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Champions League

Robert Pirès warnt Bayern: „Villarreal alles andere als chancenlos“

Ex-Spieler sieht Bayern dennoch als CL-Topfavoriten

Thomas Haider  6. April 2022
robert pires spricht über bayern- villarreal
Robert Pires spielte von 2006 bis 2010 für Villarreal. (© IMAGO / Cordon Press/Miguelez Sports)

Nach sechs äußerst erfolgreichen Jahren beim FC Arsenal, wechselte Welt- und Europameister Robert Pirès nach Spanien zum FC Villarreal, wo er zwischen 2006 und 2010 unter Vertrag stand.

In der spanischen Liga hat sich der 79-fache französische Nationalspieler besonders wohlgefühlt. Nun freut er sich auf die Viertelfinal-Paarung zwischen Villarreal und dem FC Bayern.

Im Exklusivinterview mit Wettbasis.com-Experte Alexis Ménuge dekodiert Pirès das Phänomen Villarreal und verrät, warum die Münchner diesen Gegner bloß nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten.

Monsieur Pirès, sehen Sie für Villarreal gute Chancen, gegen den FC Bayern München im Viertelfinale der Champions League unter die letzten Vier einzuziehen und somit die Sensation zu schaffen?

„Natürlich gehen die Münchner als klarer Favorit in die beiden Spiele. Aber klar ist auch, dass Villarreal alles andere als chancenlos sein wird. Diese Mannschaft ist sehr unangenehm und lässt den Gegner nie in Ruhe. Sie hat die viertbeste Defensive in der spanischen Liga und agiert sehr aggressiv. Villarreal ist auch spielerisch richtig stark. Ich würde eine Sensation keineswegs ausschließen.“

Sie kennen den Trainer Unai Emery sehr gut, denn Sie sind ihm bei Arsenal mehrfach begegnet. Was ist er für einen Typ?

„Offen, kommunikativ und er will mit jedem seiner Spieler einen konstruktiven, regelmäßigen Austausch pflegen. In seinen Augen ist dies das A und O. Als er nach Villarreal kam, hat er sofort verstanden, wie dieser Verein funktioniert. Er hat sich speziell erkundigt und sich an ihn angepasst. Da hat er sich schon mal die Basis verschaffen, um täglich erfolgreich zu arbeiten und die Ergebnisse sprechen für seine gute Arbeit.“

 

„Gerard Moreno wird gegen Bayern eine eminent wichtige Rolle einnehmen“

 

Sie haben persönlich vier Jahre bei Villarreal unter Vertrag gestanden und dort über hundert Pflichtspiele (103) bestritten. Wie würden Sie diesen Verein beschreiben?

„Erst einmal ist Villarreal eine kleine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern. Der Verein an sich ist für seine herausragende Jugendarbeit bekannt. Dazu liegt die große Stärke darin, dass man sich Jahr für Jahr gezielt und intelligent verstärkt. Der Klub verfügt über eine fantastische Scouting-Abteilung. Was mir damals besonders imponiert hat, war die menschliche Komponente, die Bodenständigkeit jedes Einzelnen und die gute Stimmung überall auf dem Trainingsgelände. Alle Beteiligten können ohne großen Druck arbeiten. Villarreal ist eine große Familie mit viel Herz.“

Welches Image genießt Villarreal in Spanien?

„Die meisten Zuschauer drücken selbstverständlich eher Mannschaften wie Real Madrid, Barcelona, Atlético Madrid oder dem FC Sevilla die Daumen. Villarreal gehört aber zu den wenigen Teams, die man dort eigentlich kaum hasst. Der Verein ist sogar für seine attraktive und erfolgreiche Spielweise beliebt und wird immer mehr dafür gelobt. Dazu kam in dieser Saison – nur ein paar Monate nach dem Triumph in der Europa League – der sensationelle Herbst in der Gruppenphase der Königsklasse mit dem Weiterkommen gegen Manchester United und Atalanta Bergamo. Diese Elf vertritt Spanien in Europa mit Würde und viel Elan.“

Auf welche Spieler muss der FC Bayern besonders achten?

„Ich sehe in dieser Elf kaum eine Schwäche. Es handelt sich um eine eingeschworene Einheit, die zwar keine Top-Hinrunde gespielt hat, auf europäischer Bühne aber jederzeit in der Lage ist, über sich hinauszuwachsen – wie man zuletzt im Achtelfinal-Rückspiel bei Juventus Turin erneut feststellen konnte. Mir gefällt besonders Gerard Moreno, der par Excellence das komplette Spiel eines modernen Torjägers prägt: Er hat natürlich einen wunderbaren Riecher, aber er kann den Ball auch stoppen und damit Freiräume für seine Mitspieler kreieren. Er hat dazu die Gabe, sich gegen zwei oder drei Gegenspieler durch ein Dribbling oder seine Geschwindigkeit durchzusetzen Nicht zuletzt ist er auch wichtig mit dem Rücken zum gegnerischen Tor. Gegen den FC Bayern wird er eine eminent wichtige Rolle einnehmen. Eigentlich muss er immer spielen.“

Was gefällt Ihnen sonst noch am Spielstil Ihres ehemaligen Arbeitgebers?

„Die zwei Spieler vor der Abwehr: Mein Landsmann Etienne Capoue, der sich in dieser Saison prächtig entwickelt hat und momentan zu den festen Größen von Emery gehört. Ebenso wie Antonio Pacheco, der sehr stark im Spiel gegen den Ball ist und der keine Angst dahin zu gehen, wo es weh tut. Dazu Juan Foyth, Giovanni Lo Celso und Serge Aurier, die allesamt zusammen bei Tottenham waren. Dass die Verantwortlichen in diesem Winter einen Lo Celso verpflichtet haben, war ein kluger Schachzug. Der Argentinier bringt noch mehr Tempo und Variabilität ins Spiel.“

 

„Ich habe schon nach wenigen Tagen festgestellt, dass Santi (Cazorla, Anm.) einfach nach Fußball riecht“

 

Was bleibt von Ihren vier Jahren bei Villarreal in Erinnerung?

„Ich hatte dort vier großartige Jahre und durfte mit hervorragenden Spielern wie beispielsweise Santi Cazorla, Alessio Tacchinardi, Marco Senna, Diego Forlan und Juan Riquelme zusammenkicken.“

Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

„Riquelme war durch seine extra-Klasse und technischen Fähigkeiten zweifelsohne eine Augenweide. Dazu kommt seine Eleganz am Ball. Aber ich wurde besonders von Cazorla positiv überrascht. Er kam damals gerade aus der Jugend von Villarreal und der damalige Coach Manuel Pellegrini hatte ihm seine Chance gegeben, die er ziemlich schnell zu nutzen wusste. Ich habe bereits nach wenigen Tagen festgestellt, dass Santi einfach nach Fußball riecht. Er war sehr intelligent auf dem Platz und wusste stets eine Lösung zu finden, auch wenn der Gegner kompakt spielte.“

 

„Bayern bleibt mein Titelfavorit“

 

Wie sehen Sie den FC Bayern im Frühling 2022?

„Er war zu Beginn der Saison in meinen Augen der Favorit in der Champions League und dabei bleibe ich auch heute. Zwar hat der deutsche Rekordmeister ein paar Spiele in der Bundesliga verloren und wirkte im Achtelfinal-Hinspiel beim FC Salzburg (1-1) weniger souverän als üblich – aber wenn es darauf ankommt wie im Rückspiel (7-1), dann sind sie eben da. Sie kommen mit dem Druck immer gut klar. Am besten spielt der FC Bayern, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht. Nun kommen Eckpfeiler wie Leon Goretzka und Alphonso Davies zum absolut wichtigsten Zeitpunkt der Saison zurück. Sie werden sicherlich dafür sorgen, dass Bayern noch ausbalancierter und dominanter auftritt. Wenn der Klub bei Ballverlust, bzw. bei gegnerischen Kontern weniger zulässt als in den vergangenen Wochen, wovon ich ausgehe, wird dieses Team schwer zu schlagen sein.“

Welche Bayern-Spieler schätzen Sie besonders?

„Viele. Joshua Kimmich etwa für sein Arbeitspensum, Thomas Müller für seine unglaubliche Konstanz oder Kingsley Coman für sein Tempo. Aber ich finde die Entwicklung von Davies ist besonders beeindruckend. Wie schnell ist er eigentlich? Er tritt mit viel Unbekümmertheit und Leidenschaft auf. Ihm zuzuschauen macht immer Spaß.

Was wäre das Traum-Finale in dieser Champions League Saison im Pariser Stade de France am 28.Mai?

„Rein spielerisch betrachtet würde ich mich auf Bayern gegen Manchester City und somit die zwei besten Teams der letzten drei Jahre in der Königsklasse freuen. Beide Teams sehe ich auf demselben Niveau, aber auch der FC Liverpool darf sich Titelchancen ausrechnen.“

Vielen Dank für das spannende Interview und alles Gute Ihnen, Herr Pirès!

„Danke gleichfalls, es hat viel Spaß gemacht.“

 

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Thomas Haider

Thomas Haider

Alter: 43 Nationalität: Österreich Lieblings-Wettanbieter: Bet365

Seit rund 15 Jahren ist Thomas journalistisch im Sportbereich tätig, zunächst als Praktikant bei einem Online-Portal, danach bei einem großen österreichischen Sportverlag - der Sport-Woche - als fixer Redakteur. Neben dem obligatorischen Insider-Wissen in Sachen Fußball kennt er sich vor allem mit Tennis, Radsport und dem alpinen Skisport aus. Bei der Wettbasis als Herr des News-Geschehens tätig, wurde sein Portfolio mittlerweile um MMA, Boxen und Politik erweitert.

Auch beim Wetten ist Thomas als Allrounder bekannt, der innerhalb der Redaktion eine der besten Auszahlungsraten aufweist. Vor allem Wetten fernab des Mainstreams zählen zu seiner Leidenschaft.   Mehr lesen