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Boxen

Box-Experte Drews sieht Chance für Wilder: „Fury muss höllisch aufpassen“

Philipp Stottan  5. Oktober 2021
Tobias Drews Interview
Die "deutsche Boxstimme" Tobias Drews sieht Tyson Fury klar im Vorteil. (© IMAGO / Torsten Helmke)

Die epische Box-Trilogie „Fury vs Wilder“ erlebt am frühen Sonntagmorgen ihr furioses Finale (10. Oktober, ab 05:30 Uhr deutsche Zeit, Übertragung bei DAZN). Auf dem Spiel steht nicht weniger als der WBC WM-Titel im Schwergewicht.

Einer, der sich im Boxen auskennt wie kein Zweiter ist Tobias Drews. Die „deutsche Box-Stimme“, wie Drews bereits betitelt wurde, war seit 1998 Kommentator unzähliger Boxkämpfe im deutschen Fernsehen – von Premiere, über RTL bis hin zu Sport1.

Wettbasis.com hat vor dem Showdown Tyson Fury gegen Deontay Wilder exklusiv mit dem Fachmann gesprochen – über seinen persönlichen Favoriten, die Stärken/Schwächen der beiden und wieso man Mike Tysons Rat eher nicht befolgen sollte.

 

Drews vor Fury vs Wilder: „…Fury muss höllisch aufpassen“

 
Hallo Herr Drews, vielen Dank dass sie sich Zeit nehmen. Wer ist für Sie der Favorit vor Fury vs Wilder 3 und warum?

Tobias Drews: „Ich gehe davon aus, dass Tyson Fury diesen dritten Kampf gewinnen wird. Er hat im ersten Duell zeigen können, dass er Wilder aus der Distanz beherrschen kann. In Kampf Nummer zwei hat er ihn mehr oder weniger überrollt. Fury kann seinen Stil umstellen und an die Gegebenheiten anpassen. Er hat extrem harte Treffer weggesteckt und ist wieder aufgestanden und er hat den letzten Kampf deutlich gewonnen. Das ist ein mentaler Vorteil.“

 
Wilder ist der Schwergewichtsboxer mit der größten Schlagkraft. Im ersten Kampf hat er Fury zwei Mal zu Boden gebracht, der ist aber beide Male wieder aufgestanden. Kann er Fury K.O. schlagen?

„Ja, grundsätzlich schon. Die rechte Schlaghand von Wilder ist immer gefährlich und Fury muss da höllisch aufpassen.“

 
Wilder wird nachgesagt, er lebt nur von seiner Schlagkraft. Wo sehen Sie seine weiteren Stärken bzw. seine Schwächen?

„Die Schlagkraft ist schon seine größte Stärke. Ansonsten ist es technisch oft unsauber und wenn er mit seinen wilden Schlägen nach vorne geht, verliert er gerne auch mal seine Balance. Aber – mit Ausnahme der beiden Kämpfe gegen Fury – ist das immer gut gegangen.

Auch an schlechten Tagen war die rechte Hand von Wilder immer so eine Art Lebensversicherung. Irgendwann traf er und damit war der Kampf entschieden. Das Fury aber nach den Volltreffern wieder aufgestanden ist, wird Wilders Vertrauen in die eigene Schlagkraft etwas erschüttert haben.“

 

Wann ist Fury vs Wilder 3 live? Übertragung & Uhrzeit

Austragungsort: T-Mobile Arena, Las Vegas (USA)
Datum: Samstag, 9.10.2021
Uhrzeit: Sonntag, 10.10.2021 – ab 5:30 Uhr (deutscher Zeit)
TV/Livestream: DAZN

 

Alle Infos zu Fury vs Wilder 3

 
Mike Tyson sagt sinngemäß: Wilder soll mit Vollgas und ohne viel Taktik in diesen Kampf reingehen – entweder alles oder nichts. Soll er den Rat befolgen?

„Aus Sicht des Zuschauers wäre das sicher sehr interessant. Dann würde es sofort sehr spannend werden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Wilder diese Harakiri-Taktik wirklich umsetzen wird. Zu groß wäre die Gefahr, sich selber harten Treffer einzufangen und in verheerende Konter zu laufen. In den Trainingsvideos konnte man sehen, wie Wilder an Kombinationen arbeitet, viel zum Körper schlägt. Das deutet darauf hin, dass er zwar offensiv boxen will, aber eben nicht kopflos oder nach der Mike-Tyson Taktik.“

 
Was macht Fury so stark – Beweglichkeit, Reichweite, Box-Intelligenz?

„Ja, das sind drei gute Punkte. Für seine Körpergröße von 2,06 Meter ist er sehr beweglich und er ist auch sehr viel fitter, als man auf den ersten Blick denken würde. Er wirkt ja nie völlig austrainiert, kann aber dennoch die volle Distanz gehen und wirkt häufig auch beim Schlussgong noch so, als könnte er durchaus noch ein paar Runden weitermachen. Die Ringintelligenz ist ebenfalls ein Faktor. Er kann seinen Stil umstellen, er findet immer eine Lösung und einen Ausweg aus brenzligen Situationen.

Und er ist ein Meister der psychologischen Kriegsführung. In der Vorbereitung auf dieses Duell sieht man ihn mehr als sonst in der Rechtsauslage trainierend. Wird er also auch in der Rechtsauslage kämpfen? Er hat in vielen Kämpfen die Auslage gewechselt, aber selten dauerhaft ‚falsch herum‘ geboxt. Für Wilder bedeutet das aber nun, dass er sich auch darauf noch intensiver vorbereiten muss, weil er dann seine rechte Schlaghand anders vorbereiten müsste. Vielleicht führt das zu Unruhe im Team Wilders.“

 

Fury vs Wilder: Wetten & Quoten – wer gewinnt?

Fury vs Wilder Wetten Quoten Fury vs Wilder Fury vs Wilder Wettquoten Fury vs Wilder Wetten Box Wettquoten
Tyson Fury 1.36 1.36 1.40 1.35 1.38
Deontay Wilder 3.25 3.10 3.10 3.25 3.25

Quoten Stand 9.10.2021, 7:55 Uhr. Angaben ohne Gewähr. 18+ | AGB gelten.

 

Drews: „Bin auf Überraschungen bei Fury vs. Wilder 3 gespannt“

 
Wo hat Fury seine Schwachstelle – wie kann er besiegt werden? Geschafft hat es bislang noch niemand…

„Fury ist durchaus zu treffen, er war schon in Kämpfen vor Wilder am Boden. Ich kann mir vorstellen, dass er mit Schnelligkeit mehr Probleme haben würde als mit Schlaghärte. Würde man ihn also dauerhaft beschäftigen und ‚ausboxen‘, wäre das ein besseres Mittel als nur auf den einen oder mehrere Volltreffer zu setzen. Aber bislang hat das noch keiner hinbekommen.“

 
Jetzt stehen sich die beiden zum dritten Mal gegenüber – insgesamt 19 Runden haben sie bereits gegeneinander geboxt. Kann der eine den anderen noch irgendwie überraschen?

„Das schon angesprochenen Thema mit der Rechtsauslage geht ja in die Richtung. Fury kann sicher etwas Überraschendes anbieten, bei Wilder scheint es da weniger Spielraum zu geben. Aber in den großen Trilogien im Schwergewicht (Ali vs. Frazier, Ali vs. Norton, Patterson vs. Johansson,…) wurde es nie langweilig und es gab auch in Kampf drei durchaus noch einige Überraschungen. Von daher bin ich auch auf die Überraschungen bei Fury vs. Wilder 3 gespannt.“

 

Fury vs Wilder: So verliefen die ersten Duelle

 
Hat Fury einen mentalen Vorteil, weil er Wilder im zweiten Kampf klar besiegt hat?

„Ja, ich denke schon. So etwas bleibt ein Weilchen im Hinterkopf und nagt am Selbstvertrauen. Daher musste Wilder ja auch einen Schuldigen finden und hat seinen Trainer ausgetauscht. Damit muss er sich vielleicht weniger mit den eigenen Fehlern oder Schwächen auseinander setzen.

Er hatte ja einige Erklärungsversuche seiner Niederlage unternommen. Seine Verkleidung beim Walk-In sei zu schwer gewesen und habe ihn Kondition gekostet und solche Dinge. Fury hat ihn zum ersten Mal in seiner Profikarriere an einen Punkt gebracht, in dem er völlig die Kontrolle verloren hat. Das wiegt schwer.“

 
Wilder hat einen neuen Trainer engagiert. Sehen wir einen anderen Bronze Bomber als in den ersten beiden Fury-Kämpfen? Wenn ja, was ist anderes zu erwarten?

„Das ist die große Unbekannte in diesem Duell. Wilder war mit seinem letzten Trainer Mark Breland vor allem deswegen unzufrieden, weil er den letzten Kampf gegen Fury abgebrochen hatte, also das Handtuch warf. Außenstehende haben das als eine hervorragende Entscheidung angesehen, aber Wilder fühlte sich von seinem Trainer ‚hintergangen‘ und zweifelte an dessen Loyalität.

Nun ist also Malik Scott der Trainer, der auf diesem Gebiet noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten ist. Er war mal Gegner von Wilder, da ging er nach 96 Sekunden KO. Immerhin kennen sich die beiden gut und Scott war längere Zeit Sparringspartner von Wilder. Die Chemie zwischen den beiden scheint zu stimmen.“

 

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Fury ist der Titelverteidiger, in den ersten beiden Duellen gegen Wilder war er der Herausforderer. Ist es ein Unterschied, ob man als Titelträger oder Anwärter in den Ring steigt?

„Im kleinen Handbuch der Boxer-Weisheiten würde man da sicherlich einen Unterschied formulieren. Aber bei Fury ist einiges anders, er funktioniert einfach anders als ’normale‘ Boxer. Der größte Unterschied für diesen Kampf liegt darin, dass man mehr Entscheidungen treffen darf. In welchen Handschuhen wird geboxt? Wer muss oder darf zuerst in den Ring, wer wird zuerst vom Ringsprecher angekündigt… Alles eher Kleinigkeiten, die in der Testosteron-gesteuerten Boxwelt aber immer als Machtvorteil gewertet werden.“

 
Fury hat auch mehr zu verlieren – der Vereinigungskampf mit Anthony Joshua ist eigentlich fix. Behält er den WBC-Titel kann es diesen entweder gegen Joshua oder auch gegen Usyk geben. Spielt das eine Rolle?

„Nach der Niederlage von Joshua hat sich das das Blatt ohnehin neu gemischt, da wird in den kommenden Wochen einiges in Sachen Box-Politik hinter den Kulissen passieren. Aber das Rematch Wilder vs. Fury ist so groß, da spielen kommende Gegner wohl eher keine Rolle.“

 

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