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BVB-Ikone Teddy de Beer im Wettbasis-Interview: Die Sehnsucht nach der Schale, Terzic und das Thema Konstanz

Aktuelles und spannende Geschichten aus Karriere des Ex-Keepers

Karl-Heinz Fischer  9. Oktober 2022
Klassiker BVB - Bayern Interview Startalk de Beer
Teddy de Beer erwartet am Samstag einen Dortmunder Sieg im deutschen Klassiker. (© IMAGO / HRH-Foto)

Eigentlich heißt er Wolfgang, aber die meisten nennen ihn „Teddy“ de Beer. Seine erste Profistation hieß MSV Duisburg, bevor es ihn zum BVB verschlug, wo der Publikumsliebling viele Jahre auf höchstem Niveau agierte.

Gänzlich unumstritten war aber auch er nicht und so gab es, besonders zu Anfang und am Ende der Profi-Karriere, immer wieder fordernde Konkurrenzsituationen. Wie man damit umgeht und was man dafür mitbringen muss, erzählt uns Teddy de Beer im „Beidfüßig Star Talk„.

Außerdem sprechen wir über das bevorstehende Rhein-Derby zwischen Gladbach und Köln, sowie das Spiel der Dortmunder gegen Bayern München.

Das komplette Video gibt es zu sehen und zu hören auf unserem „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel.


Heute begrüße ich zu unserem Startalk einen Keeper, Torwarttrainer, eine Legende bei Borussia Dortmund. Herzlich willkommen, Teddy de Beer.

Teddy de Beer: „Guten Morgen!“

Gleich die erste Frage: Gegen wen hatten Sie Ihr erstes Spiel für den BVB und wo?

„Das war im Münchner Olympiastadion gegen die Bayern und wir konnten sogar 2:2 spielen, obwohl wir damals nicht unbedingt der Favorit waren.“

Woher stammt eigentlich ihr Name „Teddy“`? Denn eigentlich heißen Sie ja Wolfgang?

„Das kommt noch aus der Jugendzeit. Im Alter von 13 oder 14 Jahren spielte ich in der Kreisauswahl und der Trainer hatte viele verschiedene Spieler aus vielen Vereinen. Und der Trainer schaute auf die Liste und sagte, Teddy de Beer, das kann ich mir besser merken als Wolfgang. Seitdem ist der Name geblieben.

Am Wochenende steht ja dieses Spiel erneut an. Sie wissen, wie man es spielen muss. Wie ist die Situation aktuell beim BVB?

„Wir wollten im Grunde eine Vollgasveranstaltung machen. Das sollten wir gegen Bayern auch machen. Das ist das, was unsere Leute lieben. Ich bin ja bei vielen Heimspielen dabeigewesen.

Wenn wir erstmal schauen, dass wir die Zweikämpfe annehmen und überall auf dem Platz Bayern München das Leben so schwer wie möglich machen, dann wird bei uns im Stadion jeder Einwurf und jeder Zweikampf gefeiert, was eine große Macht ist.

Das bringt die Jungs auch nach vorne. Deshalb sollten wir das von Anfang an tun, um ins Spiel reinzukommen. Das ist, denke ich, ein gutes Mittel vorneweg.“

Welche Probleme sehen Sie beim BVB? Fehlende Konstanz ist da nach wie vor ein Thema. Wo muss man da ansetzen?

„In dieser Saison ist es schon etwas kurios, denn damit kämpfen viele Mannschaften. Unter anderem auch Bayern München. Die fehlende Konstanz würden wir uns wünschen. Im Moment ist es so, dass wir uns im Vergleich mit den letzten Jahren ein bisschen schwertun mit dem Toreschießen.

In der Defensive ist das, mit zehn Toren in acht Spielen, trotz drei Niederlagen mit jeweils drei Gegentoren noch in Ordnung. Wir hatten aber zu diesem Zeitpunkt schon weit mehr als zwanzig Tore geschossen. Da tun wir uns ein bisschen schwer dieses Jahr. Ich hoffe aber, dass wir das noch in den Griff kriegen.“

In der letzten Saison hatte der BVB nach acht Spieltagen 22 Treffer. Die Defensive ist ganz in Ordnung, aber sind die Neuzugänge Schlotterbeck und Süle schon angekommen?

„Die müssen sich natürlich auch entwickeln. Mit Süle haben wir einen erfahrenen Innenverteidiger geholt, der sich über die Jahre bei uns stabilisieren wird. Nico wird seinen Weg machen. Er hatte eine hervorragende Entwicklung in Freiburg und er wird mit Sicherheit eine Verstärkung für uns.“

Glauben Sie denn, dass der Kader ausreicht und mit ausreichend Qualität bestückt ist? Denn verletzungsbedingte Ausfälle passieren logischerweise. Reicht das, was da von der Bank kommt?

„Ja, ich denke schon. Die Jungs, die bei uns sind, wurden ausgewählt, weil sie sich qualifiziert haben, um bei Borussia Dortmund zu spielen. Daher sehe ich schon, dass viel Qualität da ist, die Jungs müssen nur zusehen, dass sie das auf den Platz bringen.

Es ist ja nicht so, dass ich es geschafft habe, wenn ich von einem anderen Verein zu Borussia Dortmund komme. Es ist so, dass es dann erst richtig losgeht. Da heißt es dann, weiterhin Vollgas zu geben. Dann werden es auch alle schaffen, denn die Qualität ist auf jeden Fall da.“

Edin Terzic hat viel Vertrauen von der Vereinsführung erhalten. Noch geht nicht alles auf. Wie kann man ihm helfen, damit er eine Ära prägen kann?

„Was wir sehen können, ist, dass er Zeit bekommt, um mit der Mannschaft zu arbeiten. Die hatte er auch, als er im Winter die Mannschaft für eine kurze Zeit übernommen hatte. Er hatte keinen guten Einstieg, aber dann ruhig weitergearbeitet.

Die Saison ist noch jung, gerade einmal acht Spieltage sind gemacht. So eine Entwicklung braucht auch ein bisschen Zeit und die bekommt Edin. Er hat als Trainer viel Qualität.

Ich habe mit ihm schon gesprochen, zuletzt beim Heimspiel gegen Schalke haben wir uns kurz getroffen, und ein paar Worte gewechselt. Ich denke mir, dass man da Ruhe bewahren sollte und die Qualität durchaus da ist.

Verletzungen gab es auch in den vergangenen Jahren immer wieder. Es ist ja nicht so, als könnte man verletzungsfrei durch 34 Spieltage, Champions League und Pokal kommen. Das ist auch in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer da gewesen.

Daran sollte man sich auch nicht allzu sehr festmachen und sagen, es sei so schwer und man hätte so viele Verletzte. Nein, alle, die da rumlaufen, leben in dem Bewusstsein, bei Borussia Dortmund Leistung zu zeigen und zu spielen. Das dürfen die Jungs dann auch zeigen.“

Wenn sie drei Argumente nennen sollten, warum der BVB am Samstag gewinnt, welche wären das?

„Weil wir im besten Stadion der Welt spielen, das unglaublich laut ist und die Mannschaft nach vorne peitschen kann. Weil wir mehr investieren als Bayern München. Und weil wir zu Null spielen.“

Wie schätzen Sie das Meisterschaftsrennen generell ein? Gibt es in diesem Jahr die Möglichkeit Meister zu werden für den BVB? Kann man die Dominanz der Bayern brechen?

„Das ist eine Sehnsucht, die uns seit zwölf Jahren treibt. Wir reden jedes Jahr darüber und wir sind eigentlich immer mit dran. Wir waren immer mit den Bayern in Konkurrenz, sind Zweiter geworden, sind Dritter geworden.

