Die WM 2026 ist längst auf die Zielgerade eingeboten, doch viele aufgeworfene Themen haben noch Nachwehen.
So etwa das frühe Scheitern der deutschen Nationalmannschaft und vor allem die enttäuschenden Auftritte, die zum Abschied von Julian Nagelsmann geführt haben und wohl dafür sorgen, dass Jürgen Klopp zum neuen Bundestrainer ernannt wird.
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Einer, der als WM-Experte natürlich auch zu Deutschland seine Meinung hat, ist Rafael van der Vaart. Dabei geht er näher auf die Probleme und Schwachstellen ein, die für den WM-Frust gesorgt haben. In Bezug auf Ex-Teamchef Nagelsmann meint der 43-jährige Niederländer: „Ich hatte das Gefühl – und vielleicht irre ich mich ja völlig –, dass man auch einen Trainer braucht, für den man durchs Feuer gehen würde, und dieses Gefühl hatte ich bei Nagelsmann nicht.“
Im Wettbasis-Interview, das in Zusammenarbeit mit AceOdds.com geführt wurde, nennt er weitere Probleme bzw. Schwächen des DFB-Teams, fordert Bodenständigkeit von seinem Ex-Verein HSV und kritisiert die Vereinsführung, geht aber auch auf die Tuchel/Bellingham-Causa ein und darauf, warum ein Influencer Anthony Gordon besser findet als Michael Olise.
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Van der Vaart: „Man braucht einen Trainer, für den man durchs Feuer gehen würde, und dieses Gefühl hatte ich bei Nagelsmann nicht“
Wettbasis: Was glauben Sie, wo ist es für Deutschland schiefgelaufen, wo wir doch daran gewöhnt waren, dass sie die internationale Bühne dominierten? War es ein zu schwerer Schlag, Joachim Löw zu verlieren, haben sie es nicht geschafft, den richtigen Nachfolger zu finden, oder sind die Spieler einfach nicht gut genug?
Rafael van der Vaart: „Ich finde, im Angriff haben sie großartige Spieler, aber ich hatte das Gefühl – und vielleicht irre ich mich ja völlig –, dass man auch einen Trainer braucht, für den man durchs Feuer gehen würde, und dieses Gefühl hatte ich bei Nagelsmann nicht.“
„Ich glaube, es gab keine gute Verbindung zwischen den Spielern und dem Trainer. Das habe ich im Fernsehen gesehen. Aber letztendlich geht es natürlich um die Spieler. Man steht auf dem Platz, man will gewinnen, und wenn man gegen Paraguay nicht gewinnen kann, dann hat man es nicht verdient, in die nächste Runde zu kommen.“

Van der Vaart über Deutschlands WM-Enttäuschung: „Die größte Schwäche der deutschen Mannschaft ist…“
Wettbasis: Was sind Ihrer Meinung nach Deutschlands Schwachstellen, was die Spieler und Positionen betrifft?
Rafael van der Vaart: „Die größte Schwäche der deutschen Mannschaft ist, dass sie zwar angreifen will, aber einige Verteidiger nicht schnell genug sind, um große Räume abzudecken. Die Verletzung von Nico Schlotterbeck hat ihnen ebenfalls nicht geholfen.“
„Daher war jeder Konter der gegnerischen Mannschaft gefährlich, und im Eins-gegen-Eins sind sie nicht wirklich gut. Es ist in Ordnung, so zu spielen und Spaß daran zu haben, aber dann braucht man auch Verteidiger, welche die Räume abdecken können.“
Van der Vaart über seinen Ex-Klub HSV: „Im Verein sitzen immer die falschen Leute auf den falschen Positionen“
Wettbasis: Was sind Ihre Erwartungen an den Hamburger SV für die nächste Saison?
Rafael van der Vaart: „Ich hoffe, dass Hamburg in dieser Saison gut abschneidet. Ich glaube, sie haben mich in der letzten Saison ein bisschen überrascht. Das war also gut. Ich muss zugeben, dass ich sie nicht so genau verfolgt habe, aber was mir an Hamburg immer gefällt, ist, dass sie immer daran glauben, Meister zu werden oder in die Champions League zu kommen.“
„Aber sie müssen wirklich bescheiden bleiben, denn in der letzten Saison hatten sie in einigen Spielen auch extrem viel Glück. Aber das gefällt mir. Dieser Verein gehört in die Bundesliga. Dieser Verein hat so viel Potenzial, aber irgendwie klappt es nicht. Im Verein sitzen immer die falschen Leute auf den falschen Positionen.“
„Früher hatte der HSV großartige Spieler und große Namen. Jetzt weiß ich nicht einmal mehr, für wen man sich im Stadion ein Trikot kaufen soll, und das vermisse ich. Aber ich weiß auch, dass unbekannte Spieler im Fußball schnell zu großen Namen werden können.“
Van der Vaart über Bellingham: „Endlich hat ein Spieler einfach gesagt, was er dachte, und es war ihm völlig egal, was Tuchel gesagt hatte“
Wettbasis: Was halten Sie vom deutschen Trainer Thomas Tuchel als England-Teamchef, der die Leistung Englands gegen Norwegen kritisiert hat, während Jude Bellingham auf die Frage dazu nur mit „Na und?“ reagierte und seine Teamkollegen verteidigte: „Vielleicht weiß er ja gar nicht, wie es ist, unter solchen Bedingungen gegen Erling Haaland, Ödegaard, Nusa und Sörloth zu spielen.“
Rafael van der Vaart: „Diese Äußerung von Thomas Tuchel zeigt, warum man die Antworten von Trainern nicht immer ernst nehmen muss. Stell dir vor, sie hätten verloren – dann hätte Tuchel dieselbe Frage bekommen, aber seine Antwort wäre anders ausgefallen. Dann hätte er gesagt, sie hätten so viele Chancen herausgespielt und einfach Pech gehabt, aber dass er mit der Art und Weise, wie sie gespielt haben, zufrieden sei.“
„Aber jetzt, da sie gewonnen haben, muss er seine Spieler auf dem Boden der Tatsachen halten, was ein typischer Trainerstil ist – was ich verstehen kann.“
„Mir hat die Reaktion von Jude Bellingham gefallen, und seine Reaktion war einfach so: ‚Ja, egal, wir haben es geschafft und alles gegeben‘, was mir gefällt. Journalisten sollten diese Art von Antwort auch mögen, denn heutzutage weiß man ja immer schon, was die Spieler in ihren Interviews sagen werden.“
„Dieses Interview war etwas ganz anderes, etwas Besonderes. Das muss man respektieren, und für mich war es eine Freude, es anzusehen, denn endlich hat ein Spieler einfach gesagt, was er dachte, und es war ihm völlig egal, was Tuchel gesagt hatte.“
Van der Vaart über Influencer-Meinung: „Gordon ist ein guter Spieler, aber meiner Meinung nach bei weitem nicht auf dem Niveau von Olise“
Wettbasis: Der bekannte Influencer und YouTuber Danny Aarons sagte, er würde Anthony Gordon jederzeit Michael Olise vorziehen, und wer etwas anderes behaupte, habe keine Ahnung von Fußball. Was halten Sie von einer solchen Äußerung?
Rafael van der Vaart: „Ich meine, von diesen beiden Spielern, Anthony Gordon und Michael Olise, gibt es keinen Zweifel daran, wen ich wählen würde. Natürlich Michael Olise, und zwar mit Abstand. Gordon hat mich nicht wirklich beeindruckt, bevor er dann die Vorlage für Bellingham geliefert hat. Er hat mich nicht beeindruckt, und Olise ist mit seiner Spielflüssigkeit, seiner Spielübersicht und seinen Pässen einfach eine Klasse für sich. Er ist etwas Besonderes, aber natürlich ist Gordon ein guter Spieler – nur damit morgen nicht alle Medien schreiben, ich hielte ihn für einen schlechten Spieler. Er ist ein guter Spieler, aber meiner Meinung nach bei weitem nicht auf dem Niveau von Olise.“
„Ich schenke diesen Kommentaren von Influencern (Danny Aarons, Anm. d. Red.) nicht wirklich Beachtung, aber es ist schön für den Fußball, Leute wie ihn und all die anderen zu haben. Dass ich auf hohem Niveau gespielt habe, bedeutet nicht unbedingt, dass ich Recht oder Unrecht habe – es ist einfach meine Meinung, und manchmal hat man Recht und manchmal Unrecht; ich teile lediglich meine Meinung mit.“
„Aber ich finde es gut, dass jeder seine eigene Meinung hat und sie einem großen Publikum mitteilt, denn genau das bewirken die Weltmeisterschaft und der Fußball bei den Menschen. Ich finde das super schön.“
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