In der Vita von Maurizio Gaudino stehen unter anderem 171 Spiele für den VfB Stuttgart, mit dem er auch deutscher Meister wurde, sowie 75 Spiele für Eintracht Frankfurt. Besonders mit dem VfB ist der 59-Jährige auch heute noch eng verbunden.
Vor dem 26. Spieltag hat die Wettbasis den gebürtigen Brühler zum Interview gebeten und ihn nach seiner bisherigen Saison-Analyse gefragt. Dabei sieht er seinen VfB in der Entwicklung klar vor RB Leipzig und lobt Trainer Sebastian Hoeneß. Gegner RB Leipzig und Jürgen Klopps Einfluss auf den Verein sieht er hingegen nicht so positiv.
Dafür hat er für Top-Stürmer Deniz Undav bei seinem Bewerbungsschreiben für die WM einen Rat parat. Natürlich ging der Blick auch auf die Spiele Leverkusen gegen Bayern und Frankfurt gegen Heidenheim, mit Topmöller-Nachfolger Albert Riera. Daraus könnt ihr womöglich auch eine Tendenz für eure Bundesliga Tipps des 26. Spieltags herauslesen, die mit einem Wettanbieter Bonus noch lukrativer werden. Seid ihr noch unschlüssig, bei welchem Bookie eure Wette am besten aufgehoben ist, dann werft einen Blick auf die besten Wettanbieter.
Außerdem kam ein Rekord von Maurizio Gaudino zur Sprache, auf den er nicht besonders stolz ist, den ihm aber so schnell wahrscheinlich keiner abnehmen wird.
Gaudino über RB Leipzig: „Weit entfernt von dem, was der VfB spielt“
Wettbasis: Hallo Maurizio Gaudino! Stuttgart gegen Leipzig – das ist so etwas wie ein Entscheidungsspiel. Sie sind ganz nah dran am VfB, welche Tendenzen machen Sie gerade aus?
Maurizio Gaudino: An Tendenzen mache ich aus, dass für mich der VfB einfach die bessere Mannschaft ist, die bessere Spielkultur hat. Auch wenn sie jetzt punktgleich sind und Leipzig auch am Wochenende glücklich gewonnen hat, spielt Leipzig unter den Erwartungen – was man auch immer von Leipzig erwartet. Sie stehen natürlich jetzt da oben, aber die Spielart, wie sie spielen, wie sie punkten, ist weit entfernt von dem, was der VfB die letzten Jahre spielt. Das ist natürlich dem Trainer Sebastian Hoeneß geschuldet, der diese Mannschaft wirklich auf ein wahnsinniges Level geführt hat, seit er sie im Abstiegskampf übernommen hat. Deswegen sehe ich auch den VfB als bessere und stärkere Mannschaft, die auch am Wochenende das Spiel für sich entscheiden wird.
Wettbasis: Sebastian Hoeneß haben Sie angesprochen, was macht er denn konkret richtig? Ist er gerade nah dran an den Spielern oder hat er eine Systematik entwickelt, die den VfB so weit nach vorne gebracht hat? Wo sind denn die Gründe?
Maurizio Gaudino: Das kann ich auch nur als Außenstehender beurteilen, weil ich nicht das Training sehe, ich bin nicht tagtäglich vor Ort. Aber er entwickelt die Spieler, er macht sie einfach stärker. Man hat das Gefühl, dass er ganz nah dran an den Spielern ist, dass die Mannschaft eine komplette Einheit ist, auch im Rotationssystem. Die wirken alle sehr, sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie der Trainer mit ihnen umgeht. Dann sind sie sehr, sehr variabel im System, spielen sehr stark auch auf Pressing, aber auch auf Ballbesitz, können sich aber auch einstellen, wenn der Gegner phasenweise versucht zu drücken oder stärker ist, und kommen über das Konterspiel mit ihren schnellen Leuten. Also das sind sehr, sehr viele Faktoren, die eine Rolle spielen, die einfach ineinander passen. Natürlich gehören da zum Trainer auch Co-Trainer und der ganze Staff dazu, aber da scheint eine wahnsinnige Harmonie zu sein. Auch wenn mal ein Spiel schlechter läuft, wenn sie unentschieden spielen, auch wenn ein Spiel mal verloren geht, dann wird es abgeschüttelt und am nächsten Spieltag sind die dann sofort wieder da und spielen ihr Spiel wieder. Also die Mannschaft steckt auch voller Selbstvertrauen und das stimmt mich sehr, sehr optimistisch. Fakt ist aber auch, dass sie sehr, sehr, sehr abhängig werden vom Trainer und da kann man nur hoffen, dass der VfB lange mit diesem Trainer und diesem Trainerteam zusammenarbeiten kann.