Im Laufe der Saison waren wir erster, sind auch wieder zurückgekommen. Das begleitet uns jetzt zehn Jahre, daher ist die Sehnsucht immens groß. Jetzt im Moment ist es ziemlich ausgeglichen.

Die Chance ist da. Ich habe solche Wettbewerbe immer angefangen, mit dem Ziel Erster zu werden. Warum sollten unsere Jungs das nicht machen? Das wäre ja auch blöd, zu sagen, man wollte das nicht. Aber zehn Jahre waren die Bayern eben sehr dominant.“

Wie lautet Ihr konkreter Tipp für Samstag-Abend?

„Ich wünsche mir ein 2:1.“

Dann bliebe der BVB aber nicht ohne Gegentor.

„Das stimmt, aber die sind ja auch gut.“

Außerdem gibt es noch ein weiteres Derby: Gladbach gegen Köln. Das ist ein bisschen kleiner als BVB – Schalke, aber trotzdem geht da einiges ab.

„Ob das kleiner ist, weiß ich gar nicht. Die Konkurrenz in der Gegend ist auch sehr groß. Da geht es auch immer ganz schön ab, wenn die gegen einander spielen. Das wird von beiden Seiten ähnlich wichtig genommen, wie unser Spiel gegen Schalke.“

Welche Prognose würden sie da abgeben?

„Ich würde auf ein Unentschieden tippen. Denn Gladbach spielt zu Hause und hat nach der heftigen Niederlage letzte Woche einiges gut zu machen. Im heimischen Stadion sind die bestimmt stärker.

Aber bei Köln hat man auch gesehen, was die alles machen können. Insofern würde ich da auf ein Unentschieden tippen.“

Star Talk mit Teddy de Beer


Sie selbst waren wie lange jetzt beim BVB aktiv? Als Trainer, als Torwart, wie viele Jahre waren es?

„1986 bis 2018. Ich würde sagen, 32 Jahre im sportlichen Bereich.“


Das ist ja unglaublich. Schlafen Sie auch noch in Bettwäsche von Borussia Dortmund?


„Nein, das tue ich nicht. Da ist meine Frau für verantwortlich und die ist eher neutral aufgestellt.

Obwohl ich meine ganzen Klamotten vom BVB natürlich bei mir im Haus herumstehen habe.

Ob das jetzt Pokale oder irgendwelche Meisterschalen sind, da haben wir ja dann auch schöne Replikas bekommen. Also die sind natürlich hier zu sehen, aber schwarzgelbe Bettwäsche nicht.“


Jetzt sagen Sie uns doch mal, was war Ihr sportliches Ereignis, das am meisten in Erinnerung geblieben ist?


„Wenn ich an meine Zeit als Nummer eins denke, dann ist es natürlich der DFB Pokalsieg von 1989, wo wir mit Borussia Dortmund gegen Werder Bremen in Berlin gewinnen konnten.

Das war ein Titel, den wir nach ewigen Jahren mal wieder gewinnen konnten, mit Dortmund. Und das war natürlich dann auch ein ganz klasse Erlebnis. Da war wieder ein Titel zu holen mit unserer Borussia.“

Spieler-Stationen von Teddy de Beer:

Verein Spiele
MSV Duisburg 65
Borussia Dortmnd 216


Nicht alle Zuschauer teilen oder kennen die Faszination des BVB. Wie würden Sie das in drei Sätzen zusammenfassen? Was macht Borussia Dortmund aus?


Borussia Dortmund ist ein Verein, der diesen Fußball lebt. Wir haben ein Stadion, das unfassbar laut ist. Es ist praktisch der zwölfte Mann, der dich nach vorne peitscht.

Und wir sind ein Verein, der eigentlich nie, trotz der vielen, vielen Titel, die wir gewonnen haben, aus der Position des absoluten Favoriten kam.

Egal, welche Titel wir geholt haben, ob es der DFB-Pokal ’89 war, ob wir die Champions League gewonnen haben oder andere Pokale und Meisterschaften.

Wir sind im Grunde immer ein Verein, der ein Arbeiterverein ist und die Leute kommen mit sehr, sehr viel Herzblut zu uns und können uns damit auch tragen. Auch in schweren Zeiten.“


Das heißt ein Verein, der ja schon aus Tradition als Underdog daherkommt?


Nun, nicht unbedingt als Underdog. Wir haben uns natürlich im Laufe der Jahrzehnte doch auch etabliert, auch im oberen Bereich der Tabelle. Das war nicht immer so, aber auf dem Weg dahin waren wir eigentlich nie so die Favoriten.

Das ist immer so gewesen und wir mussten uns das hart erarbeiten, um jetzt diesen Status zu haben, den wir seit den letzten zehn Jahren in der Liga haben.

Diese Vorgeschichte, dass wir mit harter Arbeit da hingekommen sind, die steht natürlich.“


Jetzt haben Sie es schon gesagt, 32 Jahre. Davor waren Sie beim MSV Duisburg, was ja auch nicht uninteressant ist. Aber die Zeit bei Borussia Dortmund war natürlich die prägendste. Wenn Sie jetzt mal so Revue passieren lassen, welcher Trainer hat welche Macken gehabt?


„Welcher Trainer welche Macken gehabt hat? Das ist eine komische Frage, muss ich sagen. Ich habe natürlich unglaublich viele Trainer gehabt, aber eine richtige Macke hatte keiner.

Es waren alles verschiedene Charaktere. Der eine war ein bisschen lebhafter, der andere war ein bisschen ruhiger. Aber wenn ich diese erfolgreichen Jahre nehme, dann hat jeder es auch geschafft, diese Mannschaft zu führen.“


Das heißt aber, wenn Sie jetzt Macke nicht negativ interpretieren, Eigenart einfach. Was Ihnen so in Erinnerung geblieben ist, was eindrucksvoll war.


„Wenn ich an die Zeit mit Ottmar Hitzfeld denke, da war ich ja selber noch Spieler. Er war ein sehr ruhiger, kontrollierter Trainer, der ja der General genannt wurde. Der stand ja immer sehr erhaben an der Außenseite und hat kurze Anweisungen gegeben. Die passten aber auch immer daran.

Wenn man dann in die nächsten sehr erfolgreichen Jahre geht, wo wir dann 2011/12 mit Jürgen Klopp, da war ich schon Trainer, einen viel lebhafteren Trainer hatten. Der hat im Grunde alles viel, viel lauter gestaltet, war aber genauso erfolgreich.

Zwei völlig verschiedene Charaktere, aber ähnlich erfolgreich.“

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Wenn Sie jetzt für uns Ihre Karriere noch einmal zusammenfassen, welches Spiel war das Wichtigste in Ihrer Karriere?


„Dann würde ich sagen, das erste Spiel in München gegen Bayern München im Olympiastadion.

Denn es war damals so geplant, als ich nach Dortmund kam, dass ich eigentlich die Nummer zwei bin. Rolf Meier war der ältere Torwart. Das kam aus der Konstellation, weil Eike Immel nach Stuttgart gewechselt ist.

Ich sollte als 22-jähriger Nummer zwei werden. Aber Rolf Meier, der damals 28 oder 29 schon war, hatte sich leider im letzten Vorbereitungsspiel vor der Saison den Finger gebrochen und ich musste dann halt in München spielen und ich habe es dann da so gut gemacht und die nachfolgenden Spiele auch, dass ich halt im Tor geblieben bin.

Wenn ich den Einstieg in München jetzt vermasselt hätte, dann hätte sich wahrscheinlich auch keiner mehr darum gekümmert, was Teddy de Beer macht. Das war schon ein sehr entscheidendes Spiel, um zu zeigen, dass ich mithalten kann.“


Und damit haben Sie sozusagen den Grundstein für Ihre Karriere gelegt, da Sie ja auch Torwarttrainer waren. Wie muss ein Torwart heute trainieren und was zeichnet einen extrem guten Torwart aus?


„Ein extrem guter Torhüter, das ist ja in den letzten Jahren immer wieder die Diskussion gewesen, ist einer, der keine Tore reinbekommt.“


Ah, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Das ist ja philosophisch.


„Nein, es ist so, dass das Torhüter-Spiel sich natürlich, mit dieser Rückpass-Regel, die ich selber als Torwart damals noch mitgemacht habe, brutal verändert hat.

Es ist fußballerisch anspruchsvoller geworden. Man muss viel mehr mitspielen. Man kann den Ball nicht immer wieder in die Hand nehmen, wie in meiner Generation, zu Anfang der 80er Jahre.

Aber am Ende des Tages hat sich im Torwart-Spiel oder im Training so viel nicht verändert. Ich habe das 17 Jahre lang gemacht. Am Ende des Tages sind die Abwehr-Aktionen, die ich als Torhüter mache, das Handwerk.

Da ist nichts dabei, was Talent anbelangt, sondern ob ich einen Ball vernünftig abwehre. In welche Richtung, ob ich eine Faust-Abwehr mache, ob ich Bälle fange oder zur Seite weglenke. Das ist Handwerk, was ich durch tausende von Wiederholungen mir erarbeiten kann.

Dieses Talent, im Tor zu sein, den Mut zu haben, da hinzugehen, wo andere mit den Füßen trampeln, und du musst mit dem Kopf hin. Das brauchst du natürlich in deinem Herz. Aber alles, was ich an torwarttechnischen Sachen haben muss, das muss ich mir erarbeiten, und das muss ich in Wiederholungen machen.

Das ist ähnlich wie beim Tennisspieler. So eine Vorhand kann ich auch erst hundertprozentig gut, wenn ich sie 50.000 Mal übers Netz geschlagen habe. Und so ist es mit den einzelnen Sachen, die ich als Torhüter brauche.

Auch das muss analysiert werden, wo die Schwachstellen sind, was die Fangsicherheit anbelangt, was die Faust Geschichte anbelangt, wie das Abwehren der Bälle ist, dann kann ich mir das entsprechend aufschreiben und dann entsprechend abarbeiten und ausbilden. Und das geht über viel und harte Arbeit.“

Teddy de Beer über die Macke eines Torwarts: „Da mit dem Kopf hinzugehen, wo andere mit den Füßen trampeln. Diese Verrücktheit muss man schon mitbringen“


Jetzt gibt es ja diesen traditionellen Spruch: Linksaußen und Keeper haben alle eine Macke, haben irgendwie einen Schlag seitwärts. Welchen haben Sie?


„Im Grunde das, was ich gerade schon gesagt habe: Da mit dem Kopf hin, wo andere mit ihren Füßen reintrampeln. Diese Verrücktheit muss man schon mitbringen, da darf man sich keine Gedanken drüber machen.

Das war aber in frühester Jugend schon bei mir abzusehen. Meine Mutter hat das nicht so gut gefunden. Ich bin öfters auch mal als 4-jähriger auf den Küchentisch gekrabbelt und bin von oben runtergesprungen und habe mich abgerollt. Da hat sich wahrscheinlich damals schon abgezeichnet, dass ich irgendwas in dieser Form machen werde. Aber das hat sich dann ziemlich schnell eingestellt.

Du bist halt hinten allein im Tor und du kannst glänzen. Aber man braucht auch in der 85. Minute, nur mal einen Fehler zu machen, dann ist das ganze Spiel im Eimer. Da redet keiner mehr davon, was du vorher gemacht hast. Deswegen ist das schon eine spezielle Position da im Tor, wo du oft ziemlich einsam bist.“


Muss man da mentales Training machen? Hilft das?


„Ja durchaus. Eine positive Grundeinstellung hilft da, um damit fertig zu werden, wenn man in der fünften Minute einen Fehler macht, man dann auch noch 85 Minuten herumstehen muss.

Das muss man hinter sich lassen, weil die Situation, die jetzt passiert ist, die kann ich nicht mehr ändern. Aber das, was vor mir liegt. Da sind eine gute positive Grundeinstellung und ein mentales Training durchaus hilfreich.“


Es wurde zuletzt darüber diskutiert, wie denn die Reihenfolge der deutschen Torhüter ist. Ter Stegen hat zuletzt in der Nationalmannschaft extrem gut gehalten. Bei Frankfurt sagen sie, Trapp ist der beste deutsche Keeper. Wie ist Ihre Reihenfolge?


„Ich denke, Manuel Neuer ist weiterhin zu Recht noch die Nummer eins in Deutschland. Die anderen beiden Jungs sind, ich will gar nicht sagen, knapp dahinter. Also wir hätten überhaupt kein Problem, da die beiden Jungs auch spielen zu lassen.

Man hat ja jetzt auch gesehen, dass André ter Stegen hervorragend gehalten hat und Kevin Trapp geht in die gleiche Richtung. Das ist halt eben immer das Problem, das wir dann haben, wenn wir so viele gute Torhüter haben.

Das war zu meiner Zeit mit Toni Schumacher, Uli Stein, Eike Immel genau der gleiche Fall. Von denen hätte auch jeder spielen können. Da haben wir natürlich auch gerade ein Luxusproblem.

Und am Ende des Tages ist es so: Wenn ich einmal diese Reihenfolge gewählt habe und die etatmäßige Nummer eins sich da nicht zuschulden kommen lässt, dann wird das auch so bleiben. Das ist natürlich für andere wirklich ein hartes Stück Brot, aber das ist dann leider so gegeben.“


Für Sie war es ja so, dass Sie Stefan Klos als Nachfolger hatten. Wie hat sich das für Sie dargestellt?


„Zu Anfang war es gar nicht so einfach, weil wir zueinander in einer Konkurrenzsituation standen. Da gab es die eine oder andere Geschichte mit Ottmar Hitzfeld, wo ich dachte: Ich möchte wieder ins Tor, ja, okay, wir kämpfen drum und dergleichen und dann haben wir die Saison gespielt.

Irgendwann, im Laufe der Zeit, war es dann so, dass ich mir ’93 das Schien- und Wadenbein gebrochen habe. Das war natürlich auch in der Zeit, wo ich sage: Okay, du kannst dich wieder in die Konkurrenzsituation hineinbegeben.

Dann war ich aber erst mal ein Jahr weg. Und in der Zeit hat sich Stefan Klos ja auch etabliert, hat es hervorragend gemacht und ist auch ein klasse Torwart gewesen.

Danach war ich auch über 30 und dann habe ich mir das angeguckt und hab gedacht: Woanders hinzugehen macht keinen Sinn, weil wenn ich spielen möchte, möchte ich bei Borussia spielen und habe dann die Mannschaft in einer anderen Form unterstützt.

Das hat sich ja dann auch bewahrheitet. Dann sind wir Meister geworden, Champions League-Sieger und dann gibt es auch keine große Notwendigkeit, den Torhüter zu wechseln.“


Ich glaube, es gibt sogar einen Song, wo Sie vorkommen, als ewige Nummer zwei. Tut das weh?


(lacht) „Ja, das mag an dem Jungen liegen, weil er sich nicht so gut auskennt im Fußball.“


Könnten Sie das singen?


„Ich habe gehört, da gibt es eine Textzeile. Aber singen kann ich das nicht. Ich habe das mal gehört, das stimmt schon, aber der kennt sich nicht so gut aus. Denn das war dann irgendwann ab 30, wo ich dann die Nummer zwei gemacht habe.

