit man weiß, welche Räume sie gerne bespielen und wo ihre größten Stärken liegen. Sind es Bewegungsspieler oder sind es Dribbler, welche Bewegungen machen Sie im 16-Meter Raum, wie gehen sie zum Kopfball, wie werden sie angespielt? Es sind also viele Themen, die sich da anbieten. Man muss da schon höllisch aufpassen, wenn man gegen solche Leute spielt.“

Sie gehen ja schon sehr detailliert in die Betrachtung. Wie würde denn Ihre Analyse ausfallen, wenn Sie gegen die beiden spielen müssten?

„Nun, Haaland ist ja ein Bewegungsspieler, der aus der Tiefe kommt, wo er durch seinen enormen Speed, den er entwickeln kann, große Vorteile hat. Sein Nachteil ist aber, dass er im Grunde ein Linksfuß ist. Er macht zwar manchmal auch mit dem rechten Fuß ein Tor, aber doch sehr selten. In den Räumen etwa 20-25 Meter vor dem 16er hat er seine ganz großen Stärken, unabhängig davon, ob er halblinks oder halbrechts ist.

Er kann gut Bälle festmachen, man darf nicht zu nah dran sein, sonst wird man einfach durch seine Masse weggeschoben. Man muss also eine gute Distanz halten, sehr beweglich auf dem Vorderfuß sein, dann hat man eine gute Chance ihn zu verteidigen. Obwohl er über 1,90 ist, ist er nicht besonders kopfballstark, hat aber enorme Geschwindigkeitsvorteile. Diese hat er aber auch nur, wenn er Geschwindigkeit aufnehmen kann. Im Antritt ist er nicht der Schnellste, er braucht einen gewissen Anlauf. Wenn er den aber bekommt, Räume bekommt und Mitspieler, die die Pässe dort hineinspielen können, dann hat er eine große Qualität.

Lewandowski ist für mich der komplettere Spieler, der zwar im Eins-gegen-Eins, vergleichsweise, nicht besonders dribbeln kann, sich aber gut vom Gegner löst und freigespielt werden kann. Aus meiner Sicht ist er beidfüßig, hat eine gute Technik und hat auch eine gute Geschwindigkeit. Diese hat er allerdings nicht auf Strecke, sondern auf den ersten Metern. Da muss man als Abwehrspieler nah dran sein, damit er nicht die Möglichkeit bekommt, schnell abzuschließen. Mit seinen fließenden Bewegungen geht er schnell vorbei und verfügt zudem über eine gute Schusstechik. Das macht ihn, aus meiner Sicht, etwas gefährlicher als Erling Halland, zumindest im Moment.“

Jürgen Kohler über BVB: „Hakt nicht am System, hakt an den Spielern“

Haben Sie es verstehen können, dass er den Ballon d’Or nicht gewonnen hat?

„Nein, das ist mir unerklärlich. Lionel Messi ist natürlich ein außergewöhnlich guter Spieler, er hat viele Verdienste, er hat großartige Spiele für Barcelona und für Argentinien abgeliefert. Der ausschlaggebende Punkt, der zum Gewinn des Ballon d’or geführt hat, war wohl der Sieg in der Copa.

Wenn man aber das ganze Jahr betrachtet, wie Lewandowski gespielt hat, zudem noch Triple-Sieger geworden ist, was ja auch nicht oft vorkommt, dann glaube ich schon, das er es weitaus mehr verdient gehabt hätte. Im gleichen Atemzug nenne ich auch Salah, der bei Liverpool spielt und ebenfalls ein außergewöhnlich guter Spieler ist. Das wären also schon einmal zwei gewesen, die mir ad hoc eher eingefallen wären. Vielleicht auch Benzema, der eine überragende Saison bei Real Madrid gespielt hat. Es hätte also wohl zwei oder drei Optionen gegeben, bei allem Respekt für die Verdienste von Lionel Messi.

Leistungsdaten von Jürgen Kohler

Verein Spiele Tore/Vorlagen
Borussia Dortmund 250 18/3
Juventus Turin 145 13/2
FC Sevilla 110 57/-
SV Waldhof Mannheim 102 8/-
FC Bayern München 73 7/1
1. FC Köln 67 2/1

Wenn man Borussia Dortmund analysiert, fällt als erstes auf: 19 Gegentore. Woran hakt es noch, im System Rose, beim BVB?

„Es hakt nicht am System, es hakt an den Abwehrspielern. Die meisten Abwehrspieler können nicht mehr so gut verteidigen, weil das aus meiner Sicht, auch viel zu wenig in der Liga trainiert wird. Ich war ja selbst im Jugendbereich aktiv, wenn ich dann 1-gegen-1, oder 2 und 3-gegen-1 trainieren ließ, haben die immer gestöhnt. Aber das sind die Übungsformen die Abwehrspieler sehr häufig machen müssen, damit sie die Sicherheit und auch das Gefühl dafür bekommen, wann der richtige Zeitpunkt ist um zuzustechen und den Zweikampf zu führen, oder wo die gefährlichen Räume sind.

Wenn man das nicht mindestens zwei- oder dreimal wöchentlich trainiert und stattdessen mehr auf Systeme wert legt, dann gewinnt man die entscheidenden Zweikämpfe nicht und kann das Tor nicht verhindern. Die meisten Defensivspieler können einfach nicht mehr gut verteidigen, das ist meine persönliche Meinung.“

Mit Borussia Dortmund haben Sie 21 Mal gegen die Bayern gespielt und nur 3 Mal gewonnen. Allerdings haben Sie auch bei den Bayern gespielt und die Gegenseite erlebt. Vielleicht können Sie uns mal erklären, warum es so schwierig ist, gegen den Rekordmeister zu gewinnen?

„Weil Bayern natürlich ein Verein ist, bei dem der zweite Platz nichts zählt. Der zweite Platz ist schon der Verliererplatz. Das bekommt man mit, wenn man den Vertrag unterschrieben hat und das erste mal auf dem Trainingsplatz steht. Dort bekommt man das zu hören, manchmal im Flachs, manchmal in ernsten Gesprächen mit dem Management oder dem Trainer. Das geht irgendwann in Fleisch und Blut über.

Wenn man zudem mit einer so hohen Qualität im Training operiert, wo nur Top-Leute und viele Nationalspieler sind, dann macht sich das am Ende des Tages auch auf dem Platz bemerkbar. Wir haben manchmal scherzhalber gesagt, dass das Training untereinander, also die Spiele 11-gegen-11, härter waren als in der Liga.

Ohne despektierlich zu sein, aber das ist natürlich auch dem geschuldet, dass Bayern München wirtschaftlich die größten Ressourcen hatte und auch weiterhin hat und die Kluft auch immer weiter auseinandergegangen ist. Wenn man dann auch mal von Uli Hoeneß in sein Büro zitiert wird, der dann einfach gesagt hat: ‚Wir sind hier um zu gewinnen und alles andere zählt nicht‘, das prägt einen Spieler dann natürlich auch.

Das ist es auch, was das Arbeiten in München so schön macht, aber auch schwierig. Wenn man mal zwei Spiele in Folge nicht gewinnt, ist man schon gewaltig unter Druck. Mit diesem Druck müssen die Spieler permanent umgehen, das lässt die Spieler schneller reifen und auch besser werden.“

Sie konnten mit dem BVB aber auch gewinnen. Was war dann da das Ausschlaggebende?

„Ich glaube, wir konnten die Bayern zu meiner Zeit auch ein paar Mal überraschen. Wir hatten außergewöhnlich gute Spieler und viele Nationalspieler mit einer hohen Qualität. Da war eben entscheidend, dass wir im Training auch schon auf einem sehr hohen Niveau trainieren konnten und die Spieler dann in den entscheidenden Spielen eine hervorragende Leistung abgerufen haben.“

Wen Sie sich zurückerinnern, an die zahlreichen Duelle bei BVB – Bayern, auf beiden Seiten. Welche Szene ist Ihnen da am besten in Erinnerung geblieben?

„Am besten in Erinnerung geblieben ist mir die Szene damals mit Oliver Kahn und Heiko Herrlich. Das Spiel ging 1:1 aus, wenn ich mich richtig erinnere. Und als Oli da versucht hat, dem Heiko ein paar Liebesgrüße ins Ohr zu flüstern und nicht ganz rangekommen ist, das bleibt mir bis heute im Gedächtnis.“

Was haben Sie in diesem Moment gedacht?

Sie haben bei Waldhof Mannheim das kicken gelernt. Eine Verteidigerschule, die deutschlandweit bekannt ist. Inwieweit verfolgen Sie Waldhof und auch den 1. FC Köln, der Ihnen ja auch bestens bekannt ist?

„Natürlich verfolge ich das noch. Erfreulich ist, dass Waldhof Mannheim in der 3. Liga jetzt auf Platz zwei steht, so dass sie die Möglichkeit haben, wieder in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Genau so erfreulich ist die Saison des 1. FC Köln, die mit Steffen Baumgart einen Trainer gefunden haben, der wie die Faust aufs Auge dahin passt.

Es macht einfach Spaß, wenn man zwei Ex-Vereine sieht, die auf einem guten Weg sind, auch wenn der Weg lange ist. Der Erfolg von heute ist morgen schon nichts mehr wert. Den guten Rat kann ich beiden mitgeben: Sie müssen dranbleiben, bis das letzte Spiel abgepfiffen ist. Es ist auch ein Privileg, dass man in solchen Vereinen spielen darf.“

„Man kannte ja auch Oliver Kahn und wusste schon, dass er als Typ, auf die eine oder andere Weise, ein bisschen verrückt ist, aber im positiven Sinne. Im Sport braucht man das manchmal um seine Mitspieler auch aufwecken zu können, um mitteilen zu können, dass da etwas innerhalb einer Mannschaft nicht funktioniert. Oli hat das gelebt und eine großartige Karriere gemacht. Er war ein entscheidender Faktor, dass Bayern über die Jahre so viele Titel gewonnen hat.“

 

Kohler über DFB: „Bei der Ausbildung große Fehler gemacht“

 

2006 waren Sie zuletzt in der Bundesliga. Wie wahrscheinlich ist es, dass wir Sie dort nochmal erleben dürfen?

„Das weiß ich nicht. Ich bin ein Typ, der niemals nie sagt. Es könnte alles passieren. Die letzten Jahre habe ich mehr meiner Familie gewidmet. Manchmal musste ich schon lachen, was man so hörte: ‚Ich sei raus‘. Wo ich dann gerne entgegne, die anderen waren noch nie drin. Weder als Fußballer, noch in einer anderen Funktion.

Ich habe viele Funktionen in meinem Leben schon gehabt, viele Erfahrungen sammeln dürfen und ich glaube schon, dass ich dadurch in vielen Bereichen dem ein oder anderen Verein helfen könnte. Aber es ist auch nicht so, dass ich rumfahre und mich dort bewerbe. Warum auch? Ich weiß, ich bin ein glücklicher Mensch. Ich habe das machen dürfen, was sich viele wünschen, nämlich das Hobby zum Beruf zu machen und habe dabei viele Menschen kennengelernt und ein gutes Netzwerk aufgebaut.

Aktuelle Bundesliga Tipps

 

Sie haben 105 Länderspiele, also eine Karriere, die man als Bilderbuchkarriere bezeichnen kann. Wie sehen Sie die deutsche Nationalmannschaft und die Chancen bei der WM im nächsten Jahr?

„Die Mannschaft hat in den letzten Spielen offensiv überzeugt. Das geht mir aber manchmal zu schnell. Vor einem halben Jahr lag noch alles am Boden, da war die Mannschaft katastrophal. Jetzt hat man gegen Armenien und Liechtenstein gewonnen und man hat schon wieder das Gefühl, man wird gleich wieder Weltmeister. So ist es aber nun mal leider nicht.

Die Mannschaft braucht noch Zeit. Wie immer haben wir eine gute Mannschaft zusammen und wenn alle Räder ineinander greifen, dann hat man sicherlich die Möglichkeit, bei den Turnieren weit zu kommen. Man muss aber auch sagen, dass wir in der Breite nicht mehr so viele Weltklassespieler haben, wie man das noch vor ein paar Jahren hatte.

Da wurde bei der Ausbildung große Fehler gemacht. Es wurde nur noch im System gedacht, nur noch im System trainiert, aber eigentlich macht das Individuum den Unterschied. Da müssen wir auch wieder hinkommen, dass mehr der Spieler im Vordergrund steht und nicht nur die Systeme. Die gehören sicherlich dazu, weil auch Zeit und Raum auf dem Spielfeld abgenommen haben, aber das ist nicht das Entscheidende.

Die Protagonisten sind immer noch die Spieler. Umso bessere Spieler ich auf ihren Positionen ausbilde, umso größer könnte meine Möglichkeit sein, Titel zu gewinnen. Punkt. Ist so. Der Fußball lebt von den außergewöhnlich guten Spielern wie Messi, Ronaldo, Mbappe, Benzema, Salah und wie sie alle heißen. Deshalb gehen die Leute ins Stadion.

Vielen Dank dafür, freuen wir uns auf das Spiel Dortmund gegen Bayern.

„Kein Problem. Vielen Dank.“

Interview: Carsten Fuß

Video: Im „Beidfüßig Star Talk“ spricht Carsten Fuß mit Legende Jürgen Kohler. (Quelle: YouTube / Wettbasis)

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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 36 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahre als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundeliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen