Wow – da hab ich mich wohl zu früh für das Spiel der Runde entschieden. Der heroische Kampf von Roger Federer gegen Alejandro Falla in allen Ehren – aber dass, was Nicolas Mahut und John Isner abliefern ist nicht in Worte zu fassen. Nach vier hart umkämpften Sätzen wurde das Spiel am Dienstag Abend unterbrochen und der fünfte und entscheidende Satz sollte am Mittwoch beendet werden – die Betonung liegt auf "sollte". Am Mittwoch betraten sie dann wieder den Platz und spielten und spielten und spielten und spielten. Kein Ende in Sicht – kurz vor 22 Uhr musste das Match dann wieder aufgrund von Dunkelheit unterbrochen werden. Der Stand zu diesem Zeitpunkt war 59 zu 59! Ein Rekord für die Ewigkeit. 877 Punkte wurden bereits gespielt und das Match dauert schon ganze 9 Stunden und 59 Minuten. Der fünfte Satz dauerte schon über sieben Stunden bis das Spiel wieder unterbrochen wurde. Am Donnerstag gab es dann die abermalige Fortsetzung. Schließlich dauerte das Spiel ganze 11 Stunden und fünf Minuten ehe sich John Isner mit 70 zu 68 im entscheidenden fünften Satz durchsetzen konnte. Der fünfte Matchball brachte die Entscheidung pro Isner – und dann wurden beide Athleten frenetisch gefeiert von den Fans – ein Rekord für die Ewigkeit!
Deutschland (6)
Nach dem Bericht am Dienstag Abend konnten Philipp Petzschner und Julian Reister noch den Einzug in Runde zwei schaffen – damit hatten wir neun deutsche Herren in der zweiten Runde der All England Championship. Philipp Petzschner schaffte fast zum dritten Mal in der ersten Runde eines Grand-Slam Turniers eine 2-0 Satzführung zu verspielen. Doch gegen Robert konnte er den fünften Satz dann doch noch gewinnen.
In der zweiten Runde gab es dann zwei positive Überraschungen aus DTB-Sicht! Nikolay Davydenko konnte seiner Favoritenrolle im ersten Satz mehr als nur gerecht werden und fegte über Brands hinweg. Doch dieser legte die Nervosität immer mehr ab und kam immer besser ins Spiel. Im Tiebreak hatte er dann in Satz zwei und drei jeweils die stärkeren Nerven und danach war die Partie gegessen – eine starke Leistung. Ebenfalls mit einer starken Leistung kam Florian Mayer in Runde drei. Auch er verlor den ersten Satz gegen Mardy Fish – welcher Rasen durchaus zu seinen Lieblingsbelägen zählt – und konnte sich dann in vier Sätzen verdient durchsetzen. Ebenfalls in der dritten Runde werden wir Philipp Kohlschreiber sehen – doch seine Leistung gegen Gabashvili war alles andere als gut. Der Überraschungsmann von den French Open ist auf Rasen nicht zuhause und hatte Kohli am Rande einer Niederlage – erst mit 9-7 konnte er sich im fünften Satz durchsetzen.
Hingegen verabschieden müssen wir uns von Benjamin Becker und Rainer Schüttler. Becker hatte gegen den stark spielenden Berdych keine Chance – doch in der Verfassung Berdych’s werden sich noch viele die Zähne an ihm ausbeißen. Nach Stan Wawrinka konnte Denis Istomin mit Rainer Schüttler nun den zweiten deutschsprachigen Spieler ausschalten. Schüttler kämpfte sich nach einem 2-0 Satzrückstand und einem Break Rückstand im dritten Satz zwar noch in einen entscheidenden fünften Satz, aber da verließen ihn dann die Kräfte und Istomin konnte diesen klar mit 6-1 für sich entscheiden.
Am Donnerstag gab es dann gemischte Gefühle bei den deutschen Herren. Andreas Beck verlor in fünf hart umkämpften Sätzen gegen den Franzosen Benneteau – doch diese Niederlage war mehr als nur überflüssig. Im vierten Satz servierte er bereits zum Matchgewinn – gab das Service ab un in Folge dessen schlug das Pendel in Richtung Benneteau. Ebenfalls verabschieden müssen wir uns von Julian Reister. Nach gewonnenem ersten Satz gegen den Belgier Malisse gab es nicht mehr viel zu holen und der Belgier konnte sich in vier Sätzen durchsetzen. Eine Runde weiter kamen jedoch Tobias Kamke - in vier Sätzen gegen den Italiener Seppi, welcher jedoch von einer leichten Verletzung beeinträchtigt war – und Philipp Petzschner. Petzsche hatte wieder hart zu kämpfen und konnte sich zum zweiten Mal in fünf Sätzen durchsetzen.
Bei den Damen gab es eine weitere positive Überraschung. Angelique Kerber konnte sich in drei Sätzen gegen die Israelin Shahar Peer durchsetzen. Dies gelang ihr sicherlich auch, weil Peer von einer Verletzung gehandicaped war – aber Kerber spielte gutes Tennis und holte sich den Sieg. Nichts zu holen gab es – wie erwartet – für Kristina Barrois gegen die belgische Ausnahmekönnerin Justine Henin.
Die Spiele der zweiten Runde im Überblick:
Tomas Berdych -Benjamin Becker 7-5 6-3 6-4
Denis Istomin - Rainer Schüttler 6-3 7-6 4-6 4-6 6-1
Daniel Brands - Nikolay Davydenko 1-6 7-6 7-6 6-1
Florian Mayer - Mardy Fish 6-7 6-3 6-4 6-4
Philipp Kohlschreiber - Teimurasz Gabashvili 7-6 5-7 2-6 7-6 9-7
Julien Benneteau - Andreas Beck 3-6 6-2 4-6 7-6 6-3
Tobias Kamke - Andrea Seppi 3-6 6-2 6-3 6-4
Xavier Malisse - Julian Reister 6-7 6-4 6-1 6-4
Philipp Petzschner - Lukasz Kubot 6-4 3-6 4-6 6-3 6-2
Justine Henin - Kristina Barrois 6-3 7-5
Angelique Kerber - Shahar Peer 3-6 6-3 6-4
Die Spiele der dritten Runde im Überblick:
Daniel Brands – Victor Hanescu
Florian Mayer – Yen-Hsun Lu
Philipp Kohlschreiber – Andy Roddick
Tobias Kamke – Jo-Wilfried Tsonga
Philipp Petzschner – Rafael Nadal
Angelique Kerber – Jarmila Groth
Ladies First – nach dem überraschenden Sieg gegen Peer hat Kerber nun gute Chancen noch eine Runde weiterzukommen. Die Australierin Jarmila Groth nimmt immer sehr viel Risiko bei ihren Schlägen und fabriziert dementsprechend viele Fehler. Doch ihr druckvolles Spiel kann auch sehr gefährlich sein. Kerber wird sicherlich eine gute Leistung abrufen müssen und dann hat sie durchaus ihre Chancen.
Bei den Herren werden wir uns wohl von Kohlschreiber verabschieden müssen - nach seiner Leistung gegen Gabashvili gebe ich ihm keine Chance gegen den letztjährigen Finalisten Roddick. Nach zwei Überraschungssiegen kann Florian Mayer nun gegen den Mann aus Taipeh, Lu, befreit aufspielen – dieses mal ist er in meinen Augen sogar der Favorit und hat sehr gute Chancen in die nächste Runde einzuziehen. Ebenfalls gute Chancen gebe ich Daniel Brands. Hanescu ist auf Rasen sicherlich zu schlagen – vor allem wenn Daniel Brands seine Leistung aus dem Spiel gegen Davydenko bestätigen kann. Tobias Kamke hat nach seinem Sieg gegen Seppi nun einen wirklich schweren Gegner erwischt. Gegen Jo-Wilfried Tsonga wird es sicherlich ganz schwer. Tsonga konnte sich zwar auch erst im fünften Satz gegen das aufstrebende Talent Dolgopolov durchsetzen aber die Leistung passte durchaus. Für Petzschner wird nun wohl Endstation sein – er trifft auf die Nummer 1 der Weltrangliste, Rafael Nadal.
Schweiz (1)
Besser – aber noch weit entfernt von einem Roger Federer in Topform! Der Auftritt in Runde zwei war zwar eine klare Steigerung gegenüber dem Spiel gegen Alejandro Falla aber überzeugen konnte er auch keineswegs. Einzig sein Aufschlag befand sich in einer sehr guten Verfassung. Aber der weitestgehend unbekannte Bozoljac konnte gegen den Rasenkönig Federer einen Satz gewinnen und hielt das komplette Match offen. Federer wirkte zum Teil sehr müde und seine Beinarbeit ließ auch arg zu wünschen übrig. Es hat den Anschein, dass irgendetwas nicht stimmt mit dem Schweizer Gentlemen – auf alle Fälle ist er weit von seiner Topform entfernt. So wird es ein sehr schweres Unterfangen, den Titel in Wimbledon zu verteidigen.
Die Spiele der zweiten Runde im Überblick:
Roger Federer - Ilija Bozoljac 6-3 6-7 6-4 7-6
Die Spiele der dritten Runde im Überblick:
Roger Federer – Arnaud Clement
Gegen Arnaud Clement wird es sicherlich auch nicht einfach – Clement findet sich bestens zurecht auf dem grünen Rasen und seine Spielweise hilft ihm auch dabei. Bereits vor einigen Jahren stand er knapp vor dem Einzug ins Halbfinale als er Matchbälle im Viertelfinale gegen Rainer Schüttler ausließ. Und der König ist zur Zeit weit von seiner Bestform entfernt – gibt es da etwa eine Chance um die große Sensation zu erreichen? Ich glaube dennoch nicht. Federer mogelt sich irgendwie durch und wird von Spiel zu Spiel besser. Zudem wird das Selbstvertrauen mit jedem gewonnenen Punkt gesteigert. Unter Umständen wird es auch Clement gelingen einen Satz für sich zu entscheiden, aber alles in allem wird sich Federer durchsetzen und die nächste Runde erreichen.
Österreich (2)
Bei den Damen sieht es für die österreichischen Fans mager aus. Sybille Bammer verlor am Dienstag Abend ihr Erstrundenspiel gegen die Italienerin Vinci klar in zwei Sätzen und somit besitzen die Österreicher mit Jürgen Melzer und Martin Fischer nur noch zwei Teilnehmer.
Und Jürgen Melzer hatte hart zu kämpfen – sehr hart! Gegen den Serben Troicki konnte er einen 2-0 Satzrückstand noch umdrehen. Troicki spielte sehr gutes Rasentennis und konnte sich auf seinen sehr guten Aufschlag verlassen. In den ersten zwei Sätzen lies er Melzer kaum Chancen im Returnspiel und konnte diese zwei Sätze dank der starken Leistung auch verdient gewinnen. Doch Melzer spielte keineswegs schlecht und machte sein Spiel weiter. Und ab dem dritten Satz wurde er dann auch für seine Ausdauer belohnt. Starke Passierbälle und ein variables Spiel waren der Ausschlag wieso er sich zurück ins Match kämpfen konnte und schließlich für sich entscheiden konnte.
Gut gespielt – viel Selbstvertrauen getankt aber dennoch ausgeschieden. Der österreichische Qualifikant Martin Fischer spielte gegen den Braslianer Bellucci eine starke Partie und hätte sogar mit 2-0 in Sätzen in Führung gehen müssen. Doch beim Service zum Satzgewinn konnte Bellucci ihm den Aufschlag abnehmen und den zweiten Satz im Tiebreak gewinnen. Im dritten Satz führte Fischer wiederum mit einem Break, konnte dies aber nicht durchtransportieren und musste den Satz im Tiebreak wieder abgeben. Danach war die Gegenwehr gebrochen und der an Nummer 24 gesetzte Braslianer konnte sich im vierten Satz klar durchsetzen.
Die Spiele der zweiten Runde im Überblick:
Jürgen Melzer - Viktor Troicki 6-7 4-6 6-3 7-6 6-3
Tomasz Bellucci - Martin Fischer 6-7 7-6 7-6 6-2
Die Spiele der dritten Runde im Überblick:
Jürgen Melzer – Feliciano Lopez
Nun winkt ein Duell mit Roger Federer - noch nie in seiner Karriere konnte Melzer gegen den Schweizer spielen. Und mit einem Sieg wäre dieses Duell zum Greifen nah. Sollten Melzer und Federer ihre Drittrundenpartien gewinnen, würde es im Achtelfinale zum ersten Aufeinandertreffen kommen. Doch zuerst muss noch Feliciano Lopez aus dem Weg geräumt werden – und dies ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. In Queens konnte Lopez sogar Rafael Nadal schlagen - der Spanier besitzt einen sehr guten Aufschlag und ist auf Rasen ein sehr unangenehmer Gegner. Jedoch scheint er nicht ganz fit zu sein – in Eastbourne musste er vergangene Woche verletzungsbedingt aufgeben. Alles in allem denke ich wird sich Melzer durchsetzen und seinen Teil dazu beitragen, dass er zum ersten Mal auf Roger Federer treffen wird.