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Bundesliga-Wetten

Calmund exklusiv über Bundesliga 2022/23 & Matthijs de Ligt: „Kleines Leckerchen, das sie da geangelt haben“

Karl-Heinz Fischer  4. August 2022
Reiner Calmund
Reiner Calmund plaudert im Exklusiv-Interview aus dem Nähkästchen. (© IMAGO / Revierfoto)

Seinen echten Vornamen „Reinhold“ kennen in Fußballdeutschland nicht viele Menschen, wenn man aber von „Calli“ spricht, weiß jeder wer gemeint ist. Denn Reiner Calmund war zwischen 1976 und 2004 maßgeblich am Erfolg von Bayer Leverkusen beteiligt und ein echter Typ in der Managerwelt der Bundesliga.

Markenzeichen von Calmund sind sein rheinländischer Dialekt und seine ausschweifenden Erzählungen. Immer mit viel Herzblut und klaren Worten. Die über Jahre für ihn prägnanten überschüssigen Pfunde hat er mittlerweile verloren. An Leidenschaft und Sympathie hat Reiner Calmund aber auch mit Anfang 70 kein Bisschen eingebüßt.

Im exklusiven Interview haben wir mit Calli über seine alte Liebe Leverkusen, die Konkurrenten BVB, Leipzig und Platzhirsch Bayern gesprochen. Außerdem liefert das einstige Manager-Schwergewicht sportliche interessante Analysen für Bundesliga-Tipps zum 1. Spieltag. Außerdem liefert er viele Geschichten aus dem Nähkästchen über die besten und schlechtesten Transfers, die Winter WM, den oft ungeliebten VAR und was Uli Hoeneß mit seiner Gewichtsreduktion zu tun hatte.

Das komplette Interview gibt es wie gewohnt im „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel unter „Beidfüßig Star Talk“ auch zu hören und zu sehen.


Heute begrüße ich voller Stolz eine Bundesliga-Legende: Reiner „Calli“ Calmund

Reiner Calmund: „Gerne bin ich heute bei Ihnen. Wir alten Säcke müssen ja zusammenhalten.“

Sie sind in der Bundesliga der Dienstälteste, oder?

„Ja, würde ich sagen. Ich bin aber eigentlich nicht mehr im Dienst, ich bin eigentlich in Rente. Ich mache zwar noch einiges mit, ob Podcast mit Tobi Holtkamp, einem der führenden Sportjournalisten, Matze Knop, der nach wie vor jeden imitieren kann und auch ein Fußball-Bekloppter ist.

Da können wir uns ein bisschen fetzen, hetzen und ein bisschen Spaß haben. Manchmal sollten wir uns nicht so viel fetzen, aber wir haben alle Friede, Freude, Eierkuchen. Aber das gehört dazu, wie an einem normalen Stammtisch, wo man kontrovers diskutiert.“

Herr Calmund, die neue Saison steht an. Wir freuen uns alle darauf und es geht gleich los mit einem Kracher: Dortmund – Leverkusen. Bayer Leverkusen, ihr Verein, kann man sagen. Welche Stärken und welche Schwächen haben sie. Können die Richtung Titel denken und spielen?

„Ich möchte da niemandem in die Suppe spucken. Nach wie vor bin ich ein Riesen-Fan von Bayer Leverkusen, auch jetzt noch, wo Rudi Völler weg ist. Er war ja im Aufsichtsrat mit Werner Wenning. Das waren die beiden mächtigsten Leute beim Verein.

Jetzt, mit der aktuellen Dreierbesetzung, Fernando Carro, Simon Rolfes, als ehemaliger Spieler, der als Sportdirektor sehr viele wichtige Dinge umgesetzt hat und mit Gerardo Seoane haben sie einen guten Trainer. Ich traue ihnen einiges zu. Sie haben eine gute Mannschaft.

Allerdings war ich auch im Saarland, das Pokalspiel anschauen, da hat es mir die Sprache verschlagen und das will schon was heißen. Das ist eigentlich nicht vertretbar. Seoane hat gut reagiert und gesagt, dass sie jetzt nicht in Hektik verfallen, sondern alles in Ruhe analysieren müssen. Das ist ein Ausrutscher gewesen, aber diese Ausrutscher sollte man möglichst gering halten.

Da sie jetzt auch nochmal klare Signale gesendet haben, indem sie mit Schick verlängert haben und auch mit Wirtz, der bald wieder auf der Matte steht, verlängert haben, bis 2027. Ebenso mit Diaby, der sehr gejagt wurde von den Champions-League Clubs, bis 2025.

Ich bin überzeugt, dass sie ganz oben mitmischen werden, was sie Frage nach den Champions-League-Plätzen angeht, aber für mehr fehlt die Konstanz und auch in der Breite die Aufstellung. Die beiden großen Favoriten haben enorm aufgerüstet.“

Das wäre jetzt die nächste Frage. Bei Leverkusen sagen Sie Champions-League. Bei Dortmund fehlt jetzt der Mittelstürmer, welche Konsequenzen hat das?

„Wenn mich jemand gefragt hätte, nach ein paar Kandidaten, als Ersatz für Haaland oder auch für Lewandowski, dann hätte ich gesagt: Haller. Dass da jetzt so eine tragische Krebserkrankung auftaucht, ist bitter. Nicht für Dortmund, sondern da müssen wir alle Mitleid haben und dem Jungen wünschen, dass er so schnell wie möglich gesund wird. Dann sprechen wir erst wieder über Fußball.

Daneben haben Sie mit Adeyemi einen sehr hoffnungsvollen Stürmer von Salzburg geholt, von dem ich viel halte. Sie sind ja noch in der Überlegung, für Haller in diesem Zeitraum einen Stürmer zu holen. Man liest Cavani oder Modeste, das sind alte Haudegen in den Dreißigern. Wenn man so einen bekommen kann, für einen vorübergehenden Zeitraum, sollte man das machen.

Ansonsten haben sie auch die Probleme in der Defensive sehr gut gelöst. Mit Schlotterbeck, 22 jahre, mit Süle, 26 Jahre, aber auch mit Özcan, aus dem Kölner/Leverkusener Raum, der vielleicht nicht so bekannt ist, haben sie einen sehr tüchtigen, laufstarken Mann im defensiven zentralen Mittelfeld.

Die Dortmunder haben sich sehr, sehr gut verstärkt. Jetzt muss man natürlich dieses große Fragezeichen hinter Haller machen, weil da eben ein ganz wichtiger Mann fehlt. Da muss man sehen wie sie das hinbekommen.“

Gewinnen die denn gegen Leverkusen?

„Man muss sagen, die Leverkusener kommen mit einem schönen K.O. in Elversberg dort an. Die werden also nicht vor Selbstvertrauen strotzen. Aber bis auf Florian Wirtz haben sie alle Leute an Bord. Er ist ja im Aufbautraining nach dem Kreuzbandriss.

Aber bei Dortmund fehlt nicht nur Haller, sondern auch Süle ist verletzt. Über Özcan hat sich ja Sammer schon sehr positiv geäußert, wonach er der neue Shooting-Star werden könnte. Man geht davon aus, dass er in ein oder zwei Wochen wieder spielen kann. Der hat das bisher sehr, sehr gut gemacht. Von den fünf Top-Leuten fehlen schon mal drei.

Leverkusen hat fast alle an Bord. Es wird ein enges, spannendes Spiel. Darauf freue ich mich auch schon riesig. Auch noch ein Samstag-Abend Spiel.“

Bleiben wir bei den Verfolgern. RB Leipzig spielt am Sonntag dann in Stuttgart. Sind die reif, nachdem sie im letzten Jahr den Pokal gewonnen haben, die Meisterschaft seriös anzugreifen?

„Ich würde nicht sagen, dass sie jetzt der große Favorit auf die Meisterschaft sind. Aber sie können da schon angreifen. Im Pokalspiel gegen Berlin waren sie in Unterzahl und haben das noch gedreht. Das spricht für die Moral und du brauchst natürlich auch Leute wie Nkunku. Aber es war die Leistung der ganzen Mannschaft.

Schön auch, was da spekuliert wird im Kader. Mit Raum die linke Seite nochmal schön stabil gemacht. Ich gehe auch davon aus, dass man Laimer nicht unbedingt gehen lässt. Denn er ist einfach ein Fels, der marschiert. Als junger Kerl schon sehr routiniert. Kommt ja auch nicht von ungefähr, dass Bayern München ihn holen will.

Wenn er bleibt und dann im Angriff vielleicht noch mit Werner, dann ist das eine Mannschaft, die oben ankratzen kann. Sie sind gefestigt, sie sind stabil. Sie haben auch ein paar Tiefschläge schon erfolgreich überstanden. Da herrscht Ruhe. Oliver Mintzlaff führt den Verein sehr souverän.“

Kommt da Max Eberl noch als Sportdirektor?

„Ich würde es dem Max wünschen, dass er gesundheitlich wieder voll dabei ist. Nicht nur in Bezug auf Leipzig, sondern vor allem für ihn, weil er ein Top-Manager und vor allen Dingen ein Top-Typ war. Wenn er sich denn fit und erholt zurückmeldet, dann wäre es eine sehr schöne Personalentscheidung von RB Leipzig. Das würde das ganze nochmal stabilisieren.

Über Leipzig brauchen wir nicht zu diskutieren. Sie sind vor ein paar Jahren aufgestiegen und spielen seitdem fast immer in der Champions League. Immer oben dabei und da muss man sagen: ‚A la bonne heure!‘

Wenn man da über RB schimpft, dann sage ich, wir haben 1994 ein Spiel im alten Zentralstadion in Leipzig gespielt. Da ging es für uns noch um den UEFA-Cup, deswegen fuhren aus Leverkusen an die 2.500 Zuschauer mit, was ungewöhnlich ist.

Letztes Spiel, die waren schon abgestiegen und es waren 5.000 Zuschauer. Da konnte man jeden mit einem Schnaps begrüßen und einen mittrinken.

Man muss sagen, dass RB Leipzig mit der Mannschaft voll und ganz in der Stadt angekommen ist. Die Kiste ist voll, die Zuschauer kommen, sie haben ein Top-Management, auch die ganze Infrastruktur. Da gibt es überhaupt nichts zu meckern.

Vor ein paar Jahren habe ich das erlebt, bei einem Vortrag in der Bank. Unter der Woche war da ein Top-Spiel der 2. Liga. Viele Banker und Unternehmer hatten da eine RB-Schal um. Schon in den Zeiten der 2. Liga hat man gemerkt, was da los ist. Im Spitzenspiel waren da auch schon mal 40.000 Zuschauer im Stadion.

