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Was passiert mit den Spielergehältern der Fußballer?

Ist die große Fußball-Blase endgültig geplatzt?

Corona trifft auch die Fußball-Profis. (© imago images / Laci Perenyi)

In einer Zeit, in der Solidarität und Nächstenliebe in der Gesellschaft einen besonderen Stellenwert einnehmen, gerät der in den letzten Jahren immer größer gewordene und sich von der Realität abhebende Fußball verständlicherweise in den Hintergrund. Trotzdem wird unter anderem in Deutschland oder England bereits diskutiert, wann die entsprechenden Ligen wieder starten.

Bereits jetzt steht für die Vereine allerdings die wohl wichtigste Frage auf der Agenda: Wie überleben wir die Krise und wie wirkt sich der aussetzende Spielbetrieb auf die eigenen Finanzen sowie im zweiten Schritt auf die Zukunft des Klubs aus? Weil die Sportteams auf Profi-Ebene mittlerweile überwiegend auch Wirtschaftsunternehmen sind, müssen die Manager Mittel und Wege finden, eine drohende Insolvenz abzuwenden.

Inhaltsverzeichnis

Den größten Teil der Fixkosten machen mit Abstand die Gehälter der Spieler aus. Paris St. Germain muss für ihren Top-Verdiener Neymar beispielsweise monatlich einen Betrag von über drei Millionen Euro berappen. Je kleiner beziehungsweise finanzschwächer der Verein, desto größer die Gefahr, die aktuelle Gesundheitskrise nicht zu überleben.

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Auf der Suche nach möglichen Lösungen erhoffen sich die Unternehmen (alias die Vereine) ein Entgegenkommen der Beschäftigen (alias die Spieler). Auch die mittlerweile täglich medial besprochenen Maßnahmen wie Kurzarbeit, eine Einführung des Salary Caps oder eine pauschale Regelung der Ligen können in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten möglicherweise Abhilfe schaffen, das kommerzielle Produkt „Fußball“ in einer annähernd gleichen Form wie vor der Krise zu erhalten.

Was passiert mit den Spielergehältern im Fußball?

  • Kurzarbeit wird beantragt
  • Gehaltsverzicht der Spieler
  • Gehaltskürzung der Vereine/Ligen
  • Vertragsauflösung durch Vereine
  • Einführung eines Salary-Caps
  • 50+1-Regel steht auf dem Prüfstand

Spieler verzichten auf ihr Gehalt

Das solidarischste und zugleich für die Klubs beste Szenario ist ein freiwilliger Gehaltsverzicht der Spieler. Die Profis von Borussia Mönchengladbach waren die Ersten, die öffentlich kommunizierten, dass sie auf Teile ihres Salärs verzichten würden, um einerseits dem Verein und andererseits den anderen Mitarbeitern zu helfen. Auch die Stars der Top-Klubs Borussia Dortmund und FC Bayern zogen zuletzt nach.

Fußballer spenden freiwillig Geld

Für viele Otto Normalverbraucher ist es fast schon Pflicht, dass die Fußballer ungezwungen Abstriche bei ihren horrenden Gehaltssummen vornehmen. Eine positive Wirkung auf die Gesellschaft hat demnach erst das Spenden von Gehältern oder Geldern.

Besonders die von den beiden Nationalspielern Joshua Kimmich und Leon Goretzka ins Leben gerufene Hilfsaktion #WeKickCorona läuft aktuell richtig gut an. Beide Bayern-Akteure legten mit je einer Million Euro vor; viele weitere Kollegen wie Mats Hummels, Jerome Boateng oder Leroy Sané taten es ihnen gleich.

Wie gehen die Bundesligisten mit dem Gehalt ihrer Profis um?

Verein Status Quo
FC Bayern freiwilliger Gehaltsverzicht der Profis
Borussia Dortmund freiwilliger Gehaltsverzicht der Profis
RB Leipzig noch keine Maßnahmen ergriffen
Borussia Mönchengladbach freiwilliger Gehaltsverzicht der Profis – Pionier
Bayer Leverkusen Spieler zu Gehaltsverzicht bereit
Schalke 04 freiwilliger Gehaltsverzicht der Profis
VfL Wolfsburg noch keine Maßnahmen ergriffen
SC Freiburg noch keine Maßnahmen ergriffen
TSG Hoffenheim noch keine Maßnahmen ergriffen

Stand: 25.03.2020

Kurzarbeit im Fußball!

Bei Millionen Arbeitgebern in Deutschland hat sich das Wort ‚Kurzarbeit‘ in den letzten Tagen fest im Wortschatz verankert. Die durch diese Maßnahme einhergehende verkürzte Arbeitszeit sowie die Bezahlung von maximal 67% des eigentlichen Lohns sorgt zumindest für temporäre Hilfe in den Vereinen.

Weil sich das Gros der deutschen Profi-Klubs aktuell im „Home Office“ aufhält und keinen laufenden Spiel- und Trainingsbetrieb absolvieren kann/darf/muss, haben die Verantwortlichen entsprechend die Möglichkeiten, diese Kurzarbeit zu beantragen. Gehälter werden dadurch eingespart, laufende Kosten reduziert und Arbeitsplätze, vor allem bei Vereinsmitarbeitern, die ihre Brötchen nicht mit dem Fußballspielen verdienen, gesichert.

Wird ein Salary-Cap im Fußball eingeführt?

In den Vereinigten Staaten ist der Salary Cap längst ein nicht mehr wegzudenkendes Instrument, um zum Einen die Chancengleichheit aller Teams einigermaßen beizubehalten und zum Anderen ein krasses Verschulden der Franchises zu verhindern. In Europa hingegen bestimmt das solide Wirtschaften, das Aufnehmen von neuen Schulden oder aber eine Beteiligung von Investoren das Konzept der Vereine. Ein Salary-Cap wurde bislang kategorisch abgelehnt.