Wettbasis: Mit Yan Diomande hat RB einen Spieler, der sein zehntes Bundesliga-Tor in jungen Jahren erzielt hat. Schneller waren nur drei Spieler, unter anderem Lukas Podolski und Olaf Thon. Aber mit Maurizio Gaudino haben wir einen, der ziemlich schnell eine Rote Karte bekommen hat. Unberechtigt, als 17-Jähriger.
Maurizio Gaudino: (lacht) Danke, danke. Das unberechtigt haben Sie noch hinzugefügt, aber erinnert mich doch bitte nicht immer daran. Aber man muss Sachen machen, die eigentlich keiner aufholen kann. Wenn du vielleicht andere Rekorde nicht brechen kannst, dann musst du sowas machen. Das wird sich ja keiner einfallen lassen, mit 17 eine Rote Karte zu bekommen, noch dazu im ersten Spiel.
Maurizio Gaudino mit Rat für Deniz Undav: „Er sollte seine Interviews ein bisschen zurückschrauben“
Wettbasis: Noch nicht mal den Führerschein, aber schon eine Rote Karte. Aber kommen wir zurück zum Thema. Deniz Undav ist eine Personalie, die natürlich auch bei Julian Nagelsmann liegt. Wie sehen Sie das? Also meiner Meinung nach muss er definitiv mit zur WM.
Maurizio Gaudino: Ja, definitiv! Also er lässt auch auf das, was er immer sagt, Taten folgen. Er spielt hervorragend, schießt seine Tore. Er ist einfach ein Straßenkicker, einfach ein Schlitzohr auf dem Platz. Er ist ein Strafraumspieler, der immer wieder diesen Tick auch schneller ist als sein Gegenspieler oder die Abwehrspieler, der aber auch von der Mittellinie laufen kann, weil er im richtigen Moment losläuft, der sich auch fallen lässt und seine Mitspieler sehr gut einsetzt. Also er ist ein kompletter Spieler! Jetzt kann man sagen, er ist kein Stürmer, der das Kopfballspiel forciert, er ist aber auch stark im Kopfballspiel, wenn er im Sechzehner drin ist. Also er ist ein Spieler, der definitiv mit sollte zur WM. Das einzige, was ich jetzt noch anmerken würde ist, dass er sich wirklich aufs Spielen konzentrieren soll und seine Interviews ein bisschen zurückschrauben sollte, was das Thema Nationalmannschaft angeht. Dann denke ich, damit fährt er besser und wird mit Sicherheit dann auch dabei sein.
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Wettbasis: Kurzer Nachtrag: Auch Gerd Müller war kein riesiger Kopfballspieler übrigens, von der Statur her. Noch zum Thema RB Leipzig: Oliver Minzlaff hat ja unmissverständlich klar gemacht, dass die Champions League Quali sein muss. Wie sehen Sie das denn eigentlich aktuell mit Jürgen Klopp? Hat er jetzt da irgendwie was vorangebracht, beim Konstrukt RB?
Maurizio Gaudino: Das ist schwierig, diese Personalie oder seinen Job da wirklich zu beurteilen. Wie oft ist er in Leipzig, wie oft spricht er mit den Trainern, wie oft schaut er sich das Training an? Das sind alles Dinge, die wir wirklich nicht von außen, wie das gehandhabt wird, beurteilen können. Fakt ist, dass wenn man das so sieht – ich schaue jetzt nicht die anderen RB-Vereine in den anderen Ländern an – aber bei Leipzig fruchtet es im Moment nicht. Also wir haben jetzt auch die letzten zwei Spiele gesehen, aber bei Leipzig fehlt mir, das was sie aussprechen, das was sie vorhaben, da fehlt mir einfach die Dominanz. Was ich gerade auch über Stuttgart gesagt habe, einfach diese ganze komplette Struktur ihres Spiels, variabel zu sein, dominant auf dem Platz zu sein und nicht die Spiele glücklich zu gewinnen. Man kann mal ein Spiel glücklich gewinnen, aber nicht als RB Leipzig. Da muss mehr kommen und da muss einfach eine ganz andere Spiel-Struktur in so eine Mannschaft reinkommen, das sehe ich noch nicht. Und deswegen würde ich sagen, da sieht man die Handschrift von Jürgen Klopp dann auch noch nicht.
Gaudino glaubt nicht an Bayern im Schongang: „Da ist einfach eine Dominanz da“
Wettbasis: Bayer Leverkusen gegen Bayern München bedeutet natürlich auch, die Leverkusener wollen in die Champions League, sind aber aktuell nicht drin, müssen also richtig fighten. Und das gegen einen Verein, der gerade auf einer Welle des Erfolgs surft und 6:1 in Bergamo gewonnen hat. Kann Bayer die Bayern stoppen?
Maurizio Gaudino: Nein, in der jetzigen Verfassung nicht. Für Bayer Leverkusen gilt ja auch dasselbe. Natürlich kann man sagen, die befinden sich jetzt wirklich in einem großen Umbruch, immer noch auf der Suche nach dem Meisterjahr mit Xabi Alonso. Das dauert natürlich, gerade für so einen Verein wie Leverkusen, der ja immer wieder gute Jahre gehabt haben, aber diesen Erfolg nie hatte. Mit Alonso hatten sie diesen Durchbruch und deswegen ist es da jetzt schwer, wieder an die Leistungen so schnell heranzukommen. Jetzt scheinen sie sich ein bisschen zu stabilisieren. Aber Bayern München kommt einfach viel zu früh für Leverkusen und in diesem Moment, wie Bayern performt – voller Selbstvertrauen und so stark, so variabel. Das hat man jetzt einfach beim 6:1 auch gesehen, was für ein Unterschied das ist. Dortmund hat das zweite Spiel gegen Atalanta auch fahrlässig hergegeben, aber da lässt Bayern München überhaupt nichts anbrennen. Das waren nur die ersten fünf bis acht Minuten, in denen Atlanta Bergamo versucht hat, ein bisschen Druck auszuüben und auf einmal hat Bayern München hochgeschaltet. Da ist einfach eine Dominanz da, die sind so stark auch in der Offensive, so variabel, so laufstark und da merkt man einfach diese Spielfreude, die zur Qualität von jedem einzelnen Spieler auch noch dazu kommt. Also der Trainer ist da letztendlich auch maßgeblich beteiligt an dieser ganzen Situation und es macht einfach nur Spaß, da zuzuschauen. Also mein Tipp ist, dass Bayer Leverkusen da sehr wenig Chancen hat.
Wettbasis: Sie als langjähriger Profi können uns das mit Sicherheit erklären: Haben Joshua Kimmich und Michael Olise die Gelben Karten bewusst gezogen, um im Rückspiel gesperrt zu sein?
Maurizio Gaudino: Ja, natürlich! Das haben sie dann auch bei dem Ergebnis sehr clever gemacht und es war eigentlich in dem Spiel eine Frage der Zeit, bis sie sich diese Gelben Karten abholen. Man konnte das dann hinten raus letztendlich auch nur mit solchen Situationen machen. Man hat ja nichts Grobes machen müssen, um um sich die Gelbe Karte zu holen. Aber es war auf jeden Fall bewusst.
Maurizio Gaudino outet sich als Fan von Frankfurt-Coach Riera: „Das ist seine Art, das ist auch Typ-bedingt“
Wettbasis: Eintracht Frankfurt gegen Heidenheim, die Eintracht ist auch ein Ex-Klub von Maurizio Gaudino, den Sie also richtig gut kennen. Die Adler aus Frankfurt fliegen jetzt nicht wahnsinnig hoch, haben sich aber stabilisiert, jetzt geht es gegen Heidenheim. Das sollte keine unlösbare Aufgabe sein.
Maurizio Gaudino: Ja, mit Sicherheit. Mir hat es leidgetan für Dino Toppmöller, dass er gehen musste, weil er ja trotzdem auch sehr gut performt hat. Zwei Jahre war er da und hat Frankfurt auch wirklich sehr gut weiterentwickelt. Schade, dass er nicht mehr da ist, aber der neue Trainer scheint wirklich das Rezept jetzt wieder gefunden zu haben, die Jungs zu stabilisieren, die Gegentore zu minimieren und stabiler zu stehen. Deshalb sind sie jetzt auch gegen Heidenheim der Favorit. Das ist ein Spiel, das eine Pflichtaufgabe für Frankfurt sein muss und den Sieg werden sie auch brauchen, um weiter oben dabei zu sein.
Wettbasis: Ist Heidenheim für Sie schon in der 2. Liga?
Maurizio Gaudino: Es ist traurig, das zu sagen, sie haben sich als der kleine Verein da wirklich gewehrt mit allem, was sie haben, aber ich denke nach der Niederlage in Bremen, dass es jetzt wirklich sehr, sehr schwer wird für Heidenheim, da wirklich noch mal die Kurve zu kriegen, um da raus zu kommen. Das spricht für mich einfach für die Ruhe, die lange Zusammenarbeit, die Holger Sanwald mit dem Trainer Frank Schmidt zusammen aufgebaut hat. Natürlich gehören da noch andere dazu, aber das sind die Namen, die da wirklich stark den Verein mitgeprägt haben und da merkt man einfach die Ruhe. Da kann man jetzt als Außenstehender nur sagen: Wenn sie absteigen, dann werden sie sich schütteln und konstruktiv weiter arbeiten. Dann denke ich auch, dass man sie dann bald auch wieder in der Bundesliga sehen wird.
Wettbasis: Der neue Frankfurt-Trainer Albert Riera trommelt jede Woche sehr laut. Gefällt Ihnen das?
Maurizio Gaudino: Das ist seine Art, das ist auch Typ-bedingt.
Wettbasis: Ist das der spanische Dragoslav Stepanovic?
Maurizio Gaudino: Ja, das könnte man vielleicht so sagen, aber er scheint jetzt reinzupassen. Es ist aber auch seine Art. Natürlich muss man auch sehen, wenn er ein spanisches Interview gibt und die Sachen werden übersetzt, dann kommen gewisse Dinge auch anders rüber. Natürlich spricht er auch immer wieder auf Englisch, aber ich denke er ist so ein Typ. Er motiviert aber auch die Spieler, stellt sich komplett vor die Mannschaft und gibt aber auch dadurch den Spielern sehr, sehr viel Vertrauen. Man sieht auch, wie er mit denen umgeht, wenn ein Spieler ausgewechselt wird. Er nimmt sie in den Arm, redet noch mit ihnen. Er ist noch sehr nahe dran als Ex-Spieler. Weil er auch ein hervorragender Spieler war, auch ein Nationalspieler, versucht er praktisch diese Dinge, die er als Spieler erlebt und gelernt hat – zumindest mal die positiven Dinge – für sich so umzusetzen. Für uns in Deutschland ist es immer schwierig, damit umzugehen, aber wichtig ist, dass es ihm bis jetzt nicht auf die Füße gefallen ist. Weil das war am Anfang so der Tenor, als er gekommen ist, nach seiner ersten Pressekonferenz. Deswegen bin ich froh, dass er jetzt so mit der Mannschaft performt und ich hoffe, dass es natürlich auch so weitergeht, dass er in Ruhe auch die Mannschaft weiterentwickeln kann.
Wettbasis: Vielen Dank Maurizio Gaudino.