Leipzig ist in der Gründungsstadt des DFB voll akzeptiert und jeder Verein hat natürlich seine Sponsoren. Jeder braucht die Unterstützung. Wenn man da jemanden hat wie Red Bull, der weltweit anerkannt ist, nicht nur im Fußball, dann sollten wir in Deutschland froh sein, dass da ein guter, reicher Sponsor vorhanden ist.

Der guckt sich das an, aber hält sich raus. Im Wesentlichen lässt er das von seinem Statthalter Oliver Mintzlaff abwickeln.“

Reiner Calmund, kommen wir zu Bayern München. Zum Eröffnungsspiel Eintracht Frankfurt – Bayern München. Die Transfers sind spektakulär, Sadio Mane, De Ligt, Gravenberch, Mazaraoui. Da ist einiges passiert. Ist die elfte Meisterschaft in Folge nur Formsache?

„Ich würde das nicht sagen. Wenn ein Lewandowski, mit dieser Torquote weg ist, dann muss man das erst mal kompensieren. Sie haben gute Transfers gemacht. Mane ist der Älteste mit dreißig, der natürlich auch noch ein paar Jahre ganz wichtig mitmischen kann.

Alles andere ist sehr jung. Auch de Ligt im Zentrum, ein geniales Talent, immer Stammspieler, das war schon ein kleines Leckerchen, das sie sich da geangelt haben. Gravenberch hat mit zwanzig schon über hundert Ajax-Spiele. Auch im Sturm mit Tel haben sie sich für die Zukunft breit aufgestellt und gut verstärkt.

Im Grunde haben sie den stärksten Kader in der Bundesliga und es wird ein heißes Tänzchen. Bayern München hat für mich wieder die Nase leicht vorne, das sage ich auch so deutlich. Obwohl es der ganzen Bundesliga auch mal guttun würde, wenn es eine kleine Wachablösung gäbe.

Bayern München ist das Maß aller Dinge, das muss man so deutlich sehen. Ich hab gestern noch recherchiert, über die größten sieben oder acht Vereine. Die ja fast alle Inhaber haben aus den VAE. Auch Liverpool hat ja einen Besitzer mit 100 %. Bei allem Respekt für Jürgen Klopp, aber wenn er nicht mal eben 500 Millionen auf den Tisch gelegt hätte, dann wäre das heute nicht so an der Anfield Road.

In Deutschland ist das jedenfalls verboten, da herrscht 50 +1. Ich könnte ein Buch über das Für und eines über das Wider schreiben, beide würden Applaus bekommen. Aber Bayern München hat auch diese Benachteiligung hervorragend gelöst. Das muss man einfach sagen.

Sieht man sich den Aufsichtsrat an, da hat man lauter Vorstandsleute. Telekom, Adidas, Audi, Allianz, Siemens, die Kataris sind dabei. So einen Aufsichtsrat hat kaum einer und die sind für die Geschäfte mitverantwortlich.

Auch von Kahn und Salihamidzic, sowie dem Präsidium bin ich sehr überzeugt. Sie sind super aufgestellt und stehen jetzt beim Transferwert in den Top-5, obwohl es Vereine gibt, die Geld aus allen Kanälen bekommen. Da muss man sagen, das haben die Bayern großartig gelöst.“

Wer wird Torschützenkönig? Haaland weg, Lewandowski weg, wer wird der Nachfolger?

„Das ist keine einfache Frage. Mich würde es freuen und ich sage einfach mal, dass Schick der Nachfolger wird. Nkunku könnte es auch werden, aber ich sage Schick.“

Reiner Calmund im Startalk

Jetzt machen wir weiter mit dem Star-Talk. Reiner Calmund, mit Bayer Leverkusen sehr erfolgreich, aber leider nicht zum Titel gelangt. Ist „Vizekusen“ auch heute noch etwas, was schmerzt?

Reiner Calmund: „Ja, das tut noch weh. Das muss man so sagen. Es war ja knapp, manchmal ein Pünktchen oder sogar punktgleich. Ich nenne mal zwei Situationen.

Zum einen natürlich das Unterhaching-Spiel, aber das waren ja schon die Spiele vorher. Wir haben gegen Bremen gespielt. Für die ging es noch um den Einzug in den Europacup. Wir gewinnen das Spiel und im Stadion singen die Bremer Fans: ‚Zieht den Bayern die Lederhosen aus!‘

Dann ging es nach Hamburg, die waren Tabellendritter und wir haben ohne Probleme mit 2:0 gewonnen. Dann kam Frankfurt, unser Angstgegner, die haben vier Stück von uns bekommen. Und dann hätte ein Unentschieden in Unterhaching gereicht, die zu dem Zeitpunkt auch schon die Klasse gesichert hatten.

Da haben wir dann verloren. Das ist nach wie vor schwer erklärbar. Michael Ballack, einer unserer besten Spieler, der später dann auch Spieler des Jahres wurde, machte, damit alles komplett ist, auch noch das Eigentor.

2002 war dann nochmal etwas. Ich war mit der Nationalmannschaft unterwegs und Oli Kahn kam auf mich zu und fragte, was denn da bei uns los sei. Wir waren gegen Real Madrid im Endspiel. Da gab es aber vorher noch zwei Gruppenphasen.

In der ersten Gruppenphase haben wir Barcelona zu Hause geschlagen. Lyon, ein ganz starker Serienmeister, war noch in der Gruppe, plus Fenerbahce. Dann gab es eine zweite Gruppenphase, da werden wir Erster. Zweiter wurde ein Spanier. Dritter Juventus und Vierter Arsenal. Die beiden wurden dann in Italien und England Meister.

Im Viertelfinale putzen wir Liverpool, im Halbfinale Manchester United. Im Endspiel waren wir auch über weite Strecken überlegen, aber das war die Geburtsstunde von Casillas. Der kam rein und ich dachte: ‚Gut, dass der Stammtorwart raus, ist‘, aber der hat dann alles gehalten.

Jedenfalls kam das Oli Kahn und fragte, was da denn los sei. Ich sage: ‚Vor ein paar Jahren wollten wir Dich aus Karlsruhe holen, aber Du bist ja nach München gegangen. Mit Dir wären wir Meister geworden. Und jetzt fragst Du mich, Du Vollidiot.‘ (lacht) In netter Form natürlich.

2002 beim WM-Finale hat Kahn unglücklich ausgesehen, aber ohne ihn wären wir nicht so weit gekommen. Und ohne Kahn wäre Bayern 2001 auch nicht Champions League-Sieger geworden.“

Sie machen aktuell Fußball-Podcast, Vorträge, Grilll den Henssler. Wird Ihnen eigentlich auch mal langweilig?

„Meine Frau macht meinen Terminkalender und sie achtet auch darauf, dass ich genug zu Hause bin. Wir haben ja auch noch ein Kind adoptiert aus Thailand, das ist unser und auch mein größtes Glück. Das genieße ich jeden Tag. Ich bin schon häufiger zu Hause.“

Sie haben auch für Schlagzeilen gesorgt, weil Sie durch eine OP Ihr Gewicht quasi halbiert haben. Ist das etwas, was Sie noch beschäftigt?

„Nein, nein. Ich habe ja insgesamt zehn Kuren gemacht vorher. Mit Fitness, mit Essen und da habe ich insgesamt 200 Kg abgenommen. Mit dem Jojo-Effekt habe ich aber dann 280 Kg zugenommen. Nach zehn Kuren hatte ich also 80 kg mehr, als da, wo ich angefangen habe.

Eine Signalwirkung war damals 2008/09, als ich Botschafter für die EM in Österreich war, da habe ich dann ein Abnehmprogramm begonnen und mich auf 30 Kg festgelegt. Bin Halbmarathon gelaufen, war walken und auch mal 60 Km mit dem Fahrrad gefahren.

Ich war gut drauf und hab auch die 30 Kg abgenommen. Als ich dann nach einem Jahr die 30 + nochmal 10 Kilo wieder draufhatte, habe ich mich unglaublich geschämt und geärgert. Auch, weil Joey Kelly mich damals begleitet hat und auch seine Freizeit geopfert hat.

Da fühlt man sich nicht wohl in seiner Haut. Im doppelten Sinne. Körperlich und seelisch.

2019 war ich dann mit meiner Frau und der Kleinen in den USA in Urlaub. In San Diego machen wir einen Ausflug nach San Francisco. Schon vor dem Abflug schiebt mir einer von der Crew eine Rollstuhl unter den Hintern und fährt mich zum Flugzeug. Ich habe nur gedacht, dass mich hoffentlich keiner sieht. War mir natürlich unangenehm.

In San Francisco steht dann schon wieder einer da und wartet auf mich mit dem Rollstuhl. Da hatte ich dann schon keine Hemmungen mehr und fand das dann ganz gut. Bin auch im Disney Land und Seaworld mit so einem Elektrowagen gefahren.

Dann kam ich zurück und hatte eine Anfrage vom Doppelpass, da ging es um die neue Aufstellung im Management von den Bayern. Das war sonntags um 11 Uhr. Und Montag Abend habe ich bei Sky immer ‚Deadline Day‘ gemacht.

Da habe ich zugesagt und vorher aber nochmal Uli Hoeneß angerufen, mit ihm hatte ich ja darüber schon privat mal gesprochen und wollte das vorher nochmal absegnen lassen. Er lud mich in sein Haus ein und meinte, dass wir uns vor dem nächsten Spiel nochmal treffen sollten.

Dahin habe ich dann meinen Arzt mitgenommen. Zuvor hatte ich eine Lungenembolie, dadurch auch einen Bandscheibenvorfall, da sagte Uli, dass ich mal was an meiner Plautze machen muss. Samstag war das Spiel, Sonntag Doppelpass, Montag hatte ich frei.

Am Montag bin ich dann nach Großhadern, dort meinte der Professor, dass wir das mit dem Jojo-Effekt nicht in den Griff bekommen werden. Eine Woche später wurde Werner Mang siebzig, der auch meinte, ich sollte doch mal was machen. Darauf entgegnete ich, er solle es nicht weitersagen, aber vor fünf Tagen war ich beim Gespräch in München.

Er hat mir dann viel Informationsmaterial über die besten Kliniken und Chirurgen zukommen lassen und meinte, ich sollte dort einen Termin machen. Oft genannt wurde die Sana Klinik in Offenbach, wo ein Patient auch Siegmar Gabriel war. Da habe ich dann im Januar 2020 operiert worden und hatte nie Probleme, alles lief wie am Schnürchen.

Fünf Tage später bin ich rausgekommen, zwei kleine Nahrungsergänzungsmittel muss ich jetzt einnehmen. Ich esse nach wie vor gerne, habe nur früher ein Sättigungsgefühl und kann mit meiner Tochter sogar Federball spielen.

Ich entdecke um mein Haus eine ganz neue Gegend und das Lebensgefühl ist viel schöner. Die Entscheidung war zu 100 Prozent richtig.“

Herr Calmund, sie erhalten mit Sicherheit noch einige Anfragen. Ihre Erfahrung ist gefragt. Gab es zuletzt noch Berateranfragen?

„Das eine oder andere mache ich sicher noch, aber ich bin da raus aus dem Geschäft. Ich habe keine offizielle Funktion mehr. Aber mit dem, was ich mache, bin ich schon noch 200 Tage im Jahr beschäftigt. Ich habe aber auch die restlichen 160 Tage frei und das steht mir ja als Rentner zu.

Diese Zeit widme ich dann meiner Familie und meiner Tochter. Demnächst fahren wir auch wieder schön mit dem Kreuzfahrtschiff nach Norwegen, das ist meine Lieblingsreise. Uns und mir persönlich geht es so ganz gut.“

Sie sind Trauzeuge von Hermann Tecklenburg und Martina Voss-Tecklenburg, die ja zuletzt enorm viel positive Aufmerksamkeit für den Frauenfußball erregt hat. Welche Lösung würden Sie vorschlagen, um das auch nachhaltig wirken zu lassen?

„Ich habe mich sehr gefreut für Martina, für ihren Mann natürlich auch, auch wenn ich glaube, dass sie sich da nicht reinpreschen lässt, obwohl ihr Mann ja auch viel Ahnung vom Fußball hat. Er war bei Fortuna Düsseldorf und Martina Voss-Tecklenburg ist ja auch im Aufsichtsrat der Fortuna, das sollte man nicht vergessen.

Die Frage ist natürlich, wie kann man diese Euphorie in den normalen Alltag rüberbringen. Ich will da keinen Essig reinschütten, aber ich war 2003 in Kalifornien, Los Angeles, da gab es die Auslosung zur Frauen-WM.

Wir haben die nachher gewonnen, 2007 auch und auch bei diesen Weltmeisterschaften gab es im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen schon zweistellige Millionen-Einschaltquoten. Das ist nicht ganz neu, auch wenn das jetzt so gefeiert wird, als wäre das ganz neu. Aber das war schon vor zwanzig Jahren da.

Was ich aber sagen muss, ist, dass der Fußball eindeutig besser geworden. Im Endspiel kam viel zusammen, die Belastung, Popp fehlte, aber ansonsten waren die deutschen Spiele, auch die der Engländer, sehr gut. Was die einzelnen Spielerinnen da leisten, ist schon aller Ehren wert.

Verbessert hat sich auch die Bundesliga. Es gibt nicht nur mehr Frankfurt, sondern auch Bayern München, Wolfsburg. Da wird dann auch in einem vertretbaren Maße bezahlt. Wobei man bei 80 % der Spiele die Zuschauer immer noch persönlich mit einem Schnaps begrüßen kann. Das müsste verändert werden.

Aber ich glaube, der Fußball ist besser geworden, attraktiver, schneller, ansehnlicher. Aus meiner Sicht sieht man da eine gute Vorwärtsentwicklung. Es ist eben wichtig, die richtigen Konzepte zu finden, wie man das allgemein in den normalen Tagesablauf hineinbringt.

In der Bundesliga hat man da einige Schritte nach vorne gemacht, auch durch die Vereine, die mehr in die Infrastruktur investieren und ordentlich bezahlen. Ich bin da nicht im Detail drin, aber das hat sich enorm verbessert.

Die Frage zum Thema, wie man mehr Zuschauer ins Stadion zu Spielen der Damen bringt, kann ich aber auch nicht beantworten. Im Champions League Bereich sind es schon ein paar Tausend, aber insgesamt ist der Vergleich zum Herrenbereich der oberen Ligen unterbelichtet.

Verantwortliche vom DFB, der gesamte Fußball und auch die Damen müssen sich da zusammensetzen und sich über Konzepte unterhalten. Die sind sicher nicht einfach zu finden, weil man ja vor der schwierigen Frage steht, wie man eine Begeisterung von der WM auf die Clubs übertragen kann.

Eine Patentlösung kann ich nicht präsentieren, aber ich bin mir sicher, dass intensiv daran gearbeitet wird.“

Man hat gehört, Hermann Tecklenburg hat Martina Voss bei Titelgewinn eine Finca auf Mallorca versprochen. Wissen Sie mehr darüber?

„Das habe ich auch gelesen. Darüber hinaus noch, dass sie die Finca jetzt nicht bekommt. Wenn das stimmt, dann bekommt er eins mit dem Knüppel auf den Kopf.

Da nehme ich allen Einfluss als Trauzeuge und sage: ‚Pass auf Hermann, die Frau hat 125 Länderspiele, das ist die absolute Nummer eins im Fußball. Das ist eine Super-Frau. Fang mir bloß nicht an damit, dass es die Finca nur gibt, wenn sie Weltmeisterin wird.‘

Man muss ja sehen, er hat Ahnung vom Fußball, tut immer noch viel für seinen Heimatverein, der in der Regionalliga spielt, da spielt er ganz gut mit. Ich setz‘ mich da mal zu ihm auf den Schoß und sprech mal mit ihm.

Sicher hat ihm das gefallen zu sagen, dass sie das jetzt nicht bekommt, aber jeder der den Hermann kennt, weiß, dass er im Sport großzügig ist und deshalb gehe ich davon aus, dass sie sich jetzt im Urlaub schon die ein, oder andere Finca anschauen und er am Ende schweren Herzens doch noch ja sagt.“

Im Winter steht schon das nächste Großereignis an. Wird Katar für Sie ein Wintermärchen, oder sehen Sie das auch eher kritisch?

„Man muss das doppelspurig sehen. Natürlich weiß man, was in dem Land verbesserungswürdig und nicht akzeptabel ist. Aber ich muss an einer anderen Stelle erst einmal anfangen: Wie ist das mit der FIFA und mit der Vergabe.

Im Grunde haben wir fünf Konföderations-Verbände und die haben das Vorschlagrecht, wer ihren Verband bei einer WM vertritt. 2002 haben die Asiaten Korea und Japan vorgeschlagen. 2006 hat die UEFA Deutschland vorgeschlagen. 2010 Afrika, die haben Südafrika vorgeschlagen. 2014 haben die Amerikaner CONCACAF und CONMEBOL Brasilien vorgeschlagen.

Ozeanien, im fünften Verband, kann man keine WM ausrichten. Dann ging es wieder mit Europa los, mit Russland. Jetzt ist eben Asien dran und dann wieder USA/Kanada/Mexico. Das ist ganz normal. Der asiatische Fußballverband hat auch knapp fünfzig Nationen, ähnlich wie Europa, und die haben die vorgeschlagen.

Durch das Öl verfügen sie über Geld, um die Stadien zu bauen, vielleicht auch überzogen zu bauen und die können sich Experten kaufen, die ihren Job verstehen. Verbandstechnisch hat das eine völlige Logik. Die Dinge, die man da kritisch unter die Lupe nehmen kann und auch soll, sind Aufgabe der Journalisten. Ohne Wenn und Aber.

Das kann in dieser Situation dem Land auch etwas helfen. Aber es gibt Dinge, die angesprochen werden, die für mich nicht der entscheidende Nachteil sind.“

Zum Beispiel?

„Zum Beispiel die Winter-WM. Das klingt erst mal gut, wir spielen im November und Dezember. Wir sind lange genug dabei, wenn ich Präsident von einem 2. oder 3. Liga Verein wäre, würde mich das gar nicht groß stören.

Wenn die WM in einem normalen Rhythmus geht, dann geht das so von 10. Juni bis 10. Juli. Dann hieß es, dass für Anfang Mai ein Spielverbot für alle Clubs gibt. Nach einer langen Saison hatten dann alle 10 Tage Regeneration, bevor der Spaß mit Trainingslager losging.

Jetzt sagt man, dass man nach der Hinrunde noch nicht so lange Regeneration braucht, zwei Wochen Trainingslager, dann das Turnier von Mitte November bis Mitte Dezember und man bekommt alle Spiele untergebracht. Auch die Champions League Runden und Pokalrunden. Spieltechnisch ist das kein Problem.

Statt im November/Dezember spielt man dann im Mai und im Juni. Ich sehe da eigentlich kein Problem. Persönlich finde ich das sogar noch schöner, im Mai und im Juni zu spielen.

Bei der WM 2014, als Deutschland 4:0 gegen Portugal gewonnen hat, war ich im Stadtion. Ronaldo hat kein einziges Mal aufs Tor geschossen, der war platt. Die machen in Spanien und England ja noch mehr Spiele. Und so kann man die großen Stars bei der WM wenigstens noch als große Stars erkennen.

Eine Sache möchte ich noch sagen: Hier in Deutschland wollen alle Public Viewing. Dann muss man eben mal ein anderes Public Viewing machen. Südamerikaner haben im Sommer 14, 15 Grad. In Montevideo, in Buenos Aires. Da wurde die erste WM ausgetragen.

Also die erste Weltmeisterschaft lief 1930 in Montevideo. Im Stadion 100.000 Zuschauer. Drei oder vier Europäer, Deutschland noch gar nicht dabei. ’34 und ’38 dann auch in Europa, wo Deutschland noch als Deutsches Reich unter der Hakenkreuzflagge spielte. Danach wurde die WM zwölf Jahre ausgesetzt, weil die Deutschen den Weltkrieg inszeniert haben.

1950 war das erste WM-Turnier dann wieder in Brasilien. Weltmeister wurde völlig überraschend Uruguay. Viertes Turnier und zum zweiten Mal Weltmeister. Ghiggia habe ich noch persönlich kennengelernt, den Mann auf dem rechten Flügel, der vor 220.000 Zuschauern im Maracana das 2:1 in der 80. Minute gegen Brasilien schoss.

Was will ich damit sagen: Dort ist die WM entstanden und auch nach dem Weltkrieg, den wir verursacht haben, wieder neu belebt worden. Da kann man nicht sagen, dass einen das nicht interessiert, dass wenn bei uns Sommer ist, es dort in der Nacht acht Grad hat. Hauptsache wir in Europa, in Deutschland, können uns wichtig machen mit unserem Public Viewing. Ob die anderen das können, das interessiert uns ja nicht.

Für mich ist auch wichtig: Wenn ich über Weltfußballer spreche, die großen sechs. Jedes Land wird das noch ergänzen, aber die großen Sechs sind für mich Di Stefano, Argentinien, danach Pele, auch aus Südamerika, dann Beckenbauer, ohne Wenn und Aber. Danach kam Maradona, Buenos Aires. Auch aus der Kältezone im Sommer. Dann Messi, auch Argentinien und Ronaldo.

Natürlich wird jetzt Holland sagen, Cruyff muss noch dazu. Die Franzosen sagen, Platini muss dazu. Auch für uns Deutsche: Wir haben natürlich Sepp Maier, Lothar Matthäus, Oli Kahn, Manuel Neuer, Gerd Müller oder Miro Klose, man könnte das fortsetzen.

Aber der Großteil der ganz großen Spieler kommt aus Südamerika und die haben die erste WM organisiert. Da kamen noch drei, oder vier Europäer mit dem Schiff angereist, so muss man das sehen. 1950 waren wir noch gesperrt und ’54 wurden wir dann glücklich Weltmeister, was uns alle unglaublich gefreut hat.

Aber ’50 waren schon 200.000 im Maracana-Stadion, beim Sieg von Uruguay. Und auch trotz der Rivalität, waren die alle befreundet.“

Das war eine sehr ausführliche, dezidierte Meinung zur Winter-WM in Katar. Jetzt kurzer und schmerzlos zum VAR, der kommt auch wieder zum Einsatz. Zum Mond schießen, oder wie Sie gerne sagen: Briefmarke drauf und weg?

„Nein, das ist völlig richtig, dass das eingeführt wurde. Die vielen Tore und strittigen Entscheidungen sind ja damit auch nicht ganz verschwunden, aber das hat sich alles wesentlich verbessert.

In der heutigen Zeit kann ich doch nicht, bei all der Technik bei Öffentlich-Rechtlichen, Privaten oder Streaming, wo ich das zu Hause im Sessel vierzig Mal vorgespielt bekomme, darauf verzichten. Wenn man das abschaffen würde, würden alle wieder auf den Schiedsrichter schimpfen.

Der Schiedsrichter hat eben nur eine Linse im Kopf, man weiß nicht, ob er freie Sicht hatte, wo er steht und so weiter. Für mich passt die Regelung, die besagt, dass der Schiedsrichter nach wie vor alleine entscheidet, aber bei kritischen Szenen wird er vom Video-Keller unterstützt.

Das heißt er bekommt Bilder vorgelegt, die er sich nochmal ansehen kann, wenn er etwas nicht sehen konnte. Wenn er nur ein Teleobjektiv in der Birne hat und es gibt aber dreißig mehr im Stadion. Das bekommt ja auch zu Hause der Konsument nochmal vorgeführt.

Dann geht der Schiedsrichter nochmal raus und trifft nach wie vor die letzte Entscheidung. Dass er vom VAR seine Hilfsmittel bekommt, da kann eigentlich nur jemand dagegen sein, der keine Ahnung hat. Das ist doch völlig normal, bei der technischen Entwicklung, die wir heute haben.“

Wir wollen auch kurz auf die Vita von Reiner Calmund zurückschauen. Was war der schwierigste Transfer, den Sie je gemacht haben? Was war Ihr Meisterwerk?

„Das ist schwierig zu sagen, wir haben Ballack geholt, aber auch viele Brasilianer, die alle abgingen.

Wir hatten mal Glück im Urlaub, da habe ich mit dem Zeugwart Harald Wohner in Brasilien Urlaub gemacht und Berti Vogts war auch mit dabei. In Rio gab es da ein Abschiedsspiel. Da sehe ich den Spieler „Tita“, der mit der 10 spielte und „Zico“ auch mit der 10.

Den hatte man natürlich direkt im Blickpunkt, mit der zweiten 10. Der war Torschützenkönig in der Rio Stadtmeisterschaft, aber ganz unbekannt. Wir haben uns dann immer Videos schicken lassen, die musste man dann in Deutschland noch überspielen. Für 500.000 Dollar haben wir den dann verpflichtet.

Zum Teil wurde das auch kritisiert. Aber ein halbes Jahr später waren wir dank Tita UEFA-Cup Sieger. Er hat viele entscheidende Tore geschossen, auch im Endspiel gegen Barcelona hat er das 1:0 geschossen. Das war für uns wie ein Sechser im Lotto.

Der kam dann natürlich auch in die Nationalmannschaft, da hat er dann mitbekommen, dass die anderen Nationalspieler in Italien und Spanien viel mehr verdient haben. In unserem Rahmen habe ich ihn schon fair bezahlt, aber das war natürlich nicht vergleichbar.

Wir haben heute noch ein tolles Verhältnis. Ich habe ihm auch die Freigabe gegeben, nach der WM. Er ist dann nach Italien gewechselt. Das war so der Startschuss. Danach haben wir dann Jorginho geholt, und dann kam Sergio, und so weiter, die wurden dann immer teurer.“

Was war dann der beste Transfer?

„Von den Brasilianern: Weltklasse war Lucio, Weltklasse war Emerson, Weltklasse war Zé Roberto, Weltklasse war Ballack. Bernd Schneider, der weiße Brasilianer. Bum-kun Cha, der Fußballer des Jahrtausends in Asien. Also da kann ich eine ganze Reihe aufführen.

Auch die deutschen Spieler: Nowotny und so weiter. Da gibt es eine Menge. Wir hatten aber auch mal Pech, muss ich sagen.“

Was war der schlechteste Transfer?

„(lacht) Ich weiß ja, was Sie hören wollen. Ich will nicht sagen, dass das der schlechteste Transfer war, aber da gab es viel Kritik auf die Mütze. Damit muss man dann eben auch mal leben.

Wir hatten damals eine schwierige Situation in der Innenverteidigung. Mit Lucio und Nowotny hatten wir ja absolute Weltklasse, spielstark, mit viel Übersicht, pfeilschnell. Dann waren beide verletzt. Lucio haben wir in den USA operieren lassen.

Dann bekam Nowotny einen Kreuzbandriss. In seinem ersten Spiel nach der Verletzung, riss erneut das Kreuzband. Januar, am nächsten Tag schloss das Transferfenster. Da hab ich dann Juan angerufen: ‚Einen Vorstopper brauche ich, was hast Du da noch?‘

In Brasilien ist die Saison ja im Januar vorbei, die haben einen anderen Rhythmus. „Calli, ich hab hier noch Cris vom Meister. Er ist der Kapitän.“ Sag ich, er soll den rüberbringen, aber ich musste direkt die Unterschrift machen. Transferliste würde ja schließen.

Der kam dann und sagte: ‚Ich bin ein Krieger, das geht zur Sache!‘ Erstes Spiel in Bochum, erste halbe Stunde hat er gut dazwischengefunkt, mein Herz lachte. Nach dem Spiel nicht mehr. Er war an einem Tor schuld und hat bei einer Aktion mit brutaler Härte unserem argentinischen National-Verteidiger noch einen Joch- und Kieferbruch zugefügt.

Im zweiten Spiel hat er nochmal danebengelegen. Dann hat der bei uns nicht mehr gespielt. Da habe ich Juan gefragt, ob er mir schon den richtigen geschickt hatte. Da wurde der Spieler auch schon nervös, damals gab es ja auch schon Digitalisierung.

Manche haben schon geunkt, dass ich den nachts an der Copacabana entdeckt hätte. Er ist dann jedenfalls nach einem halben Jahr zu Olympique Lyon gewechselt. Jetzt kommt das, was ich ihm dann wirklich gegönnt habe: Bei Lyon war er dann doch ein richtig guter Spieler. In den vier Jahren wurde er viermal Meister und beim Etoile d’Or gewann dann im ersten Jahr Ribery, im zweiten Jahr Cris, im dritten Jahr Benzema, im vierten Jahr Cris.

Wir haben da schon eine Granate geholt, aber manchmal, wenn die Chemie, oder irgendetwas nicht stimmt, dann kommt das nicht zum Tragen. Ärgerlich, weil er war ein guter Spieler und ich habe mich im Nachhinein für ihn natürlich gefreut, dass er sich da voll rehabilitieren konnte.“

Geschüttelt oder gerührt mit Reiner Calmund

Das war eine spannende Geschichte. Sie könnten uns wahrscheinlich den ganzen Abend unterhalten. Zum Ende hin noch eine Geschichte: Geschüttelt oder gerührt? Sie kenne das von James Bond?

Reiner Calmund: „Ja.“

Welcher ist ihr Lieblingsdarsteller?

„Roger Moore. Obwohl er mir kein Glück gebracht hat. Er war nämlich bei unserem Champions League Finale in Glasgow in der Ehrenloge. Er outete sich damals ganz klar als Real Madrid Fan, aber deswegen ändere ich meine Meinung über ihn als Lieblings-Bond nicht.“

Daum oder Toppmöller?

„Daum und Topmöller. Das ist ja eine absolute Drecksfrage (lacht). Nein, bei Menschen entscheide ich mich nicht. Ich schätze beide und beide haben eine guten Job gemacht.“

Vizekusen oder Fast-Abstieg 2003?

„Vizekusen ist schöner, auch wenn es ein bisschen weh tut.“

Schweinebraten oder grüner Salat?

„Jetzt sag ich mal grüner Salat, wenn er lecker angemacht ist.“

BayArena oder Maracana?

„BayArena.“

TV-Experte oder Couch-Potato

„Da mache ich lieber den TV-Experten.“

DFB-Pokal oder UEFA-Cup

„DFB-Pokal. Nein, man muss sagen, der UEFA-Cup hatte damals eine andere Bedeutung. Es gab damals noch keine Champions League. Da nahmen die ganzen großen Vereine in Europa daran teil, bis auf sieben oder acht, die den Europacup der Meister spielten.

Also zu unserer Zeit, als wir ihn gewonnen haben, UEFA-Cup. Heute ist beides mega.“

50+1 Regel oder freie Fahrt für Investoren?

„Über beides könnte ich ein Buch schreiben. Investoren müssen sein, aber freie Fahrt nicht.“

Alles wunderbar. Jetzt haben wir alles besprochen. Vielen Dank und noch einen schönen Tag.

„Da haben Sie mir jetzt aber alles schön aus der Nase gezogen. War spontan und hat Spaß gemacht. Vielen Dank.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen