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Julia Simic vor EM 2022 Start: Frauen-Fußball „soll einfach normal sein“

Karl-Heinz Fischer  4. Juli 2022
Julia Simic
Ex-Profi Julia Simic im Interview zur Lage des Frauen-Fußballs vor der Women's Euro 2022. (© Wettbasis)

Die ehemalige Nationalspielerin, deutsche Meisterin und DFB-Pokal Siegerin Julia Simic wird die Frauen-EM 2022 für die Wettbasis-Redaktion als Analystin begleiten.

Kickoff unserer Zusammenarbeit ist ein Exklusivinterview mit Tiefgang. Die Themen reichen von den Chancen und Stärken der DFB-Mannschaft bis hin zur Frage nach den Top- und Geheimfavoriten der UEFA Women’s EURO 2022, den Stärken Österreichs und dem wohltuenden Hype rund um den Frauen-Fußball.

Dass aber leider auch heute noch negative Äußerungen kommen und wie man als junge Spielerin damit umgehen kann, auch das versucht Simic zu erklären.

Zu finden ist die Tippshow, neben zahlreichen Experten-Interviews, stets auf dem „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel.


Hallo Frau Simic. Ich freue mich, dass wir Sie heute zum Interview begrüßen dürfen und dass wir gemeinsam die Europameisterschaft besprechen. Am 6. Juli geht es los. Freuen Sie sich?

Julia Simic: „Ja und wie. Ich kann kaum erwarten, dass es losgeht. Es wurde viel darüber gesprochen. Über alle möglichen Szenarien, Mannschaften, Ausgänge und Erwartungshaltungen. Deshalb kann es dann jetzt auch mal starten.“

Deutschland konnte die Women’s Euro bereits 8x gewinnen. Was denken Sie, wie die Chancen dieses Jahr stehen? Alexandra Popp hat ja gesagt, dass Deutschland das Zeug zum Titel habe.

„Zuallererst finde ich es gut, wenn die deutsche Nationalmannschaft selbstbewusst ins Turnier geht. Es ist wichtig, dass man ein Gefühl entwickelt und selbst daran glaubt. Nur dann kann es etwas werden und nur dann kann es passieren.

Ich denke, es ist die ausgeglichenste Europameisterschaft, die es bisher gab. Die acht Titel in der Vergangenheit haben unter anderen Bedingungen stattgefunden. Es gibt viele Mannschaften, die daran glauben weit zu kommen, wenn nicht sogar Europameister zu werden.

Deshalb ist es schön, wenn die deutsche Mannschaft auch daran glaubt. Ich selber glaube natürlich auch daran und habe die Hoffnung, dass wir im Turnier weit kommen. Aber es gibt natürlich viele andere Nationen, die richtig gut gearbeitet haben und eine richtig gute Mannschaft haben.“

Was denken Sie sind die Stärken des deutschen Teams? Außer dem Glauben daran, dass sie das Turnier gewinnen können.

„Ich glaube wir haben einen extrem vielseitigen Kader. Auf dem Papier hat man viele tolle Spielerinnen. Man hat einen super Mix aus Jung und Erfahren und man hat alle Aspekte mehr oder weniger abgedeckt.

Man hat ganz unterschiedliche Offensivspielerinnen, die für viel Dynamik sorgen und spielentscheidend sein können. Es ist wichtig, dass man viele Optionen hat.

In der Vergangenheit war es öfter so, dass man immer wieder Ausfälle hatte und sich nicht auf eine Achse einspielen konnte. Aber diese Vorbereitung war gut und man hat jetzt den endgültigen Kreis auch mal eine längere Zeit zusammen.

Stärken gibt es sehr viele im Team. Man hört viel über die starke Offensive, aber auch die Defensive findet sich gerade und wächst zusammen. Das wird auch extrem wichtig sein, dass dann eine ausgeglichene Mannschaft auf dem Platz steht.“

Julia Simic über DFB-Team: „An Talenten mangelt es nicht“

Wie Sie schon sagten, gibt es erfahrenere und jüngere Spielerinnen in der Mannschaft. Auf wen werden wir bei diesem Turnier aufmerksam?

„Ich hoffe, dass es immer wieder Überraschungen geben wird. Ein Turnier ist ja auch dafür da, dass man die Aufmerksamkeit bekommt und Spielerinnen auch wieder in ein neues Licht rücken und sich auf der ganz großen Bühne zeigen können.

Es gibt ganz viele Spielerinnen, die in der vergangenen Saison toll gespielt haben. Eine Jule Brand zum Beispiel. Ich bin auch ein großer Fan von Sydney Lohmann, ich sehr gerne einfach Fußballspielen sehe, wenn sie fit ist.

Sie hatte viel mit Verletzungen zu kämpfen, hat mittlerweile aber ihr Level wieder erreicht, was die Fitness angeht. Hoffentlich wird sie auch bei dieser EM auf sich aufmerksam machen können. In der Champions League hat sie das bereits gemacht, in der letzten Saison.

Natürlich gibt es dann auch noch die Achse mit Alexandra Popp und Lina Magull oder Marina Hegering, die wieder zurückgekehrt ist und so etwas wie die Defensiv-Stabilisatorin bei diesem Turnier werden soll. Es gibt tolle Spielerinnen, Sara Däbritz, eher die erfahreneren, die eine Mannschaft auch ziehen sollen.

Aber man hat auch gegen die Schweiz gesehen, es gibt auch eine Klara Bühl, die einfach mal drei Tore schießt und extrem spielentscheidend sein kann. Also an Talenten und Potenzial mangelt es der deutschen Mannschaft nicht.“

Woran mangelt es der deutschen Mannschaft denn? Man hat gelesen, dass es Martina Voss-Tecklenburg noch nicht gelungen ist, der Mannschaft einen Spielstil einzuprägen und dass alles noch ein wenig durcheinander wirkt. Woran könnte das liegen? Oder besteht das Problem aktuell gar nicht mehr?

„Dass es daran liegt, glaube ich nicht. Ich denke, dass man in der Vergangenheit das Team wirklich selten so zusammen hatte, mit der man jetzt auch ins Turnier geht. Dadurch wird es schwierig sich einzuspielen.

Der Trainerstab hat sich auch bewusst dazu entschieden, nochmal drei Wochen intensiv zusammenzuarbeiten. Wo man trainiert und nicht mal so viel spielt. Wo man sich Mechanismen, Automatismen und Spielzüge aneignet, taktische Dinge erarbeitet – auf Trainingsbasis.

Man hat sich bewusst nur auf ein Testspiel verabredet gegen die Schweiz, gegen einen Gegner, den man an einem normalen Tag auch schlägt. Um weiterhin Spielzüge zu verbessern und diese taktischen Feinheiten zu entwickeln.

Das wird jetzt auch wichtig sein. Das hört man auch aus den Mannschaftskreisen. Man hat das Gefühl die Mannschaft hat sich gefunden, was man mit dem Spiel auch nochmal untermalen konnte. Auch wenn dann in der Gruppenphase nochmal andere Kaliber warten.

Gerade zum Auftakt gegen Dänemark, die zuletzt gegen Brasilien gewonnen haben, wird sich zeigen wie gefestigt die Mannschaft ist. Aber ich denke, in den letzten Wochen ist da viel zusammengewachsen und hoffentlich bekommt das die Mannschaft auch auf den Platz.“

Wenn Sie eine Prognose abgeben müssten wie die „deutsche“ Gruppe B endet, was würden Sie sagen?

„Schwierig natürlich, weil man mit Dänemark und vor allem auch Spanien zwei Brocken in die Gruppe gelost bekommen hat. Spanien ist aktuell Benchmark im Frauen-Fußball, von der Art und Weise wie sie Fußball spielen.

Sie haben zwar noch nichts gewonnen in ihrer Historie, aber das wird entscheidend sein, wie gut sie im Turnier sind wenn es um etwas geht. Wie weit können sie dann auch ihre ganzen individuellen Stärken auf den Platz bringen? Können sie ihren ganzen tollen Fußball zeigen, der dann aber auch produktiv sein muss?

Erfahrungsgemäß hat man mit einer deutschen Mannschaft ja immer auch eine Turniermannschaft, die sich dann teilweise erst im Turnier richtig gut entwickelt hat. Man muss gegen Dänemark gut starten und sich ein gutes Gefühl holen, dass es eben auch auf dieser Bühne richtig Spaß macht zu kicken.

Dann kann es richtig weit gehen, dass man über die Gruppenphase gut hinauskommt und dann sogar in die Finals einziehen kann. Ich denke, das ist auch die klare Vorgabe, aber alles entscheidend wird der Auftakt sein. Sozusagen der Dosenöffner. Wenn man die Dose auf bekommt, dann ist richtig viel drin.“

Julia Simic: „Spanien und England sind Frauen-EM Favoriten“

Der Hype um das dänische Team und die EM generell ist in Dänemark zwar groß, aber richtig auf Erfolg sind die Leute nicht eingestimmt. Sehen Sie Dänemark als eine Art Geheimfavorit?

„Dänemark ist eher ein großer Stolperstein. Ich zähle sie nicht zu den Top-5 Mannschaften bei diesem Turnier. Sie haben natürlich außergewöhnliche Spielerinnen, gerade Pernille Harder als Star der Mannschaft, die immer genannt wird. Auch Signe Bruun.

Sie haben ein paar Spielerinnen, die bei wirklich guten Vereinen auf hohem Level spielen. Was sie auch haben, ist ein guter Mannschaftsgeist und eine gute taktische Ausrichtung. Sie sind gut eingestellt, gerade auch defensiv. So ein skandinavisches Bollwerk zu knacken, ist auch nicht immer so leicht.

Da kommt es dann darauf an, dass man das spielerisch gut lösen kann, gegen eine gut eingestellte Mannschaft mit punktuell starken individuellen Spielerinnen. Aber Dänemark gehört für mich nicht zu den Mannschaften, die zwangsläufig um den Titel mitspielen wird.“

Welchen Geheimfavoriten haben Sie auf der Liste, der um den Titel mitspielen könnte?

„Es fokussiert sich viel auf Spanien und auf England, logischerweise. Hin und wieder hört man auch Schweden. Aber man vergisst ein bisschen Frankreich. Die hatten gerade einen kleinen Umbruch in der Mannschaft. Zwei, drei große Namen gehören nicht mehr zum Kader, die vorher die Nationalmannschaft über Jahre geprägt haben.

Da hat auf jeden Fall ein Umbruch stattgefunden, aber sie sind für mich immer eine Mannschaft, die extrem gefährlich und weit kommen kann. Sie sind aber kein Geheimfavorit, weil man Frankreich schon auch immer mit auf dem Schirm hat.

Norwegen hat immer eine Mannschaft die auf dem Papier unglaublich viel Potenzial hat, aber bei den Turnieren in den letzten Jahren es nie wirklich auf den Platz gebracht hat. Ich finde es spannend auch ein Auge auf sie zu werfen, weil sie gerade individuell ein Riesenpotenzial haben.“

Lianne Sanderson war sehr selbstbewusst, dass England das Turnier gewinnen wird. Sie haben ja auch Heimvorteil. In England haben Sie, Julia Simic, mit und gegen englische Spielerinnen gespielt. Wie schätzen Sie die Chancen dieses Teams ein?

„Gefühlt gehört England auf jeden Fall zu den selbstbewusstesten Mannschaften. Man hört immer wieder, dass sich dieser Hype und Heimvorteil auch als Nachteil herausstellt, der sie hemmt. Ich denke, das wird nicht passieren. Die englischen Spielerinnen freuen sich so sehr auf das Turnier, so dass sie diesen Hype für sich nutzen wollen und werden.

Daher gehe ich da mit. England wird eine Bombenmannschaft auf den Platz bekommen. Die Frage wird sein, wie es mit der neuen Trainerin, Sarina Wiegmann – die auch schnell einen neuen Spielstil in die Mannschaft gebracht hat und schnell ihre Ideen implementieren konnte – funktioniert.

Zuletzt hat die Mannschaft immer gute Ergebnisse und Spiele gezeigt. Sie können aus dem Vollen schöpfen und haben eine richtig gute Mannschaft zusammen. Aber für England ist es natürlich auch ein großes Turnier, mit viel Erwartungshaltung.

Sie gehören für mich definitiv zu den Top zwei oder drei Mannschaften bei diesem Turnier. Ich glaube, dass es für sie weit gehen kann. Aber aus irgendeinem Grund glaube ich nicht, dass sie es schaffen, den Titel zu holen.

Es ist aber genau das, was wir vorhin auch über die deutsche Mannschaft gesagt haben: Es hängt davon ab, wie sie reinkommen, in das Turnier und welche Teamdynamik sich da entwickelt.“

Julia Simic über ÖFB-Team: „Elf Freundinnen, die zusammen kicken“

England ist in einer Gruppe mit Österreich. Sie kennen auch einige ÖFB-Spielerinnen persönlich. Vor wem haben Sie besonders großen Respekt? Gibt es eine besondere Rivalität, wenn es gegen unsere Nachbarn geht?

„Im Frauenfußball glaube ich das nicht. Dazu gab es in der Vergangenheit auch einfach zu wenig Duelle, die entscheidend hätten sein können für Erfolg oder Niederlage.

Österreich hat aber in der Vergangenheit gezeigt, dass sie auch als ‚kleinere Frauenfußball-Nation‘ über ihren Teamgeist, über ihren Spirit und die gute Laune in der Mannschaft extrem viel reißen können. Es ist enorm wichtig, dass man als Mannschaft gut zusammenarbeitet und das können die Österreicherinnen.

Sie verfügen über einen Kern an Spielerinnen, der über Jahre zusammenspielt. Vor kurzem hat eine Spielerin geheiratet und die halbe Nationalmannschaft war dabei. Da merkt man, dass da eben mehr als Mitspielerinnen sind. Das sind wirklich Freunde und da sind Freundschaften gewachsen in diesem Verbund. So spielen sie dann auch Fußball.

Es ist wirklich ein Team aus elf Freundinnen, die zusammen kicken und richtig Lust darauf haben, sich zu pushen, sich gegenseitig zu stärken und sich gegenseitig auch Erfolg und Einsatzzeiten gönnen. Das ist die große Stärke, die Österreich hat.

Natürlich haben sie auch gute Spielerinnen. In England, in Frankreich, in Deutschland. Sie sind wirklich auch gut personell gut aufgestellt. Vielleicht nicht bis zur 22. Spielerin, wie bei anderen Teams, aber es ist eine Mannschaft mit der zur rechnen ist.

Sie haben den Knüller im Old Trafford zum Auftakt gegen England. Da muss man sehen, wie die ‚Ösis‘ mit dem Druck und mit diesem Stadion, diesem Kessel der brennen wird, umgehen.“

Julia Simic
Ex-Profi Julia Simic tritt regelmäßig als Fußball-Expertin auf. (© IMAGO / Sports Press Photo)

Der Hype und die Berichterstattung rund um die EM hat sich sehr zum Positiven gewandelt. Man sieht viel mehr Berichte als noch vor ein paar Jahren. Was macht das mit dem Sport und wo kann er in fünf Jahren sein, wenn die Entwicklung so weitergeht?

„Die letzte Saison war für mich entscheidend, zu sehen, wie man Frauenfußball vermarkten kann. Auch auf Club-Ebene, unabhängig von großen Turnieren, wo es erfahrungsgemäß immer einen Hype gab und gibt.

Wir hatten 2011 die Heim-WM in Deutschland, da hat man gesehen, wie interessiert auch andere Wirtschaftszweige waren im Frauenfußball mitzuwirken und zu investieren. Es gab Sponsoren und Brands, die da einsteigen wollten und den Frauen-Fußball als Bühne für das Marketing genutzt haben.

Danach ist dieser kurze Hype wieder erloschen und man hat es nie ganz geschafft, diesen Hype auch auf die Liga umzumünzen. Mit der letzten Champions League Saison, mit dem neuen Modus und der Gruppenphase, mit den unterschiedlichen Streams hat man Frauen-Fußball normalisiert. Weil er sichtbarer wird.

Man spricht ja immer von ‚Sichtbarkeit‘. Das ist auch so in den Medien. Je normaler man darüber berichtet, je mehr man den Sport anerkennt und akzeptiert, desto normaler wird er auch angenommen in der Gesellschaft.

Unser Ziel, als ehemalige Spielerin, Trainerin und Frauen-Fußball-Liebhaberin, ist es, die nächste Generation zu beeinflussen. Dahingehend, dass die jungen Mädels anfangen Fußball zu spielen und die Jungs sollen sagen, dass es normal ist, dass die Mädels mit ihnen Fußball spielen. Oder auch anders herum.

Sodass es irgendwann ein ganz normaler Prozess wird. Damit es nicht mehr heißt: ‚Wow, du spielst Fußball als Mädchen. Wie bist du dazu gekommen?‘. Was ich ungefähr meine ganze Jugend und oft auch heute noch, als Kommentar oder Frage, hören musste.

Es soll einfach normal sein für ein junges Mädchen Fußball zu spielen. Da liegt ein großer Teil bei den Medien. Wie berichtet wird und wie die Berichterstattung aussieht.

Klar geht es auch immer um die Qualität des Sports. Der Frauenfußball hat sich technisch, taktisch und athletisch extrem entwickelt. Das wird sich auch weiter entwickeln. Je besser die Basis ist, desto besser ist auch das, was an der Spitze ankommt.

Da gibt es noch viel Potenzial. Ich bin mittlerweile Jugendtrainerin und weiß, was da für Juwelen auf uns warten, in vielleicht drei, vier oder fünf Jahren. Es bleibt viel zu tun, aber es hat sich viel, viel zum Positiven entwickelt.“

Simic: „Steht Frauen zu Sport professionell auszuüben“

Eine sehr gute Überleitung: Wir haben geschaut, welche Suchanfragen im Internet auftauchen, wenn man „Frauenfußball“ sucht. In Deutschland war oben mit dabei: „Frauen-Fußball ist wie Pferderennen, nur mit Eseln“. Es gibt mehrere Artikel mit diesem Satz als Überschrift. Wie geht man mit solchen Sprüchen um und was sagt man vor allem auch jungen Spielerinnen, die mit solchen Sachen konfrontiert werden?

„Ich kenne den Spruch, der ist für mich nicht ganz so ungewöhnlich und ich habe ihn auch schon öfter gelesen. Gerade in gewissen Runden meinen manche, sie können sich über solche Sprüche profilieren. Ich habe mir abgewöhnt sowas wirklich ernst zu nehmen, oder das an mich ran zu lassen.

Man stellt sich manchmal die Fragen, warum Männer so ‚protective‘ sind mit ‚ihrem‘ Fußball. Dass niemand anderer außer sie selbst den spielen darf. Mir kommt es so vor, als dass der Fußball immer noch den Männern gehören sollte. Gerade wenn solche Sprüche fallen.

Für uns ist oft die Frage: Man akzeptiert Frauen-Handball, Frauen-Tennis und Frauen-Basketball. Aber beim Fußball gibt es immer nur dafür oder dagegen. Als Spielerin hat man das oft gar nicht verstanden. Selbst wenn man es sich aus welchen Gründen auch immer nicht anschauen möchte, dass man es nicht einfach akzeptieren kann, dass es gezeigt wird.

Es ist einfach ein Teil der Gesellschaft. Sport hat über den Tellerrand hinaus viel Einfluss auf andere Bereiche. Das ist auch etwas, was man mit dem Sport verbindet und was man auch nutzen muss.

Bei gesellschaftlichen Themen wie Gleichberechtigung kann der Sport viel abdecken. Allein deshalb sollte man Mädchen die Chance geben diesen Sport ausüben zu können und dass sie pushen und dazu ermutigen.

Jeder, der selbst Fußball oder einen anderen Mannschaftssport gespielt hat, weiß, wie schön es ist in diesem Teamverbund zu sein und was da wachsen kann. Wie man mit unterschiedlichen Dingen umgehen kann und auch ganz spielerisch erlernen kann, ohne dass man es explizit lernen muss.

Das ist das tolle am Sport. Daher ist es für mich unbegreiflich wie man da dagegen sein kann. Auch wenn es der Fall sein mag, dass man mit dem Männerfußball körperlicher nicht auf einem Level ist. Trotzdem steht es auch den Frauen zu, diesen Sport professionell auszuüben.“

Gerade wenn man jünger ist, nimmt man solche Sprüche ja nochmal anders auf. Gerade die Vorurteile die es darüber gibt.

„Auf jeden Fall. Ich bekomme das in unserer U-17 Nationalmannschaft mit, die gerade auch viel im Fokus stehen. Sie haben die EM gewonnen und danach kamen viele Sport-Zeitschriften die darüber berichten, auch auf den sozialen Medien. Dann kommen aber viele Kommentare, die die junge Generation so noch gar nicht kennt.

Wenn ich mir so etwas durchlese, dann ist das irgendwie schon fast normal, was eigentlich schon erschreckend ist, dass man das als ’normal‘ akzeptiert. Die Mädels kommen dann aber und fragen, wie man mit so einem Spruch umgehen soll.

Das ist ein Lernprozess. In diesem Moment denkt man, man sollte sich eigentlich gar nicht daran gewöhnen und man müsste proaktiv gegen diesen Schmarrn, der dort geschrieben wird, vorgehen. Man kann es aber nicht. Es ist ein Feld, das nicht zu greifen ist.

Am Ende ist es virtuell und eben nicht die Realität. Man kann es sich einfach extrem leicht machen, in diesem anonymen Raum diesen Hass zu verbreiten.

Der beste Ratschlag ist, es gar nicht an sich ran zu lassen und es am besten gar nicht zu lesen. Wenn man es mal liest, oder irgendwo aufschnappt, es zu ignorieren und das zu machen, was man liebt und dafür zu kämpfen und an seinen eigenen Zielen zu arbeiten. Davon sollte man sich nicht von seinem Pfad abbringen lassen.“

Ein schöner Abschluss für unser Interview. Vielen Dank Julia Simic, dass ich mit Ihnen über die EM sprechen konnte.

„Sehr gerne. Es hat Spaß gemacht.“

Interview: Carla Rosocha

Spieler-Stationen von Julia Simic

Verein Spiele Tore/Vorlagen
Bayern München 86 29/4
Turbine Podsdam 43 18/5
VfL Wolfsburg 45 5/1
SC Freiburg 20 1/1
West Ham United 16 2/6
AC Milan 5 -/-
AC Milan 5 -/-

Julia Simic: Prognose zum 1. Spieltag der Women’s Euro 2022

Zum Spiel Deutschland gegen Dänemark: Die Vorbereitung auf das Turnier war gut. Die Stimmung ist auch gut. Dennoch birgt das erste Turnierspiel immer Tücken. Welche sind das genau?

„Die Tücke, die die deutsche Mannschaft gerade mitbringt ist, dass man nicht genau weiß wo man gerade steht. Das Problem haben andere Nationen auch, dass sie nicht wissen, auf welchem Level sie sind. Die deutsche Mannschaft will jetzt auch deshalb starten, weil sie wissen wollen, wie gut sie sind und wie weit sie es schaffen kann.

In den letzten Wochen ist viel zusammengewachsen. Man hat viel und hart gearbeitet, Feinheiten geschliffen und jetzt wird es spannend zu sehen sein, wie das gefruchtet hat. Wo steht die deutsche Mannschaft, wenn es jetzt auf der großen Bühne gegen Top-Gegner geht?“

Die dänische Mannschaft ist, ähnlich der Männer-Mannschaft, im Moment eine sehr homogene Truppe. Sie verstehen sich untereinander sehr gut. Wie muss Deutschland gegen diese Einheit vorgehen, was müssen sie gegen die Däninnen auf den Platz bringen?

„Es wird entscheidend sein, dass man eine gute Dynamik in das Spiel bekommt. Erfahrungsgemäß verteidigt Dänemark gut im Verbund. Die Abläufe, gerade defensiv, stimmen. Es sind viele Mechanismen klar. Seit vier Jahren arbeitet man mit dem Trainer zusammen.

Da ist etwas entstanden, etwas zusammengewachsen. Dänemark war in der Vergangenheit auch wirklich erfolgreich und hat es auch in einigen Turnieren schon weit geschafft. Bei der vergangenen EM standen sie sogar im Finale. Von daher wissen die Däninnen schon auch, was sie können.

Punktuell haben sie auch einige Superstars, rund um Pernille Harder natürlich. Da wird es wichtig sein, die auszuschalten. Ganz wird man das nicht schaffen, aber im Verbund kann man das auffangen. Man muss gut angreifen, aber auch gut verteidigen. Zwichen Offensive und Defensive wird eine gute Balance nötig sein.

Wenn die deutsche Mannschaft all ihre Stärken auf den Platz bekommt, mit ihrer Dynamik und ihren guten Offensiv-Spielerinnen, mit ihrer Lust zusammen im Verbund zu verteidigen, dann kann man auch Dänemark an einem guten Tag schlagen.“

Pernille Harder hat in der letzten Zeit doch einige Spiele verpasst. Wenn man sich das genauer anschaut, schießt Signe Bruun die Tore für die Mannschaft. Wie bewerten Sie die Performance von Pernille Harder?

„Es wird spannend sein zu sehen, wie stark und auch wie einflussreich Pernille Harder für das dänische Team sein wird. Zuletzt ist sie bei Chelsea auch angekommen, aber sie hat nicht diesen ganz großen Einfluss auf das Chelsea-Spiel, wie den, den sie vorher auf das Spiel in Wolfsburg hatte. Wo sie ja auch viele individuelle Titel, wie ‚Europas Fußballerin des Jahres‘ oder ‚Deutschlands Spielerin des Jahres‘ – als erste ausländische Spielerin – bekam.

Man kennt Pernille Harder als absoluten Top-Star aus der Bundesliga. Bei Chelsea hat sie dieses Level noch nicht ganz erreicht. Bei Dänemark hat sie wieder eher die Rolle, die auf sie zugeschnitten ist. Das schafft aber natürlich auch Räume für andere Spielerinnen, die dann, wenn sich viel auf Pernille Harder konzentriert, ihre Freiheiten bekommen.

Da gibt es Signe Bruun Larsen die eine tolle Entwicklung gemacht hat und ganz entscheidend sein kann, für das Spiel des dänischen Nationalteams. Oder Sofie Junge Pedersen und Sofie Svava von Real Madrid. Einige Spielerinnen, die bei richtig tollen Vereinen spielen und gute Leistungen auf Club-Level bringen. Es ist nicht nur Pernille Harder, aber natürlich ist sie die prägende Figur bei Dänemark.“

Schweden gegen Niederlande. Absolutes Kracherspiel. Die Titelverteidigerinnen gegen die Zweiten der Weltrangliste. Welche der beiden Mannschaften sehen Sie im Vorteil und warum?

„Schweden haben viele gar nicht richtig auf dem Schirm, wenn es darum geht, den Favoriten zu nennen. Aber Schweden hat eine unglaublich gute Mannschaft. Sie haben bei Olympia die Silbermedaille gewonnen.

Nichtsdestotrotz ist die Niederlande auch bestückt mit tollen Einzelspielerinnen. Ich glaube aber, dass die Niederlande eine gute Trainerin verloren haben, die auch mit für den Erfolg in der Vergangenheit verantwortlich war.

Von daher wird das ein Spiel auf Augenhöhe sein, wo es auch auf die Tagesform und vielleicht den besseren Matchplan ankommen wird.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen