Von Montag auf Dienstag ging die Weltmeisterschaft in Sheffield zu Ende. Der Sieger ist der Australier Neill Robertson. Der sympathische Aussie ist erst der zweite Weltmeister, welcher nicht aus Großbritannien oder Irland kommt. The Thunder from Down Under gewann in einem packenden Finale gegen Altmeister Graeme Dott mit 18 – 13. Das Finale war ein Spiel auf hohem taktischen Niveau, aber auch geprägt durch viele kleine Fehler der zwei Finalteilnehmer. Die Müdigkeit sah man beiden an und viele kleinere Konzentrationsschwächen schlichen sich ein. Der Australier konnte diese Fehler besser ausnutzen und kam schließlich zu einem verdienten Sieg – und zum erstmaligen Weltmeistertitel. Neill Robertson wanderte als 16 jähriger Junge aus und schlug seine Zelte in Großbritannien auf, um seinen Traum, Snooker Profi zu werden, verwirklichen zu können. Dabei hatte er lediglich 500 Pfund! Doch diese Mühen machten sich nun belohnt und er darf sich als Snooker-Weltmeister feiern lassen.
Doch sein Triumph wird momentan leider überschattet von schlimmen Neuigkeiten für den Sport. Die "News of the World" – eine britische Boulevard Zeitung – veröffentlichte letzte Woche ein Video und einen Bericht indem der britische Snooker Profi John Higginsund sein Manager Pat Mooney sich bereit erklärten für 300 000 Pfund in vier verschiedenen Turnieren absichtlich jeweils ein Frame zu verlieren, damit die Wettmafia davon profitieren kann. Diese Nachricht schlug natürlich ein wie eine Bombe. Die Zeitschrift engagierte drei Undercover Reporter und inszenierte ein Treffen zwischen John Higgins und seinem Manager Pat Mooney und ihren Undercover Reportern. Dieses Treffen fand in Kiew statt. Und in diesem Video erklärte sich Higgins dazu bereit, absichtlich ein Frame zu verlieren, da dies schließlich kein Problem für ihn ist. Daraufhin wurde dann auch noch die Frage ausdiskutiert wie das Geld fließen solle. Alles schon sehr detailliert. Und wie auf dem Video zu sehen ist - hier der Link - sehen Higgins und sein Berater sehr relaxed aus. Die zwei versuchten zu erklären, dass sie in Kiew um ihr Leben gefürchtet haben und deshalb auf den Deal eingegangen sind. Doch in meinen Augen sind solche Anzeichen auf diesem Video absolut nicht erkennbar und es ist doch sehr offensichtlich, dass sich Higgins und sein Manager probieren herauszureden. Natürlich gilt momentan noch die Unschuldsvermutung für die Beiden – doch die Anzeichen sind sehr eindeutig.
Sehr dubios ist auch eine weitere Ausrede von Higgins. Wie auf dem offiziellen Blog von Rolf Kalb (dem bekannten Snooker-Experten auf Eurosport) zu lesen ist:
In dem Moment hatte ich das Gefühl, es sein das Beste das Spiel mitzuspielen und so schnell wie möglich aus Russland (Anm. des Autors: kein Schreibfehler - in der Erklärung steht wirklich Russland, obwohl es doch die Ukraine war) zu verschwinden. Wer mich kennt weiß um meine Liebe zu Snooker und das ich niemals etwas machen würde, das die Integrität des Sportes beschädigen würde, den ich liebe. Mein Gewissen ist absolut rein." (Quelle: http://de.eurosport.yahoo.com/snooker/rolf-kalb/article/2462/)
Die Entwicklung ist für den Snooker Sport natürlich tragisch. In den letzten Jahren war Snooker immer mehr im Kommen und die Berichterstattung im deutschen TV war mittlerweile wirklich ansprechend. Rolf Kalb ist zudem ein super Experte und macht die ganze Sache noch einmal spannender. Solch eine Geschichte kann natürlich nun dem ganzen Sport schaden. Snooker wird nicht umsonst als Gentlemens Sport bezeichnet und nun überschattet dieser mögliche Betrug den kompletten Sport. Higgins ist natürlich bis auf Weiteres gesperrt - aber dennoch wird es lange dauern, bis die Ermittlungen beendet sind und für den aufkommenden Sport unter Umständen ein schwerwiegender Imageschaden. Zwar ist es moralisch auch fragwürdig solch eine Falle zu stellen und diese dann an die große Glocke zu hängen, doch dank der "News of the World" sieht man, wie einfach es unter Umständen wäre, so einen Deal einzufädeln. Die Gier nach Geld war/ist (natürlich gilt die Unschuldsvermutung immer noch) für John Higgins möglicherweise größer als die Liebe und Loyalität zum eigenen Sport - Schade, schade, schade!
Und natürlich ist es sehr leicht im Snooker mal ein Frame absichtlich zu verlieren. Einmal eine Kugel ein paar cm zu weit und schon ist alles vorbei – und niemand bemerkt etwas. Somit müssen auch wir – die Sportwetter – dabei sehr aufpassen und am besten die Finger von einzelnen Framewetten lassen. Da sind die normalen Siegwetten sicherlich nochmals sicherer, jedoch sind natürlich auch diese von Manipulationen nicht geschützt. Aber wegen diesem einen Versuch nun alles schwarz zu malen wäre sicherlich auch verkehrt.




