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Peter Neururer über Süle Kritik: „Weiß nicht was Rummenigge geraucht hat“

Karl-Heinz Fischer  13. Februar 2022
Peter Neururer hält sich im Wettbasis-Interview nicht zurück. (© IMAGO / Markus Endberg)

Der Gast des aktuellen Beidfüßig Startalks Peter Neururer gilt als eine echte Trainer-Legende. Über die Jahre kam er immer wieder als „Feuerwehrmann“ der 1. und 2. Bundesliga in brenzlige Situationen.

Insgesamt sechzehn Stationen umfasst die 30-jährige Trainer-Vita Neururers. Die größten Erfolge feierte er mit dem VfL Bochum Anfang der 2000er Jahre.

Bei vielen Fans ist Neururers unverblümte Ehrlichkeit und sein „Klartext“ äußerst beliebt. Auch bei uns fand er klare Worte zum Wechsel von Niklas Süle zum BVB, der Situation seiner Ex-Vereine, dem Beinahe-Engagement als Nationaltrainer, Blaulichtfahrten und dem Weg zum Arbeitsamt im Porsche.

Wie immer gibt es das komplette Interview im „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel unter „Beidfüßig Star Talk“ auch zu hören und zu sehen.


Neururer über Süle: „Hatte Angst er folgt dem Ruf des Geldes“

Wir begrüßen Peter Neururer, der sich ganz tief im Westen am wohlsten fühlt.

Peter Neururer: „Hallo, guten Tag.“

Im Bezug auf Borussia Dortmund: Wie schätzen Sie es ein? Es scheint, als würde der BVB immer über sich selbst stolpern.

„Gut gesagt. Das ist eine genaue Spielanalyse von Dortmund. Sie werden selten ausgespielt, sondern bieten dem Gegner Räume in der Defensive, die unglaublich sind. Es scheint an der Balance zu fehlen. Das gilt aber nicht für alle Spiele. Kommt es aber zum Umschaltspiel, sieht man das große Problem des BVB.

Die Außenverteidiger stehen sehr, sehr hoch, egal in welchem System sie spielen. Im zentralen Mittelfeld ist das Defensivverhalten gut, aber man bekommt hinten das Zentrum nicht geschlossen. Auch wenn Hummels spielt, der ohne Zweifel ein herausragender Fußballer ist, kommt es immer wieder zu Laufduellen, bei denen er den Kürzeren zieht.

Das Problem mit der Balance konnten sie über die ganze Saison noch nicht abstellen. Das Potential wäre vorhanden. Offensiv sowieso, aber auch defensiv. Aufgrund struktureller Probleme schaffen sie es nicht, ganz oben dran zu bleiben.“

Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Verpflichtung von Niklas Süle?

„Wenn ein Verein einen Spieler mit der Klasse von Süle verpflichten kann, dann muss er das sofort machen. Es ist beinahe typisch, dass man erst einmal seine Defizite kritisiert, wenn er München verlässt. Süle hat zwei Kreuzbandrisse überstanden und ist körperlich in einem überragenden Zustand. Zudem ist er ein ein sehr guter Fußballer, der eigentlich aus dem Offensivbereich kommt. Süle ist ein gelernter Zehner, der also auch in der Spieleröffnung weiß, wie man sich zu verhalten hat.

Er hat auf dem höchsten Niveau gespielt und bei aller Kritik, er war absoluter Leistungsträger beim FC Bayern. Er macht die meisten Spiele, egal wie die Kette aussieht. Für mich ist er einer der besten Innenverteidiger, vielleicht sogar weltweit. Mit den Abwehrproblemen von Dortmund, dem Wissen, dass auch Mats Hummels nicht ewig weiterspielen wird und der Tatsache, dass Süle ablösefrei zu haben war, muss man ihn verpflichten. Ich hatte schon Sorge, dass der nächste Nationalspieler nach England wechselt und dem Lockruf des Geldes folgt, auch wenn Newcastle frühzeitig abgesagt wurde.

Was die momentan auf dem Markt machen ist einfach fürchterlich. Hoffentlich entblößen sie sich selber und steigen ab, damit jedem klar ist, dass die Spieler nur und rein wegen des Geldes dort spielen und nicht für den sportlichen Erfolg. Aber ich möchte diese Nostalgie gar nicht aufkommen lassen, das ist ohnehin vorbei. Ein absoluter Top Transfer.

Das heißt, Sie widersprechen den Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge, der Niklas Süle eher als durchschnittlichen Spieler bezeichnete?

„Ich weiß nicht, ob Kalle da etwas geraucht hat, ich kenne ihn eigentlich nur als Nichtraucher. (lacht) Niklas Süle hat bei einer Mannschaft, die alle Titel gewonnen hat, in den letzten eineinhalb Jahren von allen Abwehrspielern die meisten Spiele gemacht, die noch da sind.

Alaba und Boateng lasse ich außen vor. Wer bei den Bayern eine solche Anzahl an Spielen macht, in der Nationalmannschaft Stammspieler ist, da hat Rummenigge etwas nicht ganz klar gestellt.“

Neururer über Köln: „Eine der emotionalsten Stationen, die ich je hatte“

Unser nächstes Thema: Köln gastiert in Leipzig. Mit dem „Effzeh“ teilen Sie eine gemeinsame Vergangenheit, wie ordnen Sie das Team im Moment ein?

„Im Moment herrscht dort eine unglaubliche Stimmung. Im letzten Spiel konnten auch endlich wieder die Zuschauer dabei sein, was Köln auch die Punkte bringt. Eine der emotionalsten Stationen, die ich je hatte. Jetzt hat man mit Steffen Baumgart einen Trainer, der diese Emotion mitlebt und vorlebt. Er hat der Mannschaft neues Leben eingehaucht. Obwohl nicht so viele neue Spieler kamen, spielen sie ganz anders. Die vorgegebene Richtung ist offensiv.

Das kann natürlich in Leipzig auch schnell zum Problem werden, denn die Leipziger sind im Stande, blitzschnell umzuschalten. Was RB mit Räumen machen kann, hat man gegen Bayern München gesehen, wo sie zwei Tore machen, aber auch drei oder vier fallen können. Ich hoffe aber für Köln und Trainer Steffen Baumgart, dass sie ihrer Linie erfolgreich treu bleiben können.

Wenn sie dieses kleine Wunder Europa-League packen könnten, wäre das schon überragend. Aber ich fürchte dieses Spiel gegen Leipzig sollte man nicht unbedingt als Gradmesser sehen. Wenn sie einen Punkt holen, wäre das schon einer, mit dem man im Grunde nicht rechnen kann.“

Lange Zeit war der VfL Bochum stark unterwegs in der Bundesliga. Mittlerweile sind die Abstände zum Relegationsplatz etwas geschmolzen und was auffällt, sie schießen extrem wenig Tore. Reicht da der Neuzugang Jürgen Locadia, um den VfL in der Liga zu halten?

„Das ist die Frage, die man sich stellt. Aber vorher hat man sich die Frage gestellt, was kann man machen, um die Mannschaft so zu verstärken, dass sie sicher die Liga halten. Die finanziellen Möglichkeiten sind in Bochum eingeschränkt. Über diese Neuverpflichtung hat man eine Alternative zu Sebastian Polter, man kann jetzt auch mit zwei Spitzen spielen.

Ohne Zweifel hat man ein Problem mit der Durchschlagskraft, aber da ist jetzt etwas getan worden. Thomas Reis hat eine super Struktur in die Mannschaft gebracht, jeder spielt das, was er kann, das verleiht der Mannschaft Sicherheit. Jetzt kommt aber Bayern München. Ich warte ja auf einen Anruf von Trainer Reis, denn er hatte einen Bochum-Sieg gegen Bayern ja schon mal miterleben dürfen. Ich war Trainer und er war mein Spieler.“

Darauf wollte ich gerade hinaus. In den letzten dreißig Jahren gab es einen einzigen Sieg des VfL gegen die Bayern. Sie haben es noch in bester Erinnerung, also wie schafft man das?