Aber ich habe ja vorher fast dreihundert Profi-Spiele gemacht. Also das ist jetzt nicht richtig, dass ich nicht gespielt hätte.“


Aber dieses Thema auf der Bank zu sitzen, was bringt das mit sich?


„Das war besonders zu Anfang gar nicht so einfach, weil ich ja darum gekämpft habe, auch Nummer eins zu werden. Aber dann kam diese Geschichte mit dem Schien- und Wadenbeinbruch dazwischen, wo ich dann so um die 30 war.

Eigentlich im besten Torhüter-Alter. Dann bist du erst mal ein Jahr raus. Borussia Dortmund hat damals gesagt: Ja, okay. Komm, wir gucken. Wenn du wieder fit wirst, dann kannst du ja weitermachen.

Da habe ich mich erst mal um meine Gesundheit gekümmert. Und dann hat der Verein in dieser schwierigen Zeit auch zu mir gehalten. Das hat auch so ein bisschen was in mir bewegt, da muss man auch was zurückgeben. Und das habe ich dann die ganzen Jahre über gemacht.

Viele haben damals gesagt, ich hätte mich damit abgefunden, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich habe mich dann auch in dem älteren Semester, mit über 30, schon in eine andere Richtung orientiert.

Ich wollte natürlich im Training immer Gas geben, habe ich auch immer gemacht und war da auch ein Vorbild für die Jungs, die nicht regelmäßig spielen konnten. Denn ich war ja derjenige, der wahrscheinlich am seltensten reinkam in die Mannschaft, aber immer Vollgas im Training gegeben hat.

Deswegen habe ich das auch schon als Vorbereitung für den Verein gesehen und musste nicht mehr mich persönlich so weit in den Vordergrund stellen und konnte sagen: Ich blicke in die Richtung Borussia Dortmund, um vielleicht auch nachher weiter im Verein zu bleiben.

Was nachher auch dann zum Tragen kam. Als Torwarttrainer und dergleichen. Ich habe mich dann auch schon mehr um die Mannschaft gekümmert als um mich selbst.“


Gibt es vergleichbare Charaktere im aktuellen Kader der Borussen?


„Nun, ich bin jetzt nicht mehr ganz so nah an der Mannschaft dran. Ich bin zwar noch zwischendurch bei den Jungs dabei, aber du lernst sie ja nicht mehr so intensiv kennen, wie wenn man im Trainerteam wäre und jeden Tag mit den Jungs arbeitet. Das ist natürlich anders. Dann kennst du die Charaktere.

Ich bin jetzt vier Jahre raus und in den vier Jahren hat die Mannschaft sich natürlich auch unglaublich verändert, auf vielen Positionen. Der einen oder anderen Spieler, klar, den kenne ich noch.

Aber ich denke mir, dass Mats Hummels einer unserer Spieler ist, der sich in die Richtung bewegt, weil er auch schon die Reife hat und sagt: Okay, ich tue alles für Borussia Dortmund. Er hat sich ja auch dieses Jahr in eine sensationelle körperliche Verfassung gebracht und kam hervorragend in die Saison.

Marco Reus wird ein ähnlicher Spieler sein, der auch eine große Identifikation mit unserem Verein hat.

Ich möchte das aber keinem von den Jungs absprechen. Denn sie wissen selber, dass sie nur in der Mannschaft, gemeinsam, miteinander erfolgreich sein können.

Wenn man das einmal verinnerlicht hat, dann will sich da auch keiner außen vorstellen und man will im Team arbeiten. Und das denke ich mir, wird Edin Terzic mit Sicherheit hinkriegen, das in die Richtung zu steuern.“


Wunderbar. Teddy de Beer, ich bedanke mich. Wir könnten natürlich noch den ganzen Tag hier weitersprechen. Das war wunderbar. Noch mal herzliche Grüße in den Westen, nach Dinslaken, oder?


„Ja, das ist mein Heimatort, richtig. Genau. Hat Spaß gemacht. Einen schönen Tag noch.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen