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WM Finale: Niederlande – Spanien


11. Juli 2010 / joe

 HollandSpanien

  

Am Sonntag, den 11. Juli 2010, spielen die Niederlande gegen Spanien um den WM-Titel. Der Tag des großen Finals ist da – leider ohne Deutschland. Doch trotzdem ist das Finale eine anschauliche Begegnung. Mit Spanien und den Niderlanden haben es zwei sehr starke Mannschaften bis in das Endspiel geschafft. Auf dem Platz bieten sie zwar einen grundverschiedenen Fußball an, doch abseits des Platzes sind sie nicht gar nicht so unähnlich. Denn sowohl Holland als auch Spanien haben noch nie eine Weltmeisterschaft für sich entscheiden können. Beide Mannschaften haben bei der Weltmeisterschaft in Südafrika die Chance zum ersten Mal den Titel zu holen.
Schiedsrichter der Begegnung ist Howard Webb. Der Engländer ist tendentiell eher ein Vorteil für die Holländer, da er für seine Philosophie des stetigen Spielflußes bekannt ist. Anstoß der Begegnung ist um 20:30 Uhr.

Niederlande:
Sicherlich gehört immer ein wenig Glück dazu bis in das Endspiel vorzudringen. Doch letztlich hat die niederländische Nationalmannschaft sich dieses Glück erarbeitet. Endlich machten die Holländer einmal nicht den Fehler sich selbst groß zu preisen. Endlich machten sie nicht den Fehler die Konzentration zu verlieren. In der Qualifikation wie auch in der Gruppenphase waren die Holländer schon immer eine Macht. Doch sobald es in die Endrunden der Turniere ging, fehlte die Entschlossenheit und die Konzentration. In diesem Jahr ist das anders.
Nach einem ruhigen Auftaktsieg gegen Dänemark (2:0), in dem die Holländer – noch ohne Arjen Robben – alles andere als überzeugenden "Hurra-Fußball" spielten, sondern solide auf den Sieg fokusiert arbeiteten, waren die Niederländer in dem Turnier angekommen. Weitere Siege gegen Japan (1:0) und Kamerun (2:1) hatten zur Folge, dass der kleine Nachbar Deutschlands seine Gruppe – wie erwartet – gewann. Im Achtelfinale hätte man beinahe auf Italien treffen können, doch der eruopäische Fußball-Staat verabschiedete sich als Gruppenletzter vorzeitig von dem Turnier. Die Slowakei kam gegen Holland zwar zu Chancen, aber schied am Ende begründetermaßen aus (2:1). Im Viertelfinale folgte dann der größte Gegner und gleichzeitig der zentrale Grund, warum die Niederlande vollkommen verdient im Finale dieses Turniers stehen: Brasilien. Obwohl schon in Rückstand geraten, drehte die Mannschaft von Bondscoach Bert van Marwijk die Partie noch zu ihren Gunsten. Die Holländer hatten einen der beiden Top-Favoriten niedergerungen (2:1). Im Halbfinale darf das Spiel gegen Uruguay als nicht viel mehr als eine Pflichtaufgabe betrachten, da die Urus eher durch Losglück als durch fußballerische Klasse bis in die Runde der letzten vier vorgestoßen war (3:2).
Jetzt geht es für die Niederlande im Finale um alles, um das ganz große Ding, um die große Überraschung. Eine Überraschung wäre es zweifelsohne, denn die Holländer sind den Spaniern auf dem Papier unterlegen. Spielerisch darf die Mannschaft auf jeden Fall schwächer als Deutschland eingeschätzt werden. Lediglich kämpferisch hat sie der deutsche Elf einiges voraus. Und dieser Punkt – der Kampf auf dem Feld – muss der Schlüssel zum ersten holländischen Titelgewinn sein. Gerade Mark van Bommel sollte bestens wissen, wie man gegen seine früheren Vereinskameraden vom FC Barcelona spielt. Er wird austeilen – nicht zu knapp.

Spanien:
Für die Spanier ist es nicht nur die Chance das erste Mal den Titel in das Heimatland zu bringen, sondern sogar das erste Finale – ebenso wie es vorher das erste Halbfinale war. Obgleich sie in dieser Kategorie noch etwas grün hinter den Ohren scheinen, sind die Spanier reif für den Titel. Die Generation Fußballer spielt seit einigen Jahren fast gleichbesetzt zusammen und kennt die Mitspieler in und auswendig. Die Schaltzentrale im spanischen Spiel – und einer der größten Anwärter auf den Goldenen Ball – ist Xavi Hernandez. Der Katalane ist im besten Fußballeralter (30) und wird vermutlich mit den Jahren nicht mehr auf so hohem Niveau spielen können. Dementsprechend sollte seine Mannschaft jetzt den Titel suchen. Vielleicht ist es die letzte große Chance der goldenen spanischen Generation. Mit  Villa (28), Xavi (30), Capdevila (32), Puyol (32) und Casillas (29) sind allein aus der Starelf fünf Akteure in einem sehr guten Alter, um den großen Coup zu landen. Doch ihnen muss auch klar sein, dass es im Grunde genommen die letzte Chance ist mit Spanien Weltmeister zu werden – einen Titel zu holen, den Spanien seit langem herbeisehnt und zu häufig daran gescheitert ist.
Doch in diesem Jahr haben die Spanier die große Chance. Die große Chance vor allem, weil sie nicht so spiele wie sonst, sondern diesmal wie ein wahrer Champion: Zu Beginn grottig schlecht und am Ende immer besser.
In der Gruppenphase zeigten die Spanier zweifelsohne das – sonst unbekannte – Gesicht einer Turniermannschaft. Mit einer Auftaktniederlage gegen die Schweiz eröffneten sie das Turnier auf die schlechteste Art und Weise. Im Folgenden musste alles klappen, damit man die Gruppe noch gewinnen konnte – und es klappte. Bis heute können sie die Spanier bei der FIFA bedanken, dass sie Villa nach seiner Tätlichkeit gegen Honduras unverständlicherweise nicht sperrte. Außerdem ist ein netter Dank an Eren Derdiyok fällig, der mit seinem Fehlschuss freistehend aus 10 Metern in der Nachspielzeit nicht den Ausgleich gegen Chile markierte und die Schweiz wohl somit zum Gruppensieg geführt hätte. Des Weiteren muss man sich aus spanischer Sicht beim chilensichen Trowart bedanken, der geistesgegenwärtig – als die Spanier sowas von nicht im Spiel waren – David Villa den Ball vorlegt, damit dieser zur Führung vollenden kann. Ein weiterer Dank sollte an den Schiedsrichterassistenten gehen, der den Spaniern gegen Portugal eine lästige Verlängerung oder gar ein Elfmeterschießen ersparte, in dem er nicht die Fahne hob, als Villa im Abseits stehend zum Siegtor einschob. Ein großes Dankeschön auch an Paraguay, dass letztlich am eigenen Unvermögen scheiterte.
Es steht außer Frage, dass die Spanier hervorragend Fußball spielen können, doch getan haben sie das nur gegen Deutschland. Das Halbfinale war bisher das einzige Spiel, in dem die Spanier am Ende den Platz als Sieger verließen und keine größeren Umstände dagegen sprachen. Wer sich so durchwurschtelt wird im Finale wohl kaum Mühen haben.

Fazit:
Im Finale stehen zwei Mannschaften, die einem Endspiel würdig sind. Außerdem ist es den beiden durchaus zu gönnen endlich einmal Früchte aus ihrer Fußball-Historie zu ernten. Aus gesellschaftlichen Gründen sollte man sogar für die Spanier sein, da das iberische Volk die Folgen der Finanzkrise am eigenen Leib zu spüren bekommt. Aus Gründen der Nachbarschaftsliebe ist aber auch ein Erfolg der Niederländer willkommen. Wetttechnisch liegen die Spanier in der Favoritenrolle – und das nicht ohne Grund. Die Iberer haben ihren besten Fußball wieder aufs Feld gebracht und scheinen einzig und allein an ihrer miserablen Torausbeute scheitern zu können. Auf der anderen Seite wissen die Spanier nicht recht, vor wem oder was man sich bei den Niederlanden fürchten soll: Vor einer Abwehr, die beinahe in jedem Spiel ein Gegentor erlaubt, vor einer Sturmspitze, die in diesem Turnier harmlos geblieben ist, vor einem Toptorjäger, der aus dem Nichts ein Tor macht, oder vor einem Arjen Robben, der in Topform gegen einen Capdevila jeden Sprint gewinnen wird?

Quoten:
Niederlande: 3,85 @ betsson
Unentschieden: 3,50 @ bet365
Spanien: 2,05 @ betsafe









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