Haben Linkshänder im Tennis einen Vorteil gegenüber Rechtshändern?

Sind Kerber & Nadal automatisch im Vorteil?

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Rafael Nadal (Spanien)
Rafael Nadal (Spanien) © GEPA pictur

Was haben Rafael Nadal, Goran Ivanisevic, Martina Navratilova, Monica Seles, John McEnroe und Jimmy Connors gemeinsam? Sie nahmen das Tennisspielen mit „links“. Gemeint ist nicht, dass sie spielerisch durch die Konkurrenz fegten (wobei das auch der Fall war), nein sie gehören zu der Minderheit im Tennissport, die den Tennisschläger in der linken Hand halten, weil sie eben Linkshänder sind (Ausnahme: Rafael Nadal). Dass dieser Tatbestand auch Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Spielers haben kann, war lange Zeit nicht wirklich Thema im Tennissport. Erst in den 70er und 80er Jahren begannen die Diskussionen um einen möglichen Vorteil.

Es gibt viele empirische Befunde zur Händigkeit im Profisport. Natürlich steht in erster Linie die Leistungsfähigkeit im Vordergrund, doch scheint es auch Belege dafür zu geben, dass ein Linkshänder in gewissen Situationen tatsächlich erfolgreicher abschneiden. Seit jeher steht die Frage im Raum, ob Linkshänder im Tennis einen Vorteil haben und wenn ja, wie dieser aussieht. Wir versuchen dieser Frage auf dem Grund zu gehen in diesem Artikel.
 

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Linkshänder im Tennis-Business

Im Juni 2015 sorgte Lucie Safarova für eine historische Weltrangliste. Nach dem Einzug ins Finale der French Open rückte die Tschechin erstmals in die Top 10. Für Safarova war dies ein Meilenstein, für die Weltrangliste der Dame sorgte dieser Einzug für ein Novum, denn zum allerersten mal standen gleich vier Linkshänderinnen unter den ersten zehn in der Rangliste. Petra Kvitova war damals die Weltranglistenzweite, Safarova die Siebte, Ekaterina Makarova die Achte und Angelique Kerber die Nummer 10. Natürlich kann diese Rangliste als Zufallsprodukt abgetan werden, aber interessant ist es schon, vor allem weil bei den Herren eigentlich über die Jahrzehnte hinweg sich im Vergleich zur Gesamtpopulation überdurchschnittlich viele Linkshänder in den Top 100 tummeln. Während bei den Damen zuvor lediglich Martina Navartilova und Monica Seles die Tenniswelt „mit links“ dominierten (mit Abstrichen sei noch Petra Kvitova benannt – neuerdings übrigens auch Angie Kerber), wurden die 70er und 80er Jahre vor allem von Typen wie Jimmy Connors und John McEnroe aufgrund ihrer unorthodoxen Schlagweise für nahezu unschlagbar gehalten. Die Leistungsfähigkeit alleine auf die Händigkeit zurückzuführen ist natürlich viel zu einfach, allerdings macht dieser Tatbestand durchaus eine gewisse Komponente aus. Die von der Norm abweichende und schwer lesbare Spielweise war damals einfach schwierig zu verteidigen, da die nötige Vorbereitung und Analyse – wie es heute der Fall ist – nicht so ausgereift war.

[pullquote align=“left“ cite=“Professor Norbert Hagemann“] „In der Bevölkerung gibt es etwa 10 Prozent Linkshänder, im Tischtennis oder beim Fechten sind es in der Weltspitze aber rund 30 Prozent.   [/pullquote]

Ein sehr unterschätzter Faktor beim Wetten ist tatsächlich, dass es viele Rechtshänder im Tennis gibt, die mit der Spielweise eines Linkshänders nicht zurecht kommen. Tatsächlich haben Forscher bereits herausgefunden, dass es Sportarten gibt, die eine bestimmte Händigkeit bevorzugen. Niemand geringeres als Professor Norbert Hagemann vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Kassel bestätigt diese These: „In der Bevölkerung gibt es etwa 10 Prozent Linkshänder, im Tischtennis oder beim Fechten sind es in der Weltspitze aber rund 30 Prozent. Das haben wir allerdings nicht in allen Sportarten beobachtet, sondern nur in interaktiven mit einem direkten Gegner, also zum Beispiel nicht beim Schwimmen.“ Auf die Frage woran das liegt verwies er auf eine Studie. In einem Experiment wurden Probanden Videos von gegnerischen Schlägen im Tennis gezeigt. Die Versuchspersonen mussten, nachdem das Video gestoppt wurde und der Ball noch nicht den Platz berührte, prognostizieren, in welche Richtung der Schlag geht. Tatsächlich waren die Vorhersagen bei Schlägen von Linkshändern öfter falsch. Dieses Experiment wurde übrigens auch mit Videos aus dem Volleyball und anderen Sportarten getätigt und bei vielen, wenn auch nicht allen Sportarten, scheint es so, dass die Aktionen der Linkshänder schwieriger wahrnehmbar sind. Dieses Problem haben auch viele Tennisspieler, die sich vor einem Match gegen einen Linkshänder auf solche Schlagtechniken umstellen müssen, während Linkshänder und Rechtshänder gleichermaßen überproportional oft gegen Rechtshänder ranmüssen und somit keine gesonderte Umstellung von Nöten ist.

[pullquote align=“right“ cite=“Roger Federer nach dem Comeback von Rafael Nadal“]„Ich bin sehr glücklich, dass er wieder zurück ist. Ich habe festgestellt, dass er noch immer Linkshänder ist. Ich hatte gehofft, er spiele inzwischen mit rechts.“[/pullquote]

Deswegen ist es auch kein Zufall, dass Roger Federer vor den Matches gegen Rafael Nadal ausnahmslos mit Linkshändern trainierte. Natürlich gehört zu einer erfolgreichen Spielweise auch ein außergewöhnliches Talent, aber Rafael Nadal – selbst eigentlich Rechtshänder – verfügt darüber hinaus noch über einen unberechenbaren Top Spin. Der Neffe von Toni Nadal wurde ausgerechnet von seinem Onkel in der Jugend bereits dazu trainiert mit der linken Hand Tennis zu spielen um sich einen Vorteil zu verschaffen. So gesehen war Toni Nadal seiner Zeit voraus, so schaffte der Spanier bereits 14 Grand Slam Siege (Stand Ende 2016). Überhaupt empfinden viele Spieler es als ausgesprochen unangenehm, gegen Linkshänder anzutreten. Deswegen können vor allem Linkshänder in der Außenseiterposition nicht selten überraschen. Beispiel: Angie Kerber – selbst Linkshänderin – hatte bei ihrem Australian Open Triumph 2016 lediglich gegen eine einzige Gegnerin massive Probleme gehabt und zwar in der ersten Runde gegen Misaki Doi. Im zweiten Satz wehrte Kerber einen Matchball ab, letztendlich gewann sie mit 6-7, 7-6, 6-3. Wenn man bedenkt, dass Kerber im Anschluss unter anderem Viktoria Azarenka und Serena Williams schlagen konnte, dann war das Erstrundenmatch vom Ergebnis her überraschend knapp. Das lag auch daran, dass Kerber große Schwierigkeiten hatte, Misaki Doi auf dem schnellen Belag zu verteidigen. Die sonst so defensivstarke Kerber ist eben trotz ihrer Linkshändigkeit nicht vor dieser unorthodoxen Spielweise gefeit.

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Effektive Techniken der Linkshänder

Linkshänder sind aufgrund ihrer unterdurchschnittlichen Erscheinung in erster Linie unangenehme Gegner, weil ihre Schläge ungewöhnlich sind und ihre Spielweise sich darauf ausrichtet. Die Vorteile dieser Spielweise finden schon beim Aufschlag statt. Der Linkshänder kann beim Aufschlag von rechts sehr weit auf die Rückhand des Rechtshänders servieren. Das ist im Normalfall der Rechtshänder nicht gewohnt und so haben vor allem gute Aufschläger, die dazu noch Linkshänder sind, erhebliche Vorteile schnelle Punkte zu erzielen. Diese Taktik verwendet vor allem Gilles Müller sehr gerne. Bei den Damen dürfte Petra Kvitova als Beispiel genannt werden. Vor allem die Tschechin hat aufgrund ihrer körperlichen Vorteile im Damentennis (Körpergröße und Kraft) mit dieser Spielweise schon zweimal in Wimbledon gewinnen können, denn auf Rasen kommt dieser Vorteil besonders zum tragen. Ein weiteres Beispiel ist Feliciano Lopez. Der Spanier gilt als sehr kompromissloser Spieler und ist gepaart mit dieser unorthodoxen Art ebenfalls ein sehr unberechenbarer Gegner. Aber auch in Grundlinienduellen können Linkshänder einen Vorteil haben. Federico Delbonis und Rafael Nadal zum Beispiel sind für ihre sehr harten Grundlinienschläge bekannt. Beide spielen darüber hinaus mit extremen Topspin. Ist der Topspin schon bei Rechtshändern eine starke Waffe um den Gegner in Bedrängnis zu bringen, so ist dieser Effekt bei einem Linkshänder Top Spin noch etwas größer.

Wann rentieren sich Wetten auf Linkshänder?

Ob man auf Linkshänder konsequent wetten sollte oder nicht hängt natürlich nicht alleine von der Schlaghand ab. Auch die Affinität zu den Belägen spielt eine große Rolle. Aufgrund der Reaktionszeit würden wir intuitiv vermuten, dass Linkshänder einen größeren Vorteil haben je schneller der Belag ist, denn dann ist es umso schwerer auf den unorthodoxen Schlag zu reagieren. Gemäß der ATP Statistiken schneiden vor allem Gilles Müller, Feliciano Lopez und Donald Young stark ab. Alle drei Spieler setzen viel Kraft in ihre Schläge ein und spielen relativ geradlinig. Müller und Lopez spielen zudem ihr bestes Tennis auf Rasen (Aufschlag und Slice sei Dank), Young ist ebenfalls eher ein reiner Hardcourtler. Es gibt allerdings auch Rechtshänder gemäß der ATP Statistikseite, die massive Probleme gegen Linkshänder haben und scheinbar überhaupt nicht mit deren Spielweise zurechtkommen. Vasek Pospisil, Alexander Zverev und Ernests Gulbis sind drei prominente Beispiele mit extrem schlechten Bilanzen gegen Linkshänder. Bei den Topleuten sind vor allem Tomas Berdych und auch Roger Federer mit signifikant schlechteren Bilanzen gegen Linkshänder unterwegs. Beide haben vor allem gegen Rafael Nadal teilweise erschreckende Statistiken, was natürlich auch einen Großteil ausmacht. Neben Federer und Berdych sind es – statistisch gesehen – vor allem Isner und Gasquet, die sich sehr schwer mit Linkshänder tun.

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Fazit – Haben Linkshänder im Tennis einen Vorteil gegenüber Rechtshändern?

Wissenschaftliche Studien und Forschungen haben sich mit der Händigkeit im Sport bereits befasst. Im Boxen hat der Linksausleger Vorteile, im Tennis und Tischtennis der Linkshänder. In Sportarten wie Schwimmen gibt es keine signifikante Unterschiede. Was können wir daraus ableiten? Wir sind der Meinung, dass die Vorteile im Tennis und Boxen vor allem daher rühren, dass es bei diesen Sportarten auch auf die Reaktionszeit ankommt. Da im Tennis beispielsweise die Schläge und Schlagrichtungen bei Linkshänder schwieriger vorhersehbar sind, hat dies gewiss Nachteile bei der kurzen Reaktionszeit des Gegners. Dieser Nachteil wird aus unserer Sicht noch verstärkte je schneller Platz ist, da damit eine Verkürzung der Reaktionszeit einhergeht. Die ATP Statistiken und einige Beispielmatches zeigen auch auf, dass es Spieler gibt, die besonders gut und Spieler die überhaupt nicht gut mit Linkshänder zurechtkommen. Für das Wetten kann eine solche Statistik sehr wertvoll sein, da dieser Faktor unserer Meinung nach wenig Einfluss auf die Wettquoten hat.

Durchgehend auf Linkshänder zu spielen, nur weil sie Linkshänder, sind halten wir für weniger klug, aber mit dem Einbeziehen anderer Faktoren wie Belagvorteil, direkter Vergleich, aber auch die Form und der Trainingsstand, kann der Vorteil eines Linkshänder durchaus nachgewiesen werden. Außenseiter Wetten halten wir im Hinblick darauf für besonders interessant. Und da wir von der Wettbasis gerne unsere Thesen mit Daten und Fakten untermauern geben wir ihnen noch folgenden Tatbestand mit auf dem Weg: von Jahresbeginn 2016 bis zum 15. Mai 2016 gewann Novak Djokovic – damals in einer unmenschlichen Form – 37 von 39 Matches, darunter die Turniere in Doha, Indian Wells, Miami und Madrid! Die beiden Niederlagen waren in Monte Carlo zum Auftakt gegen Jiri Vesely mit 4-6, 6-2, 4-6 und in Dubai im Viertelfinale mit 3-6 und Aufgabe gegen Feliciano Lopez. Sowohl Lopez wie auch Vesely sind – richtig geraten – Linkshänder! Auf den Tschechen gab es bei Bet365 damals eine 23.00er Quote, auf den Spanier eine 17.00er Quote. Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen.

Eine Übersicht über alle Empfehlungen, Tipps & Strategien für Tennis Wetten finden Sie in unserem Artikel: Empfehlungen, Tipps & Strategien für Tennis Wetten