„Im Grunde war es eine ganz einfache Geschichte. Man hat ja eigentlich keine Chance, das war damals auch schon so. Aber bei der Spielersitzung habe ich gesagt, dass einer der Gegner, die es wegzuräumen gilt auf dem Weg in den UEFA-Cup, die Bayern sind.

Ich sagte also, dass wir es schaffen müssen, in der neunzigsten Minute das 1:0 zu schießen. Glücklich aber nicht unverdient konnte man in allen Zeitungen lesen, haben wir das Spiel gewonnen. Dass das aber der letzte Sieg war, das stimmt mich natürlich auch traurig. Mit einem Punkt könnte man sich glücklich schätzen, es wird aber nicht leicht.“

Im letzten Spiel gegen die Hertha, als der Trainer auf 4-4-2 umstellte, lief es gar nicht schlecht.

„Absolut. Die erste Halbzeit war wirklich schlecht. Aber das ist auch die Fähigkeit von Thomas Reis. Er sieht, was nicht gut läuft und kann das verändern. Es ist kein blinder Aktionismus, sondern die Erkenntnis, die Spielsituation einzuschätzen und im Bezug auf den Gegner eine Lösung finden, die die Mannschaft umsetzen kann. Das hat er in der zweiten Halbzeit super gemacht.“

Stärkste 2. Liga der Welt? „Sehe ich nicht so“

Im Vorjahr erwischte es einige Traditionsclubs mit dem Abstieg. Wie sehen Sie die Chancen oder Gefahr, dass beispielweise ein VfB Stuttgart den Weg in die 2. Liga antritt?

„Der Abstieg von Schalke und Bremen war dramatisch. Wenn man überlegt, dass Köln gerade so in der Relegation durchgekommen ist, und ansonsten drei große Vereine und ehemalige Deutsche Meister abgestiegen wären. Diese Jahr ist etwas anders. Bis Platz elf können alle noch absteigen. Da finden wir nur Traditionsmannschaften. Die zweite Liga zum Beispiel besteht fast nur aus abgestiegenen Traditionsvereinen.

Man spricht gerne von der stärksten zweiten Liga der Welt, das sehe ich nicht so, denn sonst wären sie ja nicht abgestiegen. Das Problem haben wir in diesem Jahr auch, von Platz elf bis Platz achtzehn sind alle in akuter Abstiegsgefahr. Da sind Vereine wie Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach oder der VfB Stuttgart dabei.“

Alle Trainer-Stationen von Peter Neururer

Verein Spiele
VfL Bochum 193
Schalke 04 69
FC Saarbrücken 68
FC Köln 60
Alemania Achen 47
Hannover 96 46
Rot-Weiß Ahlen 43
MSV Duisburg 34
Kickers Offenbach 27
Hertha BSC 12
Rot-Weiß Essen 9
Fortuna Düsseldorf 8

Als Sie bei Schalke Trainer waren, standen die Knappen auch in der 2. Liga. Jetzt stehen sie mit sechs anderen Teams dicht aufeinander. Schafft Schalke den direkten Wiederaufstieg?

„Nach dem Abstieg, bei diesem Aderlass und einer kompletten Umstrukturierung konnte ich mir nicht vorstellen, dass sie sofort wieder aufsteigen. Das hat sich aber im Laufe der Zeit entwickelt und stellt sich heute anders dar. Auch Werder Bremen, die bis zum Ende der Transferphase gar nicht wussten, welche Mannschaft sie haben, zählte für mich nicht zu den Aufstiegskandidaten. Nehmen wir den HSV, im Leben hätte ich nicht geglaubt, dass sie aufsteigen, aber die Entwicklung hat gezeigt, dass die anderen Teams nicht die Qualität haben, sich von ihnen abzusetzen.

