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Sven Bender mit gewagter Bundesliga Prognose: „BVB hat sehr gute Meisterchancen“

Kann auch Leverkusen ins Titelrennen eingreifen?

Karl-Heinz Fischer  3. August 2022
Sven Bender Startalk Bundesliga Start Dortmund
Sven Bender sieht Dortmund in der Bundesliga-Saison 2022/23 mit guten Meisterchancen. (© IMAGO / foto2press)

Der Bundesliga Start 2022/23 steht unmittelbar vor der Tür. Um mit uns die anstehenden Partien zu analysieren, haben wir zum Sven Bender zur großen „Beidfüßig“-Saisonprognose eingeladen.

Gleich zum Bundesliga Auftakt kommt es zu einem besonderen Duell für Bender: Denn seine 265 Bundesligaspiele absolvierte er für den BVB und Bayer Leverkusen, die am 1. Spieltag direkt aufeinander treffen.

Ausführlich haben wir uns mit dem Ex-Profi über die Aussichten des BVB und von Bayer 04 unterhalten, decken aber auch den Abstiegskampf und private Themen aus Sven Benders Alltag in der Kreisklasse ab.

Das komplette Interview gibt es wie gewohnt im „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel unter „Beidfüßig Star Talk“ zu hören und zu sehen.

Aktuelle Bundesliga Tipps & Quoten


Ich freue mich, hier Sven Bender begrüßen zu können. Reden wir gleich über die Bundesliga und sprechen über die Saisonvorschau. Vorab aber noch: Was machen Sie aktuell?

„Aktuell bereite ich mich ein bisschen auf meine Co-Trainertätigkeit bei der U-16 Nationalmannschaft vor. Dafür habe ich mir in letzter Zeit viele Sachen am PC angeschaut, Spiele beobachtet und mich auch darauf vorbereitet, was da jetzt auf mich zukommt.

Es ist ja schon ein anderer Bereich, in dem ich mich jetzt da bewege. Da muss man auch die Blickwinkel ein wenig verändern. Aber da freue ich mich jetzt drauf.“

Wahrscheinlich freuen Sie sich auch schon auf die kommende Bundesliga Saison. Oder sehe ich das falsch?
„Natürlich! Fußball ist nach wie vor äußerst interessant. Die Sommerpause nutzen natürlich alle, um ihren Kader nochmal zu verändern und zu verstärken.

Von daher ist es sehr interessant, was da jetzt auf die Mannschaften zukommt und wie alle in diese Saison rein starten.“

Sie sind noch nicht allzu weit von der Bundesliga. Können Sie also den Blick noch intensiv auf ihren Ex-Verein Borussia Dortmund werfen? Da hat sich ja jetzt einiges getan. Der Trainer wurde gewechselt, von Rose zu Terzic. Ist das für Sie alles nachvollziehbar?

„Es ist wie jedes Jahr. Es gibt immer Veränderungen, auch Veränderungen, die nicht jeder gut findet, wenn ein Top-Scorer, ein Top-Stürmer geht. Aber das ist der Fußball. Das ist eben auch das Geschäft, dass sich ständig etwas ändern kann.

Die Möglichkeiten sind aber dann für andere Spieler da, in diese Lücke hineinzuwachsen. Vielleicht verändert sich dadurch auch ein wenig die Spielanlage. Auch mit dem Trainerwechsel, zurück zu Terzic.

Das ist auf jeden Fall auch eine interessante Personalie. Da bin ich auf jeden Fall gespannt, ob er da anknüpfen kann, wo er aufgehört hat.“

Trauen Sie ihm das zu?

„Definitiv. Er war nie weg vom Verein, er war immer sehr nah dran. Ich glaube, er konnte alles aus einer geringen Distanz verfolgen und er weiß auch genau, wo jetzt anzusetzen ist. Deswegen traue ich ihm das absolut zu, dass er mit der Mannschaft eine gute Rolle spielen wird, in diesem Jahr.“

Was wird er ändern, was glauben Sie?

