Tom´s Montag: Die BVB-Leistung war eine Frechheit

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Auf diese Duelle freut sich doch seit Jahren jeder Bundesliga-Fan: Wenn die Bayern auf Borussia Dortmund treffen, wackelt eigentlich immer die Bude. Beste Unterhaltung ist garantiert, hohe Spielkultur, Kampf, individuelle Klasse, tolle Tore und zumeist spannende Spiele sind zu sehen. Bayern München gegen BVB ist eines der Aushängeschilder der Bundesliga, denn zumindest beim Gegner aus Dortmund konnte man sich gewiss sein, dass er versuchen würde, den übermächtig scheinenden Bayern die Lederhosen auszuziehen.

Am Samstag also trafen die Giganten der Liga mal wieder aufeinander und es wurde deutlicher denn je, dass sich Borussia Dortmund aus der Rolle des Bayern-Verfolgers erst einmal verabschiedet hat. Was die Bayern vor allem in der ersten Halbzeit mit dem „Gegner“ angestellt haben, glich einer Machtdemonstration. Da spielte ein Team mit allem, was den Fußball so wunderschön macht, gegen eine Mannschaft, der all diese Tugenden fehlten. Dortmund schaute verblüfft zu und ließ die Bayern gewähren. Und das geht meiner Meinung nach bei der individuellen Klasse des schwarz-gelben Kaders überhaupt nicht.

Du kannst in München auch als Borussia Dortmund verlieren, keine Frage. Es kann gegen einen FC Bayern in dieser Gala-Verfassung auch durchaus mal eine Klatsche geben und man kann mal mit einem 0:3 oder 0:4 nach Hause fahren. Alles okay. ABER: 0:5 zur Pause und ein halbes Dutzend am Ende mit dem deutlich sichtbaren Stempel, dass die Bayern auch zweistellig hätten gewinnen können, wenn sie in der 2. Halbzeit noch gewollt hätten, ist mit dem Anspruch von Borussia Dortmund nicht zu akzeptieren.

Die BVB-Mannschaft auf dem Platz hat gnadenlos versagt. Ohne Ausnahme. Da stehen Spieler auf dem Platz, die von sich behaupten, sie seien fähig, für Deutschland zur Fußball-Weltmeisterschaft zu fahren. Mit dieser Einstellung und Form bleibt besser zu Hause und schaut Euch die Nummer am Fernseher an. In München musst Du bereit sein, die Herausforderung anzunehmen, Dich zu wehren, zu beißen, zu kratzen, zu fighten und gegen die Bayern im Sinne Deines Vereins und Deiner tollen Fans alles zu geben, um das bestmögliche Ergebnis herauszuholen. Die Herren, die am Samstag das Trikot von Borussia Dortmund über den fabelhaften Platz der Arena in München trugen, gingen damit spazieren, mehr nicht. [pullquote align=“right“ cite=“Peter Stöger“]“Ich denke sogar, dass wir davon profitiert haben, dass die Bayern in der nächsten Woche ein ganz wichtiges Spiel haben. In der 2. Halbzeit haben sie gefühlt ein bisschen rausgenommen und deswegen sind wir mit eineinhalb blauen Augen davongekommen.“[/pullquote] Wenn ich sehe, wieviel Platz zum Beispiel Bayerns Ribery alleine regelmäßig bei der Ballannahme hatte, wundere ich mich schon sehr. Er hätte noch drei Pirouetten drehen können und es wäre immer noch kein Dortmunder in seiner Nähe gewesen. Und da ist es dann durchaus leicht, mit Unterstützung von Alaba auf der Seite den bemitleidenswerten Roman Bürki zur Weißglut zu treiben. Die teilweise anfängerhaften Fehler im Dortmunder Aufbauspiel oder die Art und Weise, wie einfach die komplette Dortmunder Defensive (und nicht nur die rechte Abwehrseite) auszuhebeln war – unfassbar. Sie liefen herum wie eine unerfahrene Truppe aus der Regionalliga, die noch nie irgendetwas von ihren Gegnern gehört hatten und völlig überrascht waren, wie Bayern Fußball spielt, Positionen wechselt, den Ball laufen lässt und gegen eine Defensive Dampf zu machen versteht. Mit dem letzten Satz möchte ich übrigens keineswegs die Jungs aus der Regionalliga beleidigen und möchte deutlich erwähnen, dass wahrscheinlich manch ein Team aus der vierten Liga an dem Tag bei Bayern München seine Haut teurer verkauft hätte.

Noch einmal, Du kannst gegen diese Bayern selbstverständlich verlieren – auch als Borussia Dortmund. Aber nicht so. Das war eine Beleidigung für den Verein, für die große Geschichte des Clubs, für das Standing des BVB in Europa und vor allem auch für die großartigen Fans. Fans, die Woche für Woche für diesen Club leben, die massenhaft Geld ausgeben, um „dabei“ zu sein und ihre Helden zu verfolgen. Fans, die nicht viel haben, aber noch viel mehr auf sich nehmen. Fans, die diesen Verein lieben und sich von ihren Spielern wünschen, dass sie wenigstens so „malochen“, wie sie selbst es in ihren Berufen tun. Und von „Maloche“ ist derzeit bei Borussia Dortmund nichts zu sehen. Keine Einstellung, keine Bereitschaft, keine mannschaftliche Geschlossenheit, keine Mentalität, nichts. [pullquote align=“right“ cite=“Jupp Heynckes“]“Wenn wir 3:0 nach 22 Minuten in Führung liegen, dann ist es natürlich für jede Mannschaft schwer, uns Paroli zu bieten. Besonders in der 1. Halbzeit haben wir eine Gala-Vorstellung gegeben von Spielkunst, von Positionsspiel, von den technischen Fertigkeiten. Und ich muss sagen, dass es richtig ist, in der 2. Halbzeit haben wir natürlich etwas Rhythmus weggenommen, weil wir Dienstag schon wieder ein ganz wichtiges Spiel haben, aber auch weil wir unbedingt auch zu Null spielen wollten.“[/pullquote] 0:6 bei Bayern München, eine Demütigung für den BVB, eine Klatsche und ein klares Zeichen, wo diese Borussia offensichtlich im Moment steht. Schalke und RB Leipzig haben Schwarz-Gelb den Rang abgelaufen, haben sie überholt, sind an ihnen vorbeigezogen. Und das ist sowas von verdient, wenn ich sehe, wie die Dortmunder Fußball-Millionäre manchmal ihre Trikots spazierentragen und Fußball zu arbeiten versuchen.

Noch ein Wort zu Peter Stöger, den ich bisher ganz bewusst noch nicht erwähnt hatte. Stöger kam kurz vor Ende der Hinrunde mit dem Stempel „bis Saisonende“. Er kam aber auch mit der zweifelhaften Empfehlung auf der Stirn, dass er gerade beim damals sieglosen und abgeschlagenen Tabellenletzten 1.FC Köln seine Papiere bekommen hatte. In der ersten Zeit lief es ja nicht so schlecht mit ihm und den BVB-Profis, denn vielleicht waren sie ganz froh, dass da einer kam, der etwas Ruhe in den Laden zu bringen versuchte. Aber vielleicht hat sich diese Spieler-Sympathie zu ihrem Trainer in letzter Zeit ein wenig erledigt, denn die Spieler wissen ohnehin, dass der Coach spätestens zum Saisonende weg ist und er ja schon am Kölner Dom die Fahnen auf Halbmast gebracht hatte. Ich fürchte, Peter Stöger hat das Pech, dass manchen Dortmunder Trikotträgern schnurz ist, was der Mann mit dem österreichischen Akzent und der meistens ruhigen Stimme da erzählt…oder glauben Sie ernsthaft, Stöger hätte den BVB derart konzeptlos in die Münchener Arena geschickt?

So blamabel der Auftritt der Dortmunder in München auch war, noch ist der BVB ja nicht verloren. Es war die erste Niederlage von Peter Stöger als Dortmund-Trainer in der Bundesliga und immerhin steht die Borussia ja noch auf einem Champions-League-Platz. Die Chance zur Wiedergutmachung hat die Mannschaft gegen den VfB Stuttgart und am 15. April geht es dann zum Spiel auf Schalke. Für die Fans des BVB ist das DAS Spiel des Jahres. Wenn die Borussia DA Leistung zeigt und den Schalker Lauf stoppt, könnte die Saison mit einem Schlag doch noch eine positive Wende nehmen. Zumindest für die Fans des BVB, denn die Duelle mit dem ungeliebten Nachbarn sind den Fans heilig. Entscheidende Wochen also für Schwarz-Gelb.

Die Bayern bestätigen nur das, was seit der Amtsübernahme von Jupp Heynckes sichtbar ist. Da steht ein internationales Top-Team auf dem Platz, das souverän Meister wird und beste Chancen aufs Triple hat. Derzeit sehe ich in Europa kein Team, vor dem sich diese Bayern fürchten müssten, wenn alle fit bleiben. Sevilla wird morgen der nächste Prüfstein in der Champions League und ganz sicher kein leichter Gegner. Ich hatte schon einmal das Vergnügen, ein Spiel im „Estadio Ramón Sánchez Pizjuán“ sehen zu dürfen. Ein alter Kasten, der aber in den vergangenen Jahren modernisiert und „aufgehübscht“ wurde. Gut 40.000 passen rein, sind dicht am Geschehen und bringen schon verflixt feine Fußball-Atmosphäre in den Laden. Sevilla ist nicht umsonst heimstark und manch ein Favorit hat da seine Probleme. Am Wochenende ja auch Barca, das mit Ach und Krach nach 0:2-Rückstand in den letzten Minuten noch ein 2:2 erzwang – Messi sei Dank. Sicher kein einfacher Gang für die Bayern, weil Sevilla sich im Vergleich zu Borussia Dortmund wehren wird. Aber Bayern wird zeigen, dass sie die Champions League gewinnen wollen – und dafür ist ein gutes Ergebnis im Hinspiel in Sevilla Pflicht.[pullquote align=“right“ cite=“Stefan Ruthenbeck“]“Alles, was wir uns vorgenommen hatten, ist nicht aufgegangen. Wir kriegen völlig verdient das erste Gegentor und waren danach etwas besser im Spiel. Mit dem 0:2 direkt nach der Halbzeit wurde es dann ganz schwierig. Hoffenheim hatte im vorderen Bereich sehr viel Tempo. Da hat bei uns, im Vergleich zum Gegner, die Spritzigkeit gefehlt. Wir müssen jetzt versuchen, dieses Spiel beiseite zu schieben.“[/pullquote]

Und sonst? Der 1.FC Köln hat seinen Aufwärtstrend gestoppt und sich eine Klatsche in Hoffenheim gefangen. So ein 0:6 kann ja in der schwierigen Kölner Situation mal passieren, ist aber ganz sicher nicht gut für Kopf und Selbstvertrauen. Am nächsten Wochenende hat die Mannschaft von Trainer Stefan Ruthenbeck die Chance, im nächsten „Endspiel“ gegen Mainz wieder die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Das wird auch nötig sein, wenn die Klassenerhalt-Kerzen im Kölner Dom weiter brennen sollen. Schalke und RB Leipzig marschieren weiter, Hertha spielt weiter eine durchwachsene Saison und Hannover rutscht langsam in bedenkliche Zonen. Ganz im Gegensatz zu Werder Bremen, das sich unter Florian Kohlfeldt fast schon sensationell entwickelt hat. Von 18 Spielen hat Kohlfeldt 13 nicht verloren, 9 Siege, 4 Unentschieden, 5 Niederlagen – Respekt! Da fightet ein Team mit Plan und Einstellung.

Tom Hilgers
Radioredakteur und Fußball-Live-Reporter mit Wurzeln im Bereich von Radio NRW und „bundesliga.de“
Live-Reporter bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland für Radio NRW und RTL
2007-2013 Chefreporter bei „90elf-Deutschlands Fußballradio“
Fußball-Live-Reporter bei Amazon Music und Radio PSR