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(57) Guidos Guide: Jetzt wäre es gerade wichtig!

Die größte Fehlentscheidung des Fußballs!

Bei Guidos Guide geht es bei gegebenen Anlässen um die Bundesliga, den internationalen Fußball, sowie um aktuelle Stammtischthemen, die sich mit dem Lederball beschäftigen. Und natürlich um Guidos Meinung.

In den vergangenen Wochen hatten Guido und ich irgendwie ein schlechtes Timing. Sämtliche Telefonate hielten sich leider in sehr kleinen Zeitfenstern auf, was jene traditionell ausgiebig geführten Diskussionen zwischen uns, um den schönen Sport mit dem Lederball schon im Keim erstickte. Nach dem Abpfiff der Champions League Spiele am vergangenen Mittwoch habe ich Guido endlich mal wieder mit etwas Zeit im Rücken erreicht. In mir hatte sich in den letzten Woche ohnehin breiter Gesprächsbedarf zu einem leidigen, aber unermüdlich wiederkehrenden Thema angesammelt. So ging es in unserer Diskussion weniger um den Lederball, sondern eher um die Trillerpfeife, die diesen unweigerlich begleitet.

Da wir nicht nur mit einem Fußball, sondern auch weite Teile der Jugend miteinander, aufwuchsen und sich unser Fußball-Geschmack somit gleichzeitig und parallel entwickelte, wunderte es mich nicht, dass Guido ebenso wie ich, in der Halbzeit von der Option Konferenz auf das Spiel zwischen Real Madrid und Manchester City umgeschaltet hatte. „Die Madrilenen hätten das Ding ja schon in der ersten Halbzeit klar machen müssen, alleine nach den Chancen zu urteilen, die ich gesehen habe“, begann Guido, „dieses Spiel hat die meiste Zeit nach Kantersieg gerochen und am Ende darf sich Real über den Punkt freuen.“
„Ich tue das nicht gerne, aber in diesem Fall hatte ich stark den Eindruck, dass der Schiedsrichter massiv auf den Verlauf des Spiels Einfluss genommen hat. Zwar muss man sich das bei Real Madrid und bei Mannschaften von Jose Mourinho immer zwei Mal überlegen, aber heute hat dieser Rocchi das Spiel verpfiffen“, sagte ich.
„Bei dem Elfmeter für City und der Gelb-Roten Karte bin ich mir auch nicht sicher, das hätte man sicherlich auch laufen lassen können. Die fünf Minuten Nachspielzeit waren dann wohl aus der Premier League abgeguckt. Da gab es eher keinen Grund für.“, antwortete Guido. „Mourinho hat sich nach dem Spiel aber diesmal sogar zurückhaltend geäußert, weil er sowieso nur auf Bewährung ist und die UEFA ihn schon mal ermahnt hat.“
„Im Allgmeinen bin ich der Meinung, dass Schiedsrichter-Leistungen sowieso nicht kommentiert werden sollten. Gerade die großen Mannschaften werden in ihren Ligen gefühlt zu häufig bevorteilt, als das sie benachteilt werden. Letztlich bringt die ganze Aufregung nichts außer eine Hass-Kultur gegen die Schiedsrichter.“, sagte ich.
„Gegen Schiedsrichter, die sich am Ende des Tages auch nicht wehren können. Da lobe ich mir die amerikanischen Sportarten, die ihre Schiedsrichter zu Profis machen und ihnen angemessene Summen bezahlen. Warum soll ein Schiedsrichter vom Kuchen „Fußball-Kommerz“ nicht etwas abbekommen? In meinen Augen brauchen wir Profi-Schiedsrichter, die den Fußballspielern und Trainern auch finanziell auf Augenhöhe begegnen. Entsprechend kann man noch intensivere Ausbildung rechtfertigen und von den Schiedsrichtern fordern sich nur noch auf den Sport zu konzentrieren. Höhere Anreize durch finanzielle Attraktivität und dadurch härtere Auswahlverfahren und ein stärkerer Konkurrenzkampf würden gleichzeitig den Respekt, der den Schiedsrichtern entgegen gebracht wird, enorm steigern. Vielleicht nicht bei den Fans, aber sicherlich bei den Spielern und Trainern. Die sehen sich häufig als etwas besseres, allein weil sie noch nicht 25 sind und schon Millionäre.“, sagte Guido.
„Und die Unabhängigkeit würde auch steigen.“, fügte ich hinzu. Zumindest wäre das meine Hoffnung. Allerdings bin ich mir jetzt, wenn ich nochmal darüber nachdenke, nicht mehr so sicher. Mehr Unabhängigkeit gäbe es vermutlich nur, wenn die Unabhängigkeit der Geldgeber, also der Verbände gewährleistet wäre.
„Außerdem gefällt mir die Rolle des Torschiedsrichters nicht. Der müsste viel mehr involviert sein. Der sollte auch auf das Feld dürfen und im Strafraum und in Strafraumnähe die Entscheidungen mit einem zusätzlichen Blickwinkel verbessern. Im Strafraum spielt die Musik und bisher hört der Torschiedsrichter nur zu.“, fuhr Guido fort.
„Das nummerische Problem wäre damit auch gelöst. Die Schiedsrichter sehen sich auf dem Feld doch immer einer Meute wild gewordener Spieler alleine gegenüber. Wenn fünf bis zehn Adrenalin-erfüllte Sportler auf einen zu rennen, kann man schon mal die Rationalität in der Entscheidungsfindung verlieren. Wenn die Schiedsrichter wenigstens zu zweit wären, wäre schon das Gefühl ein anderes. Außerdem könnten Entscheidungen im Team gefällt werden. Der Druck auf die einzelne Person würde abnehmen.“, führte ich aus, als Guido mich unterbrach und in den Hörer rief: „Hallo FIFA, hallo UEFA, hallo DFB, hört ihr zu? Jetzt wäre es gerade wichtig!

Nachtrag: Auf der spanischen Wikipedia-Seite von Gianluca Rocchi, Schiedsrichter des Spiels zwischen Manchester City und Real Madrid, wurde spanischen Medien zu Folge ein Eintrag verfasst, der kurz resümierte, dass der Italiener nach dem Spiel tot aufgefunden wurde. Ein unbekannter Fan, der gute Schiedsrichterleistungen befürwortet, habe ihn getötet.