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WM 2026 News

Deutschlands frühes Aus bei der WM: „Weniger Familienausflug, mehr Fokus, Schweiß und harte Arbeit“

Steffen Peters  2. Juli 2026
Deutschland WM Aus Kritik Nagelsmann Experten
Nicht gut genug: Julian Nagelsmann steht im Mittelpunkt der Kritik nach Deutschlands WM Aus. (© Moritz Muller/Alamy Live News)

Deutschland steht unter Schock: Zum dritten Mal in Folge scheidet die deutsche Nationalmannschaft kläglich bei einer Weltmeisterschaft aus und verpasst sogar den Einzug ins Achtelfinale.

Statt der weitere KO-Phase wartet am Samstagabend das Spiel um Platz 32 gegen die Niederlande. Kein Wunder, dass unsere drei Wettbasis WM-Experten Peter Neururer, Guido Buchwald und Benny Lauth nicht gerade erfreut über die Entwicklung sind.

Video: Unsere Wettbasis-Experten diskutieren nach Deutschlands nächstem WM-Debakel.


Neururer nach Deutschland Aus enttäuscht: „Sehen sportliche Katastrophe seit Jahren glasklar auf uns zukommen“

Die Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay hat ihre Spuren hinterlassen. Auch bei unseren wie Peter Neururer, der den finalen Auftritt der DFB-Elf als „beschämend“ einordnet.

„Es herrscht bei mir eine Mischung aus Wut, Verzweiflung und absoluter Ohnmacht“, gibt die Trainerlegende Einblick in sein Innenleben. „Dass wir gegen Paraguay ausscheiden, war für mich im Vorfeld ein absolutes No-Go und völlig unvorstellbar.“

Unter dem Strich war Neururer dennoch in gewisser Art und Weise froh über das Scheitern: „Wären wir irgendwie glücklich weitergekommen, hätte man am Ende wahrscheinlich wieder alles gutgeredet – nach dem Motto: ‚Gegen die übermächtigen Franzosen kann man in der K.o.-Phase ja ausscheiden.‘ So wurde der Deckel auf die Probleme Gott sei Dank nicht draufgelegt.“

„Meine Verzweiflung und Ohnmacht rühren daher, dass wir diese sportliche Katastrophe seit Jahren glasklar auf uns zukommen sehen“, rechnet Neururer ab. „Wir haben die Kenntnis über die Missstände, aber man hört uns in der DFB-Führung einfach nicht zu.“

„Wir reden in Deutschland permanent von Weltklasse. Der eine oder andere Spieler mag die individuellen Fähigkeiten durchaus besitzen, aber definitiv nicht im aktuellen Umfeld unserer Nationalmannschaft“, kritisiert Neururer auch die Spieler. „Da werden seit Jahren eklatante Fehler gemacht. Bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften sind wir kläglich gescheitert und haben nicht mal das Achtelfinale erreicht – das bedeutet im Klartext, dass mindestens 16 Länder meilenweit von uns entfernt sind.“

„Und wir machen am Samstagabend jetzt ernsthaft das Spiel um den 32. Platz gegen Holland! [natürlich Sarkasmus, es gibt kein Spiel um den 32. Platz, d. Red.] Von der DFB-Führung ausgehend bis hin zur sportlichen Umsetzung auf dem Platz ist alles so dermaßen dilettantisch und amateurhaft abgelaufen“

„Alles lief im planlosen Zickzack, eine klare Linie oder einen echten Plan habe ich zu keinem Zeitpunkt gesehen. Der Bundestrainer hat mit seinen eigenen personellen Entscheidungen seine Prinzipien von vornherein komplett zunichte gemacht“, so Neururer.

 

Wer wird jetzt Weltmeister?

 

Buchwald sieht in Deutschlands WM Aus „völlig unprofessionelle Organisation“

Guido Buchwald bewegt sich in einer ganz ähnlichen Gefühlswelt wie Peter Neururer. Eigentlich angereist, um Weltmeister zu werden, ist die Mission schon sehr früh gescheitert.

„Das Ganze ist absolut enttäuschend. Die gesamte Leistung bei diesem Turnier war ein einziges Desaster“, bilanziert der Weltmeister von 1990.

„Mein erster Gedanke ist: Wir zählen uns als deutsche Fußballnation immer noch zu den Besten auf der Welt, aber wir sind nun zum dritten Mal nacheinander nicht einmal ins Viertelfinale eingezogen. Wir müssen unseren eigenen Anspruch und die Realität jetzt endlich komplett neu einordnen.“

Buchwald weiter: „Wo stehen wir wirklich? Wir müssen uns fragen, ob wir in der Jugendarbeit überhaupt noch alles richtig machen, wenn wir so wenige große, gute Fußballer herausbringen.“

„Das andere Thema ist die völlig unprofessionelle Organisation vor dem Turnier: Wir haben in den letzten Jahren überhaupt nicht gegen südamerikanische Mannschaften gespielt“, legt die DFB-Legende den Finger in die Wunde. „Bei einer Weltmeisterschaft trifft man aber unweigerlich auf sie – und das ist ein fundamental anderer Fußball. Zu meiner aktiven Zeit haben wir ein- bis zweimal im Jahr gegen Teams aus Südamerika getestet, um genau diesen Spielstil zu verinnerlichen. Dieses Fehlen von Härte-Tests ist ein eklatanter Mangel an Professionalität.“

„Das jetzige Ausscheiden ist das Resultat vieler kleiner Mosaiksteinchen, die wir in den letzten Jahren falsch gemacht haben“, findet Buchwald.

„Wir kaschieren die Probleme immer nur und sagen: ‚Wir haben doch den Florian Wirtz, wir haben doch den Jamal Musiala.‘ Ja, wir haben außergewöhnliche Talente, aber die Kaderbreite ist in der Gesamtheit einfach nicht da. Wir können mit Top-Nationen wie Frankreich, Brasilien und Spanien momentan auf Strecke schlichtweg nicht mithalten.“

 

WM 2026 Tipps & Quoten

 

Buchwald fordert von DFB-Team: „Weniger Familienausflug, mehr Fokus, Schweiß und harte Arbeit“

Im Kreuzfeuer der Kritik steht bei Deutschlands WM Aus Bundestrainer Julian Nagelsmann, der wohl schon bald seinen Hut nehmen muss.

Ihm werden schwerwiegende Fehler im Kadermanagement, eine verfehlte Nominierungsstrategie sowie das Zulassen von störenden Nebenkriegsschauplätzen vorgeworfen. Auch die Wettbasis-Experten sehen ihn überaus kritisch.

Guido Buchwald schätzt Nagelsmann, aber sieht in nicht an der Spitze: „Julian Nagelsmann ist mit Sicherheit ein Trainer, der sich im technisch-taktischen Bereich extrem viele Gedanken macht. Aber ein Weltklasse-Trainer ist er nicht.“

„Man kann ihn doch unmöglich auf eine Stufe mit Ikonen wie Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Jogi Löw oder einem Ralf Rangnick stellen, die alle große Titel vorzuweisen haben. Um eine Mannschaft im obersten Regal so zu führen, dass man in der Weltklasse die entscheidenden Nuancen besser macht als die Konkurrenz, benötigt man eine riesige Portion Erfahrung.“

„Ich sehe es ohnehin unheimlich ungern, wenn zu junge Trainer den Posten des Nationalmanagers übernehmen. Das ist ein Job, der enorme Erfahrung im Umgang mit großen Stars voraussetzt“, erklärt Buchwald. „Du brauchst eine natürliche Autorität, damit jeder Spieler zu seinem Trainer aufblickt, weil dieser als Spieler oder Coach selbst schon Meilensteine erreicht hat.“

„Weniger Familienausflug, mehr Fokus, Schweiß und harte Arbeit wie in Malente – das ist es, was wir brauchen!“

 

Die 5 Fehler von Julian Nagelsmann

 

Benny Lauth: „Aussage von Didi Hamann absolut treffend“

Unser Beidfüßig WM-Experte Benny Lauth rätselt derweil nach wie vor über das dritte Vorrundenspiel gegen Ecuador: „Ich verstehe überhaupt nicht, mit welcher Vorgangsweise wir da herangegangen sind. Wir haben gegen Curacao ein Geschenk bekommen, um locker ins Turnier reinzukommen und Euphorie zu entfachen.“

„Danach machen wir ein wirklich vernünftiges Spiel gegen die Elfenbeinküste und werden am Ende mit dem 2:1 belohnt“, so Lauth weiter, aber: „Im letzten Gruppenspiel machen wir uns völlig unnötig alles komplett kaputt, weil wir überhaupt keinen Plan haben. Wir spielen plötzlich mit einer B-Elf, die überhaupt keine Lust hatte zu spielen, wechseln dann im Verlauf Spieler ein, die danach gegen Paraguay gar nicht mehr zum Einsatz kommen, verlieren die Partie und schlagartig ist die gesamte Stimmung im Kosmos negativ.“

„Wir haben uns die Riesenbaustellen selbst geschaffen“, findet der Ex-Stürmer. „Undav verlor seinen Rhythmus, Baumann hatte keine Spielpraxis und Manuel Neuer leistete sich prompt einen halben Fehler. Das hat uns völlig ohne Not aus der Bahn geworfen.“

„Das alles ist eine Frage des Kadermanagements. Wie halte ich meine Spieler unter Kontrolle und wie moderiere ich die Unzufriedenen? Ein Leroy Sané gewinnt in den letzten zwei Spielen gefühlt nur ein oder zwei von 16 Dribblings, darf aber trotzdem jedes Mal von Beginn an auflaufen. So etwas merken die anderen Spieler in der Kabine doch sofort.“

Zudem stimmt er dem Sky-Experten Didi Hamann zu, der beim Bundestrainer nach dem deutschen WM-Aus fehlende Arbeitsmoral ausgemacht hatte.

„Die Aussage von Didi Hamann war da absolut treffend: Nagelsmann war in zweieinhalb Jahren Amtszeit nicht ein einziges Mal in Mailand, um unsere dort spielenden Legionäre live zu beobachten“, hat auch Lauth beobachtet.

„Am Ende fehlen uns in der Nationalmannschaft schlichtweg die echten Unterschiedsspieler, weil viele unserer Stars in der Realität nur deshalb so gut wirken, weil sie in ihren europäischen Spitzenvereinen von Weltklasse-Mitspielern umgeben sind.“

 

Deutschlands mögliche EM-Elf 2028

 

Neururer kritisiert die Nominierungen: „Ein unglaubliches Ding, was die Kaderplanung betrifft“

Peter Neururer bringt so viel Trainererfahrung wie kaum ein anderer mit. Vielleicht gerade deshalb blieb er am Ende einfach ratlos zurück.

„Ich habe in meiner Karriere 619 Pflichtspiele als Trainer im Profibereich absolviert, aber die Nominierungspolitik von Julian Nagelsmann muss mir mal jemand logisch erklären“, holt er aus.

„Wenn mir im Vorfeld ein absoluter Schlüsselspieler für die Stammelf wegbricht, dann versuche ich doch als Trainer, jemanden nachzunominieren, der positionsgetreu auf der gleichen Ebene agiert“, blickt er auf die Verletzung von Lennart Karl zurück.

„Und was macht der Bundestrainer? Er nominiert Assan Ouedraogo nach – einen Riesenjungen, wunderbaren Fußballer und ein gigantisches Talent, der diese defensive Position im Mittelfeld aber überhaupt nicht spielen kann, weil er ein reiner Offensivmann oder maximal ein Achter ist.“

„Dadurch blieb eine strategisch lebenswichtige Position komplett vakant! Das ist ein unglaubliches Ding, was die Kaderplanung betrifft.“

„Genau denselben Widerspruch sehen wir in der Abwehr: Da wird ein deutscher Innenverteidiger in Italien souverän Meister [Yann Bisseck, d. Red.], bringt eine wahnsinnige Schnelligkeit mit und verkörpert genau das, was der Trainer taktisch permanent einfordert“, hat Neururer beobachtet.

„Stattdessen zieht Nagelsmann Antonio Rüdiger durch und macht eine riesige Kompetenzdiskussion auf. Diese Diskussion hätte der Trainer mit harter Hand verhindern können, wenn er sich an seine eigenen Richtlinien gehalten hätte. Aber er hat seine groß angekündigten Prinzipien selbst über den Haufen geworfen.“

 

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Steffen Peters

Alter: 33 Nationalität: Deutschland Lieblings-Wettanbieter: Bwin

Schon seit mehr als einem Jahrzehnt begleitet Steffen journalistisch die verschiedensten Sportarten. Seine größte Expertise besitzt er im Fußball, Eishockey, Motorsport und Handball. Bei der Wettbasis ist er vor allem im News-Bereich tätig und analysiert bereits seit 2010 WM Wetten.

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