St. Pauli spielt eine großartige Saison und fällt dann in ein Loch. Darmstadt 98 hat das Loch am Anfang der Saison überwunden, spielte gut mit und verliert dann zu Hause 0:5 gegen den HSV. Deswegen trennen die ersten sechs Plätze gerade einmal zwei Punkte.

Das Spiel von Schalke gegen Regensburg habe ich im Stadion gesehen. Sie machen es genau richtig: Nicht gut spielen, aber trotzdem gewinnen. Wenn die zu Hause wieder Fans im Stadion haben, gibt es glaube ich, so schnell keine Mannschaft, die auf Schalke punkte holen wird. Das kann am Ende reichen, um einen der drei Aufstiegsplätze zu erzielen. Aber es wird ein enges Rennen.“

Konkret noch ein Tipp zum Wochenende Düsseldorf gegen Schalke?

„Genau. Wieder zwei meiner Ex-Vereine, was ja doch auch wieder nicht so selten vorkommt. Ich werde natürlich im Stadion sein, vollkommen klar. Düsseldorf ist gerade auf den Relegationsplatz abgerutscht, ausgerechnet jetzt kommt Schalke 04.

Der neue Trainer Daniel Thioune steht schon in seinem ersten Spiel mit dem Rücken zur Wand. Auch wenn ich Düsseldorf und dem Coach alles Gute wünsche, hoffe ich doch auf den Aufstieg des Vereins, bei dem ich Mitglied bin.“

Was kann der neue Trainer Daniel Thioune in der kurzen Zeit bewirken?

„Das wird meistens überschätzt. Man redet gerne von Einzelgesprächen, die man macht. Ich denke, wir werden am Wochenende feststellen, dass die Mannschaft vielleicht anders auftritt, aber nicht anders positioniert sein wird. System und Spielausrichtung werden sich im Vergleich zu den letzten Wochen kaum verändern. Das letzte Spiel gegen Kiel war ja auch gut bestritten, aber es ist unglücklich gelaufen. Wie es manchmal so ist, wenn man unten steht, hat man Dreck am Schuh.

Er wird versuchen der Mannschaft Selbstbewusstsein zu vermitteln, durch Spielformen die Spaß machen den Druck rausnehmen, aber auch Konzentration einfordern, denn die Spiele werden immer weniger und die Situation unten ist genau so spannend, wie die Situation oben. Ich glaube aber, für dieses Spiel wird es nicht reichen, um Schalke zu schlagen.“

Peter Neururer: „Bewundere, was bei RB Leipzig geleistet wird“

Ein anderer Ex-Verein ist Hannover 96. Mit sechzehn Toren haben sie die wenigsten der Liga. Wie kann man diese Blockade ausgerechnet gegen den Tabellenführer Darmstadt lösen?

„Die ist eigentlich gar nicht mehr zu lösen, denn der Torjäger Marvin Ducksch wurde nach Bremen abgegeben. Christoph Dabrowski macht als Trainer einen guten Job, ich glaube aber, dass der Tabellenführer mit der 0:5 Niederlage im Hinterkopf unbedingt zeigen will, dass er berechtigterweise ganz oben steht. Das erste Mal in dieser Saison haben sie etwas zu verlieren. Deshalb wird der Coach Dabrowski die Mannschaft richtig einstellen, so dass am Ende ein Sieg möglich ist.“

Sie haben fast ausschließlich Teams im Westen trainiert. Wenn morgen RB Leipzig anklopft, was würden Sie sagen?

„Nein. Mit Sicherheit nicht. Ich habe so meine Prinzipien. Glücklicherweise habe ich eine traumhafte Familie und meine Frau hat das Geld zusammengehalten. Ich mache keine Sachen mehr, außer ich werde mit Geld überredet, das könnte RB wahrscheinlich, aber ich habe noch Verbindung zu traditionellen Dingen.

