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Paul Parker über Ralf Rangnick: „Von Anfang an die falsche Entscheidung“

Karl-Heinz Fischer  6. Juni 2022
Paul Parker
Paul Parker (rechts) kritisiert Ralf Rangnicks Bestellung bei Manchester United. (© IMAGO / Shutterstock)

Unumstritten war er schon lange nicht mehr. Die Rede ist vom ehemaligen „Red Devils“- und jetzigen Nationaltrainer Österreichs, Ralf Rangnick. Zwar hat er das Minimalziel Europa League erreicht, aber in der Rückrundentabelle erreichte das Team unter dem ehemaligen RB-Macher nur 24 Punkte und damit Platz 12.

Mit der Anstellung in Österreich endet nun auch das Engagement als Berater von Manchester United. Vielleicht auch, weil er in seiner Zeit als Trainer weder die Punkteausbeute erhöhte, noch das Spiel attraktiver gestalten konnte.

Das Problem war aber nicht der Trainer, sondern auch die Mannschaft, die Individualisten und der fehlende Zusammenhalt. So sieht es zumindest Paul Parker im Gespräch mit Wettbasis, der einer der stärksten Rechtsverteidiger seiner Zeit war. Außerdem hofft er auf einen Zweikampf zwischen Daniel Bachmann und David de Gea um die Nummer 1.

Paul Parker über Ralf Rangnick: „Aus fußballerischer Sicht war es schlecht“

Ralf Rangnick wird also nicht weiter als Berater bei Man United tätig sein. Was sagen Sie zu seiner kurzen, aber ereignisreichen Amtszeit?

Paul Parker: „Aus fußballerischer Sicht war es schlecht. Ich muss sagen, dass United als Fußballmannschaft keinen Schritt nach vorne gemacht hat während seiner Amtszeit. Es gab nichts anderes. Anfangs versuchte jeder einen Unterschied zu sehen, zu seinen Vorstellungen, was moderne Leute Pressing nennen. Ich nenne es immer noch ‚closing down‘ (dt. zustellen), weil Rangnick das Spiel seit dem ersten Tag kennt.

Jeder war daran interessiert zu sehen, wie sich United ändern würde, aber ich muss sagen, dass es sich nicht geändert hat. Gleiches Personal, andere Manager, die immer noch die gleichen Dinge tun. Das einzige was dabei herauskam, war, dass er kam und sagte, dass ein paar Dinge gesagt werden müssten.

Einige Sachen hätten nicht gesagt werden müssen. Aber die Leute meinen, dass Mourinho den Leuten die ganze Zeit über Dinge erzählt hat. Über Spieler und die Art und Weise, wie er herauskam und Dinge gesagt hat, aber er hat es falsch gesagt. Er sagte, es sei alles auf ihn ausgerichtet.

Dieser Mann (Ralf Rangnick, Anm.) sprach die Probleme innerhalb des Fußballvereins an. Er sprach also eher als Analyst eines Fußballvereins, denn als dessen Trainer und über sich selbst. Ich denke, das war der Unterschied in der Art, wie er es sagte und ich glaube nicht, dass die sportliche Führung das erwartet hatte. Aber sie hätten es besser wissen müssen, weil sie jemanden angestellt haben, der ein Troubleshooter (jemand der Fehler sucht und behebt, Anm.) ist. Das ist, was er ist und das hat er auch getan.

Er ist jemand, der nicht in einer Spitzenposition sitzt im eigentlichen Sinne. Er sitzt an der Peripherie einer Fußballmannschaft und er sieht zu und hört zu. Und dann sah er Dinge, er sah Körpersprache, er sah Cliquen, er sah und hörte Feindseligkeit. Also hat er Probleme gelöst und er hat es angesprochen und ich denke, er hat dem Verein da ein bisschen Gutes getan. Denn jetzt haben die Fans das Gefühl, dass das, was sie gesehen haben, wirklich auf bestimmte Personen zutrifft.

Dadurch sahen sie, warum das Team als Gruppe insgesamt schwach war. Weil die Einzelpersonen nicht miteinander auskamen. Der neue Manager (Erik ten Hag, Anm.) der hereinkommt, wenn er nicht bereits darüber gelesen, oder es vielleicht noch nicht von Leuten innerhalb gehört hat, dann hätte er es sicherlich von dem scheidenden Interims-Berater-Trainer gehört.

Also wird der neue Coach da reingehen, mit einem neuen Satz Karten und es wird darum gehen, wie er am Ende damit umgeht. Wie er mit diesem Rudel umgeht. Wenn er reingeht und wirklich, wirklich stark ist und es auch alle wissen lässt, sie führt, kann es nur besser werden und es kann besser für Manchester United sein. Denn seit 2013 hatten sie einfach niemanden mehr, der tatsächlich reingekommen ist dort und diesen Fußballverein leitete und anführte.“

Ralf Rangnick
(© IMAGO / Sven Simon)

Glauben Sie, dass Manchester United es verpasst hat ihn nicht als technischen Direktor im Club einzusetzen? Er hat sich einen Ruf als einer der besten technischen Direktoren des Spiels erarbeitet.

„Ich denke einfach, dass United von Anfang an die falsche Entscheidung getroffen hat. Es war die falsche Entscheidung. Daran führt kein Weg vorbei.

Aber wie ich bereits sagte, hat er den Club irgendwie geöffnet. Wissen Sie, er kommt plötzlich dorthin und hat die Tore zum Verein für all jene Leute geöffnet, die draußen waren und versuchten, hineinzusehen.

Hätte er als technischer Direktor bleiben können? Ich glaube nicht. Nochmal, ich verwende das Wort ‚Hierarchie‘. Ich glaube, sie hatten Angst vor ihm. Vielleicht sind sie nicht hingegangen und haben mit ihm darüber gesprochen. Ihm vielleicht die Frage nicht gestellt, aus welchem Grund er Dinge gesagt haben könnte, weil sie vielleicht Angst vor den Antworten hatten. Aber auf jeden Fall denke ich, dass sie Angst vor ihm in dieser Position gehabt hätten.

Aber der Punkt ist, glaube ich, er wäre wahrscheinlich nicht diese Art Person gewesen. Wenn er bleiben hätte wollen und es hätte etwas zu sagen gegeben, hätte er mit dem Trainer darüber gesprochen, denn das ist sein Job. Wissen Sie, so ist er. Er arbeitet vielleicht mit dem Trainer und den Leuten oben, aber dann hätte er mit dem Trainer über die Probleme mit den Spielern gesprochen.

Wenn der Trainer von den Spielern nicht das bekam, was er wollte, dann sprach dieser mit seinem direkten Vorgesetzten, beispielsweise dem technischen Direktor. Woraufhin dieser dann mit den Vorständen über die Situation sprach. Das sollte nicht zustande kommen. Und er musste über alles sprechen, was er ihnen zu sagen hatte. Das war vielleicht der Grund, warum sie nicht wirklich kämpften, um ihn zu halten.

Das ist er also wieder, mein Blick von außen, der ins Innere schaut. Es ist nur meine Meinung. Aber ich erlebe es manchmal, dass solche Leute nicht wirklich jemanden wollen, der für beide Seiten offen ist. Und er war definitiv offen für beide Seiten. Und so sehr man sagen kann, dass der fußballerische Aspekt schlecht war, Manchester United hat sich nie verbessert. In gewisser Weise haben sie vollständig kapituliert, weil bestimmte Spieler nicht mit jemandem umgehen konnten, der offen und ehrlich war.

Aber auf der anderen Seite informierte er sie über das Verhalten bestimmter Individuen und über das Team. Und vielleicht in gewisser Weise über den Verein selbst.“

Man United hat einen Vorstoß bei Daniel Bachmann vom FC Watford gemacht. Was wird von einem Nummer-2-Torhüter erwartet?

„Als Erstes wird er mit dem Torhüter auf Platz eins konkurrieren. Das ist, was du willst. Ich gehe davon aus, dass der neue Trainer ihn bereits kennt. Er muss los und ihn holen.

David de Gea hat die Chance verdient Torhüter Nummer eins zu sein. Es geht nicht darum, wie viele Tore er in der vergangenen Saison kassiert hat, sondern darum, wie viele Tore er verhindert hat. Denn es hätten 87 oder 57 sein können. Wenn es also 67 Tore gewesen wären, die er zugelassen hätte, wäre Manchester United vielleicht Zehnter geworden.

Man sollte also lieber darüber nachdenken, was er gehalten hat. Man sollte aufhören zu denken, dass er nicht gut genug ist, weil er als Torhüter den Leuten nicht aus sechzig Metern den Ball in den Fuß spielen kann. Die erste Rolle als Torhüter besteht darin Paraden zu machen, zu organisieren und zu verhindern, dass der Ball ins Netz geht. Wenn über Alisson und auch über Ederson gesprochen wird, geht es darum wie viele Fehler die beiden machen.

Sehen Sie sich an, wie viele Schüsse Ederson bekommt, und dann schauen Sie darauf, wie viele Tore er kassiert. Dasselbe gilt für Liverpool. Wie oft hat Alisson Probleme verursacht, weil er zu ungestüm war? Weil er lieber ein Fußballer, als ein Torhüter wäre.

Sie sollten also zufrieden sein mit dem, was Sie in diesem Moment zur Verfügung haben, bis es so weit ist, dass der Torhüter nur noch mit durchgeschleppt wird. Dann können sie hervortreten und sagen, dass sie ein anständiges Team haben.

David de Gea hatte nicht den Luxus eine gute Viererkette vor sich zu haben. Er hatte eine unhandliche Viererkette, mit wenig Stabilität vor sich. Individuell schlechte Verteidiger. Vielleicht der beste Verteidiger von allen ist jemand, den ich stark kritisiert habe: Wan-Bissaka.

Aber wenn Sie sich die Stammspieler ansehen, war Lindelöf der beste Verteidiger dieser Saison von allen. Also ja, er hatte nicht die besten Instrumente vor sich. So einfach ist das. Gebt ihm die Viererkette, gebt ihm das beste Mittelfeld vor sich. Im Moment steht ein unterklassiges Mittelfeld vor ihm.

Im Offensivbereich müssen wir sagen, dass ein Spieler, der den Unterschied gemacht hat und die Tore macht, die er erzielt hat, das ist Ronaldo. So ist es. United war rundherum schwach. Aber alles, was die Leute tun wollen, ist es, dem Torhüter die Schuld zu geben.

Zu sagen, dass er nicht den Unterschied gemacht hat, er wäre das Problem. Hätte man wirklich einen anderen Torhüter eingesetzt, dann hätte das aufgrund der Leute vor ihm keinen Unterschied gemacht. Sie hätten Alisson aufstellen können, oder Ederson aufstellen können und Sie hätten überhaupt keinen Unterschied gesehen. United hätte sogar mehr Gegentore kassiert. So einfach ist das.“

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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 36 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen