Nachdem gestern Abend schon der erste Teil des Rückblickes online gegangen ist (Hier nachzulesen) folgt nun der Rückblick auf die untere Tabellenhälfte der österreichischen Bundesliga.
SC Magna Wr. Neustadt
Der Aufsteiger in die österreichische Bundesliga hat einen wechselhaften Herbstdurchgang hinter sich. Zu Beginn der Saison wurde das Ziel auf Platz 5 festgelegt. Momentan befindet man sich lediglich drei Punkte hinter den Riedern – und somit sollte die Stimmung beim neuen Stronach-Klub eigentlich gut sein. Zu Beginn spekulierten sogar einige Experten, dass Magna mit den Top Vier mithalten kann – doch es wurde relativ rasch klar, dass die Umstellung von Adeg-Liga auf Bundesliga doch eine größere ist, als gedacht.
Der Kader von Magna ist – dank des vielen Geldes von Magna Inhaber Frank Stronach – mit sehr vielen erfahrenen und teuren Spieler gesät. Viele Ex-Nationalspieler tummeln sich auf dem Trainingsgelände von Magna herum. Und genau diese sind dem Klub mittlerweile ein Dorn im Auge. Das beste Beispiel hierfür ist der ehemalige österreichische Torschützenkönig Sanel Kuljic. Mit 8 Toren und 6 Assists er der Toptorjäger von Magna. Doch in den letzten Spielen im Herbst durfte er nicht mehr spielen. Wieso? Der Grund ist einfach, Kuljic hat eine Klausel im Vertrag, dass sich der Vertrag nach einer gewissen Anzahl an Spielen automatisch verlängert. Und nach Meinung des Vereins verdient Kuljic zuviel und der Verein will diesen Vertrag auf keinen Fall verlängern. In den Medien war schon des Öfteren zu lesen, dass ihm ein neuer Vertrag – zu weitaus schlechteren Konditionen – vorgelegt wird, und wenn dieser nicht passt, dann darf er den Verein verlassen. Ähnlich spielt es sich bei weiteren Spielern im Kader ab (zB Yüksel Sariyar).
Doch bleiben wir beim sportlichen Aspekt. Magna ist auf fremden Platz ein gern gesehener Gast. Lediglich einen Auswärtssieg durfte man bejubeln – und dies im letzten Auswärtsspiel gegen die Mattersburger. Und in den letzten Wochen ging der Trend auch steil nach oben. Der Klub ist mittlerweile definitiv in der Liga angekommen und spielt einen sehr effektiven Fußball. Gerade beim letzten 4-0 Sieg gegen den LASK. Der LASK war klar überlegen – doch dann schlugen die Neustädter zu und gewannen souverän.
Die Stimmung sollte eigentlich recht gut sein – eigentlich! Gestern gab es den Knalleffekt. Trainer Helmut Kraft wurde gefeuert und mit der Rapid-Legende Peter Schöttel sofort ein neuer Mann vorgestellt. Laut Vereinsausagen geschah die Trennung einvernehmlich und mit Schöttel möchte man eine junge, österreichische Mannschaft aufbauen. Für den ehemaligen Rapidler ist es die erste Trainerstation im Profigeschäft und dementsprechend gespannt darf man sein wie es im Frühjahr weiter geht. Dass er mit jungen Spieler arbeiten kann, bewies er bei Rapid als er vor einigen Jahren Nachwuchsleiter und Amateurtrainer war. Doch der Trainerstuhl bei Magna ist sicherlich kein leichter und die Erwartungshaltung ist auch sehr hoch.
Prognose für das Frühjahr
Eine Prognose für Magna zu starten ist sehr schwer. Anhand der letzten Ergebnisse hat es den Anschein, dass Platz 5 durchaus wahrscheinlich ist und dass sich die Mannschaft nun akklimatisiert hat. Doch aufgrund vieler – zum Teil nicht nachvollziehbaren – Entscheidungen des Managements wird man gespannt sein wie die Mannschaft auf dem Platz agieren wird. Was passiert mit Toptorjäger Kuljic? Wird er gegangen werden? Hören die erfahrenen Spieler auf einen kompletten Trainerneuling und vor allem wie macht der Trainerneuling seinen Job? Vom Potenzial her sehe ich Magna auf Platz 5, doch momentan sind zu viele offene Fragen zu klären um eine gute Prognose abzugeben.
SV Mattersburg
Letztes Jahr noch mit sehr viel Glück dem Abstieg entronnen - in diesem Jahr spielt man einen weitaus effektiveren Fußball. In der letzten Saison hielt man an Trainer Franz Lederer fest trotz einer unglaublichen Negativserie mit über 15 Spielen ohne Sieg. In diesem Herbstdurchgang ist die Spielweise der Burgenländer zwar immer noch nicht die Schönste und nichts für Fußballfeinschmecker, doch der Erfolg gibt ihnen recht.
