Lange haben sich Fußball-Fans auf die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko gefreut, nun ist der letzte Vorhang auch schon wieder gefallen.
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Erstmals mit 48 Ländern sorgte das Turnier von Anfang an für viele Diskussionen aufgrund diverser Regeländerungen, Einflussnahmen, Kommerz-Vorwürfen und zahlreicher Vorfälle während des Turniers, so dass das Sportliche und der WM-Titel Spaniens sogar teils untergingen.
Ähnlich umstritten war dieses Großereignis, auf das alle gewartet haben, für die WM-Experten der Wettbasis. Zum Abschluss diskutierten Weltmeister Guido Buchwald und Kult-Trainer Peter Neururer noch einmal über die heißesten Themen.
Dabei stand alles unter dem Motto: Was war gut, was schlecht? Was hat wirklich genervt und was war ein absolutes No-Go? Was kann bleiben und was muss auf jeden Fall weg? In mehreren Punkten sind sich Neururer und Buchwald sehr einig und stellen Forderungen an die FIFA, alle Mitgliedsstaaten aber auch das deutsche Öffentlich-Rechtliche Fernsehen.
„Es kann nicht sein, dass der Kommerz alles bestimmt“, poltert Neururer und auch Buchwald gibt ihm recht, in dem er behauptet: „Also es ist nicht mehr die WM, die wir so kennen und lieben im Endeffekt.“ Die Diskussion könnt ihr euch auch in unserem Wettbasis-Youtube-Channel ansehen.
Buchwald spricht Klartext: „Also es ist nicht mehr die WM, die wir so kennen und lieben im Endeffekt“
Guido Buchwald darüber… was ihn bei der WM 2026 am meisten genervt hat:
„Die Trinkpause! Bei 20 Grad, 15 Grad eine Trinkpause zu machen… Ich muss ja sagen, es ist sowas von unsinnig und es ist ein ganz anderer Fußball geworden im Endeffekt. Natürlich, für die Trainer ist es immer was Gutes. Man kann eingreifen, positiv oder negativ, je nachdem. Für den Trainer ist es vielleicht ganz, ganz gut, aber das war ja nicht der Sinn, dass der Trainer was korrigieren kann, sondern das sind wirklich Werbung und Kommerz. Und das ärgert mich am meisten. Der ganz, ganz große Kommerz außenherum und dann die Themen noch größer zu machen und und und. Also es ist nicht mehr die WM, die wir so kennen und lieben im Endeffekt, obwohl die Spiele eigentlich recht gut rüberkamen, muss ich echt sagen.“
Guido Buchwald darüber… was ihm bei der WM 2026 gut gefallen hat:
„Mir haben die WM, die Spiele und die Begeisterung in den Stadien trotz der hohen Preise gut gefallen – das kam gut rüber. Und auch die Qualität von vielen Spielen hat mir gefallen. Man konnte im technischen Bereich sehr viele Dinge heraussehen und herauslesen, wie sich der Fußball immer wieder bewegt. Er verändert sich wieder, wie die eine oder andere Nation auf gewisse Situationen reagiert. Das hat mir schon gefallen, das ist der lebendige Fußball im Endeffekt. Und dass es auch die eine oder andere Überraschung gab von den Afrikanern zum Beispiel, die sich sehr gut verkauft haben. Also mir hat eigentlich schon gefallen, dass man viele verschiedene Fußballnationen und auch verschiedene Spielsysteme gesehen hat. Das ist das Schöne am Fußball. Die Spiele selber haben mir gefallen, zum großen Teil. Man muss sich auf jedes Spiel einlassen und dann lesen und wieder weiter lernen, wohin sich der Fußball hinbewegt.“
Ärger bei Peter Neururer über neue Regeln und Änderungen: „Aber es kann nicht sein, dass der Kommerz alles bestimmt“
Peter Neururer über… das Positive dieser WM 2026, das bleiben soll:
„Die Stimmungslage bei den jeweiligen Spielen innerhalb des Publikums. Alles andere fällt mir wirklich nicht ein.“
Peter Neururer über… exorbitant hohe Ticketpreise bei der WM 2026 und trotzdem volle Stadien:
„Also das ist gar nicht aufzulösen. Die Tatsache, dass die Preise total überzogen sind und die Stadien trotzdem voll sind, hat andere Hintergründe. Viele Konzerne, viele Großgruppen haben diese überteuerten Karten gekauft – für Mitarbeiter zum Beispiel, für Unternehmer usw. Es ist nur eines klar: Der normale Fußballfan, der normalverdienende Fußballfan, hat keine Möglichkeit mehr, sich die Spiele vor Ort anzugucken, weil es einfach nicht finanzierbar ist. Und das darf im Fußball oder im Sport nicht sein. Für die normalen Menschen, für den normalen Arbeitnehmer oder für den normalen Familienmenschen muss es möglich sein, an der schönsten Nebensache der Welt, am Fußball, teilnehmen zu dürfen. Das ist nicht gegeben, das muss geändert werden. Darüber hinaus: Kommerz. Wir brauchen den Kommerz, um professionelle Leistung zu bringen – vollkommen richtig und vollkommen klar. Aber es kann nicht sein, dass der Kommerz alles bestimmt. Sogar die Regularien im Fußball werden geändert. Wie kann man, wie gesagt, vier Viertel spielen? Das sind nur Möglichkeiten der Einflussnahme seitens der Trainer, ist ja wunderbar und schön.“
Buchwald über Kritik an FIFA-Präsident Infantino: „Er hat den Fußball im Prinzip total verkauft für Kommerz, Geld und Macht“
Peter Neururer über… die Anpassungen an US-amerikanische Sportarten mit Vierteln, Halbzeitshow und Regeländerungen:
„Wie kann man, vier Viertel spielen? Das sind nur Möglichkeiten der Einflussnahme seitens der Trainer, ist ja wunderbar und schön. Klar, das ist im laufenden Spiel kaum möglich einzugreifen heutzutage. Aber mit diesen Trinkpausen sind da Möglichkeiten gegeben. Das Spiel verhält sich aber vom kleinen Partner zum größeren Verhalten in andere Teile. Von daher ist der Sport nicht mehr so als Sport anzusehen. Dieses Fußballspiel ist nicht mehr so anzusehen, wie es war. Und der größte Hammer, der absolute Hammer – ja, den haben wir im Endspiel gesehen. Wie kann man auf die Idee kommen, eine Halbzeitpause über möglicherweise 30 Minuten durchzuziehen? Das heißt also für einen Trainer, der mit der Mannschaft in die Kabine kommt: Nach zehn, zwanzig Minuten müssten sich die extra noch mal warm machen, denn sie haben ja total runtergefahren und müssten dann wieder ins Spiel gehen. Das hat ja auch noch andere Gründe. Möglicherweise, dass Verletzungen auftreten können und, und, und. Ich als Trainer mit einer Kompetenz, die mir leider nie gegeben war und auch nicht gegeben wurde, würde sagen: „Wisst ihr was? Gerade in der Halbzeit… wir spielen die erste Halbzeit eine Stunde und dann brechen wir ab und dann macht man nur noch so.“ Das wäre im Sinne von Infantino. Geiler Vorschlag übrigens.“
Guido Buchwald über… die Rolle von und die Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino und ob jemand anderer übernehmen muss:
„Ja, absolut. Er hat den Fußball im Prinzip total verkauft für Kommerz, für Geld und Macht. Solche Dinge wie eine Halbzeitpause von 30 Minuten… also ich weiß gar nicht, warum. Wie kann das ein Einzelner, auch wenn er Präsident ist, alleine machen? Ich frage mich, wer drumherum noch was zu sagen hat. Da müssen doch viele das Okay geben im Endeffekt. Das ist eigentlich für mich das Problem, dass jeder nur Geld sieht im Endeffekt – jeder, der in diesem Dunstkreis drumherum ist. Weil das ist unglaublich, wie der Fußball da verkauft wird. Man sollte eigentlich – und es ist natürlich schwierig – aber eigentlich sollten alle richtigen Fußballfans das einfach boykottieren. Anders geht es wahrscheinlich gar nicht, auch wenn ein neuer Präsident kommt. Der wird den Preis auch nicht auf einmal von tausend auf zehn Euro runtermachen. Das wird keiner machen, weil er sieht, was da alles drumherum gemacht wird und wer da alles abhängig ist. Wenn ich dann noch sehe oder höre, dass der DFB jetzt, weil wir ausgeschieden sind, zehn Millionen minus macht… Da frage ich mich: Was haben die mit dem vielen Geld gemacht? Weil bei so einem Turnier, bei der Vorbereitung, wie funktioniert das denn und wo kommen die ganzen Gelder dann hin im Endeffekt? Wer verdient denn daran?“
Guido Buchwald über… Vorschläge, wie man diesen Problemen und dem Kommerz in Zukunft entkommen kann:
„Also das Ganze ist wirklich eine Blase in sich, und die muss man natürlich aufmachen. Das ist unheimlich schwierig, und deswegen braucht man mit Sicherheit einen anderen Kandidaten. Das ist richtig. Aber ich verstehe nicht, warum da nicht die richtigen Fußballnationen alle zusammenstehen und das machen im Endeffekt und sagen: ‚Okay, zum Beispiel Europa – wir sind Europa. Ohne Europa gibt es keine WM.‘ Weil wir sind die starken Nationen, wir haben auch die Power. Also müssen wir auch mal etwas mehr bestimmen können. Aber wenn wir als Einzelne dastehen… Kap Verde stimmt genauso ab wie der DFB auch. Also von daher ist es auch unheimlich schwierig, das Ganze wieder in ordentliche Bahnen zu lenken. Es ist nicht einfach, aber politisch muss man da ran.“
Neururer spricht Ungerechtigkeiten bei dieser WM an: „Das war einfach eine sportliche Unverschämtheit“
Peter Neururer über… Gleichberechtigung aller teilnehmenden Länder, was bei der WM 2026 nicht gegeben war:
„Ich glaube, es gibt noch einen weiteren Punkt, den man ansprechen müsste. Wir reden gerade vom Finanziellen – das ist durchaus richtig, da bin ich zu 100 Prozent auf eurer Seite. Da benötigt man eine gemeinschaftliche und wirklich solidarische Gemeinschaft. Natürlich muss die in erster Linie von den europäischen Staaten ausgehen. Nehmen wir dann die großen Fußballländer in Südamerika wie Brasilien und Argentinien mit dazu, und, und, und. Aber eins haben wir bei allen Diskussionen komplett vergessen: Wenn ich solch ein Turnier veranstalte, dann müssen alle Länder unter den gleichen Bedingungen starten dürfen. Wie kann es da sein, dass die ganze Welt zuguckt, dass eine iranische Nationalmannschaft in Tijuana stationiert wird, zu den Spielen in die USA einreist und nach dem Spiel direkt wieder raus aus der Nation muss? Das ist einfach ein Unding, was da gemacht wurde. Es geht ja auch nicht darum, dass die Spiele, die in Los Angeles stattfanden, nicht weit von Tijuana entfernt sind, sondern es gab auch ein Spiel in Seattle. Man stelle sich diesen Weg vor. Was man da mit den Iranern gemacht hat, war einfach eine sportliche Unverschämtheit, losgelöst von allen anderen politischen Dingen, auf die die FIFA sich hätte nicht einlassen dürfen. Da hätte ich erwartet – oder habe ich erwartet, aber die Erwartung ist gestorben –, dass man da eingreift.“
Guido Buchwald über… Gleichberechtigung und die Rolle der FIFA in dieser Causa:
„Im Prinzip muss die FIFA sagen: ‚Wenn ihr der Ausrichter sein möchtet, muss das Land alle Nationen gleich behandeln.‘ Wenn nicht, kriegen sie das Turnier einfach nicht. Und da kann ich mir vorstellen, wenn Europa sagt: ‚Wir gehen aus dem und dem Grund nicht hin‘ – wenn sich Europa einig ist, dann würde man mal sehen, was das für eine WM in Amerika geworden wäre.“
Peter Neururer über… die Folgen des eben diskutierten Themas:
„Ganz genau. Es sind Schiedsrichter nicht zugelassen worden von der FIFA in Absprache mit Trump – das muss man sich mal vorstellen. Es sind Länder und Fans nicht ugelassen worden, die haben alle eine Einreiseverweigerung bekommen…[Einwurf Guido Buchwald: „Dann kriegen sie die WM nicht. Dann mache ich sie nur in Kanada und Mexiko.“] Ganz genau, da muss ich konsequent sein. Darüber hinaus findet jetzt noch ein Krieg statt, Trump beschießt den Iran, aber die Fußballwelt hält sich da raus. Da ist Fußball plötzlich apolitisch. Fußball hat viel mit Politik zu tun, weil Fußball zu unserer Gesellschaft gehört.“
Buchwald wärmt Schiedsrichter-Kritik auf: „Bei der WM werden dann auf einmal kurzfristig neue Regelungen eingeführt – das geht eigentlich auch nicht“
Guido Buchwald darüber… was nach umstrittenen Leistungen bei dieser WM im Schiedsrichter-Wesen passieren muss:
„Die Schiedsrichter müssen das einfach konsequent umsetzen. Wenn man sagt, nur der Kapitän darf zum Schiedsrichter kommen, und jedes Mal gibt es eine Rudelbildung, dann muss der Schiedsrichter eben sechs Gelbe Karten ziehen im Endeffekt, und dann wird man sehr schnell wieder Ruhe haben. Aber das ist nur ein Teil. Auch andere Dinge: Der Schiedsrichter wird auch zu arg überfordert mit vielen Kleinigkeiten, und man probiert sowas bei dem größten Weltturnier aus. Wenn man neue Regelungen macht, wenn man das Schiedsrichter-Wesen und die Spielregeln ein bisschen verändert, fängt man normalerweise immer im kleinen Bereich an, wo es nicht so eine ganz große Wichtigkeit hat. Und was machen wir? Bei der WM werden dann auf einmal kurzfristig neue Regelungen eingeführt, und das geht eigentlich auch nicht.“
Neururer und Buchwald poltern gegen TV-Rechte und „Free TV“: „Kann nicht sein, dass der normale Fußballfan nicht imstande ist, Spiele der WM im TV zu verfolgen“
Peter Neururer über… die TV-Übertragungen der WM in Deutschland und seine Forderung:
„Meiner Auffassung nach müsste die WM immer öffentlich-rechtlichen Zugang haben. Es kann nicht sein, dass der normale Fußballfan nicht imstande ist, Spiele der Weltmeisterschaft im Fernsehen zu verfolgen. Von daher: Wir bezahlen alle Gebühren dafür, also gehört das ins Öffentlich-Rechtliche – und dann natürlich verbunden mit einer qualifizierteren Kommentatoren- und Moderatorenleistung.“
Guido Buchwald über… die TV-Übertragungen der WM in Deutschland und seine Forderung:
„Da muss ich noch mal einhaken. Für mich ist ein Riesen-Punkt: Man sagt immer, die Öffentlich-Rechtlichen sind ‚Free TV‘. Das ist nicht so. Wir zahlen alle die Gebühren. Wenn man eine Firma hat, muss man für die Betriebsstätten noch mal extra GEZ-Gebühren bezahlen. Die haben unheimlich viel Geld zur Verfügung. Und es ist Pflicht, man kann sich nicht weigern. Also ist es für mich kein Free TV. Und wenn man für Magenta 10 Euro im Monat zahlt, ist das das billigste Angebot – auf das Jahr gerechnet sogar billiger, als was man für die Öffentlich-Rechtlichen bezahlen muss. Ich habe drei Firmen gehabt und musste für jede Firma zahlen, obwohl ich es gar nicht genutzt habe. Das ist unglaublich, was die Öffentlich-Rechtlichen bei uns abkassieren. Ja, und dann haben sie kein Geld übrig? Das Geld wird für alles Mögliche ausgegeben. RTL zum Beispiel macht es ja im echten Free TV, die finanzieren das über Werbung. So könnte man es machen. Und die Öffentlich-Rechtlichen machen jetzt mittlerweile auch noch Werbung dazwischen! Früher hieß es, bei denen gibt es keine Werbung nach 20 Uhr. Jetzt machen sie hier Werbung und kassieren da noch mal Geld ab.“
Das Interview wurde von Carsten Fuß geführt und im Rahmen der Produktion der Sendung „Beidfüßig“ für den Wettbasis YouTube Kanal aufgezeichnet, in der unter anderem auch Weltmeister Guido Buchwald und Trainerlegende Peter Neururer ihre Expertisen besteuern.



