Wettbasis-Serie: Gesamtsieger-Märkte (Teil 3)
Augenmerk: Beispiel Bundesliga-Torschützenkönig
27. Januar 2012 / joeIm vorangegangenen zweiten Teil der Wettbasis-Serie: Gesamtsieger Märkte haben wir uns mit dem theoretischen Ansatz der Analyse des Torschützenkönig-Marktes befasst. Im dritten Teil der Serie wollen wir uns nun in die Praxis begeben und uns die aktuelle Situation des Marktes der 1. Bundesliga in Deutschland anschauen.
Ähnlich spannend wie in der Bundesliga geht es tabellarisch auch im Kampf um die Torschützenkrone zu. Nach dem 18. Spieltag liegen vier Spieler mit zwei Toren oder weniger Abstand zum Führenden. Dahinter folgt ein Feld von weiteren drei Spielern, die nicht weiter als sechs Tore entfernt sind. Alle anderen werden realistisch gesehen nur sehr unwahrscheinlich noch in den Kampf um die Torjägerkanone einsteigen. Für die Analyse werden alle bekannten Daten und Gegebenheiten zum Zeitpunkt vor dem 19. Spieltag in Betracht gezogen. Als relevant werden die führenden vier Stürmer der Torjägerliste analysiert.
Mario Gomez, FC Bayern München, 16 Tore:
Der Mittelstürmer des FC Bayern München führt, wie das vor der Saison auch erwartet worden war, die Torschützenliste an. Grundsätzlich hat Gomez den Vorteil in der Mannschaft zu spielen, die ohnehin am meisten Tore in der Bundesliga schießt (44). Statistisch gesehen schießt Mario Gomez 45,54% seiner Tore in der Hinrunde – hat also gute Tendenzen für die Rückrunde. Für die Mannschaft ist Mario Gomez ohne Frage eine Stammkraft, die nicht ersetzt werden kann. Die Konkurrenz von der Bank war zu lange verletzt (Olic) oder ist in der Entwicklung noch nicht weit genug, um eine dauerhafte Alternative zu sein (Petersen). Insbesondere die starke Verfassung von Frank Ribery spielt Gomez in die Karten. Wenn Robben wieder mehr Einsatzzeit bekommt, wird die Offensive der Bayern noch variabler werden und ein weiterer Vorbereiter würde für Gomez arbeiten. Einzig bei Elfmetern könnte es passieren, dass Gomez weniger zum Zug kommt.
Quote: 1,74 @ betfair
Trend: Mario Gomez ist auf jeden Fall Favorit. Darüber gibt es keine Diskussion. Die Quote allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als attraktiv. Verletztungen und besonders die Tatsache des geringen Vorsprungs (lediglich ein Tor) machen langfristige Wetten unattraktiv. Für kurzfristige Wetten ist die Quote schon zu niedrig, als dass es zu zeitnahen Quoteneinbrüchen kommen könnte.
Klaas Jan Huntelaar, FC Schalke 04, 15 Tore
Der Holländer Klaas Jan Huntelaar befindet sich in blendender Verfassung: Nicht nur hat er für Schalke nach 18 Spieltagen bereits 15 Tore erzielt, sondern in der selben Zeit hat er auch noch sechs Treffer vorbereitet. Damit ist er an 21 der 41 Treffer von Königsblau beteiligt gewesen. Im Gegensatz zu Mario Gomez ist es allerdings langfristig durchaus denkbar, dass Trainer Huub Stevens bei einer Schwächephase vermehrt auf Raul, Marica, Obasi, Pukki oder Farfan setzen könnte.
Quote: Â 4,50 @ betfair
Trend: Die Quote von Klaas Jan Huntelaar bewegt sich in Regionen, in denen man beginnen kann auch in einer Langzeitwette auf kurzfristige Quotenschwankungen zu spekulieren. In diesem Fall ist es ratsam sich die kommenden Wochen näher anzugucken. Drei der nächsten vier Bundesligaspiele spielt Schalke gegen schwache Abwehrreihen: Köln, Mainz und Wolfsburg gehören zu den vier schlechtesten Verteidigungen der Liga. Sollte es dem Holländer also gelingen mehrfach gegen diesen schwache Abwehrreihen zu treffen, wird es zwangsläufig zu einem Quotenfall kommen. Auch langfristig kann die Wette attraktiv sein, gerade wenn es Huntelaar gelingt bis nahe an das Saisonende an Gomez dranzubleiben. Dann würden sich zum Vorteil der Quote des Holländers angleichen.
Robert Lewandowski, Borussia Dortmund, 14 Tore
Der Angreifer von Borussia Dortmund ist in dieser Saison die Referenz des deutschen Meisters in der Offensive. Mit 14 Toren und sieben Assists hat er an 21 der 40 Tore von Borussia Dortmund in dieser Saison teilgehabt. Dortmund hat zwar mit Götze, Großkreutz, Kagawa und Blaszykowski viele weitere Optionen, allerdings sind die in den meisten Fällen in vorbereitender Funktion beteiligt. Lewandowski hat langfristig die Konkurrenz von Lucas Barrios im Nacken. Aufgrund der offensiven Rotation ist es durchaus möglich, dass Lewandowski auch mal von der Bank beginnt. Die Mannschaft ist international nicht mehr dabei, was kräftetechnisch von Vorteil sein kann. Lewandowski hat im Gegensatz zu seinen Konkurrenten wenig Erfahrung und spielt seine erste Saison als “Vollzeitkraft”. Außerdem schießt Lewandowski nicht die Elfmeter.
Quote: 8.00 @Â bwin
Trend: Lewandowski liegt nur zwei Tore hinter der Spitze und kann sicherlich auch langfristig in das Rennen um die Torjägerkanone eingreifen. In diesem Sinne ist die Quote attraktiv. Da Lewandowski mit Lucas Barrios starke Konkurrenz hat und in der Regel keine Elfmeter schießt ist es risikoreich auf den Dortmunder Angreifer zu setzen. Die Verletzung von Mario Götze scheint ordentlich kompensierbar zu sein. Kurzfristig wird gegen Hoffenheim und Nürnberg gespielt. Die Tendenzen sind im Falle von Lewandowski zu wiedersprüchlich oder schwierig zu deuten, als dass eine klare Richtung zu erkennen wäre. Die Quote ist allerdings langfristig sehr attraktiv.
Lukas Podolski, 1. FC Köln, 14 Tore
Im Fall von Lukas Podolski ist die Situation eine andere als bei den vorher genannten Konkurrenten. Innerhalb der Mannschaft ist Podolski der mit Abstand beste Feldspieler und die meisten seiner Tore sind Marke Eigenbau. Häufig könnte man auch den Assist an die Kölner Nummer 10 verteilen. Von der Mannschaft kann Podolski keine Unterstützung erwarten. Podolski schießt zwar in der Regel die Elfmeter, muss in Köln die Offensive jedoch alleine schultern.
Quote: 15,00 @ bwin
Trend: Podolski spielt bisher seine beste Saison und hat schon auf der Hälfte sämtlich Torrekorde eingestellt. Seine Möglichkeiten die Torjägerkrone zu gewinnen sind allerdings minimal. Das liegt vor allem daran, dass dem 1. FC Köln die hohen Siege fehlen. Während Huntelaar, Gomez und Lewandowski schon mal einfache Tore machen und in einem Spiel drei mal treffen könnten, muss sich Podolski jedes Tor mühsam erarbeiten. Außerdem könnten Abstiegsängste im späteren Saisonverlauf die Leistungen der Mannschaft schmälern.
Fazit:
Im Falle von Gomez sind die Quoten nicht attraktiv genug. Obwohl er favorisiert ist bietet sich eine Wette (noch) nicht an. Klaas Jan Huntelaar könnte kurzfrisitg eine gewinnbringende Wahl sein, während Lewandowski langfristig eine Option ist. Podolski scheint nicht anspielbar.
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