Werder Bremen gewinnt zum sechsten Mal den DFB-Pokal
31. Mai 2009 / joe
Jeder große Star war einmal ein kleiner Junge. Jeder kleine Junge hatte einmal Bilderbücher. Unrealistische, ultrapositive Geschichten, die von kleinen Jungen erzählen, die aufwachsen, ihre Idole spielen sehen und davon träumen auch mal in einem Finale zu stehen. Irgendwann steht dann der kleine Junge aus der Geschichte als großer Junge in einem Finale. Am Besten noch neben seinem – inzwischen alten – Idol. In der Spielentscheidenen Situation spielt dann das Idol den Ball links raus, auf den erwachsenen Jungen und der netzt ein zum alles entscheidenden 1:0 im großen Finale.
Am gestrigen Sonntag kam es zum letzten großen Showdown des deutschen Fußballs vor der Sommerpause – nach dem vorentscheidenen Sieg der Nürnberger in Cottbus bietet allenfalls das Relegations-Rückspiel um den Aufstieg in die 2. Bundesliga noch ein wenig Spannung. Mit Bayer Leverkusen und Werder Bremen standen sich zwei Teams gegenüber, die im Allgemeinen nicht das viel zitierte Sieger-Gen in sich tragen. Lange Zeit zeigten beide, dass sie in entscheidenen Momenten ihre Qualität nicht umsetzten können. Beste Chancen durch Patrick Helmes (22.) freistehend aus acht Metern auf Seiten der Roten aus dem Westen sowie durch Diego (25.), der den Ball nur für den einschußbereiten Thorsten Frings hätte liegen lassen müssen, auf Seiten der Grün-Weißen aus dem Norden. Das Scheidsrichtergespann um Dr. Helmut Fleicher verwährte beiden Teams eine glasklare Torchance durch nicht existentes Abseits, hatte das Spiel aber immer unter Kontrolle. Schon gegen Ende der ersten Halbzeit konnten sich die Werderaner ein Übergewicht erspielen, welches sie zu Beginn der zweiten Halbzeit beibehielten und in mitten ihrer Drangphase mit dem Fürhrungstor durch Mesut Ozil (58.) belohnt wurden. Da Leverkusens Abwehrspieler Manuel Friedrich den Ball entscheidend abfälscht, kann durchaus vom Glück des Tüchtigen gesprochen werden. In der Folge begannen die Bremer mit jeder Minute, die von der Uhr runtertickte, den minimalen Vorsprung zu verwalten. Dies wurde durch die Leverkusener, die auch keine Hochkaräter mehr erspielen konnten, allerdings nicht mehr bestraft. Am Ende heiß es 1:0 für die Mannen von der Weser.
Bayer Leverkusen, dass von der Öffentlichkeit nach der Saison 2001/2002 den Stempel Vizekusen aufgedrückt bekommen hatte, konnte sich, trotz kreativer Versuche der Fans ("Who the Fuck is Vizekusen?"), wieder einmal nicht durchsetzten und musste sich am Ende mit einer Silbermedallie zufrieden geben. Kein Tor, keinen Titel. Genauso schwer wiegt sicherlich der somit verpasste Einzug in die neue Euro League. In Leverkusen wird es nun sehr schwierig die junge Mannschaft (Altersdurchschnitt im DFB-Finale unter 25 Jahren) zusammen zu halten. Denn talentiert ist sie allemal. Ein Patrick Helmes beispielsweise wird im Markt schon von vielen – international vertretenden – Wettbewerbern umworben.
Für die Bremer birgte diese Spiel nicht nur die Gefahr das zweite Finale innerhalb weniger Wochen abzugeben, in der nächsten Saison nur national aktiv zu sein und somit diese Saison nicht erreicht zu haben. Viel schlimmer noch. Ausgiebig hatten die Werderander Fans – und Tim Wiese – auf dem HSV rumgehackt, weil dieser in dieser Saison immer nur nah dran war und letztlich doch keinen Erfolg feiern konnte. Die Schmach der Hamburger wäre auf die Bremer zurückgeschoßen gekommen, da Hamburg sich am letzten Spieltag doch noch das internationale Geschäft sichern konnte. Bekanntlich ist dieser Kelch an den Bremern vorbeigezogen. Auch auf anderen Ebenen war es ein besonderes Spiel. So feierte Diego seinen Ausstieg mit einem Titelgewinn. Den Braselianer zieht es ins zuschauerarme Italien nach Turin, wo er dann vor 3. Liga Kulissen spielen darf. Emotionaler war der Abgang von Frank Baumann. In der 60. Minute, kurz nach der Bremer Führung, wechselte Trainer Thomas Schaaf seinen Kapitän aus. Dieser wurde mit stehenden Ovationen vom Olympiastadion in Berlin verabschiedet. Was der 33 jährige nach der aktiven Fußballerkarriere machen wird, hat er noch nicht verkündet – vielleicht schreibt er Kinderbücher über Mesut Özil.
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Schlagwörter: Bayer Leverkusen, DFB-Pokal, Finale, Frank Baumann, Mesut Özil, Olympiastadion, Patrick Helmes, Thomas Schaaf, Vizekusen, Werder Bremen





