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(3) Guidos Guide: Königliche Lausitz

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Guidos Guide ist die neue Fußball-Kolumne der Wettbasis. Jeden Dienstag geht es um den letzten Bundesliga-Spieltag, den internationalen Fußball, sowie um aktuelle Stammtischthemen, die sich mit dem Lederball beschäftigen. Und natürlich Guidos Meinung.

Der Fußball ist so leicht nicht totzukriegen. In Zeiten, in denen viele Musiker ihre Tournee absagen oder einzelner Konzerte in kleinere Hallen verlegen, hat der Fußball scheinbar weniger Probleme damit die Massen zu mobilisieren. Die Faszination ist ungebremst und die Spielstätten sind gut besucht. Der Fußball trotzt dem allgemeinen Trend.
Generell hat man in Deutschland den Eindruck, dass das System – wenn man die organisierte deutsche Gesellschaft einmal so werden darf – durch konservatives und kritisches Denken so gut wie immer in recht ruhigem Fahrwasser schwimmt. So gelingt es Deutschland internationale Krisen zu überwinden und sich selbst immer wieder gut aufzustellen. In guten Zeiten herrscht Skepsis, in schlechten Zeiten Optimismus und Tatendrang.
Diese Vorsätze findet man auch in der Bundesliga immer häufiger. Momentan ist gerade der FC Schalke 04 auf diese Thesen angewiesen. Denn Felix Magath versprüht aktuell – mehr oder weniger ohne Grund – positive Signale. Obwohl die Knappen katastrophal in die Saison gestartet sind und sich dies keinesfalls durch eine kleine Pechsträhne erklären lässt, ist der General-Verantwortliche guter Dinge.
Als ich am Montagabend mit Guido über das Thema "Königsblau" diskutierte, kam genau dieser Punkt zur Sprache. "Der Magath wird den Laden mit seinem Dickkopf noch vor die Wand fahren!", war Guidos Sicht der Dinge. "Man sollte ihn nicht schon nach drei Spieltagen kreuzigen, in Wolfsburg hat das Ganze schließlich auch funktioniert, obwohl man in der Hinrunde noch nicht wirklich glänzte." Ich stockte kurz, und begann mich zu fragen, warum ich gerade Felix Magath verteidigte, wenn ich doch sonst der erste Kritiker seines einnehmenden Führungsstils sei. "Ja, jetzt muss ich mir wieder die ganze Leier von "die haben viele neue Leute" über "die sind noch nicht eingespielt" bis "das dauert mit der Integration" anhören. Der Huntelaar und der Raul haben doch auch schon bei Madrid zusammen gestürmt.", tönte Guido. "Ich sage dir einst mein Freund solange jemand wie Hans Sarpai Stammspieler ist, nur weil er mit seiner Mittelklasse Nationalmannschaft gegen andere Mittelklasse Nationalmannschaften bei der Weltmeisterschaft gut aussah, wird das nichts. Nicht auf Schalke, nicht mit Felix Magath, nirgendwo."
Und im Grunde musste ich ihm Recht geben. Gerade der Abwehr sieht die Zukunft für die königsblauen nicht sonderlich gut aus. In der Offensive wird es vermutlich bald besser laufen, doch in der Defensive – in der letzten Saison noch das Prunkstück der Mannschaft – werden die treuen Schalker Fans noch ordentlich ins Schwitzen kommen.
"Ob ich von dieser panischen Transferpolitik etwas halten soll, weiß ich auch noch nicht." Guido war nie ein Freund von millionenschweren Einkäufen gewesen – zu häufig hatten sie enttäuscht. "Das ist so wie bei Real Madrid, dort versuchen sie auch jedes Jahr aufs neue das Spektakel zu kaufen. Wann verstehen die Leute endlich, dass das Spektakel vor allem mit Herzblut zusammenhängt und weniger mit Übersteigern?" In diesem Punkt musste ich Guido wieder Recht geben. Er fuhr fort: "Mit all den Millionen durften sich die Madrilenen am Wochenende ein maues 1:0 gegen Osasuna ansehen. Wären sie mal in der Lausitz gewesen: Dort hatte es nicht nur Herzblut, sondern auch noch 10 Tore."
Nach diesem Thema verlor sich unser Gespräch, aber als ich später im Bett lag musste ich noch einmal an Guidos Vergleich denken: "Ob die Zuschauer im Santiago Bernabeu in Madrid nicht lieber ein 5:5 gesehen hätten?"