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Champions League

Uwe Rösler zu Champions League & Europa League: „Sehen ein deutsches Finale“

Karl-Heinz Fischer  2. Mai 2022
Uwe Rösler
Uwe Rösler geht von einem rein deutschen EL-Finale aus. (© IMAGO / Sportfoto Rudel)

Anscheinend hält das Fallen der Auswärtstorregel das, was erhofft war. Weniger defensives Denken und mehr Offensive. Besonders im Spiel zwischen Manchester City und Real Madrid war das deutlich zu erkennen und so bescherten uns die beiden Teams eines der torreichsten Champions League Halbfinals aller Zeiten.

In der Europa League ging es zwar nicht ganz so torreich zu, dafür aber mit Traumergebnissen aus deutscher Sicht. Ob Leipzig und Frankfurt die Erfolge aus dem Hinspiel bestätigen können?

Was Uwe Rösler davon hält, einer der erfolgreichsten City Stürmer Mitte der 90er, verrät er uns in der Wettbasis „Beidfüßig“ Tippshow zu Champions League für Dienstag und Mittwoch sowie in der Tippshow zur Europa League.

Uwe Rösler über Liverpool gegen Villarreal: „Einfach wird es nicht“

Zum Spiel Villarreal gegen Liverpool holen wir einen in die Show, der lange Zeit in England unterwegs war, als Spieler und auch als Trainer: Hallo, Uwe Rösler. Können Sie uns eine kurze Einschätzung dieser Begegnung geben? Das sollte eigentlich keine große Aufgabe für Liverpool mehr werden, oder?

Uwe Rösler: „Auf diesem Niveau, wir reden immerhin von Halbfinale Champions League, bleibt die Aufgabe schwierig. Selbst wenn man mit einem guten Vorsprung in das Rückspiel geht. Dennoch, mit dem Momentum das Liverpool seit Januar hat, mit ihrer gefestigten Art und Weise Fußball zu spielen, sehe ich sie vorne.

Sie müssen nicht unbedingt die Spiele dominieren, so wie ManCity das in der Regel macht. Sie können auch Spiele dominieren, ohne immer den Ball zu haben, durch ihre Umschaltmomente. Liverpool hat vorne fünf Spieler die regelmäßig treffen. Von daher glaube ich schon, dass sie dort ein Tor machen werden und auf jeden Fall weiterkommen werden. Aber einfach wird es nicht!“

Uwe Rösler über Real Madrid – ManCity: „Chancen stehen bei 50:50“

Was sagt Ihnen das Lied „Go West“ von den Pet Shop Boys?

Uwe Rösler: „Daran kann ich mich gut erinnern, dass die City-Fans damals das Lied mit meinem Namen ‚Uwe‘ umgetextet haben. Das hat mich damals überrascht, weil mein Englisch noch nicht so gut war und ich nicht verstanden habe, dass mein Name gesungen wurde. Das war auswärts gegen Sheffield Wednesday, ich glaube ’94.“

Da haben Sie das entscheidende Tor geschossen für Manchester City, um den Abstieg zu verhindern. Das heißt, Sie haben ein sehr spezielles Verhältnis zu Manchester City. Erklären Sie uns doch bitte den Club.

„Als ich damals dazugekommen bin gab es schon die Premier League, aber noch die Ausländerbeschränkungen. Ich glaube fünf Ausländer durften im Kader sein und drei durften am Matchtag spielen. Die Mannschaft und auch die Stadt waren sehr kritisch. Im Prinzip war das ein Arbeiterverein. Manchester United war damals schon ein globaler Verein, der international schon sehr erfolgreich war und auch internationale Stars hatte, z.B. Cantona oder Kantschelskis.

Ich hatte dort eine sehr, sehr gute Zeit und habe mich sportlich, wie auch familiär sehr wohlgefühlt. Mein ältester Sohn ist dort geboren. Wir haben auch viele Jahre in der Region Stockport verbracht und mein jüngster Sohn ist in der Akademie aufgewachsen.

Die Verbindung über die Jahre ist nie abgerissen. Selbst wenn ich als Trainer überall in Europa gearbeitet habe, komme ich dorthin gerne zurück und sehe das auch irgendwie als meine Heimat an.“

Sie sind dort in die Hall of Fame aufgenommen worden, was natürlich eine ganz besondere Ehre ist.

„Ja, das war natürlich etwas ganz Spezielles. Man wünscht sich als Sportler ja immer, dass man irgendwo etwas hinterlässt. Entweder mit Titeln, oder mit einer Beziehung zwischen Spieler und Verein oder Spieler und den Fans. Ich konnte dort meine Spuren hinterlassen. Der Verein hat mich immer super behandelt und sich auch um meine Familie gekümmert. Ich bin dem Verein sehr, sehr dankbar.“

Spieler-Stationen von Uwe Rösler:

Verein Spiele Tore/Vorlagen
Manchester City 94 35/3
SG Dynamo Dresden 62 9/3
1. FC Magdeburg 53 20/3
1. FC Kaiserslautern 37 13/2
1. FC Nürnberg 31 3/2
TB Berlin 30 9/1
FC Southampton 26 -/-
SpVgg Unterhaching 62 9/3
Lillestrom SK 13 10/2
VfB Leipzig 5 -/-
West Bromwich Albion 5 1/0

Sagen Sie uns, warum ist ManCity gerade so erfolgreich?

„Dafür gibt es natürlich mehrere Gründe. Sie sind ja jetzt nicht erst seit diesem Jahr erfolgreich. Das hat ja schon vor über zehn Jahren angefangen, als die neuen Besitzer den Verein übernommen haben. Es wurde Stück für Stück aufgebaut und alles vorbereitet für Pep Guardiola, damit er nach seiner Zeit in München nach Manchester kommt.

Man konnte sehen, wie da schon Jahre vorher, speziell auch in der Akademie und im Staff Vorbereitungen getroffen worden sind. Mit Pep Guardiola hat man den besten Trainer der Welt verpflichtet. Die Titel kommen regelmäßig und man ist auch dieses Jahr wieder in einer super Position.“

Sprechen wir über das Rückspiel gegen Real Madrid. Das Hinspiel war natürlich hinreißend, aber was glauben Sie wie wird das Rückspiel in Madrid sein?

„Die Spiele die wir dieses Jahr gesehen haben, auch gegen Liverpool in der Premier League, oder jetzt gegen Real in der Champions League, das ist Fußball. Besser kann man kaum noch Fußballspielen. Das sind atemberaubende Spiele, in denen es immer Hin und Her geht.

Manchester hatte gegen Madrid ein Handicap. Beide Außenverteidiger, Walker und Cancelo, standen nicht zur Verfügung. Das hat eine Umstellung erzwungen und deswegen kann man auch erklären, warum zwei von drei Toren über die Seite gekommen sind.

Aber wie die Mannschaft gepresst hat, Bälle hoch erobert und hinten mutig Eins-gegen-Eins verteidigt hat, an der Mittellinie gegen Weltklasse-Spieler, wie sie die Tore geschossen hat, das war absolute Weltklasse. Ich nehme an, dass Walker auch im Rückspiel noch fehlen wird und im Bernabeu auch auf beiden Seiten Tore fallen werden. Ich denke nicht, dass es ein 0:0 wird.“

Sehen Sie ManCity als Favoriten für den Einzug ins Finale?

„Die Differenz ist gerade mal ein Tor und Real wird zu Hause schon ein wenig anders auftreten. Mit einer anderen Selbstverständlichkeit und mehr Ballbesitz.

City wird seine DNA nicht ändern, sie werden versuchen Real nicht ins Spiel kommen zu lassen. Wieder hoch pressen und ihre Umschaltmomente ausspielen, aber auch das Spiel in manchen Perioden zu beruhigen. Ich glaube, die Chancen auf den Ausgang des Spiels liegen bei 50/50.“

Dann gibt es natürlich noch Karim Benzema, der im Moment alles überragt. Sie, als ehemaliger Mittelstürmer, können Sie uns sagen, was ihn ausmacht und was sein Geheimnis ist?

„Es hat mich immer begeistert, wie er sich in den Dienst der Mannschaft gestellt hat, als Ronaldo noch in Madrid war. Er hat immer im Sinne der Mannschaft gespielt. Als Trainer schaut man da genau hin. Er ist ein Torjäger, aber er ist auch ein absoluter Anführer auf dem Platz.

Man hat gesehen, wie er auf dem Platz reagiert hat, als Madrid ins Hintertreffen geriet. Er ist vorangegangen, hat die Leute mitgenommen und sie angepeitscht im positiven Sinne. So stelle ich mir einen Kapitän vor, so stelle ich mir einen Anführer auf dem Platz vor.

Dass er das noch untermauert mit seinen Abschlüssen – ich glaube 14 Toren in der Champions League, 26 in der Liga – ist überragend. Seit Cristiano Ronaldo weggegangen ist, ist er nochmal gewachsen in seine individuellen Fertigkeiten. Trotzdem stellt er sich aber immer wieder in den Dienst der Mannschaft. Das macht ihn für mich so wertvoll.“

Kurz der Vergleich: Wenn Guardiola der beste Trainer der Welt ist, kann Ancelotti nur maximal der zweitbeste sein?

„Wir bewegen uns hier auf einem ganz, ganz hohen Niveau. Was Ancelotti geleistet hat, ist natürlich fantastisch. In fünf Ligen die Meisterschaft gewonnen zu haben, hat noch kein anderer geschafft und auch die Champions League viermal zu gewinnen ist unglaublich.

Er ist ein anderer Trainertyp als Pep, das weiß man auch noch aus der Bayern-Zeit. Zu gewissen Mannschaften passen auch nur gewisse Trainer und ich glaube, dass Ancelotti für Real Madrid eine mehr als gute Option ist. Das untermauert er mit hervorragenden Leistungen.“

Rösler zur Europa League: „Bekommen ein deutsches Finale“

Herr Rösler, Sie waren als Spieler in Leipzig unterwegs, allerdings für Chemie. Wir haben in der Europa League die schöne Situation, dass gleich zwei Teams ins Finale kommen können. Sprechen wir zuerst über RB Leipzig. Was halten Sie von diesem Verein und von dieser Mannschaft?

Uwe Rösler: „Die Saison läuft im Prinzip in zwei Phasen. Die erste Phase unter Jesse Marsch, wo es Probleme gab und jetzt die zweite Phase mit Tedesco. Ich hatte das Glück Leipzig in Dortmund zu erleben, wo sie ein atemberaubendes Spiel abgeliefert haben und in allen Phasen des Spiels die bessere Mannschaft waren und verdient gewonnen haben.

Dort hat man auch die Handschrift Tedescos gesehen. Er hat die Abwehr stabilisiert. Er hat den beiden jungen Innenverteidigern Willy Orban dazugegeben, also aus zwei, drei Verteidiger gemacht. Er hat das Spielermaterial, um ein 3-4-3 oder ein 3-4-1-2 zu spielen. Die besten Spieler lässt er auf den besten Positionen spielen und ich glaube, die Mannschaft hat sich schon unter Nagelsmann weiterentwickelt, speziell auch im Ballbesitz.

Tedesco geht mehr in diese Richtung, die DNA von Leipzig weiterzuverfolgen. Pressing, Gegenpressing, aber er gibt der Mannschaft auch fußballerische Ansätze mit und dadurch kommt dann so ein attraktiver Fußball zustande.“

Im Hinspiel haben sie sich allerdings zuletzt schwergetan. 1:0 mit einem späten Tor in der 83. Minute. Warum hat sich RB so schwer getan?

„Leider habe ich das Spiel nicht live gesehen. Aber man konnte schon beim 1:1 zu Hause gegen Atalanta erkennen, dass es international schwieriger ist. Die Vereine wissen auch, dass man auswärts nicht Box-to-box entgegenlaufen kann. Und dass man sich taktisch klug verhalten muss, indem man die Räume eng macht und etwas defensiver steht.

Damit hatten sie natürlich ihre Probleme. Aber ich glaube, das Tor von Angelino war ganz wichtig. Die Rangers im Ibrox-Park müssen kommen. Die 50.000 Zuschauer werden die Mannschaft nach vorne peitschen. Und das ist gut für Leipzig, denn in diesen Umschaltphasen ist RB Leipzig für mich, mit Leverkusen, eine der besten Mannschaften in Deutschland.

Wie sich das Spiel in Glasgow entwickeln wird, sollte der Mannschaft von RB sehr gut liegen, denn sie haben Spieler, die dafür prädestiniert sind.“

Sie haben es eben angesprochen. Laut ihren Erfahrungen ist der Ibrox-Park keine Kindertagesstätte.

(lacht) „Ne, sicher nicht. Da kann man ja mal die Dortmunder fragen, was dort abgeht. Letztes Jahr haben sie unter Gerrard diese „Ten-in-a-row„-Serie von Celtic verhindert, was ganz wichtig war für die Rangers. Letztes und dieses Jahr haben sie sich international unter dem neuen Trainer van Bronckhorst nochmal weiterentwickelt. Für die Rangers und für den schottischen Fußball ist das unglaublich wichtig.

Die Rangers werden ihre Chance auch sehen, das ist klar. Sie haben ein relativ gutes Ergebnis in Leipzig abgeholt und werden mit den eigenen Fans im Rücken den Leipzigern das Leben sehr schwer machen.“

Ihr Tipp also, Leipzig kommt ins Finale?

„Ja.“

Und Eintracht Frankfurt?

„Frankfurt ist ja eine einzige Erfolgsstory. Was die da abgeliefert haben, ist sensationell. Ich glaube, dass es ein deutsches Finale wird.“

Dann verlassen wir uns auf jemanden, der Ahnung vom Fußball hat. Vielen Dank, Uwe Rösler.

„Sehr gerne. Dankeschön.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 36 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahre als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundeliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen