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Emerson Fittipaldi im Interview: „Verstappen wird Hamilton vor eine große Herausforderung stellen“

Brasiliens zweifacher F1-Weltmeister im Exklusiv-Interview

Steffen Peters  18. April 2021
Emerson Fittipaldi im Wettbasis Interview
Hat gut lachen: Formel 1 Legende Emerson Fittipaldi. (© imago images / Motorsport Images)

Wenn Emerson Fittipaldi spricht, hört man nicht nur in Brasilien zu. Der zweifache Formel 1 Weltmeister (1972 & 1974) hält sich aktuell in Dänemark auf, wo sein Sohn Emmo Jr. in der Formel 4 antritt.

Im großen Interview mit Wettbasis nahm sich Fittipaldi die Zeit, um über aktuelle Entwicklungen in der Formel 1 zu sprechen wie auch Erinnerungen an seine eigene ruhmreiche Karriere aufleben zu lassen.

Dabei geht es neben dem verkorksten Saisonstart von Sebastian Vettel auch um Duell das Hamilton gegen Verstappen um den WM-Titel, sowie Lieblingsstrecken, Sicherheit und eine etwaige Formel 1-Karriere seines Sohnes.

 

Aktuelle Formel 1 News & Tipps

 
Wettbasis: Sebastian Vettel befindet sich nach vier WM-Titeln in einer schwierigen Phase seiner Formel 1 Karriere. Kann er 2021 noch einmal oben angreifen?

Emerson Fittipaldi: Ich denke, dass er das Talent, die Erfahrung und die Motivation hat, sofern die Ausrüstung stimmt. Er hat nicht bei Aston Martin unterschrieben, nur um einen neuen Vertrag zu haben.

Vielmehr möchte er mit ihnen wettbewerbsfähig sein. Er selbst ist sehr wettbewerbsfähig, solange seine Ausrüstung es ihm ermöglicht.

 
Wettbasis: Wie wird Mercedes mit den auslaufenden Verträgen, etwa von Lewis Hamilton, umgehen?

Emerson Fittipaldi: Es könnte interessant sein, wenn Lewis Hamilton zu einem anderen Team wechselt. Es wäre eine große Herausforderung, aber er ist extrem talentiert. Aber was er selbst denkt, wissen wir nicht.

Falls er dieses Jahr gewinnt, will er dann überhaupt weiterfahren? Wir wissen es nicht.

 

Prognose & Chancen-Check

Wird Lewis Hamilton Weltmeister 2021?

 
Wettbasis: Zum Auftakt 2021 hätte Max Verstappen fast noch Lewis Hamilton überholt. Kann er den achten WM-Titel des Briten gefährden?

Emerson Fittipaldi: Ich erwarte auf jeden Fall ein spannendes Jahr. Max wird sehr konkurrenzfähig sein und Lewis vor eine große Herausforderung stellen. Für ihn wird es nicht einfach. Verstappen wird definitiv vorne dabei sein und vielleicht auch Ferrari.

Sehr interessant war auch, dass die Autos mit den neuen Aerodynamik-Paketen viel näher aneinander dran waren. Vor einem Jahr konnten die Autos aufgrund des starken Sturzes nicht hintereinander herfahren. Das hat sich geändert und mir gefällt es. Überholen wird so deutlich einfacher und der Motorsport attraktiver beim Zusehen. Nächstes Jahr wird es noch besser!


„Verstappen wird Hamilton vor eine große Herausforderung stellen.“


 
Wettbasis: Was hat sich im Vergleich zu Ihrer aktiven Zeit in der Formel 1 geändert?

Emerson Fittipaldi: Zu meiner Zeit konnten fünf Teams jedes Rennen gewinnen. Heutzutage hat Verstappen eine Chance – Red Bull wirkt sehr stark – und ich hoffe, dass es Ferrari ebenfalls gelingt. Aber dann gibt es eine Lücke, die zu groß und unfair für die junge Generation an Fahrern ist, die sich im Sport durchsetzen möchten.

Wettbasis: Wie kann dieses Problem der Formel 1 gelöst werden?

Emerson Fittipaldi: Eine meiner Hoffnungen für die Zukunft der Formel 1 ist der Budget-Cap, der eingeführt wurde. Dieser wird den Wettbewerb stärker machen, weil es aktuell wirklich schwierig ist, dein Talent zu zeigen, wenn du nicht in einem der Top-Teams fährst. Mit einem ausgeglichenen Wettbewerb können die jungen Fahrer ihr Talent eher unter Beweis stellen.

 
Wettbasis: Welche Rennstrecke aus dem heutigen Kalender gefällt Ihnen besonders gut?

Emerson Fittipaldi: Die interessantesten Strecken sind für mich jene, die mit Höhenunterschieden arbeiten und deshalb schwieriger zu fahren sind. Bahrain ist diese Art Rennstrecke, wo wir aufgrund der Höhen und Tiefen mehr Überholmanöver und technische Schwierigkeiten sehen. Die Fahrer benötigen auf genau solchen Strecken auch die meisten Fähigkeiten. Falls du einen Fehler machst, nutzen die anderen Piloten den sofort aus.


„Auf dem Nürburgring fährst du keine Runde, sondern gehst auf eine ganze Reise.“


 
Wettbasis: Und aus historischer Sicht?

Emerson Fittipaldi: Von den älteren Rennstrecken ist mein Favorit der Nürburgring. Dort fährst du keine Runde, sondern gehst auf eine ganze Reise. 21 Kilometer durch die Berge und dich alleine an alle Kurven zu erinnern, ist kompliziert. Die zweite Strecke ist Interlagos in Brasilien. Hier habe ich das Rennfahren gelernt. Sie war einst acht Kilometer lang mit vielen Aufs und Abs, was mir als Fahrer geholfen hat. Heute haben sie die Strecke auf 4,5 Kilometer gekürzt.

 
Wettbasis: Was sind die größten Unterschiede in der Formel 1 seit den 1970-ern?

Emerson Fittipaldi: Der größte Unterschied ist die Sicherheit. Es ist jetzt viel sicherer als früher. Die Elektronik, die Telemetrie und der Motor helfen dem Fahrer dabei, sein Auto besser zu entwickeln und deshalb auch zu fahren. Heute ist es einfacher, Informationen aus dem Auto herauszukitzeln als bei uns. Aber es ist schwieriger als damals, das Limit zu erreichen und in den letzten fünf Metern zu bremsen.

Wettbasis: Hat sich das Gefühl im Auto selbst verändert?

Emerson Fittipaldi: Für mich ist Motorsport eine Frage von Adrenalin und Geschwindigkeit. Alleine auf einer Rennstrecke schnell zu fahren, ist für mich sehr aufregend und gibt mir einen Adrenalinschub. Aber das eigentliche Rennen ist anders. Hier geht es darum, die Limits des Autos und von dir selbst als Fahrer zu finden. Diese Dinge sind nach wie vor exakt gleich.

 

Steckbrief: Das ist Emerson Fittipaldi Brazil

  • 1946 in São Paulo geboren
  • Formel 1 Debüt 1970 als erster brasilianischer Fahrer
  • F1 Weltmeister 1972 und 1974
  • Jüngster Weltmeister bis ins Jahr 2005 (Fernando Alonso)
  • Fuhr für Lotus (70-73), McLaren (94-95) und Copersucar/Fittipaldi (76-80)
  • 144 Starts, 14 Siege, 6 Pole Positions, 6 Schnellste Runden

 

Wettbasis: Sie waren der erste brasilianische Formel 1 Fahrer und Weltmeister. Warum wartet das traditionsreiche Motorsportland seit Ayrton Senna 1991 auf einen Weltmeister?

Emerson Fittipaldi: Nach mir, meinem Bruder, Carlos Pace, Nelson Piquet und Ayrton Senna hieß es in der brasilianischen Öffentlichkeit: „Formel 1 ist so einfach! Wir haben drei Weltmeister!“. Das war ein Problem, denn es ist sehr schwierig, eine Weltmeisterschaft zu gewinnen.

Wenn ich mir jetzt die neue Generation ansehe, kommen viele junge brasilianische Fahrer aus dem Kartsport, wie Emmo [Fittipaldis Sohn, d. Red.]. Es gibt eine neue Generation und ich hoffe, dass sie eines Tages die Möglichkeit haben werden, Weltmeister zu sein. Aber es ist ein weiter Weg, der sehr schwer ist. Doch Brasilien liebt den Motorsport – erst Fußball, dann Motorsport.


„In Brasilien müssen sie den jüngeren Fahrern helfen. Sie bekommen keine Chance, ihr Talent zu zeigen.“


 

Wettbasis: Trotz vorheriger Erfolge: Könnte Brasilien bei größeren Investitionen in den Motorsport nicht noch viel erfolgreicher sein?

Emerson Fittipaldi: Auf jeden Fall. Ich denke, dass die Wurzeln des Motorsports in Brasilien viele Jahre lang nicht unterstützt wurden. Wir haben keine Formel 4 in Brasilien, obwohl wir das eigentlich sollten. Sie denken über eine Einführung im kommenden Jahr nach. Sie müssen Fahrern in diesem Alter oder noch jünger helfen. Deshalb haben wir die Talente nicht – weil sie keine Chancen bekommen.

 
Wettbasis: Sind Sie deshalb mit Ihrem Sohn nach Dänemark gekommen?

Emerson Fittipaldi: Ich wünsche mir für Emmo, dass er hier in Europa besser werden kann. In Skandinavien gibt es viel zu lernen. Dieses Jahr wird deshalb eine lehrreiche Saison für ihn. Es ist eine fantastische Möglichkeit für uns, doch wir brauchen mehr davon in Brasilien. Sie müssen die jüngere Generation unterstützen, weil Brasilien verrückt nach Motorsport ist.

Wettbasis: Hätten Sie die jüngere Generation genauso unterstützt, wenn die Formel 1 nicht so sicher wäre?

Emerson Fittipaldi: Ich hätte sie unterstützt, falls sie den Weg gehen möchten, aber nicht unbedingt dazu ermutigt. Es kann nach wie vor alles geschehen, aber es ist viel sicherer als zu meiner Zeit. Die Kinder sind geschützt, noch viel mehr als beim Go-Kart.

 

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