Die WM 2026 nähert sich dem Ende, wirft aber mit Fortlauf des Bewerbs immer mehr Fragen auf.
Diese sind aber nicht nur sportlicher Natur in Bezug auf die WM 2026 Wettquoten und Vorhersagen oder die Antwort darauf, wer Weltmeister wird.
Viele Entscheidungen im Umfeld, die durchaus Einfluss auf das Großevent haben, sorgen für Kopfschütteln und dafür, dass diese Weltmeisterschaft definitiv nicht als eine der besten in die Geschichte eingehen wird. Wollt ihr trotzdem noch bei dieser WM zu den Gewinnern gehören? Nehmt kostenlos am WM Tippspiel teil und messt euch mit euren Freunden oder den WM-Experten der Wettbasis. Sichert euch auch den WM Wetten Bonus und checkt euch auch eine WM Gratiswette ohne Einzahlung.
Unter anderem teilen immer mehr Experten die Meinung, dass Star-Spieler bzw. einzelne Nationen bevorzugt werden, die Schiedsrichter-Leistungen mehr als durchwachsen sind und viele ähnliche, heftig diskutierte Situationen unterschiedlich bewertet werden. Außerdem steht einmal mehr der VAR im Mittelpunkt. Diese und noch viel mehr Themen sorgen auch in der Wettbasis-Experten-Runde für viel Emotion und unterschiedliche Meinungen.
Weltmeister Guido Buchwald, Kult-Trainer Peter Neururer und Ex-Stürmer Benjamin Lauth halten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Die Diskussion könnt ihr euch in unserem Wettbasis-Youtube-Channel ansehen.
Neururer über Messi-Foul und VAR-Eingriff: „Es wurden Entscheidungen getroffen, die pro der Favoriten oder berühmten Persönlichkeiten ausgelegt wurden“
Peter Neururer über… möglicherweise bevorzugte Stars wie zb. Lionel Messi bei der WM 2026:
„Meine Meinung und mein Gefühl sind zweierlei Sachen, beides ist hochsignifikant, dass vermeintlich populärere Spieler in Situationen, in denen man anders interpretieren könnte, glücklicherweise immer die für sie positiveren Entscheidungen bekommen. Lionel Messis Tritt, der zweifelsfrei den Tatbestand der Roten Karte erfüllt hätte, wurde negiert. Anderes Beispiel: Die Ägypter führen 1:0, machen das 2:0 mit einem vermeintlichen Foulspiel in der Entstehung beim Ballgewinn, der VAR hat eingegriffen. Meine persönliche Meinung ist: Wenn die Situation zum Foulspiel ausreichend ist, um ein Tor zu negieren, dann müssen wir aufhören mit Fußball. Das war eine Berührung, die war vollkommen klar und richtig. Allerdings sind Berührungen im Fußball nicht verboten. Das war für mich kein Foul. Somit wären die Ägypter frühzeitig 2:0 in Führung gegangen. Was danach möglicherweise noch passiert wäre, ist eine andere Geschichte. Aber in einigen wichtigen Situationen sind wirklich Entscheidungen getroffen worden, die pro der Favoriten oder der berühmten Persönlichkeiten ausgelegt wurden.“
Benjamin Lauth über… durchwachsene Schiedsrichter-Leistungen und neue Regeln:
[…] „Ich sehe es eher so, was sich ja schon über Wochen und Monate entwickelt: Dass die Schiedsrichter einfach immer schlechter werden. Und das ist gar nicht mal ihr eigenes Verschulden, sondern diese ganzen Regeländerungen kommen noch dazu, deswegen sind sie einfach überfordert. Sie haben einfach nicht mehr den Blick aufs Wesentliche. Sie entscheiden nicht mehr – oder sie müssen auch nicht mehr das entscheiden -, was sie sehen, sondern sie entscheiden, was am Ende vielleicht der VAR wieder noch mal geradebiegen kann. Und deswegen werden die Schiedsrichter immer schlechter. Sie werden in der Bundesliga immer schlechter, werden in den anderen Top-Ligen immer schlechter und sie sind bei der WM auch wieder schlecht. Darüber muss man sich mal Gedanken machen, weil wenn die Entwicklung weiter in die Richtung geht, dann haben wir nur noch Diskussionen, weil die Schiedsrichter einfach gar nichts mehr auf die Reihe kriegen.“
Buchwald gesteht: „Deshalb bin ich eigentlich, wenn man es richtig angeht, für den Videoschiedsrichter“
Peter Neururer über… die unterschiedlichen Vorraussetzungen und Niveaus von WM-Schiedsrichtern:
„Der nächste Punkt, der dazukommt, den man nicht vergessen darf: Die Schiedsrichter kommen aus allen Bereichen der FIFA. Und wenn jetzt aber ein Schiedsrichter zum Beispiel aus Saudi-Arabien kommt – der in der saudi-arabischen Liga Spiele wirklich auf höchstem saudi-arabischen Niveau geleitet hat – und plötzlich ein Champions-League-Spiel auf UEFA-Ebene pfeift, dann kann er mit dem Spieltempo gar nicht klarkommen. Bei aller Regelkenntnis, die er hat, ist er nicht imstande, das sofort umzusetzen und dann ist die Fehlerquote natürlich riesig groß. Das darf man nicht vergessen!“
Guido Buchwald über… seine fragwürdige Gelbe Karte im UEFA-Cup-Finale 1989 bei VfB Stuttgart gegen Neapel, bei der ihm im Hinspiel die Teilnahme am „Final-Rückspiel“ genommen wurde:
„Das war wirklich ein absoluter Wahnsinn, dass mir der Schiedsrichter quasi das Endspiel – das Rückspiel im UEFA-Cup-Finale – geklaut hat. Es ist ja auch nachgewiesen, dass er von Neapel auch dementsprechend gut begünstigt wurde (Anm.: Er bekam ein Haus in der Nähe des Neapel-Präsidenten). Deshalb bin ich eigentlich, wenn man es richtig angeht, für den Videoschiedsrichter im Endeffekt, weil das mit Breel Embolo bei der Schweiz war eine Schwalbe und der Gegenspieler kriegt eine Gelbe Karte. Das ist unglaublich. Da finde ich eigentlich gut, dass da der Videoassistent eingreift und sagt: ‚Moment, das ist eine Schwalbe.‘ Und für so eine dumme Schwalbe ist es auch verdient, dass er dann Gelb-Rot bekommt. So was zu machen. in einer Situation, wo man es gar nicht machen muss im Endeffekt. Also von daher finde ich in der Richtung nämlich die Videoschiedsrichter sehr, sehr wichtig. Gerade als Abwehrspieler, wenn man auf hohem Niveau gespielt hat, hat man sich so immer wieder geärgert, wenn man ein Foul gegen sich gekriegt hat.“
Lauth warnt: „So was muss ein Schiedsrichter spüren, sonst hat man irgendwann einen KI-VAR-Schiedsrichter“
Benjamin Lauth über… das Eingreifen des VAR und overrulen des Schiedsrichters am Beispiel von Gelb-Rot für Breel Embolo plus Aussichten auf einen KI-VAR-Schiedsrichter:
„Genau, das sehe ich anders. Ich will, dass der Schiedsrichter derjenige ist, der das Spiel leitet und der das Spiel beobachtet. Der steht auf dem Platz und hat ein Gefühl für dieses ganze Spiel, was da passiert. Dementsprechend ist es für mich keine Gelb-Rote Karte. Also, dass das eine dumme Aktion ist, dass sich Embolo da hinfallen lässt, ist das eine. Aber wir haben ein WM-Viertelfinale, es steht 1:1, und es ist ein Spieler an der Mittellinie. Also da passiert nichts, der hakt sogar noch ein, er lässt sich dann hinfallen, aber es ist keine Elfmetersituation, wo er irgendwie einen Elfmeter rausholen will oder wo er in dem Fall seinen Gegenspieler irgendwie vom Platz fliegen lassen will, sondern er will einfach nur einen Freistoß. Das ist das ganze Paket, das muss ich alles mit reinnehmen, und dann komme ich zur Entscheidung: Okay, in dem Moment ist gar nichts passiert. Er hat sich zwar jetzt hingelegt, aber ich gebe Freistoß Schwalbe und das Spiel läuft weiter. Und ich entscheide nicht in dem WM-Spiel mit einer Gelb-Roten Karte eventuell dieses Spiel. Das, finde ich, gehört für mich alles mit rein, und deswegen bin ich der Meinung, das ist keine Gelb-Rote Karte, weil es einfach zu hart in so einem Moment ist. So was muss ein Schiedsrichter spüren, weil sonst hat man nämlich irgendwann einen KI-VAR-Schiedsrichter, weil dann machen wir nur noch das, was gerade passiert ist. In diese Richtung bewegen wir uns. Ich finde aber, ein Schiedsrichter muss es fühlen. Da gehört für mich dazu, solche Entscheidungen auch in dem Moment zu treffen, wie sie sich anfühlen, und nicht nur, wie sie auf dem Papier geregelt sind.“
Guido Buchwald über… die immer höheren Anforderungen an einen Schiedsrichter und damit verbundenes Fehlerpotenzial:
„Wo ich richtig böse bin: Es muss viel besser optimiert werden. Der Schiedsrichter, auch mit den Fünf-Sekunden-Einwürfen und so – der muss ja Dinge wissen, der bräuchte das doppelte Abitur, um das alles in den Kopf in 90 Minuten reinzubekommen! Da, finde ich, werden auch die Schiedsrichter automatisch schlechter. Die müssen jetzt auf das und auf das achten, auf Kleinigkeiten achten, und dann kommen halt die entscheidenden Situationen, wo manchmal dann auch falsch entschieden wird.“
Buchwald über zu wenig oder zu viel Technologie: „Diese Ungerechtigkeiten werden besser, auf der anderen Seite ist es natürlich zu viel“
Guido Buchwald über… zu Ungerechtigkeiten im Fußball, die durch Technologie vermieden werden könnten:
„Zu viel oder zu wenig – das ist immer die große Frage. Also ich denke, bei wichtigen Dingen wie Abseits: Wenn jemand einen halben Meter im Abseits ist, dann finde ich die Technologie unheimlich wichtig, weil da wird auch ein Spiel entschieden. Wenn der Linienrichter nicht rechtzeitig richtig steht und nicht richtig schaut, dann kriegt man ein Gegentor. Das sind ja auch Tore, die dann den Spielverlauf richtig entscheiden oder das Spiel komplett verlagern können. Also von daher denke ich mal, das wird genauer und wird besser, plus man muss es richtig anwenden. Man darf nicht bei jeder Kleinigkeit eingreifen, wie im Mittelfeld bei Embolo teilweise, aber: ‚Warum macht er denn die Schwalbe dort im Endeffekt, warum?‘ Der Gegenspieler hat die Gelbe Karte hinterher gekriegt. Wenn man die nicht zurücknimmt, dann ist es ein grobes Vergehen von Embolo, weil er mit einer Schwalbe eine Gelbe Karte provoziert hat. Und der Gegenspieler wäre bestraft worden, ohne dass er was gemacht hat. Es ist im Endeffekt wie 1989 bei mir, als sich der Careca hat fallen lassen und ich bin daneben gestanden, habe Gelb bekommen.“
Guido Buchwald über… zu viel Technologie, die den Fußball kaputt auf bestimmte Art und Weise auch kaputt macht:
„Diese Ungerechtigkeiten werden besser, wenn man die Technologie richtig einsetzt. Auf der anderen Seite ist es natürlich zu viel und nimmt dem Spiel auch ein bisschen den Fluss, wenn man bei allem eine Technologie einsetzt, wo eine neue Technologie eingeht im Fußball. Irgendwann braucht man sonst keinen Schiedsrichter mehr, weil sonst pfeift irgendwer von der Kamera von oben und sagt: „Das war Foul und das war nicht Foul.“ Also von daher bin ich zwiegespalten. Also bei grundsätzlichen, klaren Dingen ist es wichtig und gut für den Fußball, dass man mehr Gerechtigkeit reinkriegt. Das war ja ursprünglich das Ziel. Aber man übertreibt es jetzt aus meiner Sicht auch ein bisschen bei jeder Kleinigkeit. Am Ende kommt jeder Trainer: ‚Ja, schau dir das noch mal an, warum schaust du dir das nicht an? Warum hast du dich so entschieden?‘ Dann wird das ganze Spiel vom Fluss her einfach zu arg unterbrochen.“
Das Interview wurde von Carsten Fuß geführt und im Rahmen der Produktion der Sendung „Beidfüßig“ für den Wettbasis YouTube Kanal aufgezeichnet, in der unter anderem auch Weltmeister Guido Buchwald, Trainerlegende Peter Neururer und Ex-Profi Benny Lauth ihre Expertisen besteuern.
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