Erst nach einigen Spieltagen konnte der Toptorjäger und mazedonische Nationalspieler Ilco Naumoski weiter verpflichtet werden. Er dankte es mit sehr guten Leistungen und vielen Toren. Doch er ist ein Spieler der sinnbildlich für den ganzen Verein ist. Er polarisiert. Mit seinen Eskapaden am Platz und seinen großen Sprüchen bei Interviews mag ihn nicht jeder. Doch Fußball spielen kann er. Mattersburg ist eine Truppe die vor allem vom Kampf lebt und deshalb gibt es auch oftmals Spiele welche die gesunde Härte im Fußball überschreiten.
Im Sommer konnten mit Robert Waltner – dem letztjährigen Torschützenkönig aus Ungarn – und Roland Spuller (von den eigenen Amateuren) zwei wirkliche Verstärkungen geholt werden. Den Sprung in die Bundesliga hätte Roland Spuller wohl niemand zugetraut – doch der 28-jährige spielt unbekümmert und glänzt mit sehr guten Flanken. Mit Waltner konnte ein guter Sturmpartner für Naumoski gefunden werden.
Prognose für das Frühjahr
Wer die Burgenländer nicht mag – wird sie auch nie mögen. Einen schönen Fußball werden sie auch im Frühjahr sicherlich nicht zelebrieren. Der Kampf wird auch dann ganz vorne stehen. Die finanziellen Mittel für weitere Verstärkungen sind auch nicht vorhanden und somit muss Franz Lederer wohl mit dem gleichen Kader in die Frühjarhssaison gehen. Wenn im Frühjahr Kapitän Michael Mörz und Flügelspieler Cem Atan ihre normale Form erreichen, dann können die Burgenländer sicherlich noch das ein oder andere Mal überraschen. Jedoch denke ich auch, dass viel mehr als der siebte Tabellenplatz für Mattersburg nicht möglich sein wird. Positiv anzumerken ist sicherlich die Kontinuität die Präsident Pucher an den Tag legt, es wird wohl kaum einen Verein geben der im Abstiegskampf so lange auf den erfolglosen Trainer vertraut wie die Mattersburger in der letzten Saison. Und mit diesem Vertrauen kann und wird auch Franz Lederer beruhigt arbeiten können.
LASK Linz
Sekt oder Selters! Zu Beginn der Saison spielten die Linzer einen famosen Fußball. Offensive pur unter dem neuen Trainer Matthias Hamann (der Bruder von Didi Hamann). Damals spielte man auch noch einen sehr erfolgreichen Fußball. Nach acht Spieltagen hielten die Athletiker bereits bei 13 Punkten, nach 19 Spieltagen hat man nun magere 18 Punkte auf dem Konto.
Das große Problem der Linzer ist definitiv die Abwehr. Die Spiele mit dem LASK sind in dieser Saison sehr torreich. Nach 19 Spieltagen hat man ein Torverhältnis von 40 zu 52. Bereis drei verschiedene Torhüter spielten in dieser Saison (zu Beginn Siljve Cavlina bis zu seiner Verletzung, dann der junge Michael Zaglmair und nach einem 2-7 gegen den KSV wurde Jürgen Macho als vereinsloser Spieler verpflichtet und seither hütet er das Tor). Am 13ten Spieltag gab es das erste under 2.5 bei Spielen mit Linzer Beteiligung. Mit 52 Gegentreffern in 19 Spielen besitzen die Linzer die Bilanz eines Absteigers. Doch die Offensive rund um das Trio Wallner-Mayrleb-Prager ist die große Stärke. Vor allem Roman Wallner glänzt in dieser Saison auf und ist mit 14 Treffern der führende der Torschützenliste.
Ein weiteres großes Problem ist die eklatante Auswärtsschwäche. 10 Spiele, 37 Gegentore und zwei jämmerliche Unentschieden sind die Ausbeute auf fremden Platz. Am vorletzten Spieltag des Herbstdurchgangs bekam man zum ersten mal in dieser Saison weniger als drei Gegentore auf fremden Platz. (beim 1-1 gegen den designierten Absteiger aus Kärnten). Die Defensive macht eklatante Eigenfehler und lädt die Gegner förmlich zum Tore schießen ein. Die drei Torhüter konnten oftmals einem Leid tun, da sie einfach vollkommen im Stich gelassen wurden.
Prognose für das Frühjahr
Für Verstärkungen in der Defensive ist kein Geld vorhanden und somit muss Trainer Hamann mit dem selben Kader ins Frühjahr gehen und sich in der Vorbereitung vor allem der Defensive und der Auswärtsschwäche widmen. Die Linzer können froh sein, dass Kärnten keine Punkte holt und dementsprechend "ruhig" man sich auf die Frühjahrssaison vorbereiten kann. Die Spiele der Linzer sind zwar schön anzusehen, jedoch müssen diese vielen Eigenfehler abgestellt werden. Sicherlich ist es bei dem ein oder anderen Spieler auch eine Qualitätsfrage, aber wenn kein Geld da ist, muss auf diese gebaut werden. Alles in Allem finde ich Hamann einen sehr guten Trainer und ich traue ihm auch zu, dass er diese Probleme in den Griff bekommt und das man den LASK im Frühjahr wieder besser erleben wird.
SV Kapfenberg
Der letztjährige Aufsteiger vermeldete vor Saisonbeginn mit der Verpflichtung von Marek Heinz einen super Transfer. Doch bislang blieb der ehemalige tschechische Nationalspieler noch unter den Erwartungen. Sicherlich sind die Mitspieler auch nicht auf dem Niveau anzusiedeln wie seine bisherigen, doch dennoch durfte man sich von dem Tschechen mehr erwarten.
Das zweite Jahr ist bekanntlich das Schwierigste für einen Aufsteiger. Kapfenberg schlägt sich dennoch beachtlich. Im letzten Jahr hielt man nach 19 Runden bei nur 15 Punkten – in diesem Jahr sind es drei mehr. Und das obwohl ein echter Stürmer fehlt. Marek Heinz spielt mehr als hängende Spitze und erwies sich bislang nicht als Goalgetter. Pejic wurde gefeuert, Pavlov zu den Amateuren verbannt und Kozelsky spielt nicht wie ein Stürmer (3 Tore in 51 Ligaspielen, dieses Jahr in 17 Spielen 0 Tore). Lediglich der 19-jährige Deni Alar konnte vorne überzeugen. Dennoch ist man mit 3 Treffern beim KSV Toptorjäger. Damit sind die Probleme im Spiel der Steirer schnell ausgemacht. Hinten besitzt man dank der Verpflichtung von Raphael Wolf einen sehr guten Rückhalt. Vor allem beim famosen 7 zu 2 Sieg gegen den LASK zeigten die Steirer dass sie einen schönen Fußball spielen können und dass sie vollkommen zu recht in der Bundesliga spielen.
Prognose für das Frühjahr
Vor drei Jahren verschwand der KSV fast noch aus dem österreichischen Profifußball – mittlerweile ist der Verein verdientermaßen in der österreichischen Bundesliga dabei. Trainer Werner Gregoritsch macht seine Arbeit sehr gut und mit gezielten Verstärkungen (vor allem ein Torjäger) werden die Steirer auch im Frühjahr nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Zudem denke ich, dass sie das letztjährige Ergebnis von 36 Punkten übertreffen werden.
SK Austria Kärnten
7 Punkte aus 19 Spielen, 0 Auswärtspunkte. Lediglich 14 erzielte Tore. Die Bilanz ist vernichtend. Und der künstlich gegründete Klub aus Kärnten ist vor dem Aus. Der Abstieg scheint besiegelt zu sein. Mit dem Trainerwechsel von Kult-Trainer Frenkie Schinkels zum unbekannten Joze Prelogar nach 17 Spieltagen zog man die Reißlinie. Doch am Trainer lag es sicherlich nicht. Die besten Spieler kehrten Kärnten den Rücken (zum Beispiel: Zlatko Junuzovic und Haris Bukva) und neue Verstärkungen konnten nicht an Land gezogen werden. Die Qualität fehlt in jedem Mannschaftsteil um in der Bundesliga wirklich bestehen zu können. Oftmals spielte man sehr gut mit und konnte sich durch Kampf und Leidenschaft am Leben halten – doch dann gab es in jedem Spiel Eigenfehler die die ganze Arbeit zunichte gemacht haben.
Im letzten Spiel vor der Winterpause gab es eine unglückliche 1-0 Niederlage beim österreichischen Meister aus Salzburg. Erst in der 88ten Minute wurde die Partie durch ein Eigentor entschieden. Die Kärntner zeigten wiederum einen beherzten Fußball doch nach vorne fehlt eindeutig die Durchschlagskraft. Und Geld für Neuverpflichtungen ist definitiv nicht vorhanden. Zwar wurde heute schon bekannt gegeben, dass mit Martin Hiden, Marc Sand und Stephan Bürgler den Verein verlassen müssen um Gehaltskosten zu sparen aber dennoch denke ich nicht, dass Kärnten es schafft, wirkliche Verstärkungen zu holen.
Prognose für das Frühjahr
Die Ausgangssituation ist aussichtslos. Mit diesem Kader ist es fast unmöglich die Klasse zu halten. Zwar wird man auch im Frühjahr wieder bei einzelnen Spielen gut mithalten können, doch die Konstanz und die nötige Qualität fehlt einfach über einen längeren Zeitraum. 11 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer sind zudem eine große Last und sollten es die Klagenfurter echt noch schaffen – dann großen Respekt. Doch momentan glaubt niemand in Österreich, dass dies die Kärntner erreichen könnten. Jedoch heißt es bekanntlich "Todgesagte leben länger".
Das war der Rückblick auf die Herbstsaison der österreichischen Bundesliga. Ich hoffe, dass es dem ein oder anderen Leser Spaß gemacht hat!