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Rüdiger Abramczik zur Schalke Krise: „Ärmel hoch und erst mal kämpfen!“

So schätzt die S04-Legende die Lage ein

Karl-Heinz Fischer  6. November 2022
Rüdiger Abramczik Schalke Krise Startalk
Rüdiger Abramczik spricht mit uns über Aktuelles und Vergangenes auf Schalke. (© IMAGO / RHR-Foto)

Erinnert man sich an die aktive Zeit des gebürtigen Gelsenkirchen-Erlers, so fallen einem bei Rüdiger „Abi“ Abramczik unweigerlich die Begriffe „Straßenfußballer“ und „Flankengott“ ein. Denn während seiner Laufbahn galt er als herausragender Rechtsaußen und Flankengeber.

Schon in der Jugend spielte er bei den Knappen und entwickelte sich dort zum Stammspieler. Aber auch drei Jahre beim BVB stehen in seiner Vita, wo er mit Manfred Burgsmüller ein kongeniales Sturmduo bildete.

1978 spielte er für Deutschland bei der WM in Argentinien. Die Österreicher schoben aber mit dem „Wunder von Cordoba“ den deutschen Titelträumen einen Riegel vor. Wir haben gefragt, wen Rüdiger Abramczik im Vorfeld der WM zu den Favoriten zählt und welche Rolle Deutschland dabei spielen könnte. Außerdem sprachen wir im „Beidfüßig Star Talk“ über die Situation von Schalke 04, das aus von Rouven Schröder und den Weg aus der Krise.

Zusätzlich dazu spielten wir eine Runde „Geschüttelt oder gerührt?“. Das komplette Interview in Bild und Ton finden alle Interessierten auf dem „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel.

Der Expertentipp zu Bremen gegen Schalke und Dortmund gegen Bochum


Wir starten mit dem Spiel der beiden Aufsteiger, nämlich Bremen gegen Schalke. Und gegensätzlicher könnte die Situation ja gar nicht sein. Schalke Tabellenletzter und Bremen auf Platz acht. Zu diesem Spiel holen wir uns eine kernige Unterstützung, nämlich Rüdiger Abramczik. Hallo!

„Guten Morgen zusammen.“

Rüdiger „Abi“ Abramczik ist einer der kernigsten Fußballer, die ich kennenlernen durfte. Sie müssen uns erklären, was mit Schalke gerade los ist? Sie waren am Sonntag im Stadion, bei diesem 0:2 gegen Freiburg. Wie ist die Situation?

„Die Situation ist auf jeden Fall nicht besser geworden als vorher. Das muss man einfach so sagen.

Jetzt ist natürlich Rouven Schröder auch weg und man weiß nicht, warum und weshalb er aufgehört hat. Aber man hört so ein bisschen, dass er natürlich die Mannschaft zusammengestellt hat und da jetzt noch ein bisschen nachladen wollte. Und da gab es wohl einige Probleme untereinander im Vorstand.“

Mehr Details können Sie da auch nicht rauslassen wahrscheinlich?

„Da kann ich nicht mehr rauslassen. Genau. Fakt ist, dass die Mannschaft nicht gut spielt. Fakt ist, dass wir unten stehen und die anderen Mannschaften, die vorher mit uns unten standen, langsam anfangen zu punkten.

Ob das Stuttgart ist oder auch Hertha. Gut, Leverkusen und Bochum, da können wir noch freudig schreien, dass die bis jetzt nicht richtig in Tritt kommen. Genauso wenig wie wir auch. Man kann nur hoffen, dass es besser wird, mit dem neuen Trainer.“

Allein die Hoffnung ist natürlich ein bisschen wenig. Was muss denn konkret passieren?

„Konkret ist es einfach so, dass wir rein fußballerisch, so glaube ich, mit die schwächste Mannschaft in der Bundesliga sind. Und dann ist es einfach so, wenn man schlecht Fußball spielt, dann muss man die Ärmel hochkrempeln und dann über den Kampf kommen, über den Willen. Dann muss man eben einfach ganz normalen, dummen Fußball spielen. Das heißt, du spielst gegen den, du gegen den.

Da muss man schauen, dass man die Leute bekämpft, bis zum Umfallen. Speziell auch zu Hause, mit unserem Publikum, das gestern wieder etwas ganz Tolles veranstaltet hat. Aber die Spieler, die müssen das mal was zurückgeben. Wenn da nichts kommt, nur immer von der einen Seite, dann ist es ein bisschen wenig.“

Wie sehen Sie konkret das Spiel gegen Bremen? Wie muss das angegangen werden?

„Ich war von vornherein sehr überrascht, dass Kreuzer in Berlin Pressing gespielt hat. Da dachte ich: ‚Meine Güte, was ist jetzt los, der lässt Pressing spielen.‘ Das war in der ganzen Zeit, bei keinem Trainer so gewesen. Wir haben uns immer zurückgezogen, zurückgezogen und haben die anderen das Spiel machen lassen.

Bremen weiß ich jetzt nicht. Wir haben in Bremen meiner Ansicht nach immer, das war auch schon früher so, eigentlich immer die Spiele verloren, weil wir zu viel Respekt vor Bremen hatten. Aber in der Bundesliga darf man keinen Respekt haben, da muss man Gas geben.

Gut, die haben jetzt ein paar Punkte mehr als wir, aber die sind ja auch neu in die Bundesliga aufgestiegen, genauso wie wir. Und wenn die es schaffen, dann frage ich mich manchmal, warum wir das nicht schaffen. Aber wie gesagt, ich bin immer noch einer, der sagt Ärmel hoch und erst mal kämpfen, bevor ich irgendwie was Spielerisches anfange, das nicht funktioniert mit der Mannschaft.“

Gehen wir weiter zum nächsten Ruhrgebiets Duell, nämlich Dortmund gegen Bochum. Sie haben für Dortmund gespielt. 1980 hat man Sie bei Schalke verkauft, aus finanziellen Gründen. Die brauchten Geld.

„Ja, so ist das gewesen. So ist das nun mal im Leben. Wenn man schlecht gewirtschaftet hat, dann muss man eben einen verkaufen. Und das war zu dem Zeitpunkt eben ich. Schalke hat sehr viel Geld für mich bekommen, deswegen bin ich nach Dortmund gegangen.

Aber das ist ja eine alte Geschichte von früher. Die drei Jahre in Dortmund waren trotzdem sehr, sehr schön. Vor allen Dingen, weil ich immer noch einen sehr guten Kontakt zu Dr. Rauball habe. Das war eigentlich immer das Positive an der ganzen Sache.“

Zum Spiel Dortmund gegen Bochum: Sehen Sie da Chancen für den Außenseiter oder sagen Sie, da ist nichts zu holen?

„Nein, ich glaube nicht, dass Bochum da was holen wird. Dafür ist Bochum spielerisch genauso zu schwach, wie unsere Mannschaft. Trotzdem muss ich ein bisschen für Bochum argumentieren, weil ich die Spiele gesehen habe. Bochum in Stuttgart, da haben sie sehr gut gespielt. Dann das Spiel gegen Union, wo sie sogar gewonnen haben.

Jetzt sind sie wieder, sage ich mal, in ihren alten Trott hineingekommen. In Wolfsburg, genauso wie bei uns eigentlich auch, hatten sie keine Chance. Die Mannschaften tun sich einfach schwer.

Vielleicht, wenn man mal eine kleine Serie hat, dann kommt das Selbstvertrauen in die Mannschaft zurück. Dann könnte man von unten wegkommen. Aber ich sehe da Bochum in Dortmund chancenlos. Die werden nichts holen.“

Rüdiger Abramczik: „Ich schwitze mit Schalke, die WM ist mir derzeit eigentlich egal.“

Demnächst steht ja auch die WM vor der Tür. Sind Sie schon in Form? Sind Sie vorbereitet?

„Vorbereitet in dem Sinne noch nicht, denn ich mache mir im Moment mehr Gedanken um Schalke. Die WM 2022 interessiert mich eigentlich zurzeit noch gar nicht. Ich bin bei meinem Verein und ich schwitze mit meinem Verein, weil ich einfach nicht möchte, dass wir absteigen. Die WM ist mir da eigentlich egal, muss ich ganz ehrlich sagen.

Wenn es gut laufen sollte, für unsere Nationalmannschaft, würde ich mich natürlich wahnsinnig freuen. Aber derzeit ist mein Fokus hier einfach nur auf Schalke.“

Nun ja, aber wenn wir nochmal zurückgehen: Sie waren ja mal dabei. 19 Länderspiele und 1978 in Argentinien gegen die Niederlande ein Tor geschossen. Also Sie wissen, worum es geht bei einer WM.

„Das schon, aber man weiß ja auch nicht, was passiert. Man weiß nicht, wie beispielsweise die Argentinier drauf sind, man hört dafür hier zu wenig. Ich weiß nicht, wie gut die sind. Die europäischen Mannschaften, die alle dabei sind, sind okay. Aber unsere Nationalelf hat natürlich auch nicht so super gespielt, dass wir sagen können, wir werden Weltmeister, oder? Das glaube ich einfach nicht.

Trotzdem sind die Deutschen ja eigentlich immer eine Turniermannschaft gewesen und vielleicht überraschen sie uns und vielleicht findet man die richtige Mannschaft, die in so eine WM passt.

Bei uns in Argentinien damals hat man es leider verpasst. Wir haben am Anfang gleich das erste Spiel 0:0 gespielt, was eigentlich bei einer WM immer so ist, oder 1:1. Die Ergebnisse waren immer ausgeglichen. Dann hat man aber angefangen rumzuwirbeln in der Mannschaft. Der eine raus, der andere rein.

Das Wichtigste ist, dass man in dieser Situation ruhig bleibt und Vertrauen hat zu der Mannschaft, mit der man meint, Weltmeister zu werden.“

Wen sehen Sie? Für wen reicht es für den Titel, wenn Sie sagen, die deutsche Nationalmannschaft sehen Sie nicht?

„Es gibt sicherlich ein paar Mannschaften, ein paar Nationen, die Weltmeister werden können, aber das ist auch immer abhängig von der Form. Dann spielt auch das Verletzungspech eine Rolle. Beispielsweise Brasilien oder Argentinien, das sind schon Mannschaften, die man hoch im Kurs hat. Ich glaube schon, dass die ganz oben mitmischen werden.“

Spieler-Stationen von Rüdiger Abramczik:

Verein Spiele Tore/Vorlagen
FC Schalke 04 237 58/9
Borussia Dortmund 102 34/3
Rot-Weiß Oberhausen 48 9/-
1. FC Nürnberg 24 3/-
VfR Wormatia Worms 9 5/-
FC Gütersloh 4 2/-
Galatasaray Istanbul 2 -/-

Jetzt habe ich eine Frage. Sie kennen doch mit Sicherheit James Bond Filme.

„Ja, klar. Alle.“

Und wer ist Ihr Lieblings-James Bond?

„Ich habe immer Roger Moore gerne gesehen. Er war so ein Eleganter. Er war nicht unbedingt der Größte im Verkloppen seiner Gegner, sondern der hat das eleganter gelöst und das fand ich immer sehr schön bei ihm.“

Dann kennen Sie natürlich auch den Spruch „Martini, geschüttelt oder gerührt“. Wie trinken Sie ihn?

„Ja, genau. Aber nein, ich trinke überhaupt keinen Martini, weil er mir nicht schmeckt. Er ist mir zu süß.“

Okay, dann machen wir jetzt kurz ein Spiel. „Geschüttelt oder gerührt“ mit Rüdiger Abramczik.

Ich nenne Ihnen zwei Alternativen und Sie geben mir eine kurze, knackige Antwort. Gelsenkirchen oder Gelsenkirchen-Erle?

„Gelsenkirchen-Erle.“

Warum?

„Weil ich ein Erler-Junge bin. Ich komme aus Erle, ich bin kein Gelsenkirchener. Wir Erler sind da ein bisschen eitel, weil wir sagen, dass unser kleiner Stadtteil unheimlich viele gute Fußballer rausgebracht hat. Deswegen bin ich Erler.“

Currywurst oder Pommes rot-weiß?

„Rot-weiß würde ich sagen. Sonst schmeckt’s ja nicht.“

Monte Schlacko oder Zugspitze?

(lacht) „Monte Schlacko, ist doch klar. Was will ich denn auf der Zugspitze? Da war ich schon mal, aber da gefiel es mir nicht, weil es zu kalt war.“

Eierlikör oder Pils?

„Eierlikör.“

Was? Das hätte ich jetzt nicht erwartet.

„Ja, das habe ich von meiner Mutter. Die hat immer Eierlikör gehabt. Und wirklich, ich mag unheimlich gerne Eierlikör. Für einen Eierlikör lasse ich sicherlich auch mal mein Bier stehen.“

Man glaubt es kaum. Bayern oder BVB?

„Dann BVB.“

Wunderbar. Das war’s schon, ich bedanke mich. Wie gesagt: Einer der wirklich besten Fußballer auf dem rechten Flügel nach Stan Libuda. Das sagen Sie selbst, oder?

„Puh. Ich muss ganz ehrlich sagen, der Stan war schon noch ein bisschen besser als ich.“

Aber nur ein bisschen. Wir hoffen natürlich mit Ihnen, dass Schalke noch mal die Kurve bekommt.

„Ja, das hoffe ich auch, dass wir die Kurve kriegen. Irgendwie müssen wir die Kurve kriegen. Schalke gehört in die Bundesliga. Wir müssen alles dran setzen, da entweder neue Spieler zu besorgen, oder Geld zu besorgen, damit wir neue Spieler einkaufen können. Irgendwas müssen wir machen. Und da ist der Vorstand jetzt gefragt, und da muss Knäbel jetzt mal Gas geben.“

So sieht es mal aus. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und herzlichen Dank.

„Schönen Tag, bis bald. Ciao, Ciao.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen