Enthält kommerzielle Inhalte

(15) Guidos Guide: Der goldenste Spieler

In einigen Ländern wird bereits wieder gegen das Leder getreten, doch in Deutschland war die Verleihung des Goldenen Balls eine Art Eröffnung in das neue Fußballjahr – gleichzeitig rundet diese Auszeichnung das Jahr 2010 ab und entsendet es in die Geschichtsbücher, zumindest kalendarisch.
"Bevor wir diese Diskussion vertiefen, muss ich einwerfen, dass ich sehr zufrieden damit bin, dass sich dafür entschieden wurde, den Weltfußballer des Jahres auf eine Auszeichnung zu beschränken. Denn das Chaos in den letzten Jahren war erbärmlich: Da hat die FIFA jemanden ausgezeichnet, dann hat Europa mit der UEFA jemanden ausgezeichnet und irgendwo in der Mitte mischte auch noch diese Sportzeitung aus Frankreich mit. Schön, dass man sich geeinigt hat", bekräftigte Guido.
"Balon d’Or: Es hätte nur nicht unbedingt ein französischer Name sein müssen", scherzte ich. "Ein wenig Zugeständnisse mussten der Tageszeitung wohl gemacht werden", ergänzte Guido.

In Zürich traf sich am Montagabend die Weltelite des Fußballs – Männer wie Frauen – um die Besten auszuzeichnen. Trainer, Fußballer und das schönste Tor. Zwar fallen mir spontan und damit meine ich spontan, also ohne jegliche Überlegung, zwei Tore ein, die meines Erachtens deutlich schöner waren als das von Hamit Altintop gegen Kasachstan – der Türke gewann den Preis für eine Volleyabnahme eines Eckballs. Ein schönes Tor, aber das Beste?
"Absolut unverständlich", meinte ich, "da hat wohl jeder das 2:1 von Tel Aviv in Lyon verpasst, als der Stürmer eine Flanke per Fallrückzieher unhaltbar ins Eck jagt! Und das mit dem falschen Fuß!" "Wie mit dem falschen Fuß?", fragte Guido nach. "Wenn du einen Fallrückzieher ansetzt, dann lässt du den Ball immer erst an dem einen Bein vorbeifliegen, um ihn einschätzen zu können, und dann triffst du ihn mit dem anderen und der Stürmer von Tel Aviv hat den Ball mit dem "ersten" Bein versenkt, was um einiges schwieriger ist."
Auch das Traumtor von Robben nach einer Ecke von Ribery – übrigens aus einer ähnlichen Position wie Altintop – erscheint mir deutlich schöner als das Gewinner-Tor, da die Situation eine andere ist und das Risiko ein völlig anderes, wenn eine Champions League Halbfinale auf dem Spiel steht oder man locker in Kasachstan kickt. Vergleichen wir es einmal mit Basketball: Ist es brisanter einen Dreier zu versenken, wenn noch weniger als eine Sekunde auf der Uhr steht und das eigene Team mit zwei Punkten hinten liegt, oder wenn man gegen eine Hobbymannschaft auf der Hälfte der Spielzeit einen Angriff erfolgreich abschließt?

Der Gewinner der medienwirksamsten Auszeichnung des Abends heißt Lionel Messi. Der Argentinier ist der Weltfussballer des Jahres 2010. Eine interessante Wahl, denn sie zeigt die unterschiedliche Auffassung über die Vergabe dieses Preises. Eigentlich hatten schon die vorab bestimmten Top 3 das Prinzip deutlich gemacht.
"Für mich ist es eine Enttäuschung," began Guido, "denn dieser Preis wird anders vergeben als ich es für richtig halte. Es ist ein individueller Preis, aber innerhalb eines Mannschaftssports."
"Messi ist der beste Fußballer der Welt, daran besteht kein Zweifel", sagte ich. "Da hast du Recht, das würde ich auch nicht abstreiten, aber dieser Preis ehrt nunmal den besten Spieler des Jahres 2010. Das ist ähnlich wie beim MVP in der NBA, den gewinnt auch keiner, der in dem Jahr nichts gerissen hat.", erklärte Guido. "Barcelona hat doch was gerissen", konterte ich. "Nicht wirklich, nehmen wir einmal Wesley Sneider, der hat in 2010 nicht nur fünf Titel mit Inter Mailand geholt, sondern war auch maßgeblich daran beteiligt, dass seine Mannschaft das Finale der Weltmeisterschaft erreichen konnte. Besser geht es nicht. Diesen Spieler nicht mal unter die Top 3 zu nominieren ist unerklärlich."

Im Grunde konnte ich Guido verstehen. Ob die Wahl des Argentiniers die richtige gewesen ist, bleibt auch mir zweifelhaft. Iniesta hatte in meinen Augen nichts unter den Top 3 zu suchen, aber ich hätte vermutlich Xavi die Trophäe überreicht. In seinem Leben war es die letzte Chance.

Bei Guidos Guide geht es jeden Dienstag um den letzten Bundesliga-Spieltag, den internationalen Fußball, sowie um aktuelle Stammtischthemen, die sich mit dem Lederball beschäftigen. Und natürlich Guidos Meinung.

Edit: Scheinbar hat UEFA-Präsident Michel Platini Wind von der 15. Ausgabe von Guidos Guide bekommen und noch am Nachmittag angekündigt, er wolle einen eigenen Preis für den besten Spieler des Jahres etablieren.