Welche Auswirkungen hat der Heimvorteil auf Deinen Wetterfolg?

Wie stark wirkt sich der Heimvorteil im Sport aus?

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Stadion Warschau (Polen)
Stadion Warschau (Polen) © GEPA pict

Beim Wetten gilt es natürlich viele Faktoren zu beachten um erfolgreich zu sein. Jede gründliche Analyse basiert auf der Auswertung von Daten. Aber auch Insider-Informationen sind Gold wert und entscheiden im Zweifelsfall, ob eine Wette riskiert werden sollte oder nicht. Die Wettbasis versucht alle Facetten eines Sportereignisses abzubilden um den Zufall zu kontrollieren und die wahrscheinlichsten Prognosen zu tätigen.

In diesem Artikel widmen wir uns dem Thema „Heimvorteil“. Es ist mehr als offensichtlich, dass das Spielen vor heimischer Kulisse für die Athleten eine besondere Situation darstellt. Die Motivation vor den eigenen Fans zu siegen ist höher, zumal eine Art „Revierverteidigung“ unterbewusst ebenfalls eine Rolle spielen kann. In den folgenden Abschnitten widmen wir uns dem Heimvorteil und den verschiedenen Argumenten, warum Heimmannschaften signifikant öfter erfolgreich sind. Aber auch die negativen Auswirkungen wie Druck und Erwartungen wollen wir nicht außer Acht lassen.
 

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Die psychologische Komponenten des Heimvorteils

Wer sich ein wenig mit Zahlen, Daten und Fakten vertraut macht, der kommt beim Fußball schnell dahinter, dass fast alle Vereine zu Hause deutlich besser abschneiden als auswärts. Zu Hause schießen die Teams mehr Tore und erzielen dadurch mehr Punkte. Favoriten scheinen vor heimischer Kulisse nahezu unbezwingbar zu sein und selbst Außenseiter schaffen vor den eigenen Fans überraschende Ergebnisse. Die erste Komponente des Heimvorteils ist sicherlich die Unterstützung durch die Fans. In den Stadien befinden sich mehrheitlich Fans der Heimmannschaft. Dies schafft zum einen Motivation für das Heimteam, zum anderen auch Druck für den Gastverein. Vor allem Vereine, die auf eine unvergleichliche Fan-Atmosphäre bauen, gelten als besonders heimstark. Britische Studien zeigten einen Zusammenhang zwischen Heimspielen und einer erhöhte Konzentration von Testosteron, was wiederum Analogien aus der Evolutionspsychologie liefert, denn auch im Tierreich ist es so, dass die Verteidigung eines „Reviers“ einhergeht mit gesteigerter Aggressivität und Angriffslustigkeit. Droht der eigenen Heimat eine Gefahr, dann kann das Hormon den „Verteidigern“ einen Extraschub geben.

Vertrautheit und bessere Anpassungsfähigkeit

Bei Nationalmannschaften ist der Heimvorteil ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Die besten Beispiele bieten die südamerikanischen Mannschaften Ecuador und Bolivien, die zu Hause nicht nur auf ihre eigenen Fans bauen können, sondern auch auf die besonderen klimatischen Bedingungen. Der Vorteil dieser Teams besteht darin, dass die Spieler die extremen Höhenlagen der Anden gewohnt sind. Damit einher geht eine besondere klimatische Bedingung. Da andere Spieler die Höhenluft nicht gewohnt sind, stellt sich Müdigkeit und Niedergeschlagenheit bereits nach etwa 60 Minuten Spielzeit ein, während die Heimteams in der Schlussphase (und auch davor) große Vorteile haben. Das Klima kann also auch eine ungewollte Rolle spielen, ebenfalls wie die Anreisebedingungen und die Vorbereitung auf das Match! Ein weiterer Grund für den Heimvorteil ist, dass die Heimmannschaft in der Regel eine bessere Vorbereitungsphase auf das Spiel haben. Während Auswärtsteams oft nur einige Tage vor dem Match anreisen und oft sogar nur ein Abschlusstraining vor Ort haben, können die Heimmannschaften in vertrautem Umfeld das Match optimal vorbereiten, zumal keine Reisestrapazen anfallen, was ebenfalls gut für die körperliche Regeneration ist. Die Vertrautheit mit Umfeld und Stadion schafft eine Situation der Stabilität, die sich ebenfalls leistungsfördernd auswirkt.

Heimvorteil dank Schiedsrichterbegünstigung?

Neben der Unterstützung durch die eigenen Fans, klimatische Bedingungen und die kürzere Anreise zum Stadion gibt es sicher weitere Parameter, die den Heimvorteil beeinflussen. Das Buch Scorecasting von Moskowitz und Wertheim befasst sich mit Fußballdaten. Dabei haben die Forscher viele Mythen und Theorien des Fußballs untersucht. Im Hinblick auf den Heimvorteil sei gesagt, dass tatsächlich ein nicht zu unterschätzender Einfluss des Schiedsrichter gegeben ist. Was viele geahnt haben ist also auf Basis von Daten gesichert: Heimmannschaften werden etwas stärker vom Schiedsrichter bevorzugt. Natürlich findet keine Manipulation eines Matches statt, schließlich sind die Schiedsrichter unparteiisch. Allerdings unterliegen auch die Unparteiischen unterbewussten Entscheidungensprozessen. Schiedsrichter pfeifen nicht so gerne gegen eine Heimmannschaft einen Elfmeter, dafür aber wesentlich öfters für das Heimteam. Auch werden Karten bei einem harten Einsteigen eher den Auswärtsteams gegeben und weniger den Spielern der Heimmannschaft, da sich Schiedsrichter zumindest innerlich nicht dem Unmut der dominierenden Zuschauermasse hingeben wollen. Dieser Zusammenhang ist gemäß der Analysen umso stärker, je jünger die leitenden Schiedsrichter in der Partie sind.

Statistiken zum Heimvorteil

Die qualitativen Vorteile sind bereits geschildert, nun geht es ans Eingemachte und damit an die Statistik und da gibt es einige Überraschungen, wenn auch jetzt schon gesagt sei, dass auch die Nationalmannschaften vor heimischer Kulisse teils immense Vorteile haben, vor allem in der Qualifikation. Bei großen Turnieren aber gibt es auch einige Situationen, die aus einem Heimvorteil auch einen immensen Druck erzeugen. England wurde 1966 vor heimischer Kulisse Weltmeister. Selbiges gilt für Deutschland (1974), Argentinien (1978) und Frankreich (1998). Auch Uruguay (1930) und Italien (1934) schafften dieses Kunststück. Dennoch wurden damit lediglich 6 von 20 Weltmeisterschaften und damit nur 30 % von der Heimmannschaft gewonnen. Denn obwohl der Heimvorteil bei den Turnieren überflügeln kann, kann dieser auch einen immensen Erwartungsdruck sorgen. Dies musste Brasilien schmerzlich bei der WM 2014 erfahren, als die Mannschaft im Halbfinale erst Deutschland mit 1-7 unterlag und anschließend im Spiel um Platz 3 gegen die Niederlande mit 1-3 versagten. Auch Deutschland unterlag bei der Heim WM 2006 erst im Halbfinale den Italienern in der Verlängerung, während Italien selbst 1990 bei der Heim-WM im Elfmeterschießen im Halbfinale den Kürzeren zog. Der Druck kann Fluch und Segen zugleich sein und die Motivation ist vor allem bei solchen Turnieren oft eine Art Ballast je weiter das Turnier fortgeschritten ist. Ein ähnliches Schicksal haben auch Vereinsmannschaften bereits erlitten. Als Beispiel nehmen wir die UEFA Champions League beziehungsweise den Pokal der Landesmeister. Zwar gewannen Real Madrid (1957) und Inter Mailand (1965) ihre Heimspiele im Endspiel, doch verloren mit dem AS Rom (1984) und dem FC Bayern München (2012) auch zwei Mannschaften ihr „Finale Dahoam“, sodass sich auch hier kein statistischer Vorteil herausarbeiten lässt.
Der Vollständigkeit wegen wollen wir noch die Fußball EM in die Statistik mit hineinnehmen. Bisher wurden 15 Endrunden ausgespielt. Nur dreimal gewann die Gastgebermannschaft und zwar Spanien (1964), Italien (1968) und Frankreich (1984). Das sind auch nur 20 %, sodass der Heimvorteil im Rahmen einer EM sogar noch niedriger ist als bei einer WM. Vor allem die Tatsache, dass der letzte EM-Sieg eines Gastgebers mehr als 30 Jahre zurückliegt, überrascht ein wenig. Auch bei Europameisterschaften finden sich einige Beispiele, bei denen die Heimmannschaft am Druck und an den Erwartungen zerbrochen ist. Frankreich (1960), Belgien (1972), Jugoslawien (1976), Italien (1980), Deutschland (1988), Schweden (1992), England (1996) und die Niederlande (2000) scheiterten jeweils im Halbfinale und damit in einem immens wichtigen Spiel. Noch schlimmer erwischten es Portugal (2004) und Frankreich (2016), die jeweils als klare Favoriten gegen Griechenland respektive gegen Portugal im Endspiel an den Start gingen und jeweils blass blieben. Portugal scheiterte mit 0-1 gegen die Griechen trotz drückender Überlegenheit, Frankreich scheiterte sogar erst in der Verlängerung.

Dennoch ist der Heimvorteil zumindest außerhalb von KO-Spielen unbestritten, auch wenn zumindest laut Statistik der Heimvorteil rückläufig ist. In der Bundesliga lag der Anteil der Heimsiege in den 80er Jahren noch bei 55 %, mittlerweile ist er etwas unter die 50 % Marke gerutscht. Dennoch ist der Heimsieg immer noch das häufigste Ereignis. Ein Erklärungsansatz ist, dass die Leistungsdichte enger geworden ist und damit verbunden, dass es häufiger Punkteteilungen gibt. Im Umkehrschluss aber muss auch ganz klar gesagt werden, dass der Anteil an Auswärtssiegen in allen europäischen Topligen nie mehr als 35 % beträgt und damit die Heimmannschaft einen signifikanten Vorteil genießt. Das zeigt auch die Statistik der häufigsten Ergebnisse der Fußball Bundesliga in Deutschland. Das mit Abstand häufigste Ergebnis ist zwar das 1-1, dahinter aber folgen mit den Ergebnissen 2-1, 1-0 und 2-0 drei Heimsiege. Taktische und leistungstechnische Argumente sprechen dafür, dass die Matches enger werden und im Zeitverlauf der Heimvorteil rückläufig zu sein scheint, dennoch gibt es weiterhin in jeder Liga eindeutig mehr Heim- als Auswärtssiege.
 

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Fazit – Welche Auswirkungen hat der Heimvorteil auf Deinen Wetterfolg?

Der Heimvorteil existiert! Allerdings kann ein Heimspiel sowohl Druck wie auch Motivation erzeugen. In KO-Spielen wie bei der EM und WM scheiterten auffällig viele Gastgeber im Halbfinale – oft wenn es brenzlige Situationen wie Verlängerungen und Elfmeterschießen gab. Ein ähnliches Schicksal erlitt der AS Rom 1984 und der FC Bayern München 2012 im Champions League Finale, die jeweils im Elfmeterschießen scheiterten. Im Liga-Alltag allerdings – und damit mit Blick auf die Saison – ist der Heimvorteil natürlich statistisch belegt und vor allem die Topteams gewinnen einen Großteil ihrer Heimspiele – bleiben anschließend auch über Wochen und Monate hinweg vor heimischer Kulisse ungeschlagen.

Was bedeuten diese Erkenntnisse für das Wetten? Die Buchmacher wissen natürlich um den Heimvorteil und den zugrunde liegenden Statistiken. Allerdings werden Wettquoten auch von den Akteuren auf dem Wettmarkt bewegt. Da der Heimvorteil sehr einfach zu fassen und damit weit verbreitet ist, wird natürlich auch überproportional häufig auf Heimsiege gewettet. Das bedeutet, dass der Markt in seiner Effizienz wohl am ehesten Heimmannschaften überbewertet, wenn auch nur leicht. Der Heimvorteil ist eine wichtige Komponente, die man bei den eigenen Wettanalysen nicht außer Acht lassen sollte. Die Zuschauerunterstützung, eine Motivationskomponente und andere Faktoren sorgen dafür, dass Heimteams in der Regel besser abschneiden. Blind auf Heimmannschaften zu wetten ergibt deswegen keinen Sinn. Ihn aber als Variable für das eigene Wettmodell mit aufzunehmen und damit auch Marktbewegungen zu verstehen, kann wertvoll für die eigenen Wettresultate sein.

 
Eine Übersicht über alle Sportwetten Empfehlungen, Wetttipps und Strategien finden Sie in unserem Artikel: Wettempfehlungen, Tipps & Strategien in der Übersicht