(3) Bulissimo! Bayern-like
18. August 2009 / joeBorowski legt den Ball auf die linke Außenbahn zu Hunt. Dieser geht ein paar Meter Richtung Strafraum und spielt Mesut Özil 14 Meter vor dem Bayern-Tor flach in zentraler Position an. Der Jung-Nationalspieler nimmt die Hereingabe an und vollendet zum 1:0 für Werder Bremen in der Allianz Arena. Nun überlassen die Norddeutschen den Münchener das Feld, beginnen in der Defensive auf Konter zu lauern. Diese defensive Haltung verwundert auch den Torschützen zum 1:1 Endergebnis Mario Gomez, der später im Interview betonte, dass sich die Werderaner so hinten rein stellen, sei "überhaupt nicht Bremen-like".
Viel intensiver sollten sich die Süddeutschen momentan mit der Frage beschäftigen, was denn "Bayern-like" ist, ergo wieviel "Bayern" noch im Münchener Spiel steckt. Wer nur in der jüngsten Vergangenheit kramt wird einen Trainerwechsel im Sommer und zwei Unentschieden zu Beginn der Saison durchaus als "Bayern-like" empfinden. Dabei muss der deutsche Fußballfan gar nicht mal so betagt sein, um die echten Bayern zu kennen. Jahr für Jahr bemühten sich die Mannen von der Isar unter Ottmar Hitzfeld einen neuen Saisonstart-Rekord aufzustellen (2007/2008 hatte Bayern nach zehn Spieltagen 26 Punkte gesammelt). Mal fünf Siege in Folge mal zehn ungeschlagenden Spiele zu Beginn. Den Anspruch von vorne weg den ersten Tabellenplatz zu belegen haben die Bayern abgelegt, obwohl dieser extrem "Bayern-like" ist. "Bayern-like" bedeutet gemäß Oliver Kahn hauptsächlich im richtigen Moment präsent zu sein. Volle Konzentration im entscheidenen Wimpernschlag. Gepaart mit dem "Bayern-Dusel" kann dann nichts schief gehen auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft.
Wenn die Bayern schon nicht "Bayern-like" spielen, versuchen andere Teams auf die Erfolgsspur des Rekordmeisters einzubiegen. Streift man durch die Bundesliga-Stadien sieht man so manchen Verein, der momentan Spielweisen der Münchener kopiert.
Erfolg. Am meisten sticht in dieser Hinsicht der VfL Wolfsburg heraus. Die Niedersachsen haben nicht nur "Bayern-like" die Meisterschale geholt, sondern beginnen in der neuen Saison genau so wie die Bayern anfangen wollten: Mit zwei Siegen und der Tabellenführung. Insbesondere dem Spiel gegen Köln war der meisterliche Verlauf anzusehen. 70 lange Minuten lagen die Wölfe hinten und vergaben reihenweise Großchancen, doch dann schlugen sie mit einem Doppelschlag zu. Das Spiel war gedreht. Binnen zwei Minuten.
Leichtigkeit. Auch Hamburger und Schalker versprühen zu Saisonbeginn ein wenig Bayern-Gen. Der HSV tat sich in Freiburg schwer. Kam dann, als eine Niederlage gegen deutlich stärkere Dortmunder durchaus diskutiert wurde, mit neuer Leichtigkeit zum Comeback.
Ansprüche. Auf Schalke sind es die Ansprüche des Felix Magath, die den Verein "Bayern-like" aussehen lassen. Die hohen Forderungen des Trainers sind immer Grund das Team zu pushen, zu verbessern.
Effektivität. Selbst im Gladbacher Spiel konnte man an diesem Wochenende eine Spur der Bayern erkennen: 20 Minuten lang kam die Borussia nicht ein Mal mit Ball über die Mittellinie, nach 22 Minuten führten die Gladbacher 1:0.
Das Spiel der Bayern sollte van Gaal schleunigst modernisieren, die Philosophie allerdings in der Vergangenheit suchen.
Die Fußball Kolumne Bulissimo! erscheint jeden Dienstag und befasst sich mit der Bundesliga, aktuellen Stammtischthemen des Fußballs und Kuriositäten rund um den Lederball.