Gut möglich, dass in der momentanen Phase ein Umdenken bei den Entscheidungsträgern stattfindet. Die Gefahr einer Gehaltsobergrenze liegt jedoch auf der Hand und wird einen entsprechenden Denkansatz vermutlich schon früh im Keim ersticken.

Denn nur, wenn sich die europäischen Wettbewerber auf eine Einführung dieses Salary Cups flächendeckend auf dem ganzen Kontinenten einigen könnten, würden fortan die Champions oder Europa League weiterhin ihren hohen Spannungsbogen halten und nicht etwa von Mannschaften aus einer Nationalität, die sich gegen eine Implementierung stellten, dominiert werden.

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Fällt die 50+1-Regel in der Bundesliga?

Eng verbunden mit der Chancengleichheit auf internationaler Ebene ist auch das leidige Thema der 50+1-Regel, die die Bundesliga nach wie vor mit aller Entschiedenheit beansprucht.

Weil die vielen Traditionalisten in der Bundesrepublik sich davor fürchten, dass ihr Lieblingsverein beinahe komplett in die Hände eines gut betuchten Investors gerät, galt bislang die Regelung, dass Kapitalanleger durch den Einkauf von Anteilen nicht die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften, in die Profi-Abteilungen von Fußball-Vereinen ausgegliedert wurden, erlangen können.

Da die Folgen der auf uns zukommenden Weltwirtschaftskrise aber noch nicht genau abzuschätzen sind, könnte der Deutschen Fußball Liga im Endeffekt gar nichts anderes übrig bleiben, als über die veraltete Vorschrift erneut zu debattieren. Gut möglich, dass einige Klubs, insbesondere aus den unteren Spielklassen, lediglich dann einer Insolvenz aus dem Weg gehen können, wenn diese vielfach diskutierte Regel gekippt wird.

 

Ligen wollen Gehälter pauschal kürzen

Einen überraschenden Vormarsch im Bezug auf eine pauschale Gehaltskürzung hat vor einigen Tagen die Serie A vorgenommen. Die italienische Liga schlug der Spielergewerkschaft vor, allen Profis das Salär um 30% zu kürzen. Ob eine solche Anregung aber überhaupt umgesetzt und von den Akteuren akzeptiert wird, scheint mehr als fraglich.

Interessanter ist es möglicherweise darüber nachzudenken, ob die Vereine einer Liga in der schweren Phase solidarisch, gemeinsam beziehungsweise helfend füreinander einstehen und einen „Rettungsfond“ gründen, der nach einem notwendigen Verteilungsschlüssel ausgezahlt werden müsste. Dass die Staaten die sportlichen Wirtschaftsunternehmen unter ihren Schirm nehmen, scheint indes in großen Teilen Europas ausgeschlossen.

Der FC Sion löst Verträge auf

Neben den oben aufgeführten primär kollegialen Maßnahmen gibt es natürlich auch eine weniger schöne, drakonische und vom Aktionismus geprägte Handlung, zu der sich der ohnehin in der Kritik stehende Christian Constantin, Präsident des Schweizer Super League-Klubs FC Sion, hinreißen ließ.

Vor einer guten Woche kündigte der Vereinsboss gleich neun bestehende Verträge, da sich die Akteure im ersten Schritt weigerten, Kurzarbeitergeld anzunehmen. Diese Ablehnung der auch hierzulande bekannten Profis wie Johann Djourou oder Alex Song basiert allerdings nicht auf böse Absicht, sondern auf der Bitte, sich erst juristisch über dieses Vorgehen beraten zu lassen.

Bei ordentlich geführten Vereinen brauchen die Akteure demnach keine Angst zu haben, dass der arbeitsrechtlich diskutable Schritt einer einseitigen Vertragsauflösung die Runde macht.

Gehaltsanpassungen bei Bundesligavereinen

Verein Status Quo
1. FC Köln Profis zum Gehaltsverzicht bereit
Union Berlin Gehaltsverzicht angekündigt
Eintracht Frankfurt freiwilliger Gehaltsverzicht der Profis
Hertha BSC noch keine Maßnahmen ergriffen
FC Augsburg noch keine Maßnahmen ergriffen
Mainz 05 freiwilliger Gehaltsverzicht der Profis
Fortuna Düsseldorf Gehaltsverzicht von Führung angeregt
Werder Bremen freiwilliger Gehaltsverzicht der Profis
SC Paderborn noch keine Maßnahmen ergriffen

Stand: 25.03.2020

Wie sieht der Fußball nach der Krise aus?

Viele Experten stellen sich aktuell die Frage, ob die Gesellschaft gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Selbiges kann logischerweise auch auf den Fußball ausgeweitet werden. In der Vergangenheit war aufgrund der überhöhten Transfersummen oftmals die Rede von der „großen Blase“, die irgendwann platzen könnte. Tatsächlich scheint es aktuell alles andere als unwahrscheinlich, dass im und um den Fußball in den kommenden Monaten oder Jahren deutlich weniger Geld fließen wird.

Langfristig braucht man sich um die „schönste Nebensache der Welt“ aber überhaupt keine Sorgen machen. Die Faszination Fußball ist weiterhin ungebrochen und stellen Sie sich schon jetzt einmal den Gedanken vor, dass wir im Sommer 2021 mit Freunden im Garten grillen und gleichzeitig vor dem TV unserer Nationalmannschaft bei der EM 2021 zujubeln. Eine unvergleichbare Vorfreude kommt auf!