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Neuer Glücksspielstaatsvertrag 2021 für Sportwetten

Bremst der neue Glücksspielstaatsvertrag den Wettspaß aus?

Christoph Bauer   15. Oktober 2020

Ein neuer Glücksspielstaatsvertrag für Sportwetten im Jahr 2021? Für den Tipper ist die ständig wechselnde Gesetzeslage seit inzwischen über zehn Jahren frustrierend.

2011 einigten sich alle 16 Bundesländer auf den sogenannten GlüStV. Hauptkonsequenz für den Nutzer war die Einführung der Besteuerung von Sportwetten in Höhe von fünf Prozent.

Offiziell öffnete sich der Markt für private Anbieter, da seit dem ersten Glücksspielvertrag aus dem Jahr 2008 nur staatliche Anbieter zugelassen waren, diese Beschränkung aber von der EU gekippt worden war. In der Realität wurden jedoch auch zuvor bereits die Hauptumsätze der Sportwetter bei privaten Anbietern gemacht.

Im Juli 2021 soll ein neuer Glücksspielvertrag inkrafttreten, doch die Vergabe von Lizenzen war schwer. Bereits im April stoppte das Verwaltungsgericht Darmstadt das Verfahren, da es intransparent sei.

Inzwischen haben jedoch beispielsweise Marktleader wie Interwetten, Bwin, Bet365 oder Sportingbet die Sportwettenlizenz erhalten. Insgesamt erhielten 15 Unternehmen die Erlaubnis, Sportwetten legal auf dem deutschen Markt anzubieten.

An diese bekannten Buchmacher wurden bereits Sportwetten-Lizenzen vergeben

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Welche Änderungen bringt der neue Glücksspielstaatsvertrag 2021 mit sich?

Die Anpassungen des neuen Gesetzes sollen weitreichend sein. Wenn der aktuell Entwurf im Juli 2021 in Kraft treten wird, wäre es in Deutschland kaum mehr möglich, mit Sportwetten legal regelmäßig Gewinne in höheren Sphären einzufahren. Grund ist die vielleicht umstrittenste geplante Anpassung: Eine Beschränkung der monatlichen Einzahlungen auf 1.000 Euro. Ursprünglich waren sogar nur Umsätze bis zur dieser Summe angedacht.

Diese Regelung ist grundsätzlich keine Neuerung, sondern existierte mit dem Umsatzlimit bereits im Glücksspielstaatsvertrag für Sportwetten von 2012 auf dem Papier. Das schnelle Veto des Europäischen Gerichtshofes führte aber dazu, dass die Einhaltung nie kontrolliert wurde.

Weitere deutlich im Raum stehende Änderungen für den Kunden sind das Verbot der Wettart „Über / Unter“ (zumindest bei Livewetten) sowie wohl auch noch speziellerer Wettarten (‚Wann fällt das X. Tor?‘ etc.). Außerdem soll es nicht mehr möglich sein, sich auf zwei Wettkonten gleichzeitig einzuloggen.

Denkbare Änderungen Glücksspielstaatsvertrag 2021

  • Maximale Einzahlungen von 1.000€ monatlich (wohl auf alle Accounts bezogen)
  • Wetten auf die Toranzahl (Über/Unter) werden möglicherweise zumindest für Livewetten abgeschafft
  • Lockerung der einstigen Beschränkung auf 20 Sportwetten-Lizenzen für private Anbieter
  • Gleichzeitiger Login bei mehreren Buchmachern soll verhindert werden
  • Detaillierte Überwachung aller Wetten eines Kunden und Weitergabe der Daten
  • Einschränkung von Livewetten
  • Einrichtung einer Sperrdatei

Ein genauer Rahmen ist im Moment nicht abgesteckt. Auf Länderkonferenzen wird darüber debattiert. Eine Einigung wird für Anfang 2021 angestrebt. Entsprechend können erst dann die Auswirkungen des neuen Glücksspielstaatsvertrages für Sportwetten analysiert werden.

Was denken die Marktleader über den neuen Glücksspielstaatsvertrag?

Die führenden Buchmacher in der Branche haben zum neuen Glückspielstaatsvertrag für Sportwetten unterschiedliche Gedanken. Das Einsatzlimit ist zweifelsfrei ein Dorn im Auge der Buchmacher.

Andererseits liefert die gewünschte detaillierte Erfassung und Weitergabe aller getätigten Wetten auch einen Schutz für die etablierten Platzhirsche: Den zum Teil wie Pilze aus dem Boden schießenden neuen Wettanbietern würde das Wasser abgegraben, während sich die Marktposition von der beliebtesten Wettanbieter stärkt.

Umsatzeinbrüche wären in der aktuell geplanten Version garantiert und dennoch stellte beispielsweise Tipico im Januar einen Sportwetten-Lizenzantrag und versucht, auf geplante Anpassungen Einfluss auszuüben.

Anfang des Jahres zogen einige Buchmacher die Notbremse. Mit Mr Green zog sich beispielsweise ein Anbieter aus der zweiten Reihe aus dem deutschen Markt zurück. Es liegt zumindest die Vermutung nahe, dass für den Ausstieg des zuvor recht offensiv in den Markt drängenden Junganbieters für Sportwetten der geplante neue Glücksspielstaatsvertrag eine tragende Rolle gespielt hat. Zudem verabschiedeten sich auch Redbet und 10bet vom deutschen Markt.

Bei der Nichteinhaltung der festgelegten Regeln drohen 2021 schmerzhafte Geldbußen bis 500.000 Euro. Auf dem Papier ist es für kleinere Anbieter leichter geworden, den Sportwetten-Markt zu erobern, da die Regel umgestoßen wurde, dass maximal 20 Lizenzen ausgegeben werden.

Grundsätzlich kann sich jeder Wettanbieter auf eine an klare Auflagen gebundene Sportwetten-Lizenz bewerben. In der Realität werden die Auflagen aber eher eine Verringerung privater und zugleich legaler Wettanbieter zur Folge haben.

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Kann ich bei Eintritt des neuen Glücksspielstaatsvertrages 2021 noch problemlos Wetten?

Wenn alle geplanten Anpassungen im Juli 2021 tatsächlich umgesetzt werden, würde dies enorme Einschnitte für den Sportwetter bedeuten.

Wer am Wochenende die kleine Kombiwette für mehr Spaß während der Bundesliga-Livekonferenz als wöchentliche Ration sieht, wird keine Probleme bekommen. Professionellere Wettambitionen würden jedoch mit dem Einzahlungslimit teilweise im Keim erstick.

„Wir wollen keinen gläsernen Spieler. Die Länder müssen gemeinsam Lösungen finden, die den Spieler schützen“

Hessens Innenminister Peter Beuth

Hoffnung machte dem ambitionierten Tipper bislang, dass die bisherigen Verträge nie länger Bestand hatten. Der Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland von 2012 wurde vom Europäischen Gerichtshof zurückgewiesen, da mit den maximal 20 Lizenzen keine Wettbewerbsfreiheit bestand. Ein 2017 angefertigter Entwurf wurde nie ratifiziert, da Gerichte früh durchklingen ließen, dass auch dieser Vertrag erfolgreich hätte angefochten werden können. Und auch im April 2020 stoppte das Verwaltungsgericht Darmstadt das Verfahren zur Lizenzverteilung, da es intransparent und diskriminierend sei.

Nachdem in letzterem Fall das hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel das Verfahren jedoch eingestellt hat, nachdem überraschend eine Einigung erzielt werden konnte, ist der Weg frei, dass der Kontrakt mit Juli 2021 tatsächlich auch in Kraft treten wird.

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Die wichtigsten Fragen & Antworten zum neuen Glücksspielgesetz 2021

1.) Kann ich ab bzw. seit dem 1. Januar 2020 nur noch 1.000€ pro Monat setzen?

Antwort: Beim Regierungspräsidium Darmstadt heißt es dazu: Die Regelung in § 4 Abs. 5 Nr. 2 GlüStV gilt für jeden Konzessionär im Internet. Ein anbieterübergreifendes Limit besteht nicht. Wenn ein Spieler mit einer Wette 1.000,- € einsetzt, hat er sein monatliches Höchsteinsatzlimit erreicht.

3.) Wann tritt der Glücksspielstaatsvertrag in Kraft?

Antwort: Die neuen Regelungen sollen ab dem 1. Juli 2021 gelten.

4.) Wie wahrscheinlich ist es, dass der Vertrag 2021 angenommen wird?

Antwort: Da das Thema ‚Glücksspiel‘ Ländersache ist, war Anfang 2020 nicht klar, ob einzelne Bundesländer den Vertrag ablehnen. Inzwischen ist der Weg zum neuen Glücksspielstaatsvertrag grundsätzlich frei.

5.) Wird ein neuer Glücksspielstaatsvertrag erneut vor dem Europäischen Gerichtshof zittern müssen?

Antwort: Das ist nicht garantiert. Bislang gab es keinen Vertrag, der dem EU-Recht standhielt. Allerdings wird mit dem Wegfall der Beschränkung auf 20 Lizenzen der bislang wesentlichste Kritikpunkt eliminiert.

6.) Wie soll das Einzahlungslimit überwacht werden?

Antwort: Das Bundesland Hessen erhielt den Auftrag, ein Sperrsystem zum Schutz der Spieler zu errichten. Es trägt den Namen OASIS = Onlineabfrage Spielerstatus.