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Wettgewinne durch Verlustprogression?: Der weit verbreitete Irrglaube des Martingale-Systems


19. November 2008 / Andree

Vielen interessierten Wett-Freunden dürfte es bereits bekannt sein. Doch immer wieder stößt man auch bei ambitionierten Sportwettern – in Reinform oder als Teil eigener Wettstrategien – auf einen weit verbreiteten Irrglauben, nach dem über eine stete Verdoppelung verlorener Einsätze ein dauerhafter Gewinn erzielt werden könne. Diese „Strategie“ hat ihren Ursprung beim Glücksspiel Roulette. Es handelt sich um das so genannte Martingale-System“.

Der Grundgedanke ist der Folgende: Der Grundeinsatz wird bei einer verlorenen Wette so lange verdoppelt bis eine Wette gewonnen wird. Ist dies der Fall, beginnt die Reihe wieder mit dem Grundeinsatz.

Begründet wird diese „Strategie“ mit einer bei jedem weiteren Spiel sinkenden Wahrscheinlichkeit einer verlorenen Wette bzw. einer steigenden Gewinnwahrscheinlichkeit, die sich bis auf 99 Prozent maximiere.

Nehmen wir das Roulette-Beispiel: Die einfachste Möglichkeit bei diesem Glücksspiel ist es, sein Geld auf ROT oder SCHWARZ zu setzen. Für jede Farbe stehen die Chancen bei annähernd 50 Prozent, denn außer ROT und SCHWARZ kann die Kugel nur noch auf der NULL landen. Im Gewinnfall erhält der Spieler das Doppelte des Einsatzes. Das Äquivalent wäre bei einer Sportwette somit eine Quote von 2,0.

Setzen wir also 5 Euro auf ROT und verlieren, steigt der Einsatz in der nächsten Runde auf 10 Euro. Verlieren wir erneut, setzen wir in der dritten Runde 20 Euro. Bei einem abermaligen Verlust beträgt der Einsatz in der vierten Runde 40 Euro usw.

Der Einsatz berechnet sich also wie folgt: Verlorener Einsatz (ROT/SCHWARZ) x 2

Diese uralte Gewinnstrategie wird immer wieder auch Sportwettern ans Herz gelegt. Man suche sich Sportereignisse mit denselben Quoten (etwa immer 2,0) – am besten solche mit lediglich zwei möglichen Wettausgängen – heraus und verfahre nach demselben Verfahren.

Es handelt sich hierbei jedoch um einen Irrglauben, der sich leicht entlarven lässt: Beim Roulette steigt die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer ROT-Runde beim nächsten Mal SCHWARZ fällt keinesfalls. Die Roulette-Scheibe besitzt kein „Gedächtnis“. Das Spiel startet somit jedes Mal wieder von vorn. Es ist schlicht genauso wahrscheinlich, dass 13mal hintereinander ROT oder SCHWARZ fällt wie beide Farben abwechselnd auftauchen können.

Auch jedes Sportereignis beginnt immer wieder bei einem 0:0, bei null gefahrenen Runden, null gespielten Sätzen usw. Zwar kann man durch genaue Recherche auf den Favoriten einer sportlichen Auseinandersetzung setzen. Nur weil man vorher drei Mal zur Quote 1,90 verloren hat, steigen jedoch nicht automatisch die Gewinnchancen bei der vierten Wette.

Gehen wir einfach einmal davon aus, wir beginnen mit einem niedrigen Einsatz von 5 Euro und verlieren die ersten sieben Wetten. In der achten Runde läge unser Einsatz bereits bei 640€. Wir hätten mittlerweile also 635 Euro (5€ [Runde 1] + 10€ [R2] + 20€ [R3] + 40€ [R4] + 80€ [R5] + 160€ [R6] + 320€ [R7]) plus 640€, also 1275€, gesetzt. Und auch mit dieser achten Wette geht keinesfalls eine Gewinngarantie einher. Verlieren wir wieder, müssen wir – gemäß der Martingale-Strategie – beim nächsten Mal 1280€ setzen. Und sollte unser Tipp dann tatsächlich aufgehen, haben wir bei einem Risiko von 2555€ einen Gewinn von 5€ erzielt.

Nun sind wir – der Einfachheit halber – von einer jeweiligen Quote von 2,0 ausgegangen. Liegt die Quote jedoch niedriger, etwa bei 1,80, müssen die Folgeeinsätze dementsprechend um mehr als 100 Prozent erhöht werden, in diesem Fall um etwa 125 Prozent, um den Grundeinsatz zu verdoppeln.

Das Martingale-System wird also von dreierlei Begrenzungen ausgebremst: Erstens der Begrenzung des zur Verfügung stehenden Eigenkapitals, zweitens der Begrenzung des Einsatz- bzw. Gewinnlimits bei Wettanbietern bzw. Casinos und schließlich drittens von der Begrenzung der bei dieser riskanten Strategie arg in Mitleidenschaft gezogenen Nerven.

Die Empfehlung lautet daher: Schonen Sie Ihre Nerven und Ihren Geldbeutel und belassen Sie das Martingale-System dort, wo es hingehört: Auf dem verstaubten Dachboden der Wett-Irrtümer.









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