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Julia Simic vor Deutschland – Frankreich: „Wird ein ganz schöner Brocken“

Karl-Heinz Fischer  25. Juli 2022
Deutschland - Frankreich
Julia Simic sieht vor Deutschland - Frankreich die DFB-Damen im Vorteil. (© IMAGO / MIS)

Es war kein Spaziergang gegen die Österreicherinnen, dennoch bleibt die deutsche Mannschaft weiterhin ohne Gegentor und im Turnier. Im Halbfinale kommt es nun (Mittwoch 27.7., 21:00 Uhr) zum Spitzenspiel Deutschland – Frankreich.

Das zweite Halbfinale (Dienstag 26.7., 21:00 Uhr) bestreiten ebenfalls zwei Teams, die schon im Vorfeld von vielen zu den Turnier-Favoriten gezählt wurden. Gastgeber England empfängt Schweden.

Wie schon in den Runden davor begrüßen wir die ehemalige Nationalspielerin Julia Simic als Expertin für die UEFA Women’s EURO 2022 zum Interview. Im Fokus stehen natürlich die beiden Halbfinals, wir richten aber auch den Blick auf das Turnier als solches, das bisher eine gute Werbung für den Frauen-Fußball war.

Zu finden ist die Tippshow, neben zahlreichen Experten-Interviews, stets auf dem „Wettbasis Sportwetten“ Youtube Channel.


Die EM ist wirklich großartig. Aber zuerst einmal: Herzlich willkommen, schön, dass Sie wieder bei uns sind.

Julia Simic: „Guten Morgen aus Amerika.“

Was ist da los, sind Sie geflüchtet aus England?

„Ein bisschen. (lacht) Nein, ich war jetzt zweimal dort und wäre natürlich gerne noch geblieben, aber jetzt habe ich hier ein Fußballcamp in den USA, das von langer Hand geplant war.

Es ist natürlich schade, weil ich dadurch keine Spiele mehr live bei der EM sehen kann, aber ich werde mir das natürlich in Übersee anschauen.“

Wir spüren eine große Vorfreude auf dieses Halbfinale, Deutschland – Frankreich. Können Sie das teilen und mit welchen Argumenten vielleicht sogar unterfüttern?

„Ich freue mich genauso, wie wahrscheinlich viele andere auch. Vielleicht sogar noch mehr, weil ich ein totaler Fan der Frauen-Nationalmannschaft geworden bin, wenn ich das denn nicht schon war.

Ich glaube, es ist richtig viel möglich noch in diesem Turnier. Die deutschen Mädels können noch ganz weit gehen und auch bis zum Ende dort bleiben. Das wünsche ich ihnen auf jeden Fall sehr. Dafür haben sie alle Qualität und Mentalität nochmal hinzugewonnen, im Laufe des Turniers.

Deswegen freue ich mich jetzt unglaublich auf die beiden Halbfinalspiele und dann, hoffentlich mit deutscher Beteiligung, auf das Finale.“

Was spricht denn gegen ein Finale mit deutscher Beteiligung?

„Wenig! Ich weiß natürlich, dass Frankreich im Halbfinale nochmal ein ganz schöner Brocken werden wird für die deutsche Mannschaft.

Das ist ein Team, das sich wieder ein bisschen anders gestaltet als die Teams, die wir schon bespielt haben und bespielen mussten. Sie sind physisch unglaublich stark. Sie sind unglaublich athletisch, mit die schnellste Mannschaft sogar.

Es wird wieder wichtig sein, sich auf diese Mannschaft einzustellen. Aber ich denke, wenn die deutsche Mannschaft etwas bewiesen hat in den letzten Tagen und Wochen, dann, wie gut sie sich jeweils auf den Gegner einstellen kann. Und dann eben auch ihre eigenen Stärken ins Spiel bringen kann.“

Simic vor Deutschland – Frankreich: „Verhältnis ist fast familiär“

Was auffällt ist, dass das deutsche Team einen unglaublichen Teamspirit hat. Sie wissen, was das bedeutet: „Teamspirit“. Erklären Sie uns das.

„Ich glaube, das sind immer diese paar Prozent hinten raus, die man dann manchmal nicht erklären kann. Warum die eine oder die andere Mannschaft gewonnen hat.

Das kann den Unterschied machen. Die deutsche Mannschaft ist unglaublich zusammengewachsen in den letzten Tagen und vor allem auch Wochen. Schon vor dem Turnier, mit dem Trainingscamp und dann im Turnier mit den Siegen.

Das schweißt zusammen, noch mehr als alles andere. Das ist eine Teambuilding-Maßnahme ohne Ende, wenn man zusammen gewinnt. Und man sieht, wie sie sich zusammen freuen. Welche Hürden sie aber auch schon nehmen mussten, mit Covid, Ausfällen und Verletzungen.

Deswegen ist das eine Mannschaft, die absolut eine Turniermannschaft geworden ist und gut zusammengewachsen ist.

Die Trainerin hat gesagt, sie würde sie jetzt nicht ‚Kinder‘ nennen, aber sie ist sehr, sehr gerne mit der Mannschaft zusammen. Das Verhältnis ist schon fast ein bisschen familiär miteinander und ich glaube, das kann den Unterschied machen, wenn es am Ende bei einem Spiel Deutschland – Frankreich knapp wird.“

Die Buchmacher sagen übrigens, beide Teams haben die gleichen Chancen ins Finale einzuziehen. Sehen Sie das auch so?

„Ja, Deutschland – Frankreich, das ist schon ein Spiel auf Augenhöhe, definitiv. Wie ich gesagt habe, ist Frankreich ein Brocken und eine Mannschaft, der man nicht unbedingt begegnen will.

Unter den letzten vier besten Mannschaften in Europa lässt es sich aber eben auch nicht vermeiden, gegen richtig gute Mannschaften zu spielen. Frankreich gehört da definitiv dazu und war auch schon vor dem Turnier einer meiner Top-3 Favoriten auf den Titel.

Sie haben eine unglaublich gut besetzte Mannschaft, richtig gute Einzelspielerinnen, funktionieren aber auch im Kollektiv. Aber sie haben auch gezeigt, anders als bei den Engländerinnen, dass es zwischen Offensive und Defensive Umschaltmomente gibt, die man ausnutzen kann. Wo es Räume gibt, die man bespielen und nutzen kann, um dann sein eigenes Spiel auf den Platz zu bekommen.

Frankreich hat schon auch Defizite, sind von der Qualität her aber schon mit die beste Mannschaft.“

Dann verraten Sie uns doch mal ein Defizit der Franzosen.

„Beim Spiel nach vorne, wenn es mal nicht so funktioniert, wenn es einen Ballverlust gibt, wenn sie hoch gepresst werden, wenn man ihnen das Leben schwer macht. Gerade im Mittelfeld.

So, dass sie nicht über ihre schnellen Spielverlagerungen über die Außen kommen, dann gibt es natürlich auch Räume hinter der Abwehr, die man gut bespielen kann. Wo man immer wieder in den Rücken der Abwehr kommen kann.

Ich habe gelesen, dass die deutsche Mannschaft gerne auch immer wieder mit Chip-Bällen arbeiten möchte, auch schon gegen Österreich. Das kann gegen Frankreich auch ein gutes Mittel sein.

Aber: Dann sind sie natürlich sauschnell. Da muss man gut reagieren, auf dem Sprung sein und gut auf der Kettenhöhe spielen und als Stürmerin besonders wach sein, um dann diese Momente auszunutzen, wo sich dann Räume im französischen Spiel ergeben.“

Wird Alexandra Popp wieder die entscheidende Figur?

„Ich gehe mal schwer davon aus. Poppi hat das Turnier so ein bisschen zu ihrem gemacht. Endlich ist es so weit, dass sie ein Turnier spielen konnte, jetzt hat sie in jedem der Spiele getroffen. Glücklich, unglücklich, selbst erarbeitete Chancen, war immer zur Stelle, defensiv und offensiv.

Deswegen ist sie schon mit die herausragende Spielerin im Turnier bisher. Klar, in diesem Spiel wird sie wieder besonders wichtig sein. Auch weil sie dieses Selbstbewusstsein mitbringt, was enorm wichtig ist für diese Mannschaft, die in dieser Form noch nicht viele Turniere zusammen gespielt hat.

Eine Alexandra Popp ist da definitiv eine Schlüsselspielerin, auch in diesem Spiel.“

Die Zuschauerbeteiligung ist unglaublich hoch. Fünf bis sechs Millionen haben sich das im Schnitt angeschaut. Vielleicht werden wir sogar zweistellig jetzt im Halbfinale. Glauben Sie, dass sich das auch auf die Bundesliga auswirkt in der neuen Saison?

„Im letzten Spiel waren es sogar fast neun Millionen. Man sieht, man bekommt die Menschen vor die Fernseher und vor die Geräte, um sich die deutsche Frauen-Nationalmannschaft anzuschauen.

Ich denke, das ist unglaublich schön zu sehen und gibt den Mädels bestimmt auch nochmal einen Extra-Schub für Deutschland – Frankreich.

Es ist aber auch wichtig für den Frauen-Fußball in Deutschland, dass wir da mittlerweile eine Gemeinde, eine Gesellschaft im Rücken haben, die den ganzen Sport unterstützt und interessiert ist. Und hoffentlich auch über das Turnier dabei bleibt.

Das wird wieder eine Hürde, die wir nehmen müssen alle zusammen. Seitens der Verbände, der Vereine, der Spielerinnen. Jeder der irgendwie involviert ist, dass man den Sport weiter voranbringt und weiter sichtbar macht.

Gerade die Medien sind wichtig, Sponsoren sind wichtig. Dass man Geschichten erzählt, von den tollen Charakteren, die diesen Sport ausüben und dass man die Leute in die Stadien bekommt. Dass man Events schafft, aber dass man vor allem auch Spiele zeigt und überträgt.

Sodass sich die Menschen die Spiele auch vor den Geräten anschauen können, so wie es jetzt der Fall ist. Man muss den Sport weiter ausbauen und pushen. Das ist bei jedem Turnier das gleiche, dass man versucht diesen Boom auf die Liga zu übertragen.

Es wird wieder eine Herausforderung, aber ich bin guter Dinge, dass man so ein bisschen dieses Momentum mitnimmt. Es liegt natürlich auch immer daran, wie gut die deutsche Mannschaft abschneidet und ich hoffe, dass wir dieses Turnier sehr erfolgreich beenden werden.

Dann kann man diesen Moment nutzen und auch den nächsten Schritt auf der Liga-Ebene gehen.“

Simic: „Engländerinnen eigentlich in jedem Spiel der Favorit“

Sprechen wir noch über das zweite Halbfinale England gegen Schweden. Das findet schon am Dienstagabend statt. Die Engländerinnen sind favorisiert, oder sehen wir da etwas falsch?

„Nein, da gehe ich voll mit. Die Engländerinnen sind eigentlich in jedem Spiel Favorit, egal in welchem bisher und egal welches noch kommt.

Bei einem Turnier, in den K.O.-Runden, ist in einem Spiel immer alles möglich, die Engländerinnen sind aber total gefestigt und sehr stabil. Fit. Wirklich sehr athletisch.

Sie können über 120 Minuten gehen, wie wir gesehen haben, aber: Diese Verlängerung steckt natürlich jetzt auch in ihren Beinen und Knochen. Davon musste man sich jetzt auch wieder erholen und regenerieren.

Ich glaube, das haben sie gut hinbekommen und sie haben natürlich auch eine extrem starke Bank, einen extrem breiten Kader. Es ist definitiv die Mannschaft, die als Top-Favorit galt und den Status auch während er Spiele bewiesen hat.

Jetzt gegen Schweden sind sie auch der Favorit. Schweden hat aber gezeigt, dass sie allen Mannschaften das Leben schwer machen können. Man weiß manchmal gar nicht genau wie, aber die Schweden sind einfach von der Mentalität so gut.

Sie müssen ihre Spiele vielleicht nicht einmal überzeugend gewinnen, aber sie gewinnen und kommen bei den Turnieren immer weit. Eine absolute Turniermannschaft und deshalb wird es auch ein kniffliges Spiel für die Engländerinnen.

Aber meiner Meinung nach gewinnen sie das.“

Wunderbar. Julia Simic, vielen Dank für diese kompetente und wie immer peppige Analyse zum Spiel Deutschland – Frankreich und England – Schweden. Viel Spaß weiterhin in den USA. Gesund bleiben und wiederkommen.

„Auf jeden Fall. Macht es gut, bis bald.“

Interview: Carsten Fuß


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Karl-Heinz Fischer

Karl-Heinz Fischer

Alter: 37 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Sportwetten.de

Nach einem Publizistik-Studium und mehreren Jahren als Sportjournalist, wechselte Karl-Heinz in die Wett-Industrie. Dort wurde er nach mehreren Jahren von der Wettbasis abgeworben und ist seither ein wichtiges und fixes Teammitglied unserer Redaktion.

Karl-Heinz ist hauptsächlich für die Beidfüßig Expertengespräche aktiv, aber auch bei den Wettanbietervergleichen lässt er seine Expertise und Erfahrungen einfließen. Privat wettet Karl-Heinz gerne auf die deutsche Bundesliga, bevorzugt Systemwetten.   Mehr lesen