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The neverending Story: Martingale

Über Sinn und Unsinn des weltberühmten Wettsystems Martingale

In den bekanntesten Wettforen tauchen regelmäßig Gedankengänge der Wettnewbies auf, welche vermeintlich den schnellen Weg zum Millionär versprechen. In der großen Euphorie werden dabei die großen Haken an der Geschichte nicht gefunden und die wesentlichen Grundstrukturen des Wettens – Bankrollmanagement und Valuesuche – gänzlich über den Haufen geworfen. Eines der klassischsten Spielsysteme kommt ursprünglich aus den Glücksspielhallen und wurde auf den Wettsport übertragen: Martingale!

 

Sinn und Unsinn des Martingale Systems

Wenn Sie in einem großen Wettforum angemeldet sind, werden Sie kein Jahr warten müssen, bis das Thema erneut auf dem Prüfstand steht. Die automatische Ausklammerung all der Forenuser, die zuvor die Suchfunktion benutzen und nicht einmal ein neues Thema beginnen, lässt erahnen, wie oft der Gedankengang die Köpfe der Wettinteressenten bestimmt.

Sind Martingale vielleicht ja doch ein System, welches dauerhaft zum Erfolg führt? Haben die Menschen nicht die Weisheit sprichwörtlich mit Löffeln gefressen, sondern die Basis für eine erfolgreiche Zukunft gesetzt? Ich muss Sie leider enttäuschen! Im folgenden Beitrag werden Sie nicht vorwiegend Empfehlungen erhalten, die Ihr Wettverhalten verbessern. Allerdings kann Ihnen dieses Thema möglicherweise einen Fehler ersparen, der vielleicht die gesamte Wettkarriere gekostet hätte oder im schlimmsten Fall eine furchtbare Sucht auslöst.

 

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Martingale Defintion

Doch lassen Sie uns ganz am Anfang beginnen. Möglicherweise gehören Sie noch zu den Wettanfängern, welche bislang nicht viel von dem Martingalsystem gehört haben. Was steckt hinter der Spielart?

Martingale sind eine im 18. Jahrhundert erstmals erwähnte Strategie, welche erlittene Verluste direkt wieder in einen Sieg umwandeln soll. Die gewöhnlichste Variante wird mit der Wortgruppe „Martingale Classique“ umschrieben und stammt ursprünglich von den Roulettetischen und funktionierte nach dem System einer Einsatzverdopplung nach Verlusten, bis automatisch ein Gewinn entsteht. Die Strategie ist problemlos auf den Wettsport übertragbar.

Nehmen wir im Beispiel an, dass Sie sich für jede neue Runde eine Quote um 2,00 heraussuchen. Auf die gefundene Wette setzen Sie einen Euro, der im Fall eines Wettgewinns verdoppelt wird. Sollte Ihre Wette verlieren, suchen Sie erneut eine ähnliche Quote und verdoppeln fortan Ihren Einsatz. Wenn der zweite Durchgang erfolgreich ist, haben Sie insgesamt 3 Euro eingesetzt, aber einen Euro mehr aus der gewonnen Wette erzielt.  Dieses System lässt sich immer weiter fortsetzen, bis eine Wette gewonnen wird. Sofern die Siegwette kommt, werden Sie immer den Starteinsatz bei gewonnener 2,00er Quote als Gewinn mitnehmen könnte.

Es fehlen nur zwei wesentliche Eigenschaften, damit dieses System tatsächlich erfolgreich ist:

1.) Ein Buchmacher, der jeden beliebigen Betrag annimmt.
2.) Eine unendliche Bankroll

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Warum wir Martingale nicht empfehlen können

Sein wir ehrlich – auch der reichste Mann dieses Planeten kann den zweiten Punkt nicht erfüllen. Selbst wenn die Herren Bill Gates & Co. über die fiktive Menge von „unendlich Geld“ verfügen dürften, würden sie wohl kaum für ein paar Euro stundenlang am Rechner sitzen und Wetten recherchieren. Die große Gefahr des Systems liegt in den unglaublich ansteigenden Einsätzen, ohne Beachtung jeglicher Grundregeln des Bankrollmanagements. Nach der zweiten Wette haben Sie beginnend mit einem Euro nur 300 Cent gesetzt. Eine Wette später sind es bereits 7 Euro. Nach der 11. Wette sind 2047 Euro an den Buchmacher geflossen – davon 1024 Euro in Runde 11 mit der Aussicht nur einen einzigen Euro zu gewinnen und die zuvor erlittenen Verluste wieder zu begleichen. Noch schlimmer ergeht es dem Wettinteressent vier Runden später.

Als 15.Wette auf eine Quote um die 2,00 müsste er 16192 Euro setzen, um die zuvor eingesetzten 16191 Euro zurückzuverdienen – der Euro Gewinn würde endgültig in den Hintergrund treten. Mit inzwischen über 32000 eingesetzten Euro stehen Sie schon auf Höhe eines guten Netto-Jahresgehalts auf der Arbeit.

Es wird immer weiter deutlich, dass dieses brutale Martingale Wettsystem bereits das Vermögen einzelner Glücksspieler gänzlich verbrannt hat.

Sie glauben, es ist nicht realistisch, dass Sie 10- oder sogar 15 Wetten am Stück verlieren? Dieser Irrglaube ist das schwerwiegendste Problem. Ich möchte an dieser Stelle ein wenig auf das echte Glücksspiel blicken: In eine der größten Glücksspielhallen der Welt, in Monte Carlo (Monaco), gab es vor einigen Jahren das Phänomen, dass 156x in Folge im Roulette eine der beiden Farben nicht erschien – eine unglaubliche Geschichte, die gewiss nur jedes fünfte Jahr zu beobachten ist.

Wenn ein großer Betreiber aber ehrlich auf die Frage antworten müsste, wie oft 15x in Folge eine Farbe nicht auftaucht – der Mann müsste mit dem kleinen und doch so brutalen Wörtchen „täglich“ antworten. Sie dürfen sich sicher sein, dass es im Wettsport nur unwesentlich besser ausschaut.

Selbst wenn Sie auf Dauer Valuequoten finden und die 2,00er Quote eine von Ihnen prognostizierte Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent haben würde – früher oder später kommt der Knockout, der alle Pläne zerstört.

 

 

Warum Martingale trotzdem so beliebt ist

Die folgenden Punkte sollen kurz analysieren, warum sich Martingale hoher Beliebtheit erfreuen und im Kopf des „Unverlierbarkeits-Syndrom“ auslösen:

1.) Das Gefühl, nicht verlieren zu können. Zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit platzt das System nicht gleich bei den ersten 20 Wetten. Möglicherweise haben Sie einige Tage unter dem unbewusst riesigen Risiko ein schönes Taschengeld verdient, welches den Diskoabend oder einen Einkauf am Folgetag sicherte. Es schleicht sich damit immer mehr das Gefühl ein, dass es jeden Tag klappen wird und schnell verdientes Geld ist.

2.) Das vermeintliche Wissen, dass jede Serie einmal reißen muss. Wenn Beispielsweise stets Heimsiegquoten um 2,00 angefasst werden, muss bekanntlich irgendwann auch ein Dreier vor eigenem Publikum eingefahren werden. Dieser Gedankengang mag stimmen. Unbekannt bleibt dennoch, ob es vielleicht mal 12-13 Wetten dauert und dann das Budget bereits überstrapaziert ist.

Eigentlich müsste spätestens das kleine Geld, welches es über Martingale zu verdienen gibt, abschrecken. Wenn die erste Wette bereits auf einen Betrag um 10 Euro oder noch höher angehoben würde, müsste auch Bill Gates bei einer mittelprächtigen Pechsträhne bereits um sein Vermögen bangen.

 

Abwandlungen des Martingale-Systems

Allerdings sind es einzelne kleine Umstrukturierungen des Martingalsystems, welches viele Wettnewbies zur Missachtung der Bankroll verleitet:

Martingalsondersysteme: „Beginne nach fünf Wetten von vorn!“

Die Idee ist in dem Fall einfach. Nach obigen Regeln werden stets neue Wetten gesucht und die Einsätze verdoppelt. Allerdings ist spätestens nach fünf verlorenen Wetten Schluss, um einen Knockout der gesamten Bankroll zu verhindern. Wenn weiterhin von einem Starteinsatz in der Höhe von einem Euro ausgegangen wird, ist ein Maximalverlust von 31 Euro möglich.

Auf dem ersten Blick schwinden die Gefahren enorm. Selbst auf dem Zweiten bleibt diese Erkenntnis erhalten. Allerdings muss stark hinterfragt werden, ob man so gut wetten wird, dass man im Schnitt mehr als 30 Siege einfährt, bevor fünf Wetten in Folge den Bach hinab fließen. Vermutlich kann kaum ein Wettinteressent behaupten, noch nie fünf Wetten in Folge verloren zu haben. Stattdessen gehört es fast zum Alltag, auch Pechsträhnen verarbeiten zu können. Wenn Sie trotz dieser Worte die Hoffnung nicht aufgegeben haben, sollten Sie per Suchfunktion einmal nach Martingalversuchen in Wettforen blättern.

Martingalsondersysteme: „Das Unentschieden nutzen!“

Eine zweite übliche Idee befasst sich mit dem Ergebnis „Remis“ im Fußball. Wer sich die Fußballligen Europas ansieht, der wird kaum eine Liga finden, in welcher ein Team zur Saisonhälfte noch kein Unentschieden eingefahren hat. Zudem kommt der schöne Nebeneffekt, dass die hohen Quoten dazu führen, dass der Einsatz nicht verdoppelt werden muss, sondern eine geringere Einsatzsteigerung zum Minimalgewinn führt. Ein wunderschönes Beispiel für Remiswetten findet sich zudem in der 3.Bundesliga. Dort spielt der hessische Fußballverein SV Wehen Wiesbaden, den viele Fußballanhänger noch aus der Zeit in der 2. Bundesliga kennen werden. Nach rund 70 Prozent der Saison hat der Club durchschnittlich nur in jedem dritten Spiel NICHT Remis gespielt – eine unglaubliche Bilanz. Auf Dauer ist es aber nicht rentabel, stets nur die eine Wette pro Woche zu setzen, um nach einem bestimmten Zeitraum einen Minimalgewinn einstecken zu können. Zudem ist Wehen Wiesbaden in vergangenen Spielzeiten nicht öfter mit einer Punkteteilung vom Platz gegangen, als jeder andere Drittligist.

Es ist nur eine Momentaufnahme, die für Glücksgefühle der Wetter sorgt. Genau darin liegt die große Gefahr des in diesem Beitrag behandelten Themas.

 

Bei Remis-Martingalen sind die Einsatzsprünge geringer, doch dafür sinkt auch die Gewinnwahrscheinlichkeit.

Entsprechend scheint das Risiko geringer, doch der Value-Anspruch wird bei diesem System im Regelfall genauso vernachlässigt wie bei anderen Martingale-Strategien, sodass irgendwann der große Knall in Form des Bankrollverlusts droht.

Ich bin generell kein Freund von Wettsystemen und Forenbeiträgen, die das schnelle Geld versprechen. Wenn es ein System geben würde, welches die Wahrscheinlichkeitsrechnung überlistet – die Menschheit hätte es längst gefunden.

 

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Worauf es beim erfolgreichen Wetten ankommt

Zu einem auf Dauer erfolgreichen Sportwetter gehören die wichtigsten Grundeigenschaften des Sportwettens mit Disziplin, Bankrollmanagement und Value, welche vorwiegend in ganz übliche Einzelwetten zu verpacken sind:

1.) Disziplin! – Versuchen Sie nach Verlusten nicht mit schlecht recherchierten Wetten die finanziellen Einbußen direkt auszugleichen. Ein Sportwetter, der mit den Nerven am Ende ist und kein Glück zu haben scheint ist dann wirklich stark, wenn er den Laptop ausschaltet, eine Runde spazieren geht und sich erst nach einer Ruhephase wieder vor die Quoten setzt.

2.) Bankrollmanagement beachten! – Wetten sollten im Einsatz nie überdimensional voneinander abweichen. Das bekannte Stakingsystem von 1/10 bis zum 10/10 – Volleinsatz ist dabei sehr sinnvoll, da der vor der ersten Wette festgelegte Maximaleinsatz nicht aus schnellem Frust überschritten wird. Denkbar ist für etwas höhere Wetten höchstens die Bildung eine Rücklage aus vorher erzielten Gewinnen, die in ungewönhlich gute Wetten einfließen können.

3.) Value finden! – Vor Anpfiff eines beliebigen Spieles ist eine genaue Recherche eines Tipps unabdingbar. Versuchen Sie an Informationen zu kommen, welche der Buchmacher nicht hat. Die Heimbilanz oder vorherige Direktduelle kennt jeder Wettanbieter und sind in die Quote natürlich eingearbeitet. In vielen Fällen lohnt es sich auch gegen den Strom zu schwimmen, da Ausfälle nach Platzverweisen oder Verletzungen zu stark in die Quotierung eingeflossen sind.

 

Ich hoffe sehr, dass Sie die richtigen Lehren aus diesem Artikel ziehen und mit Einzelwetten und kleinen Kombis ohne überdimensionale Einsatzsteigerung einen erfolgreichen Weg gehen. Wenn Sie doch glauben, dass es den genialen Weg gibt, dann möchte ich Sie natürlich nicht aufhalten. Beherzigen Sie aber stets die obigen drei Punkte für erfolgreiches Wetten.

 

 

Eine Übersicht und Erläuterungen zu allen Wettarten, Wettmöglichkeiten und Wettsystemen finden Sie in unserem Artikel: Unterschiedliche Wettarten beim Sportwetten in der Übersicht.