Nach dem Rücktritt von Ilkay Gündogan infolge der Heim-EM 2024 wurde Joshua Kimmich Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Sein erstes großes Turnier in der Führungsrolle endete bei der WM 2026 früh und desaströs im Sechzehntelfinale gegen Paraguay.
Hat der viel kritisierte 1995-er Jahrgang noch eine Zukunft im DFB-Team? Oder sollte auch ein Kimmich konsequent dem DFB-Umbruch zum Opfer fallen?
Deshalb sollte Joshua Kimmich Deutschland auch weiter als Kapitän anführen
„Für mich bekommt er im Zeugnis eine glatte Fünf“, geht Wettbasis WM-Experte Peter Neururer mit Joshua Kimmich direkt hart ins Gericht. Als Kapitän war er nicht in der Lage, seine Mannschaft zum Erfolg zu führen.
Allerdings handelt es sich dabei um eine arg vereinfachte Ansicht der Dinge, die auch ein erfahrener Trainer wie Neururer natürlich nicht teilt.
„Joshua Kimmich ist auf der rechten Abwehrseite ein riesengroßes Problem“, kritisiert er vielmehr die Einschätzung von Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann. „Er müsste die Position halten, die er innerhalb einer Viererkette eigentlich einnehmen sollte – nämlich die rechte Seite. Das macht er aber so gut wie gar nicht oder nur ganz, ganz selten. Sobald das Spiel losgeht, lässt er die Seite komplett frei und rückt ins Zentrum ein.“
„Das war eine Fehlentscheidung des Trainers“, so Neururer. Ein wichtiges Argument für die DFB-Zukunft von Kimmich ist schließlich seine Leistung in München auf internationalem Top-Niveau – im zentralen Mittelfeld.
Genau hier braucht Deutschland seinen Anführer und hatte ihn während der WM 2026 nicht. Dazu kommt die große Erfahrung von Joshua Kimmich.
Nach den Rücktritten der alten Garde (Kroos, Müller, Neuer, Gündogan) ist Kimmich der letzte verbliebene Akteur mit über 100 Länderspielen. Ein radikaler Umbruch ohne eine erfahrene Achse führt im internationalen Fußball fast immer im direkten Flug ins sportliche Chaos.
Mit seinen 31 Jahren ist der Mittelfeldspieler definitiv auch nicht zu alt, um bei der EM 2028 als Stammspieler aktiv zu sein.
„Trotz der heftigen Kritik der letzten Wochen. Er muss dieses Team als erfahrener Führungsspieler zwingend noch zwei bis vier Jahre anführen, denn wir brauchen ein stabiles Gerüst“, findet WM-Experte Guido Buchwald in der Wettbasis YouTube-Show „Beidfüßig“.
Dazu kommt, dass der Ruf der Verlierer-Generation, wie etwa jüngst wieder eingeworfen von Dietmar Hamann, zu kurz greift. Denn auf Vereinsebene hat Kimmich mit dem FC Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, inklusive der Champions League.
Er weiß, wie Titel geholt werden – dieses „Sieger-Gen“ braucht die junge Generation. Alleine kann auch er nicht Deutschland zu Erfolgen führen.
Das spricht gegen Kimmich im DFB-Team der Zukunft
Nicht nur Peter Neururer war mit den Leistungen von Joshua Kimmich bei der WM unzufrieden. Gleiches gilt für Guido Buchwald, dessen Zeugnisnote ebenfalls nicht positiv ausfällt.
„Ich gebe Kimmich eine 4 bis 5 und teile Peters Argumente in vollem Umfang“, erklärt Buchwald.
„Wenn Kimmich diese Rechtsverteidiger-Position defensiv sauber ausfüllen würde, könnte man seine Zweikampfquote bewerten. Da er die Position aber permanent aufgibt, haben wir dort ein riesiges Problem. Bei viel Ballbesitz wird durch sein Einrücken das Spiel unheimlich langsam, weil viel zu viel quer oder zurückgespielt wird.“
Genau hier liegt ein Problem von Kimmich im DFB-Team. Auf dem Platz will er überall sein und alles lösen. Das führt zu einer permanenten Asymmetrie: Spielt er rechts hinten, verwaist die Außenbahn, weil er in die Mitte zieht; spielt er im Zentrum, verschleppt er durch zu viele Ballkontakte das Umschaltspiel.
Trotz aller Erfolge im Klub bleibt Joshua Kimmich für Deutschland das Gesicht der Dauerkrise. Der Spieler debütierte kurz nach dem WM-Titel 2014. Er ist der unumstrittene Stammspieler und emotionale Anführer einer Epoche, die als die schwächste Phase der DFB-Geschichte in die Annalen eingeht (Turnier-Aus 2018, 2021, 2022, 2024, 2026).
Er verkörpert die Blockade und das Trauma dieser Generation. Kann es wirklich mit einem solchen Spieler einen Neuanfang geben?
Dazu könnte er auch die jungen Spieler blockieren, die nachrücken wollen – etwa einen Angelo Stiller oder auch einen Aleks Pavlovic, der zwar nichts Schlechtes über seinen Teamkollegen sagen wird, dem jedoch Freiraum zur eigenen Entwicklung ebenfalls gut tun könnte.
Unter dem Strich gibt es viele Argumente für einen DFB-Umbruch mit oder ohne Joshua Kimmich. Die Wahrscheinlichkeit, dass er selbst zurücktritt oder von Jürgen Klopp abgesägt wird, ist enorm gering. Aber zumindest das gedankliche Experiment will erlaubt sein.



