Gleich vorweg – aufgrund dessen, dass ich nachher verhindert bin und nicht mehr vor morgen Mittag Online komme – geschieht der Rückblick auf Runde 1 sowie die Vorschau auf Runde 2 ein bisschen früher als geplant. Einige Partien sind momentan noch im Gange – die Ergebnisse werden morgen dann dazu editiert!
Sein Wohnzimmer wurde ihm fast zum Verhängnis. Das wäre wohl die größte Sensation in der Geschichte der All England Championship gewesen. Und es war fehlte nicht viel – der Könige wackelte und sein Stuhl war schon mehr als nur angesägt. Doch er glaube an sich, zeigte mentale Größe und Nervenstärke. König Roger war weit von seinem besten Tennis entfernt, bewegte sich zum Teil sehr schlecht, aber er ist nicht Federer, wenn er in den entscheidenden Momenten nicht präsent wäre. Das Spiel von Roger Federer gegen den Kolumbianer Alejandro Falla war mit Sicherheit, DAS Spiel der ersten Runde.
Alejandro Falla – seines Zeichens Nummer 60 der Weltrangliste – konnte einem Leid tun. Er spielte die Partie seines Lebens und hätte es sich mehr als nur verdient gehabt, das Spiel zu gewinnen. Doch Federer konnte irgendwie den Hals aus der Schlinge ziehen – und er sagte auf der Pressekonferenz selbst, dass er das Spiel eigentlich verlieren hätte müssen. Falla, welcher seine Möglichkeiten als Leftie perfekt nutzte, schlug auch sehr stark auf und gab Federer kaum Chancen. Und als Falla nach 2-0 Satzführung dann im dritten Satz drei Breakbälle beim Stande von 4-4 hatte, war das Ausscheiden von Federer schon fast perfekt. Doch der Schweizer konnte alle Breakbälle abwehren und den Satz noch gewinnen. Und wenn man dachte dies sei endgültig die Wende sah man sich wieder getäuscht. Gleich im ersten Aufschlagsspiel in Satz vier musste Federer sein Service abgeben und Falla konnte dieses bis zum 5-4 transportieren und schlug dann zum Matchgewinn auf. Falla merkte man an, dass er Angst hatte zu gewinnen und eine ganz schwere Hand bekam. Dank einigen unerzwungenen Fehler konnte Federer das Break erreichen und rettete sich in den Tiebreak. Und ab diesem Moment war es dann so – wie es geplant war. Klarer Erfolg im Tiebreak und im fünften Satz war für Falla nichts mehr zu holen. Alles in Allem wohl ein Weckruf zur rechten Zeit für Federer und eine bärenstarke Leistung von Falla – der einem wirklich Leid tun konnte.
Dieses Mal ist der Rückblick auf das Spiel der Runde ein bisschen länger ausgefallen – aber nun kommen wir zu den restlichen deutschsprachigen Teilnehmer.
Deutschland (11)
Das sieht ja gar nicht schlecht aus! Sieben Deutsche Teilnehmer stehen fix in Runde zwei. Und für Philipp Petzschner sieht es auch ganz gut aus, zudem spielt Julian Reister seine Erstrundenpartie gegen den Südafrikaner Rik de Voest noch später. Unter Umständen werden wir also neun deutsche Herren in der zweiten Runde von Wimbledon sehen.
Positiv zu erwähnen ist der klare Erfolg von Florian Mayer gegen den Kroaten Marin Cilic. Rasen ist nicht der Lieblingsbelag von Cilic – aber dennoch, eine Niederlage gegen Mayer ist doch eine Überraschung. Für Mayer gab es nie die Gefahr, dieses Spiel zu verlieren. Ein klarer Dreisatzerfolg für den Deutschen. Ebenfalls zu klaren Siegen kamen Rainer Schüttler - gegen einen inferioren Tursunov – sowie Daniel Brands gegen den Russen Andreev. Eine ganz große Überraschung ist das Weiterkommen von Tobias Kamke – eine kämpferische Leistung, welche vom Spielverlauf an das Spiel von Federer erinnerte. Guillermo-Garcia Lopez war der klare Favorit in dieser Begegnung und zeigte dies auch. 2-0 Satzführung und 5-3 im dritten Satz. Doch dann gab er sein Service ab und in Folge dessen gingen die nächsten drei Games auch an Kamke. Im vierten Satz führte GGL schon zwei mal mit Break und musste immer wieder das Rebreak hinnehmen. Der Sieg ist sicherlich eine der großen Überraschungen in der ersten Runde aus deutscher Sicht.
Bei den Damen sieht es dagegen mager aus. Lediglich Kristina Barrois und Angelique Kerber konnten ihre Partien gewinnen – jeweils sicher in zwei Sätzen. Eine große Enttäuschung muss es für Andrea Petkovic sein. Gegen Psycho-Chakvetadze gewann sie den ersten Satz ohne große Anstrengung und hatte die Russin schon wieder nahe an den Tränen. Doch durch eine schlechte Leistung konnte sie die Russin zurückholen und musste sich am Ende auch verdient verabschieden – symptomatisch mit einem UE!
Die Spiele der ersten Runde im Überblick:
Benjamin Becker - Ryan Sweeting 5-7 6-2 6-2 6-4
Rainer Schüttler - Dimitry Tursunov 6-2 6-2 6-3
Daniel Brands - Igor Andreev 7-6 7-6 7-5
Florian Mayer - Marin Cilic 6-2 6-4 7-6
Philipp Kohlschreiber - Potito Starace 6-3 3-6 6-3 6-0
Andreas Beck - Jamie Baker 7-6 6-3 6-4
Tobias Kamke - Guillermo Garcia Lopez 5-7 2-6 7-5 6-4 6-4
Julian Reister - Rik de Voest
Ilya Marchenko - Michael Berrer 6-3 7-5 ret.
Florent Serra - Simon Greul 7-6 6-3 6-2
David Ferrer - Nicolas Kiefer 6-4 6-2 6-3
Philipp Petzschner - Stephane Robert 6-4 7-6
Anna Chakvetadze - Andrea Petkovic 3-6 6-4 6-4
Kristina Barrois - Mariya Koryttseva 6-3 6-4
Nadia Petrova - Tatjana Malek 6-4 6-3
Marion Bartoli - Julia Goerges 6-4 6-3
Angelique Kerber - Sania Mirza 6-4 6-1
Melanie Oudin - Anna Lena Grönefeld 6-3 6-0
Die Spiele der zweiten Runde im Überblick:
Benjamin Becker – Tomas Berdych
Rainer Schüttler – Denis Istomin
Daniel Brands – Nikolay Davydenko
Florian Mayer – Mardy Fish
Philipp Kohlschreiber – Teimurasz Gabashvili
Andreas Beck – Julien Benneteau
Tobias Kamke – Andrea Seppi
Julian Reister / Rik de Voest – Juan Carlos Ferrero / Xavier Malisse
Philipp Petzschner – Blaz Kavcic / Lukasz Kubot
Kristina Barrois – Justine Henin
Angelique Kerber – Shahar Peer
In der zweiten Runde wird es nun für einige deutsche Teilnehmer ganz schwer. Bei den Herren haben Benjamin Becker (gegen Berdych) sowie Daniel Brands (gegen Davydenko) sehr schwierige Gegner auf der anderen Seite. Ebenfalls schwer wird es für Florian Mayer - nach seinem Überraschungssieg gegen Cilic hat er nun mit Mardy Fish einen starken Rasenspieler als Gegner. Problemlos in die nächste Runde sollte Deutschlands Nummer 1, Philipp Kohlschreiber, kommen. Gegen den Russen Gabashvili sollte Kohli auf Rasen keine Probleme bekommen. Bei den restlichen deutschen Herren kommt es zum Teil noch auf den Gegner drauf an – aber das Ergebnis sieht schon bedeutend besser aus als bei den French Open in Paris.
Bei den Damen werden wir uns wohl von den letzten zwei deutschen Damen auch verabschieden müssen. Barrois muss gegen Henin ran – da sehe ich absolute keine Chane für die Deutsche. Angelique Kerber wird es auch sehr schwer haben gegen Shahar Peer.
Schweiz (1)
So schnell gehts – sechs Teilnehmer sind gestartet und nur noch Roger Federer ist dabei. Alle anderen fünf Schweizer Teilnehmer/innen mussten bereits in der ersten Runde die Segel streichen. Über das enge Spiel von Federer wurde schon zu Beginn einiges geschrieben – deswegen gleich der Blick auf die Schweizer Nummer 2. Stan Wawrinka mag keinen Rasenbelag - dies sah man auch in der Vorbereitung als er lieber ein Challenger Turnier spielte – und gewann – anstatt sich auf Rasen vorzubereiten. Denis Istomin hingegen spielte in Queens sehr gute und hatte sogar Rafael Nadal an dem Rand einer Niederlage. Seine Form passte und diese konnte er auch gegen Stan The Man zeigen. In fünf Sätzen setzte er sich schließlich verdient durch. Die Schweizer Nummer drei, Chiudinelli, war gegen den aufstrebenden Ukrainer Dolgopolov auch mehr oder weniger chancenlos. Zu Beginn des Matches gaben beide oft ihren Aufschlag ab. Doch nach dem Gewinn des ersten Satzes konnte der junge Ukrainer immer mehr an Sicherheit gewinnen und hatte in den Sätzen zwei und drei gar keine Probleme mehr.
Bei den Damen verabschieden sich gleich alle drei Starterinnen. Den Beginn machte Patty Schnyder die nach 49 Minuten den Platz wieder verlassen durfte – keine Chance gegen die Unbekannte Yung-Jan Chan – der tiefe Fall der Patty S. geht damit weiter. Bedeutend bitterer war die Niederlage für Stefanie Voegele. Im ersten Satz war sie um einiges stärker als ihre Kontrahentin Kirilenko – welche auch ein medical timeout nehmen musste. Doch die hübsche Russin kämpfte sich zurück und konnte Satz zwei verdient für sich entscheiden. Im dritten Satz sah es wieder gut für die Schweizerin aus – sie schlug sogar schon zum Matchgewinn auf. Jedoch – wie so oft bei den Damen – hielten die Nerven nicht und sie gab ab und Kirilenko konnte die partie noch drehen. Ebenfalls in drei Sätzen verabschiedet sich Timea Bacsinzsky. Gegen Gallovits konnte sie zwar vorlegen und war auf dem Weg in Runde zwei – doch auch sie musste dann die Sätze zwei und drei abgeben.
Die Spiele der ersten Runde im Überblick:
Roger Federer - Alejandro Falla 5-7 4-6 6-4 7-6 6-0
Denis Istomin - Stanislaw Wawrinka 6-7 6-1 2-6 7-6 6-3
Alexandr Dolgopolov - Marco Chiudinelli 6-4 6-3 6-3
Edina Gallovits - Timea Bacsinszky 4-6 7-5 6-3
Maria Kirilenko - Stefanie Voegele 2-6 6-4 7-5
Yung-Jan Chan - Patty Schnyder 6-0 6-2
Die Spiele der zweiten Runde im Überblick:
Roger Federer – Ilija Bozoljac
Nach dem harten Kampf und dem – durchaus – unverdienten Sieg heißt es nun für Roger Federer, Mund abputzen und weitermachen. Solche Spiele kann man nur gewinnen, wenn man in einer mentalen Topverfassung ist. Dies hat er bewiesen, nun heißt es auch, die spielerische Stärke wieder zu erlangen. Gegen Bozoljac denke ich, dass er sich locker durchsetzen wird. Bei Falla hatte er unter Umständen das Problem, dass er ihn unterschätzte. Immerhin schlug er ihn in Halle locker in zwei Sätzen und meinte im Vorfeld der All England Championsship noch, dass Falla in zwei Wochen kein neues Tennis erlernen kann – und er konnte es. Gegen Bozoljac weiß Fedex nun, dass er auf der Hut sein muss und mit der nötigen Konzentration wird das ein lockeres Match in drei Sätzen für den Schweizer.
Österreich (3)
Der Junioren-Wimbledon Sieger Jürgen Melzer hatte gegen den Rasta-Man zwar kleinere Probleme aber der Sieg schien nie in Gefahr zu sein. Das größte Problem für Melzer war, dass er nie seinen Rhythmus finden konnte, da Brown ein sehr variables Spiel hatte. Doch alles in allem ein guter Gegner für die erste Runde und Melzer konnte einiges an Selbstvertrauen tanken für die kommenden Aufgaben. Den größten Erfolg seiner Karriere konnte Martin Fischer erzielen. Bei seinem zweiten Auftritt bei einem Grand-Slam Turnier – nach seiner Premiere bei den French Open – konnte er gegen den Japaner Go Soeda klar in drei Sätzen die zweite Runde erreichen. Soeda kam als Lucky Loser in den Hauptbewerb und konnte im ersten Satz noch gut mithalten, danach wurde Fischer dann immer stärker.
Die Partie von Stefan Koubek ist im Moment noch im Gange. Ein relativ ausgeglichenes Spiel aber in den entscheidenden Momenten war der Finne Nieminen bis dato immer zur Stelle und konnte die big Points für sich entscheiden. Den dritten Satz konnte Koubek dann für sich entscheiden aber gleich zu Beginn des vierten Satzes konnte Nieminen ihm wieder den Aufschlag abnehmen und ist nun auf dem Weg in Runde 2.
Bei den Damen sieht es so aus – als ob es in Runde zwei auch keinen österreichischen Vertreter mehr geben wird. Yvonne Meusburger konnte den ersten Satz nach einem wahren Breakfestival gegen Zakopalova im Tiebreak gewinnen und machte danach in Satz zwei und drei nur noch ein Game – schlussendlich doch eine klare Sache für Zakopalova. Für Österreichs Nummer 1, Sybille Bammer, sieht es momentan nicht gut aus – den ersten Satz verlor sie gegen Roberta Vinci mit 6-3.
Die Spiele der ersten Runde im Überblick:
Jürgen Melzer - Dustin Brown 6-3 4-6 6-2 6-3
Jarkko Nieminen - Stefan Koubek 6-4 7-6 5-7
Martin Fischer - Go Soeda 6-4 6-3 6-1
Sybille Bammer - Roberta Vinci 3-6
Klara Zakopalova - Yvonne Meusburger 6-7 6-1 6-0
Die Spiele der zweiten Runde im Überblick:
Jürgen Melzer – Viktor Troicki
Martin Fischer – Tomasz Belucci
Jürgen Melzer betonte bereits, dass er sich freut auf das Spiel gegen Troicki. Bisher trafen beide drei Mal aufeinander und alle Spiele konnte der Österreicher für sich entscheiden. Er merkte auch an, dass er sich sicherlich leichter tun wird als gegen Brown, da Troicki sein Tennis beibehält und nicht so viele Rhythmuswechsel drin hat. Für Martin Fischer wird es gegen Belucci ganz schwer – aber der Einzug in die zweite Runde ist ein riesen Erfolg und mit ein bisschen Glück kann er einen Satz gegen den Braslianer holen – doch für mehr wird es in meinen Augen nicht reichen.





