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Nations League

Emmanuel Petit exklusiv: „Österreich kann für Überraschung sorgen“

Karl-Heinz Fischer  8. Juni 2022
Emmanuel Petit
Die französische Legende Emmanuel Petit im Interview. (© IMAGO / PanoramiC)

Die Stationen des französischen Mittelfeldspielers lauten Monaco, Arsenal, Barcelona, Chelsea. In der Vita von Emmanuel Petit steht neben dem Europameistertitel mit Frankreich auch ein Tor im siegreichen WM-Finale gegen Brasilien, im Stade de France.

Im Gespräch mit „Wettbasis“ spricht der ehemalige Superstar über die anstehende Nations League und die Aussichten der französischen Nationalmannschaft, sowie jener Österreichs und Deutschlands.


Emmanuel Petit über ÖFB-Team: „Können für eine Überraschung sorgen“

Frankreich startete bereits in die Nations League. Was erwarten sie von der Equipe?

Emmanuel Petit: „Wir stehen nur fünf Monate vor dem WM-Start in Katar und diese Nations League ist ein wichtiges Turnier um zu sehen, wo die Mannschaft steht. Eine Art Gradmesser.

Mit Kroatien, Österreich und Dänemark hat die Equipe Tricolore eine homogene Gruppe erwischt.

Glauben Sie, dass mit so wenigen Trainingssessions bis Katar, das französiche Team vom Freitag auch bei der WM starten wird?

„Didier Deschamps ist der französische Nationaltrainer seit mittlerweile genau zehn Jahren und Didier ist extrem pragmatisch. Ich kenne ihn ja noch aus seiner Spieler-Zeit – wir waren ja zusammen Nationalspieler – und schon damals tickte er wie ein Coach, der auf Kontinuität und Nachhaltigkeit setzt.

Dementsprechend gehe ich fest davon aus, dass wir bis auf 2-3 Spieler den Kader bei dieser Nations League haben, den wir auch in Katar sehen werden.“

Es gab so viel Aufsehen um Mbappe und seinen neuen Vertrag. Glauben Sie, dass das die Nationalmannschaft in irgendeiner Weise beeinflussen könnte?

„In keinster Weise, warum auch? Es ist aber schon mal gut, dass diesem Thema ein Ende gesetzt wurde, damit wieder Ruhe einkehrt.

Nun wissen alle Parteien Bescheid und ab sofort kann sich Frankreich voll auf die WM vorbereiten ohne unnötige Nebengeräusche.“

Österreich feiert das Debüt in einer harten Nations League Gruppe A mit Frankreich, Dänemark und Kroatien. Haben Sie überhaupt eine Chance, das zu überstehen?

„Klar gilt Frankreich als haushoher Favorit, danach sehe ich aber alle drei Teams auf Augenhöhe. Österreich hat gerade einen neuen Teamchef installiert.

Es ist von einer gewissen Aufbruchsstimmung die Rede und wer weiß, vielleicht kann die ÖFB-Elf für die eine oder andere Überraschung sorgen.“

Ralf Rangnick enttäuschte in den letzten Monaten mit Manchester United. Wie schätzen Sie seine Leistung in der Premier League ein? Ist er wirklich die richtige Wahl als Nationaltrainer?

„Bei Manchester United hat er nicht viel bewegen können, seine Bilanz fällt düster aus.

Aber es war auch nicht sein Kader, seine Spieler, die fast alle nicht in sein Lieblingssystem gepasst haben. Auch in der Winterpause konnte er nicht einkaufen gehen.“

„Frankreich ist Favorit, aber in Österreich herrscht Aufbruchstimmung“

Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2022 in Katar ist der Druck in Österreich für Rangnick hoch. Was kann der österreichische Verband besser machen, damit in vier Jahren nicht das Gleiche wieder passiert?

„Für Österreich geht es an erster Stelle um die EM-Qualifikation und da ist es auch wichtig eine machbare Gruppe bei der Auslosung (im Oktober) zu erwischen.

Klar wurde das Ziel EM-Endrunde 2024 gesetzt, was völlig legitim ist, denn der Kader der Österreicher besitzt viel Qualität.“

Österreich kann sich auf eine große Auswahl an Spielern aus der deutschen Bundesliga verlassen. Aber keiner von ihnen gilt als absoluter Weltklasse-Spieler. Wo sehen Sie die größten Stärken und Schwächen der Rangnick-Elf?

„Ist David Alaba kein Weltklasse-Spieler? (lacht). Ein Phänomen eher.

Dazu haben die Österreicher viele Bundesliga-Spieler, die auch in ihren Vereinen absolute Stammspieler sind, wie etwa Konrad Laimer bei RB Leipzig oder Martin Hinteregger bei der Frankfurter Eintracht.“

Ein ÖFB-Spieler um den momentan viel Rummel herrscht, ist Sasa Kalajdzic. Sein Name wird bei vielen Clubs als möglicher Transfer gehandelt. Glauben Sie er hat das Zeug, um gegen Mannschaften wie Frankreich oder Dänemark zu glänzen?

„Mit seiner großen Stärke im Kopfballspiel und seiner Torgefahr hat er sich beim VfB Stuttgart hervorragend entwickelt.

Für ihn wird diese Nations League die Möglichkeit sein, sich weiterzuentwickeln und wichtige Erfahrungen zu sammeln.“

Spieler Stationen von Emmanuel Petit:

Verein Spiele Tore/Vorlagen
AS Monaco 271 4/10
FC Arsenal 114 11/23
FC Chelsea 76 3/7
FC Barcelona 38 1/-
Frankreich 63 6/-

Der Blick über die Landesgrenze verrät, dass Deutschland hofft sich nach der Enttäuschung der letzten WM 2018 wieder zurück kämpfen zu können. Glauben Sie, dass sich die Mannschaft in die richtige Richtung entwickelt hat, um Deutschland Hoffnung geben zu können?

„Mit dem Bayern-Block aus Manuel Neuer, Thomas Müller, Leroy Sané, Serge Gnabry, Joshua Kimmich und Leon Goretzka hat die DFB-Elf schon mal eine starke Achse.

Dazu in Antonio Rüdiger und Kai Havertz zwei feste Größen von Chelsea. Die Frage ist, ob Deutschland wieder stabiler spielt und vor allem defensiv besser steht als bei der EM 2021, als man zu viele Chancen zuließ.“

Ist Hansi Flick der richtige Mann um die deutsche Mannschaft langfristig anzuführen? Besonders auch im Hinblick auf die EURO 2024 im eigenen Land?

„Flick hat beim FC Bayern bewiesen, dass er hervorragende Arbeit leisten kann. Es ist ihm auf jeden Fall zuzutrauen, dass es ihm auch mit der deutschen Nationalmannschaft gelingt, weit bei der WM 2022 sowie bei der Heim-EM zu kommen.

Das Potenzial ist vorhanden, auch wenn die Konkurrenz enorm ist.“

Arsenal hält die Augen offen nach einem Mittelfeldspieler, dabei scheint Ilkay Gündogan ein möglicher Kandidat zu sein. Er ist aber auch schon 31, glauben Sie, er wäre dennoch eine gute Option? Wären Youri Tielemans oder Ruben Neves die bessere Wahl?

„Ich will den Verantwortlichen von Arsenal keine Tipps geben, das ist nicht meine Rolle. Aber Ilkay Gündogan ist ein Spieler, der für jede Mannschaft der Welt eine Bereicherung wäre. Seine Spiel-Übersicht, seine Eleganz am Ball, seine Spiel-Intelligenz machen aus ihm einen Weltklasse-Spieler.

Allein seine Einstellung ist fantastisch: Er hätte durchaus über seinen Reservisten-Platz beim letzten Liga-Spiel gegen Aston Villa sauer sein können, aber er blieb völlig fokussiert und konnte nach seiner Einwechslung einen Doppelpack schnüren und somit die Meisterschaft für die Citizens klarmachen. Hut ab!“

Chelsea scheint beim französischen Verteidiger des FC Sevilla, Jules Kounde, ernst zu machen. Wie schätzen Sie den Schritt für Chelsea, aber auch für den Spieler ein?

„Ich kann mich erinnern, dass Jules bereits vor einem Jahr kurz vor einem Wechsel zu Chelsea stand, aber Sevilla konnte für ihn keinen Nachfolger finden, sodass Kounde in Andalusien blieb.

Er ist ein fester Bestandteil der französischen Nationalmannschaft seit ca. einem Jahr. Er verkörpert den modernen Innenverteidiger schlechthin, der ebenfalls als rechter Verteidiger agieren kann.

Bei Chelsea soll er der Nachfolger von Antonio Rüdiger werden. Ein schweres Erbe zwar, aber ich traue ihm zu, diese Herausforderung anzunehmen und auch zu meistern.“

Im letzten Jahr entwickelte sich Dänemark zu einem der beliebtesten Teams während der EURO. Was macht die Mannschaft so stark?

„Ihr Spirit, ihre Einstellung und ihr Kampfgeist. Bis zum Schlusspfiff geben sich die Dänen nie geschlagen.

Sie fighten bis zum Maximum und sie sind unangenehm zu spielen, weil sie fair aber hart in die Zweikämpfe gehen und nichts dem Zufall überlassen wollen.“

Und ihre Schwächen?

„Spielerisch gibt es gewisse Limits, im technischen Bereich. Aber dieses Team verfügt auch über viele Spieler, die in den europäischen Top-Logen eine wichtige Rolle einnehmen.

Wie etwa Pierre-Emile Hojbjerg bei Tottenham, Simon Kjaer beim AC Mailand oder Kasper Schmeichel bei Leicester City.

Kasper Dolberg musste eine Menge Kritik für seine Leistung und Einstellung in Nizza einstecken. Denken Sie, das ist gerechtfertigt?

„Kasper hatte eine gute Saison unter Patrick Vieira in der Saison 2020/21, aber in dieser Spielzeit 2021/22 hatte er mit dem Coronavirus zu kämpfen. Dazu wurde bekannt, dass er unter Diabetes leidet.

Danach war er in der Rückrunde einigermaßen wieder fit, sodass ihn Coach Christophe Galtier wieder regelmäßig in der Startelf beorderte. Nichtsdestotrotz konnte er zu selten seine Chance nutzen.

Im letzten Saison-Drittel hat er schließlich auf der ganzen Linie enttäuscht, auch seine Körpersprache wirkte nicht gerade positiv, sodass ihn Galtier gar nicht mehr aufstellte.“


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 36 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen