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Zwischen Wettgewinn und Spielsuchtfalle: Ex-betting im Interview

Der schmale Grad zwischen Erfolg, Misserfolg und Spielsucht beim Wetten

Ein aus einem Wettforum bekannter User namens „Ex-betting“ hat für sich einen Schlussstrich unter das Thema Sportwetten gezogen. Er blickt in einem Interview mit uns auf seine Wettkarriere zurück und erläutert die Gründe für das radikale Ende nach fast 20 Jahren im Geschäft. Dabei stand das Problem der Wettsucht oft im Vordergrund. Lesen Sie selbst:
 

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Wettbasis: Hallo Ex-betting, Du blickst auf eine sehr lange Wettkarriere über knapp 20 Jahre zurück. Möchtest Du uns erzählen,  warum Du mit dem Wetten angefangen hast, wie die Thematik vor zwei Jahrzehnten ablief und welche positiven Highlights Du aus der Zeit mitgenommen hast?

Ex-betting: Wie bei nahezu jedem Neuling war es damals der Spaß an der Freude, der Freundeskreis und das unbändige Interesse an den europäischen Topligen im Fußball. Zudem habe ich viele Spiele im Stadion selbst mit verfolgt, die mir das Wetten schmackhaft gemacht haben. Die privaten Tipps stimmten fast immer und die Wettanbieter fingen grade an breiter in der Öffentlichkeit zu werben. Es wurde mit Klimpergeld gespielt, quasi mit dem Taschengeld getippt. Bei unattraktiven Quoten habe ich kombiniert, was das Zeug hielt – und ich hatte anfänglich zumindest gefühlt eine durchaus akzeptable Bilanz.

Es war schon genial, beim SV Waldhof Mannheim – meinem damaligen absoluten Favoriten nach der Frankfurter Eintracht – im neuen Carl-Benz Stadion zu stehen, welches erst Wochen zuvor die Einweihung gefeiert hatte. Innerhalb der 90 Spielminuten habe ich mit meiner Wette die Eintrittskarte, Stadionwurst und die vielen Biere im Stadion während der An- und Abfahrt verdient. Ein starkes Gefühl!

Wettbasis: Am 25.06.2013 hast Du Dir selbst einen Schlussstrich gesetzt und willst fortan keine einzige Wette mehr spielen. Welche Punkte  haben Dich denn zu diesem Punkt gebracht, das „Hobby“ an den Nagel zu hängen?

Ex-betting: Ganz ehrlich: Das ist so verlogen von der Community (dem Forum, indem sich Ex-betting regelmäßig bewegte, Anm. d. Red.). Für fast jeden User hat es nicht mehr viel mit einem Hobby zu tun. Viele Sportwetter sollten sich ernsthaft fragen, ob man die Aktivität tatsächlich mit dem Wort „Hobby“ bezeichnen kann: War es früher der echte Spaß schwenken viele, so auch ich, irgendwann um und rennen der verlorenen Kohle hinterher. Dies ist kein Hobby, sonder viel mehr Stress.

Irgendwann waren die Einsätze nicht mehr Kleingeld, sondern echte Batzen. Da wurden Picks gesetzt, um Geld für eine Anschaffung zu gewinnen, einen Urlaub, ein schickes Wochenende oder eben den Verlust von gestern. Quasi: Geld arbeiten- und die Sportler rennen lassen, ist besser als selbst zu arbeiten. Ist doch klar.

Ich habe es ja spaßeshalber geschrieben: Die Umsätze stiegen bei mir ins Unermessliche. Ich habe jeden Monat zu Spitzenzeiten Umsätze erzielt, die rund 25x so hoch waren, wie mein übliches Monatsgehalt auf Arbeit. Wenn du einen Tag einen riesigen Gewinn reinholst, bist du völlig euphorisiert, rettest die Kohle halbherzig gleich vom Account. Spätestens am Folgetag gibst du dich aber natürlich nicht zufrieden und holst über den Zwischenparkplatz bei Skrill gleich wieder die Scheine auf ein anderes Wettkonto zurück. Dies ist der größte Fehler überhaupt.

An dieser Stelle fehlt die richtige Einstellung, um zu sagen: Stopp – Es war ein cooler Pick, geiler Tag oder was auch immer. Dies ist mir irgendwann nicht mehr gelungen. Demnach wurden aus „kleinem Geld“, das erfolgreich innerhalb weniger Stunden oder Tagen verzehnfacht wurde, ein Totalverlust, weil es in vermeintlich „todsichere“ Tipps gesteckt-  und dann verloren ging. Dann ist das Drama groß und das weitere Vorgehen ist wie im Rausch: Stellt euch doch die Zeiten mitten in der Saison vor: Du gehst morgens an die Arbeit und die letzten MLB/NBA Spiele laufen noch, du zählst auf deinen Konten die Kohle und freust dich – reinvestierst gleich noch mal in die letzten Körbe oder Runs der Nacht. Um 8 Uhr startet in Australien und Asien Fußball und Basketball, vormittags und mittags stehen  die Tennisturniere auf dem Programm. Ab dem Mittag fällt der Fokus auf Russland und Osteuropa. Nachmittags stehen die ersten europäischen Angebote auf dem Programm, bis in den späten Abend bereitest Du vor dem kurzen Schlaf die Nachtwetten für Amerika vor.

Hier Maß zu halten und sich nicht vom schnellen Gewinn locken zu lassen, gelang mir irgendwann vor circa 7 Jahren nicht mehr. Vor allem das unüberlegte Livepicken ohne saubere Analyse hätte ich unterlassen müssen.

Natürlich hat auch das Privatleben gelitten, Du hängst den ganzen Tag und teilweise auch die ganze Nacht über vorm PC, schaust NBA und wirst unausgeglichen, wenn es nicht so läuft wie du es dir vorstellst.  Das führt zur Isolation, wenngleich ich unheimlich viel Glück gehabt habe: Meine Frau hat das mitgemacht. Ich muss gestehen, dass ich sie dennoch oft angelogen und auch ihr Geld bewegt habe. Ein Glück wurden diese Scheine nicht verzockt.

Es sind echte Krisen entstanden. Bis ich mir eingestanden habe, dass ich nicht „besser“ abhängig als ein Trinker bin, hat das echt gedauert. Natürlich hab ich mir – grad bei meinen 50/50 Strategien eingebildet, dass ich mit meiner Ahnung und dem Fachwissen, das ich natürlich trotz Zockerei aufgehbaut habe, den Bookies ein Schnippchen schlage. Kurzfristig lief das überwiegend gut. Langfristig fast in den Ruin.

Wettbasis: Nicht selten kommen abgewanderte Sportwetter zurück zum Wettsport. Mit welchen Maßnahmen schützt Du Dich dagegen, dem inneren Drang nachzugeben? Hast Du eventuell auch bestehende Konten sperren lassen?

Ex-betting: Nicht mehr zu wetten, habe ich mir schon mehrfachst vorgenommen. Vor drei Jahren habe ich mal eine recht lange Therapie gemacht, weil die finanzielle Entwicklung zwar nicht übermäßig stark, aber stetig nach unten ging und es auch familiär nicht gut lief. Ich möchte es an dieser Stelle noch einmal erwähnen: Wetten ist nur für die wenigsten in den bekannten Wettforen ein wirkliches „Hobby“.

Die Therapie hat damals nicht wirklich gefruchtet, obwohl ich bei einem Spezialisten für Spielsucht war. Irgendwie hab ich nach kurzen Pausen immer wieder angefangen. Eine Zeit lang lief es gut, dann wieder ganz schlecht. Jetzt habe ich echte Reißleinen gezogen, alle einfachen und komplizierten Zugangswege habe ich mir verbaut.

In Tippbuden geh ich nicht, somit muss ich mir das Onlinegeschäft unattraktiv machen. Meine 7 Bankkonten habe ich auf eins reduziert und das letzte für internationale Transfers gesperrt. Mittlerweile sind alle Kreditkarten gekündigt, alle Konten gesperrt. Letzteres ist übrigens nicht so leicht. Bei manchen Bookies gibt es nur die temporäre Sperre. Die schreiben dich dann tatsächlich nach Ablauf der Zeit wieder an – eine erschreckende Tatsache. Abstinent in der Sucht zu leben, ist ein ganz schmaler Grat, da genügt oftmals ein ganz winziger Impuls und du machst wieder mit. Wenn eine „Komm doch wieder“ – Begrüßungsmail mit Bonusangebot in das Postfach flattert, bist du schnell wieder drin. Moneybookers (Skrill), Neteller, Paysafecard-Online etc. – alles gesperrt.

In der Suchthilfe gibt es den Spruch: Der Süchtige kommt immer an seinen Stoff. So mach ich es mir so schwer wie möglich, um nicht rückfällig zu werden.

 

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Wettbasis: Du hast Dich selbst im Forum oft als „Zocker“ bezeichnet. Siehst Du möglicherweise in Deinem Wettstil einen Grund für die finanzielle Enttäuschung?

Ex-betting: Klar, das Zocken steht ja für den schnellen Kick, das Risikoreiche, das nicht Kontrollierte. Aber zocken per se ist meiner Meinung nach nicht schlecht, nur: Zockt der Süchtige ist es einfach mit einer erheblich größeren Wahrscheinlichkeit gepaart, dass es schief geht.

Wäre es mir beim Zocken wie oben beschrieben häufiger gelungen, die dicken Fische abzugreifen und nicht wieder alles kopflos einzusetzen, würde ich heute anders dastehen. „Hätte“, „wenn“ und „wäre“ bringen mich heute aber nicht weiter, daher war es einfach eine schlechte Eigenschaftenkombination.

Wettbasis: Für Dich endet das gesamte Thema „Sportwetten“ negativ. Bist Du überzeugt, dass es Tipper gibt, die auf die Dauer eine positive Bilanz schreiben, eventuell auch mit größeren Gewinnen? Welche Tugenden sollte man denn Deiner Meinung nach mitbringen, um in diesem Geschäft als Sieger hervorzugehen?

Ex-betting: Ich höre auf, weil ich für mich festgestellt habe, dass es mir ohne Wetten und dem damit verbundenen Nervenkitzel einfach besser geht. Vor allem gesundheitlich, physisch und psychisch wird mein Leben attraktiver werden.

Es ist meines Erachtens die Grundvoraussetzung, einen absolut klaren Kopf zu haben und Idealist zu sein. In meiner Welt war nach kurzer Anfangszeit schon das Ziel: Geld herbeiholen und zwar möglichst legal. Das hat den Kick ausgemacht.

Wer das Geld wirklich frei ohne ständigen Drang zum Gewinn einsetzen kann und eventuelle Verluste gut aushalten und kontrollieren kann, der wird selbstverständlich auf lange Zeit erfolgreich sein, wenn er in der Lage ist den Value in den Quoten zu erkennen.

Ich frage mich dann nur – was bringt das? Die viele Zeit der Analyse, das Mitfiebern auch bei Veranstaltungen, die mich eigentlich gar nicht interessieren. (denn nicht nur die attraktiven Mannschaften oder mein Team wette ich). Mache ich das wirklich nur aus Spaß oder Hobby? In meiner Welt gibt es das nicht – da zählt die Kohle und das kann halt umschlagen.

Wer das so durchzieht und frei von jedem Druck spielt, kann das auch erfolgreich und gewinnbringend betreiben. Ein paar offensichtlich erfolgreiche Kollegen scheint es ja zu geben,  wobei da ja auch keiner wirklich die Hosen runterlässt indem er sagt, wie es wirklich aussieht. Vielleicht hat der dann aber auch nicht die Freunde oder die beruflichen Chancen, sich das Monetäre oder soziale Kontakte auf andere Weise zu holen. Ich weiß es nicht, kann mir aber grundsätzlich vorstellen, dass man im Wettsport dauerhaft auf der Siegerstraße sein kann.

Wer erfolgreich beim Wetten sein will, muss immer die Metapher im Kopf haben, dass Wetten ein Marathon ist. Nur wer den Lauf konditionell und psychisch überstehen kann, landet langfristig im Plus. Bei mir hat es eben nur für einen Halbmarathon gereicht. 😉
 

 
Wettbasis: In diversen Wettforen hagelt es immer wieder den ernüchternden Spruch: „Die Buchmacher werden immer besser!“ Kannst Du dies über den Zeitraum Deiner Wettkarriere bestätigen oder sind die obigen Worte viel mehr Frustration des eigenen Misserfolgs?

Ex-betting: Eine kleine Anekdote aus der Anfangszeit:

Der Wettzettel von Sportwetten Gera oder Intertops kam immer gen Wochenende vor der Folgewoche, das heißt, die ersten Spiele waren für Montag respektive Dienstag gelistet. Da kann ich mich an einige Wochen in meinem Studium erinnern, in denen ich Montag oder Dienstag nachmittags (Zeitverschiebung gen Osten) vor den Fernseher gesessen habe, das erste Endergebnis der UEFA-Cup Quali oder ähnliches abgewartet habe, und dann mit dem Fahrrad um vor 18 Uhr zur Post bin. Ich hab den Schein – natürlich mit dem richtigen Tipp und einem dicken Einsatz – eingeworfen und habe gehofft, dass die Bookies so dumm sind und von einer normalen Postlaufzeit ausgehen, sodass der Brief schon vor Spielbeginn eingeworfen wurde.

Ein paar Mal hat das echt geklappt – nach ein paar Monaten sind die mir dann aber wohl auf die Schliche gekommen und haben die Picks immer storniert – ich habe das dann später aufgegeben.

Natürlich sind die Buchmacher aber mindestens genauso gut wie die Wetter, sie wetten ja schließlich gegeneinander. Ich kann nur bestätigen, dass ich über die Jahre subjektiv betrachtet besser geworden bin, das billige ich meinen Gegnern auch zu.

Die Aussage an sich ist meines Erachtens genauso schwachsinnig, wie die Vermutung von Manipulation in jedem Spiel, welches nicht so ausgeht, wie ich es vorausgesagt habe.

Wettbasis: Vielleicht kannst Du uns zum Abschluss noch verraten, welche Buchmacher Du in Deiner Wettkarriere besonders zu schätzen wusstest. Außerdem darfst Du gern unseren Lesern noch einen Rat mit auf den Weg geben, wenn Dir etwas auf den Lippen brennt.

Ex-betting: Ein Buchmacher, der mir nie Probleme gemacht hat, war zweifelsohne Pinnacle.

Direkt auf Platz 2 stehen die viel gescholtenen Bwin`er, In erster Linie, weil sie es seit Jahren als Marktführer schaffen, alles anzubieten, was das Zockerherz begehrt. Den Bronzerang belegt Bet365.

Mein Statement an alle Wettenden kann nur lauten, dass jeder sein Handeln und seine Situation immer kritisch hinterfragen muss, ob das, was man tut, noch als „normal“ durchgehen kann und es einem beim Wetten wirklich gut geht.

Wer da Warnsignale bei sich erkennt, sollte trotz des Spaßes den Ausstieg suchen. Die Wenigsten schaffen es ohne professionelle Hilfe – da ist Mut gefragt. An alle Anderen: Viel Erfolg weiterhin!

Euer Ex-betting.

 

Wettbasis: Wir danken Dir für viele spektakuläre Geschichten. Viel mehr aber noch für die Offenheit, über Deine Sportwettenkarriere und das Thema Wettsucht zu sprechen.

 

Wie man mit Quotenstürzen umgehen sollte
Wettmanipulation im Profifußball – Wettbasis.com Ratgeber

 

Wir haben ein Interview gehört, welches schockierend und spannend zugleich war und uns wieder einmal hinterfragen lässt, welchen Charakter wir für den Wettsport mitbringen. Ist die Suche nach Tipps für uns ein Hobby, eine Arbeit oder vielleicht doch Sucht? Der Umschwung vom Hobby zum Nebenjob muss dann nicht gefährlich sein, sofern man um und mit Geldbeträgen spielt, die nicht zum Leben unbedingt notwendig wären und welche man auch im Verlustfall verkraften kann.

Die nachfolgende Checkliste gibt Ihnen einige Anhaltspunkte, um erfolgreich auf Fußball und diverse Randsportarten setzen zu können:

1.) Spielen Sie keine Monsterkombis mit größeren Einsätzen. Die übliche 1-Euro-Bundesligakombi darf gewiss 34x im Jahr getätigt werden. Diese Kombiwetten steigern vielleicht den Spaß während der Sky-Übertragung. Mit echten Einsätzen laufen Sie nahezu immer dem Abgrund entgegen. –> Einzelwetten sind zu empfehlen!

2.) Analysieren Sie jede Wette genau und überlegen Sie sich bei einem gefundenen Tipp den Einsatz unabhängig von den persönlichen Resultaten der letzten Wochen.

3.) Machen Sie den Laptop aus, wenn Sie einen Negativlauf verspüren. Ein möglicher Spaziergang im Park bringt Körper, Gehirn und Seele zurück auf Normaltemperatur und schützt Sie vor Wutwetten mit hohem Einsatz.

4.) Versuchen Sie sich einen festen Zeitrahmen für Sportwetten einzuplanen, der auch nicht  überschritten werden sollte. Pflegen Sie die sozialen Kontakte mehr als Ihr Wettkonto.

5.) Ziehen Sie im Notfall den Schlussstrich. Es gibt viele Sportwetter, die dauerhaft siegreich sind und verdientermaßen dem Buchmacher das Geld aus der Tasche ziehen. Wesentlich größer aber ist die Anzahl der Wettinteressenten, die es erfolglos probieren. Sofern die Tipps noch anlässlich eines Hobbys platziert werden, ist dies kein großes Problem. Sobald Sie aber Tendenzen der Spielsucht erkennen, ist der Schlussstrich unausweichlich.

 

Wir wünschen Ihnen die richtige Entscheidung – egal mit welcher Tendenz!

 

Eine Übersicht und Informationen auf der Wettbasis, die sich mit den Thema Wettsucht und Spielmanipulation beschäftigen, finden Sie in unserem Artikel: Verantwortungsvoll Wetten – Spielsucht & Wettmanipulation