Tom’s Montag: Deutscher Meister wird nur der FCB…???

/

Es war ja nun nicht mehr die ganz große Überraschung, von Spannung konnte keine Rede sein und hochverdient war es allemal. Der FC Bayern München ist zum 6. Mal in Folge Deutscher-Fußball-Meister geworden. Vorzeitig, am 29. Spieltag und mit einem souveränen 4:1 in Augsburg. Fast schien es ja schon ein wenig selbstverständlich, wie die Bayern nach dem nun in Stein gemeißelten 28. Meistertitel feierten und gefeiert wurden. Ja, Spieler und Trainer Jupp Heynckes ließen sich unmittelbar nach dem Spiel in der Kurve feiern und wirkten durchaus ausgelassen, die Konkurrenz gratulierte artig und in den Medien waren auch Glückwünsche zu vernehmen. Aber die ganz große Euphorie kam nicht auf.

Verständlich, denn in München wird zwar nach wie vor die Deutsche Meisterschaft für extrem wichtig erachtet, aber es stehen natürlich noch zwei weitere Ziele vor der Haustür. Der DFB-Pokal und natürlich die Championsleague. Schon am Mittwoch wollen die Bayern mit einem Erfolg gegen Sevilla ins Halbfinale einziehen. Dann ist auch in diesem Wettbewerb in der Tat alles möglich, wie ich es auch hier an dieser Stelle schon seit einiger Zeit deutlich schreibe. Bayern ist in dieser Verfassung alles zuzutrauen. Wer unter die letzten 4 in der Königsklasse kommt, hat ohnehin alle Möglichkeiten, auch den Titel zu holen. Aber, ganz ehrlich, ich sehe unter den potentiellen Halbfinalisten keinen Club, vor dem sich diese Bayern fürchten müssten. Ja, Real „Ronaldo“ Madrid und FC „Messi“ Barcelona sind immer in der Lage, mit ihren extravaganten Superstars, auch Bayern auszuschalten. Aber man kennt sich, man schätzt sich und ich traue den Bayern aufgrund ihres ausgeglichen starken Kaders zu, in dieser Saison beide Spanier auszuschalten. Und sollte Klopps Liverpool wirklich Guardiolas Man City rauswerfen, hätte ja ein Duell zwischen Heynckes und Klopp durchaus einen ganz speziellen Reiz. Zudem sehe ich Liverpool bei aller Offensivpower in der Defensive doch mit einigen Schwachpunkten, die Bayern bei einem Duell in die Karten spielen könnten. Also, ja, ich traue Jupp Heynckes und seinen Bayern das 2. Triple zu. Immer noch.

Jupp Heynckes ist für mich DER Trainer schlechthin. Was er in dieser Saison als Organisator, Vordenker, Moderator und Taktiker beim FC Bayern geleistet hat, ist kaum in Worte zu fassen. [pullquote align=“right“ cite=“Jupp Heynckes“]“Natürlich freue ich mich sehr über die deutsche Meisterschaft, vor allem natürlich, weil wir, als wir anfingen am 7. Oktober keine Gedanken an die deutsche Meisterschaft verschwendet haben. Der FC Bayern stand 5 Punkte hinter Bourussia Dortmund. Borussia Dortmund spielte einen exzellenten Fußball. Erstmal standen Trainingsplanung, Trainingssteuerung, Korrekturen und vieles mehr auf dem Plan.“[/pullquote] Da kommt einer aus dem Ruhestand und schafft es zusammen mit Co-Trainer Peter Hermann und dem übrigen Trainer-und Betreuerstab, dass man sofort den Eindruck hatte, „die Bayern sind wieder da.“ Und sie wackelten gewaltig nach dem 0:3 in Paris, dem letzten Spiel von Carlo Ancelotti. Weiß Gott, kein schlechter Trainer, aber an Ansprache, Moderation und am Ende auch in der Taktik wohl in München gescheitert. Vielleicht spielte dabei auch die Sprache eine Rolle, aber mit der Idee „Jupp Heynckes“ ist den Bayern-Machern im richtigen Moment die Wende der Saison eingefallen.

Es ist keineswegs so, dass Heynckes die Hand auflegt und alles ist wieder gut. Hinter seinem Erfolg steckt ein klarer Plan, stecken jahrzehntelange Erfahrung, steckt ein Fußball-Kenner, steckt einer, der einfach ein wunderbarer Fußballtrainer zu sein scheint. [pullquote align=“right“ cite=“Jupp Heynckes“]“Ich muss sagen, dass aber die Meisterschaft in erster Linie unseren Spielern zu verdanken ist. Wir haben nicht nur großartige Spieler, wie man heute auch gesehen hat, sondern auch sehr professionelle, weil das Anspruchsniveau beim FC Bayern ist extrem hoch und jedes Training ist sehr intensiv und auch sehr anspruchsvoll. Letztendlich macht sich das dann auch auf dem Spielfeld bemerkbar.“[/pullquote] Er schafft es ja sogar (meistens), dass Spieler auf der Bank noch lächeln, auch wenn sie gerade erfahren haben, dass sie für dieses (wichtige) Spiel nun nicht auf dem Spielberichtsbogen auftauchen. Wenn es in einer Halbzeit nicht gelaufen ist, kannst Du immer davon ausgehen, dass Heynckes in der Kabine die richtigen Worte finden und Bayern verbessert zurückkommen wird. Die Spieler wissen, dass sie sich auf ihren Trainer verlassen können und umgekehrt. Bayern München ist seit der Rückkehr von Jupp Heynckes wieder ein eingeschworenes Team – von der Nummer Eins bis zum Platzwart. Das weiß jeder beim FC Bayern und das haben inzwischen europaweit auch die Gegner registriert. Und der FC Bayern wird es am Mittwoch Sevilla auch ein zweites Mal spüren lassen.

Wenn Jupp Heynckes dann nach dieser Saison wirklich und ohne Rückkehr in den wohlverdienten Ruhestand gehen wird, wird eine Lücke bleiben. [pullquote align=“right“ cite=“Jupp Heynckes“]“Ich denke, dass die Deutsche Meisterschaft für mich persönlich das schönste Erlebnis ist, das man als Spieler haben kann. Meine deutsche Meisterschaft als Spieler war für mich die wertvollste. Ich habe viele andere Titel gehört, aber das war die schönste.“[/pullquote] Egal, wer sein Nachfolger wird und egal, ob Heynckes mit seinen Schutzbefohlenen nun wirklich zum zweiten Mal das Triple abräumen sollte. Mit Heynckes geht ein ganz Großer und es könnte schon durchaus sein, dass die Bayern dann erstmal durchschnaufen, sich umgewöhnen müssen. Ich bin selber gespannt, wer es wird, zumal mein Tipp dann wohl doch noch eine Weile Bundes-Jogi bleiben wird. Aber, wie wir alle wissen, ist Bayern ja immer für eine Überraschung gut.

Ob die Bayern auf Jahre weiter Dauer-Meister bleiben, hängt von vielen Faktoren ab. Sicherlich spielt die eben angesprochene Trainer-Frage dabei eine Rolle. Aber die Bayern-Bosse werden schon jemanden holen, der in der Lage sein wird, das Ensemble auf Kurs zu halten. Spätestens jetzt sollten die Spieler ja wissen, wie wichtig es ist, mit einem konkreten Plan an einem Strang zu ziehen. Für Erfolg brauchst Du eben nicht nur millionenschwere Top-Stars, sondern Du musst aus diesen Spielern eine Einheit formen. Jupp Heynckes hat das im Zusammenspiel mit Peter Hermann und den anderen Co-Trainern geschafft, seine Mannschaft auf das gemeinsame Ziel einzuschwören. Wenn das auch seinem Nachfolger gelingt, bleibt Bayern noch lange vorne. Am ehesten sehe ich RB Leipzig als Verfolger, wenn der Verein den Kader zusammenhalten und weiter so sinnvoll verstärken kann, wie bisher. Schalke ist auf einem guten Weg, muss das aber in der kommenden Saison bestätigen und Dortmund muss sich wieder neu aufstellen. Beim Rest wird man abwarten müssen. Für die Spannung in der Liga fürchte ich aber, dass auch in den kommenden Jahren die Meisterschale den Bayern nur schwer abzujagen sein dürfte.

Und sonst? HAMBURG HAT GEWONNEN!!!! Sie merken, ich habe dieses Ereignis in Groß-Buchstaben zelebriert. Nicht etwa, weil ich HSV-Fan wäre, sondern wegen der Seltenheit dieses Geschehens. Wichtig war es obendrein, denn es hat dem HSV die letzte Chance bewahrt. Dieses 3:2 gegen Schalke war auch noch verdient, denn dieser HSV hat mir 65 Minuten lang ausgezeichnet gefallen. Danach schienen sie mir kräftemäßig wieder aus den Schuhen zu kippen und hatten dann am Ende das Glück des Tüchtigen, dass der Hunt dieses Ding aus dem Stiefel zog. Der allerletzte Strohhalm ist also geschnappt, jetzt geht es nach Hoffenheim und dann gegen Freiburg. Aber sie liegen immer noch 5 Punkte hinter dem Relegationsplatz und damit den Mainzern. Köln trägt die rote Laterne mit 6 Zählern hinter Mainz. Der „Effzeh“ hatte die Chance, im direkten Duell mit den Mainzern bis auf 3 Punkte zu reduzieren, aber tat nach dem frühen 1:0 viel zu wenig dafür. Am Ende konnte sie sogar noch froh sein, dass es beim 1:1 blieb. Dortmund zeigte sich beim 3:0 gegen Stuttgart am Ende doch noch ordentlich erholt von der Klatsche in München und kämpfte sich vor dem Derby bis auf einen Punkt ran an Königsblau. Das kann mal wieder eine heiße Kiste am Sonntag auf Schalke werden.

Tom Hilgers
Radioredakteur und Fußball-Live-Reporter mit Wurzeln im Bereich von Radio NRW und „bundesliga.de“
Live-Reporter bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland für Radio NRW und RTL
2007-2013 Chefreporter bei „90elf-Deutschlands Fußballradio“
Fußball-Live-Reporter bei Amazon Music und Radio PSR