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EM Wetten

Julia Simic warnt vor Deutschland – Österreich: „Mental stärkste Mannschaft“

Karl-Heinz Fischer  18. Juli 2022
Julia Simic
Ex-Profi Julia Simic tritt regelmäßig als Fußball-Expertin auf. (© IMAGO / Sports Press Photo)

Nach der makellosen Bilanz in der „Todesgruppe“ B träumt ganz Fußball-Deutschland bereits vom Titel. Auf dem Weg dorthin warten aber erst einmal die Österreicherinnen im Viertelfinale (21.7., 21:00 Uhr).

Aus diesem Grund haben wir einmal mehr die ehemalige Nationalspielerin, deutsche Meisterin und DFB-Pokal-Siegerin Julia Simic als Expertin für die UEFA Women’s EURO 2022 eingeladen.

Sie spricht unter anderem über die Aufgabe gegen Österreich, sowie die weiteren Partien der EM-Viertelfinale zwischen England gegen Spanien und Niederlande gegen Frankreich.

Zu finden ist die Tippshow, neben zahlreichen Experten-Interviews, stets auf dem „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel.


Guten Tag Frau Simic. Ich freue mich, Sie zu sehen.

Julia Simic: „Guten Tag, ich freue mich auch.“

Wir freuen uns beide auf dieses Viertelfinale zwischen Deutschland und Österreich. Was ist das für eine Nummer? Alle schwimmen auf einer Welle der Euphorie.

„Das stimmt. Es wird ein Nachbarschaftsduell, das ich auch fast schon so prognostiziert und mir auch ein bisschen gewünscht habe.“

Sie haben es prognostiziert und auch Marcel Niesner.

„Ja. Man hatte es irgendwie im Gefühl. Die Österreicherinnen waren noch nicht fertig mit der EM – ich hoffe, das sagen wir nicht nach dem Spiel. Aber man hatte es im Gefühl, dass sie unbedingt wollen. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, als die Norwegerinnen.

Es war auch vom Spielverlauf her verdient, dass sie gegen Norwegen gewinnen und sich den Viertelfinaleinzug gegen Deutschland sozusagen verdient haben.“

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn man von einem Fußballspiel zwischen Deutschland und Österreich spricht?

„Natürlich diese Nachbarschafts-Rivalität. Wir hatten auch immer gute Österreicher bei uns in der Bundesliga, egal ob männlich oder weiblich. Den Bogen kann man auch hier wieder schlagen.

Ein hoher prozentualer Anteil der österreichischen Mannschaft hat einen Bundesligabezug. Und der ist enorm. Wenn man sieht welche Spielerinnen aktuell oder ehemals in der deutschen Liga gespielt haben, dann ist da vielleicht sogar noch ein bisschen mehr Rivalität in dem Spiel und die wollen es natürlich unbedingt beweisen.

Direkt nach dem Spiel hat man gemerkt, als Österreich schon ein wenig abgeschrieben war und man überall lesen konnte, dass wahrscheinlich Norwegen gegen Deutschland spielt, da wollten sie es der ganzen Welt zeigen, dass mit ihnen eben doch zu rechnen ist.

Jetzt kommt es zum Nachbarschafts-Duell und die Österreicherinnen brennen.“

Julia Simic über ÖFB-Team: „Ein verschworener Haufen“

Was fasziniert Sie am meisten bei diesen Nachbarinnen aus Österreich?

„Besonders die mannschaftliche Geschlossenheit. Ich habe mit einigen selbst zusammengespielt. Mit Carina Wenninger, Viktoria Schnaderbeck, mit Sarah Puntigam, Virginia Kirchberger. Ich weiß gar nicht, wer noch alles in dieser Mannschaft ist, Laura Feiersinger, mit dem man lange Zeit zusammen, oder immer wieder auch gegeneinander gespielt hat.

Die Mädels brennen immer, wenn sie für ihre Nationalmannschaft spielen dürfen, wenn sie zu den Camps gehen dürfen. Weil es einfach so ein verschworener Haufen ist, der gefühlt seit zehn oder fünfzehn Jahren so zusammen ist und zusammenwächst.

Neue, junge Talente stoßen zum Kader, die ihn nur noch besser machen. Aber das kann der Knackpunkt sein, wie man dieses Bollwerk und diese mannschaftliche Geschlossenheit am Ende auch bezwingt.“

Wie kann man das denn machen? Sie als Trainerin, geben Sie uns eine Hilfestellung.

„Ich glaube es kommt wieder auf den Matchplan an. Man musste jetzt dreimal einen neuen Matchplan erfinden. Egal ob es gegen Spanien, Finnland oder Dänemark ging. Hier hat die deutsche Mannschaft bewiesen, dass sie extrem anpassungsfähig ist. Sich extrem gut auf andere Mannschaften einstellen kann.

Das wird jetzt sicherlich ein Gegner sein, der sehr kompakt ist, gut zusammenarbeitet und so ein bisschen das Herz auf dem Platz lässt. Füreinander kämpft und fightet.

Das hatte die deutsche Mannschaft bisher noch nicht als Gegner in der Gruppenphase. Es wird spannend sein zu sehen, wie viel Herz am Ende in der deutschen Mannschaft steckt im Vergleich mit den Österreicherinnen.

Von der individuellen Klasse, der technischen Qualität und den Einzelspielerinnen sehe ich unsere Mannschaft natürlich vorne. Wenn man positionsspezifisch vergleicht, haben wir auf jeder Position so ein bisschen die Nase vorn. Aber darauf kommt es nicht immer an.

Unsere Mädels müssen alles geben, alles reinhauen, um die Österreicherinnen zu schlagen.“

Was würden Sie dann als taktische Marschroute ausgeben? Martina Voss-Tecklenburg war ja bis jetzt sehr variabel. Welche Spielerinnen sind jetzt gefragt? Schnelle Außen oder eher Wucht im Zentrum?

„Wir haben auch schon gezeigt, dass wir eine gute Bank haben, dass man auch nachlegen kann. Die Spielerinnen die jetzt gegen Finnland gespielt haben, wie eine Linda Dallmann, die reinkommt und extrem gut performt. Oder Nicole Anyomi, die sogar ein Tor schießt.

Man merkt, wie sich die Mannschaft für einander freut. Egal, ob die Nummer dreizehn, vierzehn, fünfzehn ist, oder ob es die erste Elf war, wo die Bank voll mitgegangen ist. Darauf wird es auch in diesem Spiel wieder ankommen.

Die Spielerinnen die in die Startelf kommen, müssen voll da sein. Aber auch die Spielerinnen, die am Ende irgendwann in die Partie kommen und aktiv Einfluss nehmen, müssen eben auch da sein und bereit sein.

Die taktische Marschroute überlasse ich Martina Voss-Tecklenburg sich was auszudenken – und ihrem Trainerstab. Ich glaube, da sind die extrem gut darin. Vielleicht auch Schwachstellen und Räume zu erkennen im österreichischen Spiel.

Gerade vorne drin hat man gesehen, wie wichtig eine Alex Popp mit ihrer Kopfballstärke ist. Man ist sehr flexibel über das Flankenspiel, aber man kann sich auch mal durchkombinieren und flach mit dem Fuß zum Abschluss kommen.

Deswegen gibt es da mehrere Varianten, wie man das Spiel gestalten kann. Wichtig wird sein, dass man defensiv gut steht, dass man die Null hält und die Mannschaft zusammen kompakt in der Defensive arbeitet und mit dieser Defensivlust wieder auftritt.“

Defensivlust. Wenn jetzt den Österreicherinnen die Überraschung gelingt, was passiert dann in unserem Nachbarland?

„Dann denke ich explodiert die Bundesliga. Die nehmen dann so viel Schwung mit in die Bundesliga, dass nicht abzusehen ist, was dann passiert.

Nein, ich gehe mal nicht davon aus und ich hoffe es fest, dass wir nicht gegen Österreich stolpern werden.

Wir haben mit der U-17 vor kurzem gegen Österreich gespielt und es ist schwierig gegen Österreich, das kann man auch im U-Bereich schon feststellen. Da haben wir mit Ach und Krach gewonnen. Wir lagen schon 2:0 hinten, mussten dieses Spiel gewinnen und waren nur noch zu zehnt. Haben es aber dann in vier Minuten mit drei Toren gedreht.

Man muss eben auch immer an sich glauben, egal wie der Spielstand gerade aussieht. Auch das muss man mitnehmen. Aber man kann nicht damit rechnen, wie es bei den Spanierinnen war, dass sie nach siebzig oder achtzig Minuten mehr oder weniger aufgehört haben.

Österreich geht über die volle Distanz. Die hören nicht auf. Die geben 120 %. Sie sind wahrscheinlich mit die mental stärkste Mannschaft im Turnier, weil sie sich so gut pushen. Das ist der Clou und das sieht von außen vielleicht nochmal leichter aus, als es ist.

Gegen so eine Mannschaft zu spielen, ist schon extrem schwer. Aber: Wir können das.“

Der nächste Kracher der ansteht, lautet England gegen Spanien (20.7., 21:00 Uhr). Mehr geht ja fast nicht, im Frauen-Fußball aktuell.

„Das stimmt. Auf dieses Spiel bin ich rein als Fußball-Fan schon sehr gespannt. Fast schon etwas aufgeregt, wann es endlich so weit ist. Bei mir ist das dick im Kalender eingetragen, da freuen wir uns alle schon darauf.

Da sehen wir ein richtig tolles Fußballspiel. Es wird große Werbung für den Frauen-Fußball sein. Ich werde sogar vor Ort sein und das Spiel live anschauen. Da freue ich mich schon sehr darauf. Gerade zum richtigen Zeitpunkt fliege ich nochmal rüber.“

Aber wen sehen Sie vorne? Natürlich sind die auf Augenhöhe, aber am Ende muss es ja einer schaffen und weiterkommen.

„Richtig. Wir sind in der K.O.-Runde angekommen. Jetzt gibt es keine Unentschieden mehr.

Ich glaube, dass England die Nase vorne hat. Ich glaube, dass sie in diesem Spiel der Favorit sind. Einfach aufgrund der gezeigten Leistungen.

England ist extrem souverän. Sie haben mit die beste Offensive. Haben mit Deutschland die beste Defensive, ohne Gegentor bei diesem Turnier und auch beeindruckende Leistungen gezeigt.

Sie haben einen guten Matchplan, eine gute Spielanlage, eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive. Da greifen alle Mechanismen sehr gut. Sie sind so ein bisschen die ‚Pressingmaschine‘ und schießen viele Tore aus dem Pressing oder Gegenpressing. Woran man merkt, dass sie einfach auch gut arbeiten zusammen.

Spanien hat gezeigt, dass sie eine wunderschöne Spielanlage haben. Es macht total Spaß, den Spanierinnen zuzusehen. Ich war ja selbst vor Ort, beim Spiel gegen Deutschland. Da konnte ich sehen, wie da die Abläufe passen, wie gut die Laufwege sind, wie abgestimmt das aufeinander ist.

Aber: Es fehlt der Torerfolg. Es fehlt, diese tolle Spielanlage in Tore umzumünzen. Das hat sich jetzt durchgezogen. Man hat gerade noch das 1:0 gegen Dänemark in der neunzigsten Minute geschossen. Man wäre auch mit einem Unentschieden weiter, aber man merkt, dass sich die Spanierinnen einfach schwertun, Tore zu schießen.“

Julia Simic über Frankreich: „Physisch stärkste Mannschaft“

Frankreich gegen Niederlande ist aber auch ein attraktives Spiel.

„Ist ein Kracher. Niederlande, als amtierender Europameister bei dieser EM, tun sich immer noch ein bisschen schwer als Mannschaft zusammenzuspielen.

Sie haben ihre ganzen Individualistinnen, Lieke Martens, Lineth Beerensteyn, Jill Roord, natürlich einige Spielerinnen, die man aus der Bundesliga kennt: Danielle van de Donk.

Leider ist Vivianne Miedema durch Corona ausgefallen. Kommt aber vielleicht nochmal zurück in diesem Turnier. Ich glaube, dass die Französinnen die Nase vorne haben, weil sie als Team besser zusammenspielen und in der Offensive kaum zu halten sind.

Mit ihrer Schnelligkeit und ihren dynamischen Spielerinnen. Sie haben zwar Marie Katoto, ihre Top-Stürmerin, wegen eines Kreuzbandrisses verloren. Aber sie haben auch gezeigt, dass da viel auf der Bank sitzt und viel Potenzial von hinten nachschiebt.

Für mich ist Frankreich die physisch stärkste Mannschaft, von ihrer Geschwindigkeit. Die sind extrem schwer zu halten. Deswegen glaube ich, dass Frankreich dieses Spiel gewinnen wird.“

Julia Simic, es war wie immer sehr informativ und erfrischend mit Ihnen. Vielen Dank!

„Das freut mich sehr. Hat Spaß gemacht.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen