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(58) Guidos Guide: 12 Minuten und 12 Sekunden Luxus

Wie weit würden Sie gehen?

Bei Guidos Guide geht es bei gegebenen Anlässen um die Bundesliga, den internationalen Fußball, sowie um aktuelle Stammtischthemen, die sich mit dem Lederball beschäftigen. Und natürlich um Guidos Meinung.

Das Spiel gegen Real Madrid im eigenen Stadion ist für die Spieler sicherlich zumeist das größte Spiel der Saison in der Primera Division. Selbiges gilt wahrscheinlich für das Heimspiel gegen den FC Barcelona, allerdings mit weniger Aussicht auf sportlichen Erfolg. Für die Fans ist dies nicht zwingend der Fall: Die Eintrittspreise in Spanien sind so hoch, dass selbst die attraktivsten Gegner keine ausverkauften Stadien bringen. In der gesamten Saison 2012/2013 hat es in der Primera Division lediglich zwei ausverkaufte Spiele gegeben: Der FC Barcelona gegen Real Madrid und Real Madrid gegen Atletico Madrid. Alle anderen Spiele sind nicht ausverkauft gewesen. In einer Liga, die viele der größten Spieler des Weltfußballs bietet, macht das betroffen. In Deutschland mag man vielleicht auf die Idee kommen, dass die Spanier weniger für Fußball ausgeben wollen, weil sie ökonomisch nicht besonders gut da stehen. Doch würde ein deutsches Stadion ausverkauft sein, wenn nur weil der FC Bayern München zu Gast die Preise astronomische Höhen erreichen?

„Man muss sich das einmal vorstellen. Es geht hier nicht um ein paar Cents, die die Milch im Supermarkt teurer geworden ist, sondern um ein halbes Vermögen für 90 Minuten Fußball.“, sagte Guido als wir über den Weihnachtsspieltag und die hohen Eintrittspreise in der Primera Division sprachen. „Man kann sich das in Deutschland gar nicht vorstellen.“
„Wieviel kostet es den normalerweise ein Spiel von Malaga zu sehen?“, fragte ich.
„Nun nehmen wir zum Vergleich ein Mal das Spiel vom 8. Dezember gegen Granada. Granada ist zwar in der Nähe von Malaga, aber durch den abrupten Aufstieg durch den Kauf einer Zweitligalizenz von Ciudad de Murcia, übrigens der Mannschaft, in der Ex-Nationalstürmer Guiza das erste Mal für Aufsehen sorgte…“, sagte Guido.
„Du schweifst ab, Guido. Wieviel kostet den nun das Heimspiel in Malaga?“, wiederholte ich.
„Nun, ich will nur zum Ausdruck bringen, dass Granada zwar nah dran ist an Malaga, aber es keinen Grund gibt durch irgendein Derby-Gehabe die Preise künstlich zu treiben. Also die Preise gegen Granada sind ein gutes Beispiel für einen unattraktiven Gegner. Granada spielt hässlichen Fußball und steht aktuell auf dem 18. Tabellenplatz. Wenn du mich fragst, steigen die dieses Jahr ab.“, erzählte Guido.
„Die Preise. Zurück zu den Preisen, Guido.“, warf ich ein.
„Richtig. Die Preise. Nun, gegen Granda hätte man 30 Euro bezahlen müssen, um ins Stadion zu kommen – für einen Stehplatz wohl gemerkt. Für Mitglieder des Vereins kostete die Karte immerhin noch 22 Euro. In beiden Fällen war das die günstigste Karte.“, sagte Guido.
„Im Verhältnis zu Deutschland sehr viel, aber ich hätte es mir schlimmer vorgestellt.“, sagte ich.
„Noch schlimmer? Es gibt sicherlich schlimmere Beispiele. Malaga kommt auf einen Zuschauerschnitt von etwa 26700 in dieser Saison. Das Stadion fasst nur knapp 29000. Gegen Granada waren 24000 da. Man scheint den Fußballfan also monopolistisch ausnehmen zu wollen.“, sagte Guido.
„Wie teuer ist es den gegen Real Madrid am Wochenende?“, fragte ich.
„Genau das ist der Punkt. Bei jedem Spiel setzt man die Preise einfach so hoch, dass der maximale Profit rausspringt, ohne darauf zu achten, dass das Stadion voll ist oder die Fans zufrieden sind. Das führt gegen Real Madrid zu einem Preisanstieg auf 300%!“, sagte Guido. Obwohl er die Zahl bereits vorher kannte, hörte ich die Fassungslosigkeit in seiner Stimme.
„300%“, wiederholte ich.
„Ja, die günstigste Stehplatzkarte gegen Real Madrid kostet 90 Euro, für Mitglieder 70 Euro.“, sagte Guido.
„Da würde es sich mal lohnen, 12 Minuten und 12 Sekunden zu schweigen.“, sagte ich.
„Oder länger“, sagte Guido.