Eines muss ich klarstellen: Ich bewundere, was in Leipzig geleistet wird. Was an Infrastruktur aufgestellt wurde, ist großer Sport, aber ich kann keine emotionale Verbindung zu solchen Vereinen aufnehmen. Das ist ein wunderbares Werbekonstrukt von Herrn Mateschitz, den ich über alles schätze, aber ich bin Traditionalist im Bezug auf Fußball. Daher könnte ich mich nicht verleiten lassen, für kein Geld der Welt, emotional in ein Konstrukt zu wechseln, zu dem ich nicht stehe.“

Sie haben in ihren Stationen viel erlebt. Was war im Rückblick das emotionalste Erlebnis als Trainer?

„Da gibt es ein paar. Einmal der Klassenerhalt von Schalke 04, der gefeiert wurde, wie eine Meisterschaft. Dann natürlich den fast unmöglichen Aufstieg mit Bochum, als wir schon elf Punkte hinter Mainz unter Jürgen Klopp lagen. Wahnsinn!

Und andere, nicht planbare, weil eigentlich unmögliche Dinge, wie mit dem VfL Bochum die Europapokalplätze vor Schalke und Dortmund zu belegen. Aber ich war immer schon ein großer Fan des FC Köln, schon als Student habe ich mir jedes Training angeschaut. Wenn man dann Trainer eines Vereins wird, dessen Fan man ist, dann verliert man die Basis auf der man sich bewegen sollte, um eine gewisse Objektivität nicht zu verlieren. Der Klassenerhalt damals war der absolute Wahnsinn. Was für den einen ein Riesenerfolg ist, wäre für den anderen eine Katastrophe.

Wäre ich Trainer von Bayern München geworden, wäre es nie möglich gewesen, einen Abstieg zu feiern. Da wäre ich irgendwann Zweiter geworden und damit gescheitert. Der Klassenerhalt mit Köln war eines der Highlight meines Lebens, das sagt schon eine Menge über mich aus.“

Bei dem Fan-Dasein Richtung Köln, sind Sie im Karneval wahrscheinlich auch nicht einzufangen?

„Ich bin eigentlich überhaupt kein Karnevalist. Ich treffe mich mit meinen alten Kollegen am Rosenmontag hier im Ruhrgebiet, aber ich habe mit dem Karneval keine gute Verbindung. (lacht)

Beim FC Köln wurde ich einmal vom Vorstand vorgeladen, wegen vereinsschädigenden Verhaltens, weil ich an Weiberfastnacht zweimal trainieren ließ. Das Training habe ich dann trotzdem durchgezogen, aber die Spieler durften verkleidet zum Training kommen. Aber beim Feiern war ich natürlich immer ganz vorne mit dabei.“

Seit vergangenem Mai sind sie im Vorstand des Wuppertaler SV, was können Sie dort bewirken?

„Im Moment kann ich nur bewirken, dass der Verein eine Außendarstellung bekommt, die den Touch bekommt, in die Professionalität zu gehen. Wir haben mit Friedhelm Runge einen unglaublich phantastischen Geldgeber, Mäzen, Sponsor oder Retter des Vereins, der den Wuppertaler SV am Leben hält. Wir haben ein Riesenproblem in der Pandemie, wie fast alle Vereine, wir bekommen keine Fernsehgelder, von daher sind wir auf Herrn Runge angewiesen.

Die Mannschaft selber, der Trainer und auch der sportliche Leiter machen eine unglaubliche Arbeit. Wir haben einen Kader, der am Leistungsoptimum spielt, aber es gibt mit RW Essen und Preußen Münster in unserer Liga Vereine, die finanziell ganz anders aufgestellt sind. Da sind wir noch nicht dran, da spielen wir aber mit.

Wir haben auch noch die theoretische Möglichkeit aufzusteigen. Aber ich persönlich wäre froh, wenn wir unter den ersten Fünf landen und die Art von Fußball, die wir aktuell zeigen, durchziehen können, um nächstes Jahr dann den Schritt in die 3. Liga zu machen. Die Einflussnahme darauf ist aber im Moment für mich noch sehr gering.“

Wie kam es überhaupt zu diesem Engagement?

„Ich habe vor Jahren, als der Wuppertaler SV noch im Profifußball war, mit dem damaligen Präsidenten und heutigen Geldgeber Friedhelm Runge verhandelt. Finanziell sind wir nicht zusammengekommen, aber wir haben uns gut verstanden und sind uns immer wieder über den Weg gelaufen.

Irgendwann fragte er mich, ob ich Interesse hätte, dem Verein als Vorstand oder sportlichem Leiter zu helfen. Meine Antwort war, dass ich mir das mit den aktuellen Strukturen nicht vorstellen könnte. Herr Runge hat dafür gesorgt, dass sich etwas geändert hat. Mittlerweile habe ich die Stölting Service Group als Trikotsponsor gewinnen können. Ich werde auch nicht vom Wuppertaler SV bezahlt, sondern das machen andere. Da konnte ich eine Brücke schlagen zwischen Sponsoring und dem sportlichen Bereich, um da später auch noch tätig zu werden.“

Sie haben 2020 davon berichtet, dass zwei Nationalverbände auf Sie zugekommen sind, mit der Anfrage für den Nationaltrainerposten.

„Das ist richtig. Das eine war aber ziemlich uninteressant, das war Aserbaidschan. Das wäre zwar finanziell eine Riesennummer gewesen, aber rein von der sportlichen Perspektive war es uninteressant. Das andere wäre interessant gewesen, auch wenn man damit nicht unbedingt Weltmeister oder Europameister wird, das war Ungarn. Die Anfrage erreichte mich während der Qualifikation, der Trainer ist aber glücklicherweise erfolgreich geblieben und so kam der Wechsel nicht zu Stande.“

„MIt Schicki-Micki habe ich e nichts zutun“

Sie sind als Trainer gerne in der Nähe ihrer Heimat geblieben. Warum?

„Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Auf Kohle geboren, fühle ich mich wohl. Hier verstehen mich die meisten Menschen, die mit Fußball zu tun haben. Manchmal verabschiede ich mich am Ende eines Briefes mit den Worten: Viele Grüße Peter Neururer, aus dem ehemaligen Zentrum des Weltfußballs.

So empfinde ich das, wenn man sich an die alten Zeiten erinnert. Hier wird an jeder Ecke Fußball gesprochen, hier fühle ich mich verstanden, bei den normalen Fans. Mit Schicki-Micki habe ich eh nichts zu tun.“

Wenn Sie einen ihrer ehemaligen Clubs wählen dürften, wer kommt dann an Nummer eins?

„Von Kindestagen an der 1. FC Köln, bis ich Trainer wurde. Dann kommt deckungsgleich der MSV Duisburg, Schalke 04 und der VfL Bochum.“

Sie sind engagiert bei der Organisation der vertragslosen Profifußballer. Können Sie uns darüber mehr erzählen und warum betreiben Sie dieses Engagement?

„Ich bin vom Präsidenten der VDV, Carsten Ramelow, angesprochen worden. Während der Sommerpause findet in der Sportschule Wedau in Duisburg ein Trainingslager für alle Profis statt, deren Verträge nicht verlängert wurden und die der Arbeitslosigkeit entgegengehen. Die VDV bieten ihnen dort eine Rundum-Betreuung an, mit mir als Trainer, mit Co-Trainer, Torwarttrainer und Physio.

Die Jungs werden untersucht, bekommen ihre Tests und Werte, machen Spiele gegen Mannschaften aus dem Bereich der Dritten und Vierten Liga, sodass sie sich präsentieren können und werden da also auf einen Stand gebracht, den sie auch hätten, wenn sie bei einem Profiteam die Vorbereitung bestritten hätten. Sie können also ad-hoc verpflichtet werden und müssen nicht erst aufgebaut werden. 80 % der Spieler, die in diesem Training waren bekommen wieder einen neuen Verein und die verbliebenen 20 % werden dahingehend geschult, dass man sie auf das Leben nach der Fußball-Karriere vorbereitet. Das ist eine sinnvolle Sache und auch ein Zeichen meiner Dankbarkeit, in diesem Rahmen etwas zurückgeben zu können.“

Legendär ist ja auch ihr Einsatz von Blaulicht auf dem Dach ihres Porsches. Wann haben Sie das das letzte Mal gemacht und aus welchem Grund?

„Das letzte Mal gemacht habe ich das, als ich erwischt wurde. Ich war mit dem MSV Duisburg unterwegs und wir haben in Kaiserslautern gespielt. Ich bin schon einen Tag vorher gefahren, weil ich mir ein Trainingslager anschauen wollte. Da hatte ich auf meinem ohnehin schon nicht sehr unauffälligen Wagen das Blaulicht drauf, denn es hatte sich ein Stau entwickelt. Und sobald Stau ist, findet man damit plötzlich Platz. Peinlich ist es dann, wenn einen die Zivilpolizei stoppt. Weil ich dann auch noch eine Pistole im Handschuhfach hatte…

„Ich wurde angezeigt wegen illegalen Waffenbesitzes“

Eine Pistole? Haben Sie einen Waffenschein?

„Waffenschein hatte ich auch, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls wurde ich in Luxemburg von der Polizei angehalten. Man wollte wissen, ob ich einer vom SEK wäre oder ähnliches, aber ich musste sagen, dass ich nur ein ganz normaler Mensch bin. Die haben mich dann zur Staatsanwaltschaft gebracht und eineinhalb Stunden verhört. Mir wurde der Führerschein entzogen, ich bin dann auch verklagt worden wegen Mitführens einer Waffe und illegalen Waffenbesitzes.

Daraus resultierte eine mehrmonatige Bewährung und eine Geldstrafe. Der damalige Manager des MSV Duisburg holte mich dann in Luxemburg ab, innerhalb Deutschlands durfte ich ja wieder fahren. Am nächsten Tag stand es allerdings so in der Zeitung, als hätte ich mir mit Blaulicht und der Knarre den Weg freigeschossen. Das war natürlich nicht der Fall. Der erste Einsatz war, als wir mit dem Vfl Bochum gegen Lüttich im Europapokal ausgeschieden sind. Da hat man mich am nächsten Tag auch mit Blaulicht gepackt, ich musste es anschließend verschenken. Aber jetzt habe ich mit dem Blaulicht nichts mehr zu tun.“

Weil wir gerade bei den Anekdoten sind: Laut einem Beitrag des Kollegen Tino Polster sind Sie auch mit ihrem Porsche gefahren – und zwar zum Arbeitsamt.

„Da war ich noch ein Ober-Amateur, muss ich sagen. Das war 1993, da bin ich von Saarbrücken wieder nach Hause gekommen und musste mich arbeitslos melden. Ich habe ja zu Recht vom Arbeitsamt kein Geld bekommen, weil ich in Saarbrücken abgefunden wurde. Ich habe aber einen Termin beim Arbeitsamt gemacht.

Dort hat man mich auch ohne großes Theater am Hintereingang empfangen. Zu dem Zeitpunkt wollte man beim DSF eine Art Home-Story machen und die warteten schon bei mir zu Hause. Tino Polster rief mich also an und sagte, er möchte drehen. Woraufhin ich sagte, es wäre etwas dazwischen gekommen und ich sei auf dem Weg zum Arbeitsamt.

Damals war die Konsequenz natürlich die, dass das Team von DSF mit der Kamera schon vor dem Arbeitsamt wartete, als ich mit dem Porsche ankam. Das war natürlich damals im Ruhrpott nicht so gut. Aber immerhin hatte ich Adiletten, Jogginghose und Trainingsanzug an.“

Wir könnten noch stundenlang, aber vielen Dank Herr Neururer für dieses Gespräch.

„Vielen Dank. Hat Spaß gemacht. Und gesund bleiben.“

iew: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 36 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen