Nach der Vizeweltmeisterschaft 2018 und Platz 3 bei der vergangenen Ausgabe will Kroatien bei der WM 2026 an die enormen Erfolge anknüpfen. Unter Zlatko Dalic muss sich die erfahrene Mannschaft vorerst in Gruppe L gegen England, Panama und Ghana behaupten.
Im exklusiven Interview mit der Wettbasis YouTube-Show „Beidfüßig“ spricht Bundesliga-Legende Ivan Klasnic über Kroatiens Chancen bei der Fußball-WM 2026 und den Umbruch von Modric & Co. zu einer jüngeren Spielergeneration.
Klasnic findet bei Kroatien: „Die Mischung passt hervorragend“
„Warum Kroatien bei großen Turnieren immer so stark auftritt? Weil wir einen Luka Modric haben!“ Gleich im ersten Satz verweist Ivan Klasnic auf den größten Fußballer, den das kleine Land an der Mittelmeerküste je hervorgebracht hat.
„Nein, Spaß beiseite. Bei uns ist das einfach eine Frage des puren Stolzes“, erklärt Klasnic und blickt zurück auf seine eigene aktive Profikarriere. „Ich kann da nur von mir selbst sprechen: Ich war unglaublich stolz darauf, für diese Nationalmannschaft zu spielen. In jedem meiner 41 Länderspiele habe ich immer 100 Prozent gegeben – und diese bedingungslose Einstellung sieht man heute einfach all unseren Spielern an.“
Mit dieser Einstellung und diesem unbändigen Willen erreichte Kroatien schon oft mehr, als ihnen im Voraus laut WM Wettquoten von den Buchmachern zugetraut wurde. Auch 2026 fliegt die Mannschaft einmal mehr unter dem Favoriten-Radar.
„Wir sind ein kleines Land, das aber traditionell riesige Erfolge feiert, gerade bei den vergangenen Weltmeisterschaften. Ob es dieses Mal ganz zum Titel reicht, weiß ich noch nicht, aber eines ist klar: Man darf Kroatien niemals unterschätzen!“
Doch ist die 2026-er Auswahl der Kroaten wirklich titelreif? Klasnic findet: „Die Mischung im Kader zwischen erfahrenen und jungen Spielern passt hervorragend. Mit Modric haben wir einen absoluten Leader, der vorangeht.“
„Er ist in der Heimat ein absoluter Volksheld. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemals wieder ein kroatischer Spieler mit so einer unglaublichen Anzahl an Titeln für unser Land auflaufen wird“, schwärmt der Ex-Werder-Profi. „Man wird sehen, welche Rolle er genau spielen wird und wie wir als Team insgesamt drauf sein werden.“
Neben Modric beeindruckt Klasnic vor allem der kroatische Trainer Zlatko Dalic, der bereits seit 2017 im Amt ist. Schon jetzt ist er der kroatische Nationaltrainer mit der mit Abstand längsten Amtszeit in der Geschichte des Landes.
„Unser Nationaltrainer ist für mich der erfolgreichste Coach, den wir je hatten. Er hatte das große Glück, so ein Team coachen zu dürfen. Er hat viele neue Spieler dazugeholt, die zuvor nicht gespielt haben, und bringt nun die nötige Erfahrung mit, um sie an die jungen Akteure sowie an die wichtigen Säulen der Mannschaft zu übertragen. Diese Kombination ist extrem gut und der Grund für den großen Erfolg.“
„Dalic hat in Asien, Europa und Arabien bereits viel Erfolg gehabt. Was ihn als Trainer auszeichnet, ist, dass er unheimlich viel mit den Spielern spricht – und die Jungs zahlen das dann auf dem Platz mit Leistung zurück“, weiß Klasnic.
„Das enttäuschende Abschneiden bei der vergangenen Europameisterschaft war für uns zwar ein Schuss vor den Bug, aber wir werden ja alle nicht jünger. Genau deshalb ist diese WM die große Möglichkeit, den Umbruch zu vollziehen. Einige Spieler werden hier ihr letztes großes Turnier bestreiten, und die neue Generation steht schon bereit, um nachzurücken.“
Bei der EM 2024 in Deutschland schied Kroatien sieglos und mit zwei Remis in der Vorrunde aus.
Buchwald sieht Kroatien auch in Zukunft als „große Fußballnation“
Wettbasis WM-Experte Guido Buchwald blickt im „Beidfüßig“-Gespräch ebenfalls auf den großen Mittelfeldregisseur Modric, der mittlerweile 40 Jahre alt ist und bei Milan in der Serie A spielt.
„Die große Frage ist natürlich, ob Luka Modric im fortgeschrittenen Fußballalter noch die absolute Führungsfigur auf dem Platz sein kann und ob die Kraft für so ein langes Turnier reicht“, so Buchwald. „Aber die Kroaten werden sich ihre Kräfte sehr klug einteilen.“
Ohnehin sei „das keine Frage von Jung oder Alt, sondern eine Frage von Charakterstärke. Wenn Spieler ein Stück ihrer Mentalität in die Waagschale werfen, entsteht ein überragender Teamspirit. Genau das haben die Kroaten unheimlich gut drin. Dort ist jeder mit seiner Rolle absolut zufrieden und versucht, diese optimal für die Mannschaft umzusetzen. Gepaart mit dem enormen Stolz des Landes sind sie eine große Fußballnation und werden es auch in Zukunft bleiben.“
Dem deutschen Weltmeister von 1990 wird wie Klasnic zu viel über die beiden Spielergenerationen diskutiert: „Das Wort ‚Umbruch‘ wird mir ohnehin oft zu heiß gekocht. Zu meiner aktiven Zeit gab es diesen Begriff in der Form gar nicht, da haben einfach immer die Besten gespielt. Ein echter Generationenwechsel kommt nach großen Turnieren ganz von alleine, wenn etablierte Kräfte von sich aus aufhören.“
„Ich habe 1994 nach der Weltmeisterschaft und meinem Wechsel nach Japan auch gesagt: Das ist jetzt ein guter Abschluss für mich, um im Nationalteam aufzuhören. Einen radikalen, kompletten Umbruch gibt es im Grunde nie – weder im Verein noch in der Nationalmannschaft.“
„Es geht immer um das fließende Zusammenspiel zweier Generationen: den hungrigen 20-Jährigen auf der einen und den erfahrenen Ü30-Spielern auf der anderen Seite“, erklärt Buchwald. „Nach dem Turnier werden Spieler aufhören, und neue kommen hinten dran. Bei Kroatien ist unter Dalic etwas gewachsen, das auf diesen erfahrenen Säulen ruht.“



