WM 2006 – WM 2010: Ein sportlicher Vergleich
1. Juli 2010 / joe
Wir bedinden uns nun im Viertelfinale der größten Titelkämpfe des Fußballs in Südafrika. Am Kap der guten Hoffnung geht die Weltmeisterschaft 2010 ihrem Ende zu. Obwohl schon 56 der 64 Begegnungen gespielt sind, erwartet uns immer noch der interessanteste Teil. Frei gemäß dem Motto "das Beste zum Schluß" wartet die ganze Welt auf eine sportliche Explusion in den Viertelfinalspielen. Denn bisher konnte das Großevent in Südafrika noch nicht ganz halten, was es versprach: Spektakel!
Mit einigen wenigen Ausnahmen scheint das Geschehen auf dem Platz mehr durchdacht als euphorisch und mehr taktisch als spielerisch geprägt zu sein. Täuscht der Eindruck oder haben wir es mit einer insgesamt unattraktiveren Weltmeisterschaft als beispielsweise 2006 in Deutschland zu tun? Im nun folgenden Vergleich, betrachten wir einmal von näherem die sportlichen Leistungen bei den Titelkämpfen in Südafrika:
Der Eröffnungstag:
Wie sich sicher selbst noch erinnern können, geht der erste Tag ganz klar an die Titelspiele in Deutschland vor vier Jahren. Alleine das Eröffnungsspiel machte Lust auf mehr! Durch das Spektakel in den ersten 90 MInuten der WM 2006 wurden die Massen begeistert. Alleine acht Tore am ersten Tag (in nur zwei Spielen) verführten die Menga zum Sport mit dem Lederball.
In Südafrika haben wir leider das Gegenteil erlebt. Der Gastgeber verpasste den Auftaktsieg und wenig später verkorkste eine langwielige Nullnummer zwischen Frankreich und Uruguay den Beginn des Turniers. Nach 12 Minuten waren in Deutschland so viele Tore gefallen, wie in Südafrika am gesamten ersten Tag. Erst im sechsten Spiel der Weltmeisterschaft in Südafrika konnten die Statisitker das 8. Turniertor zählen – in Deutschland hatten sie mehr Arbeit.
Die Gruppenphase:
In der Gruppenphase in Deutschland musste keiner der Favoriten seine Sachen packen – lediglich das Ausscheiden von Tschechien und den damals stärker eingeschätzten Polen verwunderte. Im Großen und Ganzen erinnert man sich aber an eine Gruppenphase, in der die kleineren Fußballnationen durch hervorragende körperliche Verfassung versuchten den bekannten Größen ein Bein zu stellen. Doch letztlich setzten sich die alten Bekannten durch – ein Zeichen von Qualität.
Diese Qualität ließen die großen Fußballnationen in Südafrika vermissen. Nur sehr selten konnte die fußballerische Überlegenheit vond em Papier auf den Rasen übertragen werden. So enttäuschten Italien, Frankreich, England und auch Spanien im spielerischen Bereich. Italien und Frankreich mussten sogar schon nach der Gruppenphase als jeweilige Gruppenletzte nach Hause fliegen. Das Weiterkommen von Überraschungsteams ist es gar nicht, was an der WM in Südafrika zu bemängeln ist, sondern die Qualität. Die Mindestqualität, um in das Achtelfinale einzuziehen erscheint bei dieser WM wohl so niedrig wie noch bei keiner anderen zuvor. Außerdem zeigten gerade die fußballerisch unbekannteren Nationalmannschaften große Schwächen im physischen Bereich. Koreaner, Japaner, Ghanaer: Allesamt mussten sie der Welt konditionelle Löcher präsentieren – und qualifizierten sich trotzdem für das Achtelfinale.
Das Achtelfinale:
Das Achtelfinale - als Produkt der Gruppenphase - wartete mit zwei Topspielen auf die Fußball-Welt. England gegen Deutschland und Spanien gegen Portugal, sollten vergessen machen, was in der ersten Runde beispielsweise Spiele wie Brasilien-Portugal vermissen ließen. Besonders dem Ersteren gelang dies herrvorragend. Leider konnte man das von Spanien – Portugal nicht ganz behaupten und doch hielt die Spannung im Alleingang – wie in den Achtelfinals dieser WM viel zu häufig – das Spiel attraktiv. Im Achtelfinale zeigten unter anderem Mexico und Chile, dass die in sie gesteckten Hoffnungen bei weitem nicht ausbezahlt werden konnten.
Da in der Gruppenphase 2006 die Favoriten grundsolide ihre Gruppen gewannen, blieben im Achtelfinale die großen Überraschungen aus. So setzten sich alle Gruppensieger durch – in Südafrika blieb nur die USA auf der Strecke.
Das Viertelfinale:
Im Viertelfinale in Südafrika stehen noch fünf große Mannschaften. Das bedeutet gleichzeitig, dass es drei sogenannte "kleine" Nationen geschafft haben, sich eine Platz unter den besten Acht der Welt zu sichern. Sicherlich hat das Los durch die Aufeinandertreffen in den Achtelfinals eine Rolle dabei gespielt, doch ist trotz allem klar, dass die etablierten Nationalmannschaften nummerisch weniger vertreten sind. Spanien, Argentinien, Brasilien, Deutschland und die Niederlande kämpfen um drie Plätze im Halbfinale, denn ein Platz wird an einen der kleinen gehen – mindestens einer.
Bei der Weltmeisterschaft 2006 fehlten zwar in den Viertelfinalespielen die Tore (sechs Tore in vier Spielen), allerdings hielten die großen Begegnungen, was ihre Namen versprachen. Deutschland gegen Argentinien und auch Brasilien gegen Frankreich boten Spannung und Unterhaltung.
Inwiefern dies den beiden großen Duellen in Südafrika gelingt bleibt abzuwarten.
Die Spielweise:
Im puncto Spielweise wirkt die Weltmeisterschaft in Südafrika wie eine Weiterentwicklung der WM 2006 in Deutschland. Die immer höhere Gewichtung der taktischen Grundodrnung und das verbesserte defensive Gesamtbild sind Früchte einer Entwicklung, die in Deutschland 2006 begann. Schon dort wurde das 4-4-2 System mehr oder weniger wach abgelöst, um von einem 4-4-1-1 ersetzt zu werden. Die meisten – erflogreichen – Mannschaften verzichten beim Turnier in Südafrika auf einen zweiten Stürmer und senden statt dessen einen Mann mehr ins Mittelfeld. So ist der "zweite Stürmer" meistens ein fünfter Mittelfeldspieler – wenn auch ein offensiver. Die besten Beispiele sind Deutschland, Brasilien und Spanien. Besonders bei den Iberern ist auffällig, dass sie ihre erfolgreiche Ordnung aus dem Europameisterschaftsgewinn zunehmend aufgeben, um einen weiteren Spieler im Mittelfeld zu postieren. Dies äußerst sich auf – wie auch bei Deutschland – mit einem sehr offensiven Außenspiele (David Villa), der zwar nominell als zweite Spitze gilt, allerdings auf dem Feld viel defensiver agiert, als dies ein klassischer Stürmer tun würde.
Die Torschützen:
Seit 1962 gab es keinen Torschützenkönig mit weniger als sechs Treffern – bis Miroslav Klose (5 Tore) 2006. Bei der WM im eigenen Land gewann der Stürmern mit fünf Toren die beliebte Trophäe. Auch in diesem Jahr könnte es passieren, dass relativ wenige Tore reichen, um Torschützenkönig zu werden. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass je nach dem wie weite die Nationalmannschaften im Turnier noch vorstoßen können Luis Fabiano (Brasilien), Gonzalo Higuain (Argentinien) oder David Villa (Spanien) die Marke von Klose übertreffen werden.
Die Überraschungen:
Interessant ist, dass bei beiden Turnieren die wahren Überrasschungen aus der gleichen thematischen Ecke kommen. Es waren 2006 in Deuschland die Europäer, die den Weltfußball dominierten. In diesem Jahr in Südafrika machen die Südamerikaner den Eindruck als wollten sie zeigen, dass es eine neue Qualität auf ihrem Kontinent gibt. In Deutschland kamen alle Halbfinalisten von dem alten Kontinent – in Südafrika sind es schon nur noch drei europäische Teilnehmer im Viertelfinale.
Ganz im Gegenteil die Südamerikaner: Zunächst gelang es alle fünf Endsandten auch in das Achtelfinale zu bringen. Dort setzten sich alle Mannschaften – bis auf Chile, das gegen Brasilien spielte – durch. Aktuell hat jedes Viertelfinale einen südamerikanischen Teilnehmer. Es könnte der ganz große Wurf gelingen. Vielleicht ist schon im Halbfinale klar, auf welchen Kontinent sich der goldene WM-Pokal in diesem Jahr verirren wird.
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Schlagwörter: 2010, Deutschland, Südafrika, Vergleich, WM 2006, WM 2010