„Ich glaube schon, dass sie im Bezug auf letzte Saison, wo sie viele Spiele nicht erfolgreich bestreiten konnten, weil sie extrem anfällig waren für Gegentore. Was eigentlich ungewöhnlich ist, wenn man so weit oben in der Bundesligatabelle steht.

Dass er jetzt unbedingt einen defensiveren Ansatz wählt, das glaube ich nicht. Aber zumindest wird er den Fokus auf die Defensive gelegt haben. Nach vorne haben sie unfassbar viele Tore gemacht, das muss man beibehalten. Aber sich in der Defensive, als Team, stabilisieren.“

Borussia Dortmund wird sehr gelobt, für ihre Einkäufe in dieser Transferphase. Sehen Sie das auch so? Schlotterbeck ist gekommen, Süle, Adeyemi. Schließen Sie sich dem an, oder müsste vielleicht da und dort noch nachgeschraubt werden?

„Sie haben einen sehr guten Mix, aus Offensiv- und Defensivspielern. Sie haben sich extrem verstärkt. Sie haben Spieler geholt, die auch einen gewissen Charakter, eine gewisse Mentalität mitbringen und für Stabilität in einem Team sorgen können.

Ich bin gespannt, ich denke, dass das sehr gute Transfers sind, aber ich hoffe auch, dass ich mich da nicht täusche und der Verein auch nicht.“

Es gibt einen, der fliegt etwas unter dem Radar, dessen Transfer ich aber als sehr gelungen empfinde. Özcan. Das ist ja einer, der Ihnen, aufgrund der Spielweise, auch gefallen sollte.

„Er ist extrem wichtig für die Balance im Spiel. Jemand der die Welle brechen kann, wenn der Gegner versucht zu kontern und schnell nach vorne zu kommen. Mit seiner aggressiven Spielweise kann er dem BVB da durchaus helfen.“

Spieler-Stationen von Sven Bender:

Verein Spiele Tore/Vorlagen
Borussia Dortmund 224 4/11
Bayer Leverkusen 133 6/4
TSV 1860 München 69 1/5

Kurz haben wir schon über das Mittelstürmer-Thema gesprochen, das natürlich auch ein sehr spezielles ist, mit der Erkrankung von Sebastien Haller. Glauben Sie, dass die Verantwortlichen nochmal reagieren werden und einen Mittelstürmer holen?

„Die Gesundheit geht immer vor, nochmal für ihn alles Gute. Die sportliche Situation für Sebastian Kehl ist natürlich schwierig. Er hat sehr viele Möglichkeiten in der Offensive, aber er hat nicht mehr diesen einen Stürmer.

Ich bin froh, dass ich nicht in der Situation bin, das zu entscheiden, aber normalerweise müsste man auf der Position noch was machen, wenn Haller länger ausfällt.“

Wen würden Sie holen? Icardi, Cavani?

(lacht) „Beide. Alle. Nein, das ist natürlich die Frage. Es muss immer passen, auch finanziell muss es passen. Dortmund hat schon recht tief in die Tasche gegriffen, deshalb ist es nur möglich, wenn es finanziell im Rahmen ist.

Der Transfer muss überschaubar bleiben, damit man ihn gut stemmen kann. Aber die Namen sind natürlich alle gut. Prinzipiell könnte man da jeden nehmen, aber ich glaube es ist wichtig, dass der finanzielle Rahmen passt.“

Aber mit wem würden Sie am liebsten zusammengespielt haben?

„Auch wieder mit allen. Dzeko fand ich immer einen besonderen Spieler. Schwierig auch schon, ihn zu bespielen, als Gegenspieler. Aber wie gesagt, ich bin in der glücklichen Situation, dass ich das nicht entscheiden muss.“

Bayer Leverkusen. Letztes Jahr dritter Platz, Champions League wieder erreicht. Jetzt in einer Situation, die neu ist, denn sie haben keine Leistungsträger abgegeben. Sie haben das Team zusammengehalten, Florian Wirtz auch gehalten, Schick ist geblieben. Erreichen die dieses Jahr mehr?

„Man muss den Verantwortlichen da ein großes Lob aussprechen. Das Team so zusammenzuhalten, wo es normalerweise immer sehr viele Wechsel gibt, bildet die perfekte Basis, nach der erfolgreichen Saison jetzt sogar noch einen Schritt nach vorne zu machen.

Bei Leverkusen ist es trotzdem sehr abhängig, von einem guten Saisonstart. Sollten sie gut in die Saison starten, dann zehren sie das ganze Jahr davon.“

Saisonstart ist ein gutes Stichwort. Ihre beiden Ex-Vereine spielen gleich gegeneinander, Dortmund und Leverkusen.

„Ja. Hätte nicht besser kommen können. Hoffentlich kein 0:0. Dann kann ich zwar wieder zufrieden rausgehen, aber ich hoffe auf ein spektakuläres Spiel, wie es die letzten Jahre eigentlich immer der Fall war.

Es sind viele Tore gefallen, das ist natürlich auch wieder für die Fans interessant. Ich hoffe, dass es ein gutes Spiel wird, mit vielen Toren, dann hat jeder etwas davon.“

Das war übrigens auch ihr letztes Bundesligaspiel, aber das wissen Sie mit Sicherheit besser als ich.

„Genau deswegen habe ich aufgehört. Hätte ja nicht besser sein können.“

Sven Bender vor Bundesliga Start: „BVB hat die Chance, aber auch Leverkusen“

Die Aufsteiger Schalke und Bremen, die nur ein Jahr in der zweiten Liga waren, machen die die Bundesliga wieder attraktiver?

„Mich hat es extrem gefreut, dass diese Mannschaften wieder hochgehen, weil sie vom Namen her auch einfach sehr klangvoll sind. Für die Bundesliga ist es immer wichtig, auch im Ausland interessant zu sein.

Mannschaften, die auch international schon für Furore gesorgt haben, beleben diese Bundesliga und deshalb tut es gut. Auch mit Schalke, dass wir wieder ein richtiges Derby haben. Bremen als eine immer interessante Mannschaft, die guten Fußball spielt.

Ich glaube, dass es sehr, sehr gut ist, dass die Mannschaften wieder da sind. Das tut der Bundesliga auf jeden Fall sehr gut.“

Kämpfen die gegen den Abstieg, oder können die sich gleich wieder im Mittelfeld etablieren?

„Schwierig zu sagen. Aber bei Bremen glaube ich das nicht, sie wirken sehr gefestigt. Man kriegt das gut hin.

Bei Schalke ist es schwieriger, da sind das ganz andere Voraussetzungen, als zu dem Zeitpunkt, als sie noch in der Bundesliga waren. Sie selber rechnen auch nicht damit, dass sie jetzt die ganz große Rolle in der Bundesliga spielen müssen.

Schalke lebt aber auch von den Fans und dieser Wucht, die da dahinter steckt. Deswegen glaube ich persönlich nicht, dass Schalke etwas mit dem Abstieg zu tun haben wird.“

Und was sehen Sie beim Hauptstadtclub? Hertha BSC hat sicher gerade so gerettet, letztes Jahr. Haben die jetzt mal eine Saison, die sorgenfrei gestaltet werden kann?

„Naja, ich hoffe es. Die letzten Jahre hat man doch anders geplant, bei der Hertha. Man hat sich selber hohe Ziele gesetzt und hatte viel vor und wurde dann am Ende enttäuscht. Letztes Jahr ist man knapp nicht abgestiegen.

Ich glaube, dass ich der Verein da nochmal gesammelt hat und jetzt vielleicht endlich den Schritt geht, den sie schon vor zwei oder drei Jahren gehen wollten. Da drücke ich ihnen die Daumen.

Hertha BSC als Hauptstadtclub gehört immer in die erste Liga und ich wünsche ihnen, dass das, was eigentlich ihr Weg war, den sie gehen wollten, in diesem Jahr umgesetzt wird.“

Letztes Jahr waren Freiburg und Köln die Überraschungen. Glauben Sie, dass sich dieser Trend fortsetzt und wir wieder Überraschungsteams vorne haben werden?

„Das glaube ich schon. Man hat gesehen, wie wichtig es ist, wenn man ein stabiles Team hat, das zusammenarbeitet und zusammenhält. Deswegen waren diese Teams so stark.

Sie wussten, sie werden nicht jedes Spiel gewinnen, es werden viele schwere Spiele dabei sein, aber sie können als Team da gemeinsam durchgehen. Dadurch war es für jeden Gegner sehr schwer, da überhaupt zu bestehen.

Somit sind sie auch verdient auf den Plätzen gelandet, wo sie am Ende auch waren. Dieses Jahr wird es etwas anders werden, das internationale Geschäft kommt dazu. Da bin ich gespannt, ob sie das ebenso gut kompensieren können, wie letztes Jahr.

Wenn die beiden Mannschaften vielleicht einen Tick nachlassen, dann rutscht vielleicht die eine oder andere Mannschaft oben rein, mit der jetzt noch gar keiner rechnet.“

Mit wem rechne Sie da? Hätten Sie da eine Idee?

„Mir hat Mainz letztes Jahr schon sehr gut gefallen. Die hatten dann mal einen etwas längeren Hänger, aber das ist im Grunde eine ähnliche Mannschaft, die von dieser Geschlossenheit lebt.

Man sieht es immer wieder, dass sie ihre Heimspiele auch gegen große Mannschaften gewinnen. Vielleicht können Sie auch selber für eine Überraschung sorgen.“

Und wenn wir jetzt über den deutschen Meister sprechen, wen sehen Sie da? Ihr Kollege bei Sky, Didi Hamann, sagt, er tippt auf den BVB.

„Sie haben sehr gute Chancen, also ich glaube, dass sie einen sehr guten Job gemacht haben, was sie Transfers betrifft.

Wenn sie es schaffen, dass der gesamte Verein als Einheit in die richtige Richtung drückt und alle diesem Ziel nachgehen, dann braucht man noch ein bisschen Glück, dass die Bayern das eine oder andere Spiel verlieren, dann muss man da sein.

Aber die Möglichkeiten sind da. Wünschen würde ich es ihnen und jedem einzelnen Fan des BVB natürlich auch.“

Sie wissen, wie es geht. Sie sind deutscher Meister, Pokalsieger. Insofern können Sie es einschätzen, nähert sich dieses Team dem großen Ziel nochmal?

„Ich bin da natürlich nicht mit in der Kabine. Damals war es schon so, dass wir extrem dran geglaubt haben und das Ziel verfolgt haben. Da geht es natürlich auch um die Zieldefinierung.

Wenn ich mir persönlich das Ziel setze, ich möchte deutscher Meister werden, dann habe ich das vor Augen. Wenn ich definiere, ich möchte in die Champions League, ich möchte oben mitspielen, dann habe ich ein anderes Ziel und werde wahrscheinlich nicht Erster werden.

Das ist eben die Frage, was sie intern als Ziel definieren. Aber selbst dann kann man noch Überraschungsmeister werden. Die Voraussetzungen beim BVB sind immer super, deswegen hoffe ich, dass es diese Saison noch enger zugeht und noch spannender wird.“

Wen sehen Sie sonst noch als Konkurrent auf den Meistertitel, neben den Bayern?

„Leverkusen ist möglich. Sie haben ihr Team gut zusammengehalten und letztes Jahr eine tolle Saison gespielt. Wenn man das als Basis nimmt und darauf aufbaut, dann kann es sehr interessant werden.
Leipzig finde ich immer extrem interessant. Sie zeigen auch jedes Jahr, dass mit ihnen zu rechnen ist und da bin ich sehr gespannt.“

Sven Bender: „Wird sehen, wie Freiburg & Köln mit Dreifachbelastung klarkommen“

Das Thema Abstieg müssen wir auch noch beleuchten. Welche Vereine sind zumindest in der Verlosung, dass sie runtergehen?

„Die Vereine, die in den letzten Jahren gegen den Abstieg gespielt haben, wünschen sich natürlich ruhigere Zeiten. Augsburg ist ein unfassbar sympathischer Verein, denen wünsche ich, dass sie nicht in diesen Strudel reinkommen, weil es sonst gefährlich werden kann.

Es kommen auch noch sehr spielstarke Mannschaften von unten hoch. Da hoffe ich einfach, dass Vereine wie Augsburg oder auch Hertha, auch wenn das eine andere Richtung ist, mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden.“

Bei Augsburg haben Sie also schon Bedenken. Beim VfL Bochum, wie sieht da ihre Prognose aus?

„Nach dem Aufstieg haben sie eine hervorragende Saison gespielt, aber man sagt ja, dass das zweite Jahr gefährlich ist. Aber da glaube ich, dass der Verein sehr, sehr intakt ist und die Mannschaft eine Einheit ist, um auch schwierige Phasen zu meistern.

Ihnen würde ich es auch wünschen, dass sie lange nichts mit dem Abstieg zu tun haben, aber ich glaube, dass es nicht so einfach wird, wie letztes Jahr. Als auch der ein oder andere Gegner die Spiele vielleicht zu leicht genommen hat.“

Die Bundesliga hat zwei Superstars verloren. Lewandowski und Haaland. Beide Mittelstürmer, beide Kandidaten für den Top-Torjäger der Saison. Wer stößt denn jetzt in diese Lücke?

„Ich hätte auf Haller getippt, der aber leider Gottes aktuell nicht zur Verfügung steht. Es ist die Möglichkeit im Grunde für jeden anderen jetzt. Zwei Leuchtsterne sind weg, auf die jeder geschaut hat. Jetzt wird sich zeigen, wer in diese großen Fußstapfen reintreten will.

Nach wie vor haben wir viele interessante Spieler in der Bundesliga. Bei den Leverkusenern Patrik Schick, auf dem der Fokus noch ein bisschen mehr liegen wird.

Wir haben auf jeden Fall genügend Leute in der Bundesliga, die das machen können. Aber natürlich ist es auch extrem schade, dass zwei so hervorragende Fußballer und Stürmer die Bundesliga verlassen haben.“

Sehen Sie Sadio Mane auch als Kandidat für den Torschützenkönig?

„Direkt als Torschützenkönig eigentlich weniger. Ich lasse mich da aber gerne eines Besseren belehren. Für die Bundesliga ist es aber sehr wichtig, dass er gekommen ist. Er hat eine enorme Strahlkraft, es tut gut, dass er da ist und er wird natürlich für Furore sorgen.“

Sven Bender vor Bundesliga Start über Sadio Mane: „Er wird für Furore sorgen“

Vielen Dank für diese Einschätzungen. Was wir nicht vergessen dürfen, ist, dass sie nach wie vor selber spielen. Und zwar für den TSV Brannenburg in der Kreisklasse. Wie sieht da der Alltag aus?

„Typisch Kreisklasse halt. Wir trainieren zweimal am Tag, viermal die Woche und dann am Wochenende ein Spiel. (lacht) Nein, es ist anders geworden. Ein- oder zweimal die Woche werde ich trainieren und am Wochenende, wenn es sich ausgeht, dann spiele ich auch mit.

Ich habe nach wie vor Lust auf Fußball. Für den ganz großen Fußball sind die Verletzungsprobleme dann doch zu groß. Wenn ich nur einmal trainiere, kann ich mir am nächsten Tag eine Auszeit nehmen und dann passt das.

Aber es macht unfassbar viel Spaß. Ich spiele mit meinen besten Freunden zusammen, mit Spielern, mit denen ich das Fußballspielen begonnen habe. Zurück zu den Wurzeln und das macht wirklich Spaß“

Habt ihr da Chancen auf den Aufstieg, auf die Meisterschaft?

(lacht) „Wie alle anderen Mannschaften auch. Natürlich haben wir Chancen, aber es sind spektakuläre Dinge, die dann auch einmal etwas zusammenhauen. Der Fußball ist auf jeden Fall deutlich lebendiger. Hier unten passieren völlig unvorhersehbare Sachen.“

Zum Beispiel?

„Da ist mal ein Querschläger dabei, oder aus völlig harmlosen Momenten, wo dann plötzlich ein Tor fällt. Das muss man dann auch akzeptieren, aber natürlich haben wir Chancen aufzusteigen.

Es ist aber auch nicht das allerwichtigste Ziel. Es geht um den Spaß und darum, gemeinsam Fußball zu spielen. Logisch möchte man einen gewissen Erfolg. Man sieht den Fußball aber schon ein bisschen anders jetzt. Es macht einfach Spaß, dass man wieder da ist und den Fußball so erlebt, wie zu dem Zeitpunkt als man hier wegging und noch ein kleiner Junge war.“

Wie sieht konkret ein Trainingslager aus? Biergarten vorher oder nachher?

„Das ist schon mal das Positive – es gibt kein Trainingslager. Aber es ist schon so, dass nach dem Training professionelle Elektrolyt-Getränke in Form eines Bieres vorhanden sind. Da sind die anderen auf jeden Fall professioneller als ich, da muss ich mir noch das eine oder andere aneignen. Die sind auf einem ganz anderen Niveau.“

Die haben auch ein bisschen mehr Übung, wahrscheinlich. Sie waren lange Zeit im Westen und müssen sich jetzt im äußersten Süden erst wieder akklimatisieren.

„Auf anderen Gebieten spielen sie dann doch einfach Bundesliga. Das kann man schon so sagen.“

Gehts konkret?

„Ich kann ein Beispiel bringen: Zum ersten Auswärtsspiel bin ich mit und nach dem Aufwärmen hab ich gefragt, ob es auch Wasser gibt, oder etwas zu trinken. Da war die Antwort: Nein. Aber das Bier ist schon kaltgestellt. Wasser muss man selber mitbringen. Sehr gut.“

Bis 2000 haben Sie immer mit ihrem Bruder gespielt, dann haben Sie sich getrennt. Wie war das eigentlich, zum ersten Mal ihrem Bruder gegenüberzustehen auf dem Platz.

„Ein bisschen eigen war es schon. Vor dem Spiel hatte man schon ein Schmunzeln im Gesicht. Bisher hat man immer zusammengespielt, jetzt spielt man gegeneinander. Dann auch noch in der höchsten deutschen Spielklasse. Das war doch besonders.

Im Spiel selber hat man es dann gar nicht wirklich wahrgenommen, wenn ich ehrlich bin. Es geht dann oft zu schnell, als dass man sehen könnte, wer genau das jetzt ist. Wenn ich es wahrgenommen habe, wusste ich, dass ich jetzt 100.000 Prozent geben muss.

Auf der anderen Seite ist er aber dann eben auch einer, der dann alles in so einen Zweikampf reinpackt.“

Das haben sie beide immer großartig gemacht. Sie haben 265 Bundesligaspiele erlebt, welches Spiel ist ihnen da noch besonders präsent?

„Es sind so viele und ich bin für jedes einzelne sehr dankbar. Ich habe mir das nie vorstellen können, als kleiner Junge. Es war zwar immer der Traum, aber dass es dann am Ende so viele Spiele sind und dass ich so viele großartige Momente miterleben konnte.

Das 2:0 zu Hause gegen Nürnberg, wo wir die erste Meisterschaft fix gemacht haben, da waren wir noch sehr jung bei Dortmund und haben gefühlt fünfzehn Minuten das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen, als wir gemerkt haben, dass Leverkusen in Rückstand ist und wir führen.

Das sind schon besondere Momente und Gefühle, die einen da durchströmen. Aber selbst mit Leverkusen dann auch im Spiel gegen meinen alten Verein, Dortmund. Als wir in den letzten zehn Minuten noch zwei Hütten machen und das Spiel zum 4:3 noch drehen, wo Lars den Ball noch reinköpft.“

Und welches Spiel würden Sie gerne noch einmal spielen dürfen?

„Mit einem anderen Ausgang vielleicht das Champions-League Finale, weil es sehr selten ist, dass man überhaupt noch so ein Spiel macht. Wir haben damals zwar alles gegeben und es war auch ein hervorragendes Spiel, aber für mich nur einmal im Leben. Das würde ich natürlich gerne nochmal spielen wollen.“

Nochmal zum Thema Meisterschaft: Man muss das von vornherein festlegen. Also Jürgen Klopp hat damals gesagt: Freunde, wir werden Meister?

„Wir haben das nach außen nicht gesagt, aber intern haben wir das klar formuliert. Aber da gehört natürlich diese Überzeugung und dieser Glaube im ganzen Team dazu, damit man das schaffen kann.

Hohe Ziele setzen, dann kann ich auch hohe Ziele erreichen. Wenn ich mir nur ein mittleres Ziel vornehme, dann werde ich unmöglich weit darüber hinauskommen.

Ich glaube, dass natürlich auch wieder eine große Veränderung im Kader ist, aber meiner Meinung nach haben sie sich in Dortmund sehr gut verstärkt. Alle Möglichkeiten sind da.“

Sven Bender, Sie sind jetzt Co-Trainer bei der U-16. Ihr Minuten älterer Zwilling Lars ist Co-Trainer bei der U-15. Eigentlich ist das ja verkehrt herum. Müsste nicht der Ältere die Älteren trainieren?

„Ehrlicherweise kann ich das gar nicht beantworten. Vielleicht, weil ich zuerst den Kontakt zum DFB hatte und Lars dann erst beim zweiten Gespräch dabei war. Ich weiß es nicht.

Es macht auch keinen großen Unterschied, man ist da in einem Zyklus drin. Es hätte genauso gut andersrum sein können. Aber so wie es jetzt ist, so ist es auch gut.“

Heißt das auch, dass es irgendwann ihr Ziel ist, in der Bundesliga auch mal als Trainer an der Seitenlinie zu stehen?

„Jetzt erst mal nein. Für mich geht es im Moment nur darum, dass ich den Fußball immer noch liebe und ihn jetzt aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen möchte. Das ist dann einfach das Trainertum.

Das habe ich ja so noch nie gemacht. Ich habe oft versucht, mich in den Trainer hineinzuversetzen, aber jetzt aus dieser Sicht auch draufzuschauen, ist etwas ganz anderes.

Wenn ich jetzt sage, mein Ziel ist Bundesligatrainer, dann ist das natürlich ein tolles Ziel, das man schaffen kann. Aber erst muss ich mir viel aneignen, viel lernen, auch erstmal meine eigene Herangehensweise als Trainer finden. Welche Art Trainer ich sein will.

Das andere, was in der Zukunft ist, das wird sich dann auch zeigen. Das kann ich jetzt so noch gar nicht sagen.“

Noch kurz zum Thema Brannenburg: Nicht alle wissen das, das ist nicht weit weg von Rosenheim und nicht weit weg von Oberaudorf, also Schweini-Land. Er ist ’84 geboren, Ihr ’89. Gibt es da noch Derbies oder nicht?

„Oberaudorf spielt in einer andern Klasse, daher das nicht. Aber ich glaube, die Region hat schon einigermaßen vernünftige Fußballer rausgebracht. Wir warten auf den nächsten. Jeder Junge ist gefordert.“

Skifahren in Oberaudorf gelernt?

„Ich habe es erst relativ spät gelernt, also nicht dort. Ich bin auch kein so begnadeter Skifahrer wie Basti.

Abschluss des Gesprächs mit „Geschüttelt oder Gerührt?“

Welchen James Bond Film finden Sie am besten?

„Da muss ich kurz überlegen. Casino Royale. Weils da viel um Pokern geht. Mir gefällt diese Abgezocktheit am Tisch.“

Weißwurst häuten oder Weißwurst zuzeln?

„Ich häute sie.“

Die gelbe Wand in Dortmund oder die Westkurve in Giesings Höhen?

„Gelbe Wand Dortmund.“

Wilde Party oder Wickeltisch?

(lacht) „Wilde Party.“

VAR oder alles wie früher?

„VAR, aber bisschen optimiert.“

Waikiki Beach oder Brannenburger Petersberg?

„Ganz klar letzteres.“

Waldlauf oder Videoanalyse?

„Waldlauf.“

Wecker oder weiterpennen?

„Wecker.“

Sven Bender, vielen Dank. Das hat Spaß gemacht und war richtig toll. Viel Glück und Erfolg für Freitagabend, bei der Premiere im ZDF als Experte.

„Vielen Dank. Alles Gute. Ciao.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen